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Full text of "Die Gedichte Walthers von der Vogelweide"

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DIE GEDICHTE 

WALTHERS VON DER 

VOGELWEIDE 



HERAUSGEGEBEN 
von 

H. PAUL 



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Die Gedichte 



Weither*^ von der Vogelweide 



Herausgegeben 



Herrn an n Paul 



Fünfte Auflage 







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Halle (Saale) 

Verlag von Max Niemeyer 

1921 



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Altdeutsche toxtbibliothek, herausgegreben von H.Paul 
Nr. 1 



Vorrede zur ersten aufläge. 

Dem zwecke der Sammlung entsprechend, die mit diesem 
bände eröffnet wird, bin ich lediglich bestrebt gewesen, die 
gedichte Walthers durch eine möglichst billige und handliche 
ausgäbe leicht zugänglich zu machen. Ich mache nicht den 
ansprach, damit etwas wesentliches für die kritik und er- 
klärung geleistet zu haben. Meine arbeit hat hauptsächlich 
darin bestanden, aus der masse der aufgestellten Vermutungen 
das wenige sichere oder wenigstens plausible herauszusuchen. 

Bei der herstellung des textes habe ich mich enger 
an die handschriftliche Überlieferung angeschlossen als alle 
früheren herausgeber. Ich will damit nicht in allen fällen 
die richtigkeit derselben als zweifellos hinstellen, aber ich 
meine, daß wir immer auf einem festeren boden bleiben, 
wenn wir eine überlieferte lesart, die uns einiges bedenken 
erregt, stehen lassen, als wenn wir sie durch eine conjectur 
ersetzen, die willkürlich aus verschiedenen möglichkeiten aus- 
gewählt ist. Am wenigsten habe ich da, wo der Sinn keinen 
anstoss erregt, unerwieseneu metrischen Voraussetzungen zu 
liebe ändern mögen. In der beseitigung orthographischer 
und dialektischer eigenheiten der handschriften bin ich weiter 
gegangen als Lachmaun, um das Verständnis eines textes, 
der auch von anfängern gebraucht werden soll, nicht un- 
nötig zu erschweren. Im übrigen lege ich auf die von mir 
gewählte Schreibweise kein besonderes gewicht, da ich sehr 
wol weiss, wie wenig wir im stände sind ein abbild von der 
wirklichen spräche des dichters zu geben. Die anmer- 
kungen, die auf das knappste mass beschränkt werden 
mussten, dienen hauptsächlich dazu über die den gedichten 
zu gründe liegenden politischen und persönlichen Verhältnisse 
aufschluss zu geben. 

Die wichtigsten punkte, in denen ich in bezug auf text- 
kritik, erklärung und datierung der lieder von den bisherigen 
herausgeben! abgewichen bin, sind im achten bände der Bei- 
träge zur gesch. d. deutsch, spr. u. lit. näher erörtert. 

Freiburg i. B., october 1881. 



Vorrede zur zweiten aufläge. 

Der text dieser aufläge ist, abgesehen von berichtigungen 
der druckfehler und einigen Veränderungen der Schreibweise, 
an folgenden stellen geändert: 2 23. 28. 4 13. 14. 16. 20. 21. 
24. 28. 31 27. 33 2. 5. 14. 15. 16. 56 3. 5. 12. 17. 57 5. 12. 13. 
17. 42. 91 32. Die änderuugen sind zum grossen teile durch 
die Wolfenbütteler bniclistücke veranlasst. In der einleitung 
und den anmerkungen ist die neuere literatur nachgetragen, 
sonst war zu Veränderungen wenig anlass. Das glossar hat 
einige berichtigungen und erweiterungen erfahren. 

München, 13. october 1894. 

Vorrede zur dritten aufläge. 

Der text ist, abgesehen von notwendigen berichtigungen, 
fast unverändert geblieben. In der einleitung und in den an- 
merkungen ist die neue literatur berücksichtigt. Die zweite 
aufläge der textausgabe von Wilmauns ist mir erst zugegangen, 
nachdem der druck grösstenteils vollendet war. Für beihilfe 
bei der correctur bin ich herru dr. P. Wilhelm zu dank ver- 
pflichtet. 

München, mal 1905. 

Vorrede zur vierten aufläge. 

Die aufläge unterscheidet sich von der vorhergehenden 
nur durch kleine berichtigungen und zusätze, namentlich solche, 
die durch die neuere literatur notwendig geworden sind, 

München, jannar 1911. 

Vorrede zur fünften aufläge. 

Zu dieser aufläge gilt dasselbe wie zur vierten. Zur her- 
stellung des textes konnte ich die eigenen äugen nicht ge- 
brauchen. Unterstützt haben mich frau dr. Löwenfeld und 
fräulein Annemarie Deditius (frau dr. Köhler). Die correctur 
ist besorgt von herrn dr. Eudolf Blümel und herm dr. Arthur 
Hübscher. 

München, mai 1921. 

U. Paul. 



Einleitung. 

1. Walthers leben, i) 

Die kenntnis der lebensumstände Walthers von der 
Vogelweide verdanken wir fast auscliliesslich den an- 
deutungen in seinen gedichten. Nur wenige sonstige 
Zeugnisse stehen uns zu geböte. 



^) Gesamtdarstellungen von Walthers leben, die eine 
selbständige bedeutung in anspruch nehmen dürfen, sind die 
folgenden. L. Uhland, Walther von der Voarelweide, ein alt- 
deutscher dichter, Stuttgart 1822; wider abgedruckt in Uhlands 
Schriften zur geschichte der dichtung und sage, bd. 5, Stutt- 
gart 1870. V. d. Hagen, Minnesinger IV, 160—190. M. Rieger, 
Das leben Walthers von der Vogelweide, Giessen 1863. 
E. Menzel . Das leben Walthers von der Vogelweide , Leipzig 
1865. W. Wilmanns, Leben und dichten Walthers von der Vogel- 
weide, Bonn 1882. Neu bearbeitet unter dem titel: Walther von 
der Vogelweide, herausgegeben und erklärt von W. Wilmanns. 
Vierte vollständig umgearbeitete aufläge, besorgt von Victor 
Michels. Erster band: Leben und dichten Walthers von der 
Vogelweide, Halle 1916. A. Schönbach, Walther von der 
Vogel weide. Ein dichterleben, Dresden 1890 (populär). ^ Berlin 
1910. K. Burdach, Allgemeine deutsche biographie 41, 35 — 92. 
Derselbe, Walther von der Vogelweide. Philologische und 
liistorische forschungen I, Leipzig 1900. Ders., Der mythische 
und der geschichtliche Walther = Deutsche rundschau 113, 
38—65. 237 — 256 (Was Burdach neues bringt, scheint mir 
grösstenteils entweder verfehlt zu sein oder nur den wert von 
Vermutungen zu haben, weshalb es auch von mir nicht überall 
berücksichtigt ist. Vgl. die anzeigen von Hampe, Archiv f. 
d. stud. der neueren spr. 109, 152 und von Dieterich. Literaturbl. 
f. germ. u. rom. philol. 1903, 269). Const. Heisterbergk, 
W. V. V., Dresden 1910 (populär mit Auswahl in Original 
und Übersetzung). R. Wustmann, W. v. d. V., Strassburg 
1912 (verfehlt). Man vgl. ausserdem die einleitungen zu den 
ausgaben von Pfeiffer und Wilmanns. Mit einzelnen umständen 
in Walthers leben und der Chronologie seiner gedichte be- 
schäftigen sich 0. Abel, Zschr. f. deutsches altert. IX, 138. 

Walth. V. d. Vogelweide. 5. aufl. 1 



lieber sein gelturtsjahr können wir nur auf grund 
späterer feststehender daten aus seinem leben eine un- 
gefähre Vermutung wageu. Wir werden dadurch auf 
ca. 11 60 — 70 geführt. Seine heimat hat man in den 
verschiedensten gegenden Deutschlands gesucht; so in 
der Schweiz 1), in Franken'^), in Oestreich^), in Böhmen*). 
Mit besonderer entschiedenheit ist die ansieht geltend 
gemacht, dass er aus Tirol stamme, wo an mehreren 
örtlichkeiten der name Vogelweide haftet. Zuerst ent- 
schied sich Pfeiffer ■>) für ein Vogelweide , das er in 
einem unter der regierung des grafen Meinhard von 
Tirol (t 1295) geschriebenen urharbuche nachwies, und 
das im Eisack- oder oberen Wiptale zwischen Schellen- 
berg und Mittenwalde gelegen haben muss. Später 
wurden ansprüche erhoben für den Innervogelweiderhof 
im Layener Ried, ö) Indessen ist Vogelweide als orts- 
nnd Personenname und das davon abgeleitete Vogel- 



Wilmanns ib. XIH, 249. Nagele, Germania XXIV, 151. 298. 
XXXII, 165. 257 (wertlos) , dazu noch ein progr. der staats- 
oberrealschule zu Marburg a. D. : Studien zu Walther von der 
Vogelweide (1892). Paul, PBB VllI, 161. P. Apetz, Chrono- 
logische begrenzung der von Walther von der Vogelweide in 
seinen Sprüchen verwandten töne, .Jenaer diss. 1881. P. Walther, 
Germ. XXXII, 197. 299 (wertlos). Koppmann, Germ. XXXVI. 258 
(verfehlt). Rieger, Zschr. f. d. altert. 47, 225. Singer, PBB 
44. 451. G. van Poppel, Realien zu Walther von der Vogel- 
weide, Neopbilologus 2, 190. Ausserdem vgl. man die an- 
merkungen zu den ausgaben von Lachmann, Pfeiffer und 
Wilmanns und zu der Übersetzung von Simrock. ' ) Zuerst 
Waser in seiner ausgäbe von Stumpfs Schweizerchronik vom 
jähre 1606. In neuerer zeit H. Kurz, Ueber Walthers von der 
Vogelweide heimat und herkunft, Aarau 1863. ^) Oberthür, 
Die minue- und meistersinger aus Franken, Würzburg 1818, 
s. 80. Wackernagel in den anmerkungen zu Simroeks Über- 
setzung II, 194. Pfeiffer, Germania V, 1. ^) Lachmann zu 
34, 18 und 124, 7 seiner ausgäbe (erst in der zweiten aufläge). 
Vgl. Lambel, B!l. des Vereins für landeskunde in Niederöster- 
reich. NF. 26, 1-50. 224-292. 27,110—127. 28,24 — 65. 
*) H. Kaliwich, Böhmen die heimat Walthers von der Vogel- 
weide? (Mitt. d. Vereins f. gesch. der Deutschen in Böhmen 
32. 93 und besonders, Prag 1893). ^) In der einleitung zu 
seiner ausgäbe s. XIX, sechste aufl. s. XXV. ") Zuerst von 
A. Spiess und J. Haller. Vgl. über diese Ansprüche besonders 



weider als personenname anch anderweitig nachzuweisen i), 
und die sonst für Tirol geltend gemachten gründe sind 
nicht stichhaltig. 2) Wir müssen eingestehen, dass uns 
die heimat des dichters unbekannt ist. 

Walther stammte wahrscheinlich aus einem dienst- 
mannengeschlechte. Dass er die ritterwürde erworben 
hat, ist an sich nach der sitte der zeit wahrscheinlich. 
Es würde sich mit Sicherheit aus 2, 3. 3, 3. 4, 3 unserer 
ausgäbe ergeben, wenn die echtheit der betreffenden 
lieder über allen zweifei erhaben wäre, und wenn wir 
sie mit notwendigkeit auf ein reales liebesverhältnis des 
dichters beziehen müssten. Schwerlich aber würde ihm 
sonst der titel herre übereinstimmend von den Zeit- 
genossen und den jüngeren ihm der zeit nach noch nicht 
zu fern stehenden dichtem und handschriftenschreibern 
beigelegt sein, noch weniger würde er sich selbst den- 
selben angemasst haben. Denn, dass er einer freiherr- 
lichen familie entstammt wäre, wonach ihm dieser titel 
von geburt zugestanden hätte, ist doch wohl aus- 
geschlossen. Irgend ein besitztum oder lehen scheint 
er von hause aus nicht gehabt zu haben. Er war auf 
die gnade anderer angewiesen. 

Sein bildungsgang wird der gewöhnliche eines 
ritters gewesen sein. Es ist nicht wahrscheinlich, dass 
er schulmässig in der gelehrsamkeit der zeit unter- 
richtet ist .3) Es kann sein, dass er nicht einmal lesen 



P. Anzoletti, Zur heimatfrage Walthers von der Vogelweide, 
Bozen 1876 u. Walther von der Vogelweide und der Inner- 
vogelweiderhof bei Klausen in Tirol (Progr.), Bozen 1890. 
0. Redlich, Mitteilungen des inst. f. österr. geschichtsforschung 
Xni, 160. J. Zingerle, Germania XX. 257. Ficker ib. 271. 
Klaar. Mitt. des Instituts f. ö.str. geschichtsforsch. 6, 265. 
0. V. Zingerle, Ueber unbekannte Vogelweidhöfe in Tirol, Inns- 
bruck 1909. 1) Vgl. Scheins, ZfdA XIX, 239. J.M.Wagner, 
ib. Palm , Zfdph V, 208. Ed. Jacobs, Beiträge zur deutschen 
Philologie (Halle 1880;, s. 205. Wolkan, Germ. XXXI , 481. 
ß. Müller, Blätter des Vereins für landeskunde von Xieder- 
österreich, NF. XXII, 196. Lambel, ib XXVI, 5 ff. =•) Vgl. 
Schönbach, AfdA IV, 6; Zarncke, PBB 11,574. ») Anders 
Burdach, Walther, s. 28 und Wilmanns- Michels s. 74 ff. 



und schreiben gelernt hat. Die paar lateinischen brocken, 
die bei ihm vorkommen, und die theologische gelehr- 
samkeit seiner religiösen dichtungen waren geraeingut, 
das man sich auch ohne schule aneignen konnte. 

Walther sagt 75, 138, dass er in Oesterreich die 
sangeskunst erlernt habe. Sein hauptlehrer darin (an 
einen förmlichen Unterricht werden wir allerdings nicht 
zu denken haben) war Reinraar, zum unterschied von 
andern dichtem des gleichen namens „der alte" bei- 
benannt, welcher identifiziert zu werden pflegt mit „der 
von liagenan", die Gottfried von Strassburg in seinem 
Tristan 4777 ff. als die erste unter allen nachtigallen, 
d. h. unter allen minnesingern preist. Reinmar lebte 
am östreichischen hofe in einer Stellung, die wir wohl 
als die eines hofdichters bezeichnen können. In eine 
ähnliche Stellung scheint auch Walther eingetreten zu 
sein. Er war so in der ersten zeit seiner dichterischen 
tätigkeit der sorge um seinen unterhalt enthoben, indem 
ihm alles, was er brauchte, von dem herzöge zu teil 
ward. Wann Walther zuerst nach Wien gekommen 
ist, lässt sich nicht ausmachen. 68, 13 erwähnt er 
Friedrich von Oestreich (1194 — 98) als seinen gönner. 
Es ist aber wahrscheinlich, dass er schon unter dessen 
vater, Leopold VI., am hofe geweilt hat. In dem liede 
92, 1 rechnet er vierzig jähre oder noch mehr, während 
deren er von minne gesungen habe. Wir können dies 
lied aber nicht bestimmt datieren, sondern eben nur 
aus dieser äusserung schliessen, dass es den spätesten 
lebensjahren des dichters angehören muss, wozu der 
ganze ton stimmt, i) Nach der Stellung, welche Walther 
in der entwicklung der lyrik einnimmt, ist es nicht 
wohl gestattet den anfang seines dichtens viel über 1190 
hinaus zurückzuschieben. 



') Ohne zureichenden grund setzt es Rieger (Leben 
Walthers s. 75 ff.), dem früher auch Wilmanns beistimmte, in 
das jähr 1217, was einen so frühen anfangspunkt für die dich- 
terische tätigkeit Walthers ergeben würde, wie er mit dem, 
was wir sonst von der entwicklung des minnesanges wissen, 
nicht zu vereinbaren ist. 



Herzog Friedrich starb am 15. oder 16. april in 
Palästina. Ihm folgte sein bruder Leopold VII. Zwischen 
diesem und Walther scheint ein missverhältnis bestanden 
zu haben, wovon wir die Ursache nicht kennen. Denk- 
bar wäre es, dass Reinmar dazu beigetragen hat, zu 
dem Walther in ein feindseliges Verhältnis geraten war, 
wie aus den ihm gewidmeten klagestrophen (71, 1) 
hervorgeht. In folge davon war es für Walther un- 
möglich, länger in dem früheren Verhältnisse in Wien 
zu bleiben, und er sah sich genötigt anderswo ein unter- 
kommen zu suchen. Da er 68, 13 den tod Friedrichs 
als den anfangspunkt seines Unglücks bezeichnet, so 
müssen wir wol annehmen, dass er Wien erst verlassen 
hat, nachdem die nachricht von diesen trauerfall dort 
angelangt war. Möglich ist es allerdings, dass er schon 
vorher einmal einen ausflug von da unternommen hat. 

Walther ergreift jetzt, soviel wir wissen, als der 
erste unter den ritterlichen dichtem, das gewerbe eines 
fahrenden spielmanns. ') Als solcher treibt er sich mehr 
als zwanzig jähre lang in den verschiedensten gegenden 
umher. 75, 161 bezeichnet er die flüsse Seine und Mur 
(in Steiermark), Po und Trave als grenzen, innerhalb 
deren er das leben der menschen beobachtet habe. 
52, 30 spricht er sogar von vielen ländern, die er ge- 
sehen habe, und räumt Deutschland den vorzug vor 
allen ein. Der ausdruck ist wol etwas übertrieben, um 
die ehre Deutschlands kräftiger hervortreten zu lassen. 
Wir sind ausser stände die ganzen Wanderungen des 
dichtere im einzelnen zu verfolgen. Dazu reichen die 
mannigfachen anhaltspunkte doch nicht aus, die uns 
allerdings durch seine gedichte geboten werden. Die 
darin enthaltenen andeutungen sind vielfach zu un- 
bestimmt und für uns nicht mehr verständlich. Wir 
sind ja aber auch gar nicht berechtigt zu erwarten. 



•) Anders fasst Burdach, Walther s. 38 ff. die Stellung 
des dichters während dieser periode auf. Er nimmt au, dass 
er nach und nach zu verschiedenen fürsten in ein kündbares 
Vasallen Verhältnis getreten sei. 



dass er auf jeden einigermassen wichtigen umstand 
seines lebens irgendwo anspielen müsste. Von vorn- 
herein muss es als verfehlt betrachtet werden, wenn 
man, wie es gewöhnlich geschieht, die Wanderungen 
Walthers und seine beziehungen zu fürstenhöfen auf 
denjenigen kreis einschränkt, auf den wir durch die 
erhaltenen gedichte gewiesen werden. Das einzige, erst 
neuerdings bekannt gewordene, anderweitige zeugnis 
über Walthers Wanderungen in dieser periode zeigt ihn 
uns im jähre 1203 an einem orte und in einer be- 
ziehung, wovon bis dahin niemand etwas vermuten 
konnte. Es ist sehr geeignet die übliche art sein leben 
zu konstruieren zu diskreditieren. 

Walther hat an mehreren höfen längere zeit verweilt 
und vielleicht hier und da auf ein dauerndes Verhältnis 
gerechnet. Dass er aber irgendwo jähre lang hinter- 
einander sich aufgehalten habe, ist eine zwar nicht 
widerlegbare, aber auch nicht beweisbare annähme. 
Seine normale läge stellt er 75, 77 und 76, 38 aus- 
drücklich so dar, dass er von tag zu tag genötigt sei 
sein quartier zu wechseln. Den versuch Walthers 
lebensjahre auf einen thüringischen, meissnischen, öst- 
reichischen etc., auf enthalt, respektive mehrere thü- 
ringische, östreichische auf enthalte zu verteilen, hätte 
man niemals machen sollen Ich verzichte auf eine 
derartige Chronologie, indem ich die höfe aufzähle, zu 
denen sich eine beziehung Walthers für diese periode 
nachweisen lässt. 

Ich beginne mit dem deutschen königshofe. Gleich 
nachdem er Oestreich verlassen hatte, scheint sich 
Walther zu Philipp von Schwaben gewendet zu haben, 
in dessen Interesse er bereits den spruch 67, 1 ge- 
dichtet hatte. Er war zugegen wahrscheinlich bei der 
ersten krönung Philipps am 8. sept. 11,98 (68, 1) und 
sicher bei dessen Weihnachtsfeier in Magdeburg 1199 
(68,2.5). Aus 68,13 geht hervor, dass er geradezu 
unter das hofgesinde Philipps aufgenommen war. Das 
Verhältnis könnte nicht von langer dauer gewesen sein, 
wenn die annähme richtig wäre, dass er schon im jähre 



1200 wider den Wiener hof aufgesucht hätte, doch könnte 
der betreffende Aufenthalt erst in das Jahr 1203 fallen 
(vgl. zu 69, 1); für das jähr 1203 ist uns sicher bezeugt, 
dass er nicht mehr in der Umgebung Philipps weilte, 
sondern auf der Wanderschaft begriffen war. In den 
neuerdings aufgefundenen reiserechnungen') Wolfgers 
von Ellenbrechtskirchen, bischofs von Passau, seit 1204 
Patriarchen von Aquileja, findet sich unter andern aus- 
gaben auch folgende verzeichnet: Sequenti die apud 
Zeize . . . Walthero cantori de Vogelweide pro pellicio 
.F. soL Jongos. Walther erhält also vom bischof fünf 
solidi zur anschaffung eines pelzkleides geschenkt. Hinter 
Zeiee ist ein stück fortgerissen; nach den voranstehenden 
und folgenden Ortschaften kann es nicht zweifelhaft 
sein, dass wir es zu Zeizemurum zu ergänzen haben. 
Zeizemüre, jetzt Zeiselmauer, liegt am rechten uEer der 
Donau zwischen Tulln und Klosterneuburg. Eine 
weitere Untersuchung über die rechnungen ergibt, dass 
die Schenkung am 12. nov. 1203 erfolgte. 2) Hieraus 
erhellt die Unrichtigkeit der früher gangbaren annähme, 
dass sich Walther um diese zeit noch an dem hofe 
Philipps befunden habe. In Philipps Interesse dichtete 
er noch nach dem 29. juni 1201 den spruch 67, 25. 
Zwei ermahnungen an Philipp, die wahrscheinlich einer 
späteren zeit angehören (68, 37. 70% 1) zeigen ihn 
nicht gerade in des königs dienste. 



') Zuerst entdeckt von A. Wolf im communicalarchiv zu 
Cividale und vollstäudig veröffentlicht von J. Zingerle, Eeise- 
rechnungen Wolfgers von Ellenbrechtskirchen, bischofs von 
Passau, Patriarchen von Aquileja. Heilbronu 1877. Vgl. die 
frühere abhandlung von Zingerle in der Germania XXI, 193. 
^) So hat Zingerle zuerst den termin bestimmt. Winkelmann in 
der Germania XXIII, 236 ff. nimmt das jähr 1199 an. Dagegen 
ist Zarncke in den berichten der könijrl. sächs. gesellschaft 
der Wissenschaften, phil.-hist. classe 1878 für die ansetzung 
Zingerles eingetreten. Vgl. noch gegen Zarncke für Winkel- 
mann die abhandlung von A. Nagele, Germania XXIV, 892 ff. 
und dagegen wider Zarncke. ebenda XXV, 71. Dazu jetzt 
die ausführliche Untersuchung von P. Kalkhoff, Wolfger von 
Passau 1190 — 1204, Weimar 1882 (Strassburger diss.). 



Nach Philipps tode hat sich auch Walther der all- 
gemeinen anerkennung Ottos nicht entzogen. In per- 
sönliche beziehung zu diesem scheint er erst nach 
dessen rückkehr aus Italien im märz 1212 getreten zu 
sein. Der spruch, mit welchem er den heimkehrenden 
begrüsst (73, 1), scheint der erste unter den in Ottos 
interesse verfassten zu sein. Beweisen lässt es sich 
freilich nicht, dass nicht auch einige schon gedichtet 
sein können, während Otto noch in Italien weilte. Otto 
war am 4. Oktober 1209 zum kaiser gekrönt, aber bald 
darauf in folge eines angriffs auf das königreich Sicilien 
mit papst Innocenz zerfallen. Dieser sprach am 18. nov. 
1210 den bann über ihn aus und reizte die deutschen 
fürsten zum abfall von ihm. Eine fürstenversammlung 
zu Nürnberg beschloss im September 1211 die erhebnng 
Friedrichs von Sicilien zum deutschen könig. Ottos 
rückkehr brachte die aufrührer zunächst wieder zur 
Unterwerfung. Aber als Friedrich, der an ihn ergangenen 
auff orderung folgend, im sept. 1212 in Deutschland 
erschien, fiel ihm rasch ein grosser teil der fürsten zu. 
Am 5. dec. ward er zu Frankfurt gewählt und am 9. dec. 
zu Mainz gekrönt. In dem kämpfe der beiden parteien 
vertritt Walther energisch die sache des kaisers gegen 
den papst. Hierher gehören die Sprüche 73, 13 — 48 

75, 1 — 70 und wahrscheinlich auch 69, 46. Die spitze 
kehrt sich dabei überall gegen den papst und die geist- 
lichkeit, die person Friedrichs wird nirgends angegriffen. 
Wir wissen nicht, ob sich Walther während dieser po- 
litischen tätigkeit dauernd in der Umgebung Ottos auf- 
gehalten hat. Jedenfalls ward sie nach seiner eigenen 
auffassung im dienste Ottos ausgeübt, und er hielt sich 
für berechtigt, eine belohnung dafür zu verlangen. Seine 
bitte ihm ein heimwesen zu verschaffen (75, 71)0 blieb 
erfolglos. Mit entrtistung über den undank Ottos (vgl. 

76, 1 — 20) wendet er sich schliesslich wie fast alle 



•) Dass es Otto ist, an den sie gerichtet ist, steht aller- 
dings nicht vollkommen fest, aber der hinweis auf das schach 
scheint auf die bedrohung durch einen gegenkönig zu deuten. 



früheren anhänger desselben von ihm ab und tritt zu 
Friedrich über. Kurze zeit vor den übertritt gehört 
vielleicht die Strophe 70^, 15, in der sich schon Un- 
zufriedenheit mit der politik Ottos ausspricht. 

Friedrich zeigte sich gleich im anfang freigebig 
gegen den dichter, welcher selbst bekennt, dass er noch 
durch nichts eine belohnnng von ihm verdient habe 
(76, 3). Diese gunstbezeugungen scheinen aber vorüber- 
gehend gewesen zu sein, und wir sehen auch nicht, dass 
Walther dem könige in den ersten jähren durch seine 
tätigkeit irgend etwas genützt hat, worauf er höhere 
ansprüche hätte begründen können. Erst kurz vorher, 
ehe Friedrich zur kaiserkrönung nach Italien zog (im 
frühling 1220), zu einer zeit, wo er Walthers dienste 
sehr gut brauchen konnte, scheint sich dieser an ihn 
mit der nämlichen bitte gewendet zu haben, die ihm 
früher von Otto abgeschlagen war (76, 31). Er erhielt 
einen lehen von Friedrich, wofür er seinen dank mit lautem 
jnbel ausspricht (76, 41). Bald darauf jedoch klagt er, 
dass ihm nichts davon übrig bleibe, womit er den 
zehnten bezahlen könne, i) Jedenfalls aber hatte er 
nun eine gesicherte existenz, und die periode der un- 
steten Wanderschaft war abgeschlossen. Auf grnnd der 
nachrichten über Walthers grabmal hat man vermutet, 
dass sein lehen in Würzburg gelegen habe. 

Wenden wir uns jetzt zu den sonstigen beziehungen 
Walthers in diesem Zeiträume, so ist zunächst hervor- 
zuheben, dass er, wenngleich er den Wiener hof als 
dauernde heimat hatte aufgeben müssen, doch wiederholt 
auf kürzere oder längere zeit dahin zurückgekehrt ist. 2) 
Diesem hofe wider anzugehören ist nach einer undatier- 
baren Strophe (71, 53) eins von den drei hauptzielen 
seiner Sehnsucht. Nach einer anderen undatierbaren 
Strophe (75, 111) ist Leopolds hof einer von den dreien, 



') Wenig wahrscheinlich ist die abweichende auffassung 
von Burdach, Walther s. 40. 82. ") Vgl. Wackemell, Walther 
von der Vogelweide in Oestreich. Innsbruck 1876. Dazu 
Schönbach, AfdA IV, 1. WackemeU, Zfdph XI, 62. 



iü 

wo ihm stets ein unterkommen gesichert ist. Daraus 
lässt sich wol auf ein häufigeres ab- und zugehen 
Walthers schliessen. Als er mit seinem höfischen ge- 
sange kein gehör mehr finden kann, wendet er sich 
an Leopold als seine letzte Zuflucht (75, 121. 131). 
Die bitte an den freigebigen herzog auch seiner zu 
gedenken (69, 16) und der vergleich zwischen dem 
früheren glänze und dem dermaligen verfall des hofes 
(69, 31) werden jetzt gewöhnlich noch in die zeit von 
Walthers ständigem aufenthalt in Wien gesetzt, sind 
aber wahrscheinlich bei späteren besuchen entstanden. 
Bestimmtere anhaltspunkte für die Zeitbestimmung geben 
uns 69, 1. 75, 141. 76,21. 69, 1 könnte 1200 oder 
1203 verfasst sein (s. die anm). 76, 21 ist zur be- 
grüssung des herzogs bei seiner rtickkehr vom kreuz- 
zuge verfasst, aus 75, 141 geht hervor, dass Walther 
sowohl zu einer zeit, wo Leopold die kreuzfahrt noch 
nicht angetreten, aber schon beschlossen hatte, als auch 
einige zeit nach seiner rückkehr in Wien gewesen ist. 
Daraus folgt aber nicht, dass er auch in der ganzen 
Zwischenzeit während der abwesenheit Leopolds dort 
verweilt hat. Leopold brach im juni 1217 nach Pa- 
lästina auf und kehrte im juli 1219 zurück. Indessen 
muss bemerkt werden, dass sich die beiden Sprüche 
auch auf den kreuzzug beziehen können, den Leopold 
im jähre 1212 gegen die spanischen Saracenen und die 
Albigenser unternahm. Er entledigte sich damit eines 
gelübdes, von dem schon in einem an ihn gerichteten 
schreiben des papstes vom 25. febr. 1208 die rede ist, 
wobei es ursprünglich und noch im jähre 1210 auf eine 
fahrt nach Palästina abgesehen war. Die Sparsamkeit 
Leopolds, auf die 75, 141 gedeutet wird, lässt sich 
demnach schon auf die zeit von 1208 an beziehen. 
Noch ist ein an Leopold gerichteter spruch zu erwähnen 
(75, 151), welchen Lachmann als den ausdruck eines 
definitiven Zerwürfnisses zwischen diesem und dem dichter 
auffasst und daher als den letzten auf den östreichischen 
hof bezüglichen spruch betrachtet. Man kann dabei 
aber auch an einen harmlosen scherz denken, und dann 



11 

fehlt jeder anhält zu einer Zeitbestimmung. Ein aufent- 
halt Walthers in Oestreich ist uns endlich durch die 
reiserechnungen Wolfgers (vgl. oben s. 7) für den 12. 
nov. 1203 bezeugt. Es ist wahrscheinlich, dass er sich 
damals auf dem wege von Wien befand. 

75, 111 ff. preist Walther neben Leopold zwei 
andere gönner, bei denen ihm stets ein unterkommen 
gesichert ist. Den einen bezeichnet er als den veter, 
d. h. nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch oheim 
Leopolds. Gemeint ist wahrscheinlich herzog Heinrich, 
bruder Leopolds VI., der zu Mödling seinen sitz halte, 
gestorben 1223. Dass mit dem hiderlen loatriarken 
Berthold von Andechs, seit 1218 patriarch von Aqui- 
leja, gemeint sein müsse, ist eine annähme, die man ohne 
grnnd immer widerholt hat. Es liegt näher an seinen Vor- 
gänger Wolfger zu denken, zumal da jetzt bezeugt ist, 
dass derselbe schon als bischof von Passau den dichter 
beschenkt hat. Ein anderer benachbarter fürst, dessen 
freigebigkeit Walther häufig erfahren hat (nach 75, 91), 
ist der herzog von Kärnten (Bernhard 1202 — 56). 
Aber dass er sich längere zeit hinter einander an dessen 
hofe aufgehalten habe, ist aus den beiden auf ihn be- 
züglichen Strophen (75, 91. 101) nicht zu schliessen. 

Neben dem Wiener ist es der glänzendste unter 
den deutschen höfen dieser zeit, der des landgrafen 
Hermann von Thüringen, an welchem Walther am 
meisten verweilt zu haben scheint. Wir haben darüber 
ausser seinen eigenen gedichten das zeugnis Wolframs 
von Eschenbach. Dieser beschwert sich in seinem 
Parzival über die vielen unwürdigen unter dem hof- 
gesinde Hermanns und fährt dann fort (297, 24): des 
muoz her Walther singen 'giioten tac, hoese unde guot'; 
offenbar der anfang eines verlorenen liedes, das Walther 
am Thüringer hofe vorgetragen hat. Die zeit, in 
welcher Wolfram diese anspielung machte, lässt sich 
ungefähr danach bestimmen, dass er an einer späteren 
stelle (379, 17) von den noch sichtbaren spuren der 
Verwüstung des Erfurter Weingartens spricht. Diese 
Verwüstung war offenbar die folge der kämpfe des 



12 

Jahres 1203, in welchem Erfurt durch Philipp ein- 
genommen wurde, der dann darin von den anhängern 
Ottos belagert wurde. ') Da demnach diese stelle nicht 
lange nach der belagerung gedichtet ist, so ist auch die 
frühere spätestens nicht lange nach derselben entstanden, 
vielleicht sogar noch etwas eher. Da wir nun Walther 
im nov. 1203 in Oestreich finden, so ist sehr wahr- 
scheinlich, dass er schon vorher einmal am Thüringer 
hofe verweilt hat. 2) Dass er mehrmals dort war, geht 
aus 75, 84 klar hervor. Nach dem ersten, vielleicht 
nur kurzen, chronologisch nicht genauer bestimmbaren 
aufenthalte scheint die Schilderung des hofes entworfen 
zu sein, die 68, 49 gegeben wird. Bei einem späteren 
aufenthalte bezeichnet sich der dichter als ingesinde 
des landgrafen (75, 81j; das deutet auf längeres ver- 
weilen. Nach Eisenach weisen noch die Spottgedichte 
auf Gerhard Atze (71, 66. 72, 1). Walthers freund- 
schaftliche beziehung zu Hermann zeigt die fürbitte, die 
er im jähre 1212 für ihn bei Otto einlegt (74, 29). 

Engere beziehungen hat Walther auch zu dem 
Schwiegersohne Hermanns, dem markgrafen Dietrich IV. 
von Meissen (1195 — 1220), gehabt. Im Interesse des- 
selben wirkt er bei Otto IV. nach dessen rückkehr aus 
Italien (73, 10). Vielleicht hat er sich unmittelbar 
vorher an Dietrichs hofe aufgehalten. Dieser bringt 
ihm ein problematisches geschenk aus Franken (70^, 1), 
vielleicht bei der rückkehr nach hause, wo er Walther 
gelassen hatte; notwendig ist das aber nicht aus den 
Worten zu schliessen. Später beschwert sich Walther 
über die Undankbarkeit des Meissners 74, 1 — 28. Auf 
aufenthalt in Meissen deutet die erwähnung des klosters 
Tolerlü (55, 35). 

Die beziehung zu dem grafen von Katzenellen- 
bogen (78, 1. 9) setzt man gewöhnlich in die zeit nach 
der belehnung Walthers, aber ohne zureichenden grund. 

') Burdach, Walther s. 60 nimmt beziehung auf die 
kämpfe des Jahres 1204 an. Es lässt sich abernicht nachweisen, 
dass Erfurt unter denselben derart gelitten hätte wie 1203. 
'") Vgl. WackerneU, Germania XXII, 280. 



13 

Die alt, wie sich dieser um des grafen gunst bemüht, 
weist eher auf eine zeit, wo er derselben noch recht 
bedtirftig war. Es ist daher auch nicht ganz sicher, 
dass Diether II. gemeint ist und nicht vielmehr etwa 
sein Vorgänger Diether I. Wann Walther den 77, 1 
erwähnten abstecher nach Tegernsee gemacht hat, lässt 
sich nicht bestimmen. Die beziehung zu dem herzog 
Ludwig von Baiern, die man nach 70*^, 3 angenommen 
hat, ist höchst problematisch. 

Indem Walther das lehen von Friedrich erhielt, 
übernahm er damit wol, wenn auch nur stillschweigend, 
die Verpflichtung fortan in dessen interesse tätig zu sein. 
Dazu war zunächst durch den beabsichtigten kreuzzug 
veranlassung gegeben. Friedrich hatte bei seiner krönung 
zu Aachen am 25. juli 1215 das kreuz genommen. 
Nach widerholtem aufschub des termins brach er im 
angust 1220 nach Italien auf, zunächst zur kaiser- 
krönung, die am 22. nov. durch papst Honorins voll- 
zogen wurde. Der kreuzzug sollte sich ursprünglich 
gleich daran anschliessen, wurde aber weiterhin zu 
widerholten malen aufgeschoben. Wahrscheinlich kurz 
vorher, ehe Friedrich nach Italien aufbrach, ist str. 76, 61 
gedichtet gegen die gegner des königs, durch die ihm 
mannigfache hemmnisse in den weg gelegt wurden. 
Vielleicht wurde sie auf dem hoftage zu Frankfurt im 
april 1220 vorgetragen. Erst nach der kaiserkrönung 
sind 73, 49 und 61 gedichtet. Wenigstens werden sie 
mit grösserer Wahrscheinlichkeit auf Friedrich als auf 
Otto bezogen. Auch 78, 17 ff. weist in die zeit des 
bevorstehenden kreuzzuges, ohne dass sich eine nähere 
bestimmung geben liesse. 

Dass sich Walther während des kaisers abwesenheit 
in Italien eifiig um die politischen angelegenheiten 
kümmerte, kann wol aus 79, 9 ff. gefolgert werden. Er 
pflegte danach die hoftage zu besuchen. Vom kaiser 
wird er geehrt durch Übersendung eines geschenkes, 
welches allgemeinen neid erregt (79, 1). In einem 
nahen Verhältnis steht er zu erzbischof Engelbert von 
Köln, der von Friedrich vor seinem abgange als vormund 



14 

seines sohnes Heinrich und Joiter der regierung in 
Dentscliland bestellt war. i) Die rücksichtslose ge- 
rechligkeitspflege, durch welche derselbe die Ordnung 
aufrecht erhielt, zog ihm viele feinde zu. Diesen an- 
feindungen gegenüber preist ihn Walther in str. 79, 17. 
Nach 70, 25 ff. hat er von ihm einen schwierigen auf- 
trag erhalten, dem er sich bei aller kunst, über die er 
verfügt, nicht gewachsen fühlt. Worin derselbe bestand, 
ist nicht ersichtlich. Nach der ermordung Engelberts 
durch seinen neffen Friedrich von Altena-Isenburg und 
dessen helfershelfer (7. nov. 1225) widmet ihm Walther 
einen nachruf mit starken Verwünschungen des mörders 
(79, 33). 

Die letzten datierbaren dichtungen Walthers be- 
schäftigen sich wider mit dem kreuzzuge. Als Friedrich 
im jähre 1227 ernstliche anstalten zur Sammlung eines 
kreuzheeres macht, unterstützt er ihn. Er ermahnt den 
landgrafen Ludwig von Thüringen, der dem kaiser das 
beer aas Deutschland zuführen sollte, zur eile (79, 41). 
Ludwig zog am 24. juni von Eisenach aus und langte 
im juli bei dem kaiser an. Der bann, den Gregorius IX. 
am 29. sept. über Friedrich aussprach, gab dem dichter 
von neuem gelegenheit im interesse des letzteren gegen 
die kurie zu wirken. Er ermahnt ihn den kreuzzug 
schleunigst auszuführen und sich durch nichts iire 
machen zu lassen (79, 57), fordert die räche gottes 
heraus gegen die christlichen gegner Friedrichs, die ihn 
jetzt hindern wollen dem heiligen lande zu hilfe zu 
kommen (79, 49), klagt wider wie früher über das ver- 
derben, welches der weltliche besitz über die kirche 
gebracht hat (79, 65), nnd bedroht die geistlichkeit mit 
angriffen auf das kirchengut (70, 73). Während in 
diesen gedichten mehr die politische Parteinahme in den 



*) A. Daffis in seiner schrift 'Zur lebensgeschichte 
Walthers von der Vogelweide (Berlin 1854)' hat die be- 
hauptung aufgestellt, dass Walther dem erzbischof als er- 
zieher des jungen Heinrich beigegeben gewesen sei, vgl. anm. 
zu 84, 1 ff. So viel beistimmung auch diese ansieht gefunden 
hat, so entbehrt sie doch jedes festen anhalts. 



15 

Vordergrund tritt, zeigen andere die tiefe religiöse 
erregung Walthers, die ihm den kreuzzug in dieser 
Periode zur wichtigsten herzensangelegenheit machte. 
Die religiös -weltschmerzliche Stimmung, die auch in 
anderen dichtungen Walthers aus seinen letzten lebens- 
jahren widerliehrt (vgl. die töne 91. 92. 93), erscheint 
in Verbindung mit der kreuzzugsbegeisterung in den 
liedern 80 und 81. Ein drittes lied (82) ist direkt 
zur anfeueruug der pilger gedichtet, ein viertes (83) 
ist ausdruck der freude bei der ankunft im heiligen 
lande. Trotzdem hat Lachmann und andere nach ihm 
nicht zugeben wollen, dass Walther an dem kreuzzuge 
teil genommen habe. Sie halten also die in dem letzten 
liede vorausgesetzte Situation für eine fingierte. So 
wenig aber eine solche Aktion durchaus undenkbar sein 
mag, so sind doch anderseits die gründe, die man 
angibt, weshalb Walther den kreuzzug nicht mitgemacht 
haben könne, nicht stichhaltig. Er wird erst l'J28 zu- 
zusammen mit dem kaiser die fahrt angetreten haben. 
Bei dem heere, welches im sept. 1227 hinüber fuhr, 
kann er sich nicht befunden haben, da er nach der 
bannung Friedrichs noch in Deutschland weilte. 

Dass Walther den kreuzzug nicht lange überlebt 
hat, ist wahrscheinlich. In eine spätere zeit weist keine 
sichere Spur mehr in seinen gedichten (vgl. zu 71, 27. 
85, 1). Nach angaben, die zwar der zeit seines todes 
schon einigermassen fern stehen, aber doch ziemlich 
glaubwürdig sind, ist er zu Würzburg im kreuzgang des 
Neumünsters begraben. -) In dem sogenanten manuale 
des Michael de Leone, welches im jähre 1354 in Würz- 
bnrg zusammengestellt ist, findet sich folgende notiz. 

De milite walthero. dicto von der vogelweide se- 
pulto in ambitu novimon. h> h> {wohl aufzulösen novi- 
monasterii herbipolensis) in suo epytafio sculpti erant 
iati versus subscripti. 



') Vgl. zum folgenden Oberthür, Die minne- und meister- 
sänger aus Franken s. 30. Reuss, Walther von der Vogel- 
weide, eine biographische skizze, Würzburg 1843. Pfeiffer, 
Germania V, 10. Jetzt besonders Zarncke, PBB VII, 582. 



16 

Pascna qui uolucrum . viuus walthere fniati. 

Qoi flos eloquij . qui Palladis os. obiisti. 

Ergo quod anreolam probitas taa possit (l. poscit) habere. 

Qui legit . hie . dicat . deus istius miserere. 

Die gleiche notiz mit unwesentlichen abweichnngen findet 
sich in der grossen samraelhandschrift des Michael Leone, 
die um die nämliche zeit entstanden ist. Dieselbe hand- 
schrift enthält auch eine deutsche notiz: Herr WaltJier 
von der vogelweide begraben ze Wimeburg, zu dem Nuwe- 
munster in dem grasehove. Spätere überliefemngen sind 
ganz sagenhafter natur. In Würzburg existierte im 
jähre 1323, wie urkundlich nachgewiesen ist, eine curia 
dicta zu der Vogelwaide. Aber eine beziehung derselben 
zu unserem dichter ist nicht erweislich. 

2. Walthers Stellung 
in der gescliichte der deutschen lyrik. 

Die deutsche kunstlyrik des 12. und 13. jahrh. hat 
drei verschiedene ausgangspunkte. Drei verschiedene 
richtungen gehen zunächst selbständig neben einander 
her, jede durch einen besonderen stand vertreten. Die 
geistlichen versuchen sich in nachbildnngen der la- 
teinischen hymnen und Sequenzen. Die gewerbsmässigen 
Sänger, die spielleute bilden eine wesentlich lehrhafte 
lyrik aus. Moralische betrachtungen, vielfach an volks- 
tümliche Sprichwörter angelehnt, mitunter in das gewand 
der fabel oder parabel eingekleidet, bilden den haupt- 
stoff ihrer dichtungen; daneben reflexionen über ihre 
persönlichen Verhältnisse und lob- und scheltlieder der 
grossen. Die ritter endlich bilden eine den von Süd- 
frankreich ausgegangenen eigentümlichen idealen ihres 
Standes entsprechende liebeslyrik aus. Sie lehnen sich 
dabei in form und Inhalt zunächst an die heimische 
lyrik des volkes an, weiterhin aber an die kunstlyrik der 
Provenzalen und Nordfranzosen. Von diesen entlehnten 
sie wahrscheinlich auch die gattung des kreuzliedes. 

Als Walther zuerst auftrat, bestand noch ein 
scharfer gegensatz zwischen ritterlicher und spiel- 
männischer dichtung. Zu der Verschiedenheit der Stoffe 



17 

waren allmählich auch bedeutende formale Verschieden- 
heiten hinzugekommen. Ein charakteristischer unter- 
schied bestand auch darin, dass für die didaktische 
lyrik der spielleute die früher allgemein übliche ein- 
strophigkeit der gedichte meist festgehalten, für die 
minnelyrik der ritter mehrstrophigkeit die regel ge- 
worden war. Simrock hat für die beiden gattun2,en die 
bezeichnungen spruch und lied eingeführt, wobei ihm 
einstrophigkeit als wesentliches erkennnngszeicben für 
den ersteren, mehrstrophigkeit für das letztere gilt. Der 
bequemlichkeit halber wollen wir uns auch dieser be- 
zeichnungen bedienen, es mnss aber bemerkt werden, 
dass sie willkürlich gewählt sind und nicht der termino- 
logie der dichter selbst entsprechen, bei denen vielmehr 
liet die bedeutung Strophe hat. Und ferner darf man 
sich nicht zu der ansieht verleiten lassen, dass der 
Spruch im Simrockschen sinne nur gesprochen, nicht 
gesungen sei. Auch die behauptuug, dass der spruch 
im gegensatz zum liede ohne begleitung eines Saiten- 
instrumentes vorgetragen sei, ist aus der luft gegriffen. 
Die Stellung der ritterlichen dichter zum publikum 
war eine ganz andere als die der spielleute. Der minne- 
sang wurde ursprünglich nicht berufsmässig und für 
lohn ausgeübt. Die meisten minnesinger, auch die des 
dreizehnten Jahrhunderts, waren dilettanten, zum teil 
aus den vornehmsten kreisen. Doch war man bereits 
vor Walther auch zu einer berufsmässigen ausübung 
übergegangen. Reinmar war in dieser wie in anderen 
beziehungen der Vorgänger Walthers. Es ist sehr wahr- 
scheinlich, dass er seine aufnähme an den östreichischen 
hof seiner liederdichtung verdankte, also gewissermassen 
dafür besoldet ward. Als folge einer solchen Stellung 
dürfen wir eine gewisse annähernng an dte poesie der 
spielleute betrachten. In die minnelieder mischen sich 
reflexionen über die allgemeinen und des dichters per- 
sönliche angelegenheiten, jedoch beschränkt auf die 
Verhältnisse des höfischen gesellschaftskreises, der das 
publikum des dichters bildet und seine Stellung zu 
demselben. 

Walth. V. d. Vogelweide. 5. aufl. 2 



18 

Die bedeutung Walthers beruht nun zu einem guten 
teile eben darauf, dass er die kluft zwischen ritterlicher 
und spielmännischer dichtung überbrückt hat, indem er, 
ausgehend von dem Standpunkte, auf welchen Reinmar 
die erstere gestellt hatte, auch das Stoffgebiet und die 
formen der letzteren für sich erobert hat. Und da sich 
damit auch Stoffe und formen der geistlichen dichtung 
vereinigen, so fliessen in Walther überhaupt alle früher 
getrennten richtungen der kunstlyrik zusammen. Sie 
bleiben dabei auch nicht unvermittelt in seiner person 
nebeneinander stehen, sondern durchdringen sich gegen- 
seitig. Dabei verwischen sich auch die grenzlinien 
zwischen lied und spruch. 

Walthers liederdichtung hat sich zuerst wahrschein- 
lich ziemlich eng an die höfische kunstweise Reinmars 
angeschlossen, i) Es war das früher nicht die herr- 
schende ansieht. Vielmehr begegnete man gewöhnlich 
der entgegengesetzten, dass Walther von einer volks- 
mässigeren weise ausgegangen sei. Die entscheidung 
über diese frage hängt zusammen mit der über die 
frage nach den realen Verhältnissen, die den rainne- 
liedern Walthers zu gründe liegen. Den hauptanhalts- 
punkt dazu geben die lieder 12 und 16. Das erstere, 
an ein mädchen niederen Standes gerichtet, preist die 
liebe, die keine rücksicht auf rang und Schönheit nimmt. 
Das letztere zeigt den dichter in begriff, sich einer vor- 
nehmen dame zu widmen. Hier wird die niedere minne, 
der er früher gehuldigt, verworfen und die hohe als das 
walire ideal hingestellt. Man hat danach versucht, 
die gesamten minnelieder Walthers auf diese beiden Ver- 
hältnisse zu beziehen und sie in zwei gruppen zu ver- 
teilen, eine ältere, lieder der niederen, und eine 



1) Diese ansieht wird vertreten von Burdach in seinem 
buche „Reinmar der alte und Walther von der Vogelweide" 
(Leipzig 1880). Die eigentümliche art, wie der verf. den ent- 
wicklungsgang Walthers auffasst, ist sehr beachtenswert, wenn 
dabei auch nicht selten über das ziel hinausgeschossen ist. 
Vgl. dazu Paul, PBB VIII, 171. Burdach ib. 461. Paul 
ib. 471. Burdach, AfdA VIII, 370. Paul, PBB IX, 147. 



19 

jüngere, lieder der hohen minne. *) Andere lassen auf 
das zweite Verhältnis noch ein drittes folgen. 2) Uns 
scheint es ein vergebliches beginnen, die zahl der minne- 
verhältnisse Walthers zu bestimmen oder gar die lieder 
unter die einzelnen Verhältnisse zu verteilen. Da Walther 
den minnesang berufsmässig und bis in seine späten 
lebensjahre hinein betrieb, so ist es überhaupt zweifel- 
haft, ob allen seinen liedern reale Verhältnisse zu gründe 
liegen. An der tatsache, dass Walther einmal in seinem 
leben von der niederen minne zur hohen überging, ist 
allerdings nicht zu rütteln. Aber daraus folgt weder, 
dass das neue Verhältnis das letzte, noch dass das 
frühere Verhältnis das erste gewesen ist, das Walther 
in seinen liedern besungen hat. Es steht nichts im 
wege anzunehmen, dass der niederen minne schon ein 
Verhältnis zu einer adeligen dame vorangegangen ist, in 
das Walther nach der heiTSchenden ritterlichen sitte, 
vielleicht ohne tiefere neigung, vielleicht nur um einen 
gegenständ für seine poesie zu haben, getreten sein mag. 
Wir können diese annähme nicht gut entbehren, weil es 
nach dem ganzen Charakter der wenigen lieder Walthers, 
die auf niedere minne deuten und ein volkstümlicheres 
gepräge tragen, nicht denkbar ist, dass diese seine ersten 
versuche sein sollten. 

Wir betrachten demnach diejenigen lieder Walthers 
als die ältesten, welche sich am wenigsten von der 
manier Reinmars entfernen. Der in der schule des 
letzteren gewonnene grundcharakter bleibt zwar auch 
den meisten späteren minneliedern, wird aber durch 
anderweitige einfiüsse und durch die eigene originale 
Schöpfungskraft wesentlich modifiziert, und manches tritt 
ganz aus dem rahmen der älteren ritterlichen kunst- 
dichtung heraus. Von höfischen dichtem, die wesentlich 
anderer natur waren als Reinmar, haben Heinrich von 



') Weiske, Weimarer Jahrb. 1, 357. Rieger, Leben 
Walthers 57. Wackernagel and Rieger in ihrer ausgäbe. 
■■') Wilmanns, der einen östreichischen und einen thüringischen 
minnedienst unterscheidet; Simrock, der auf die hohe eine 
gemässe rainne folgen lässt. 



20 

Morungen ') und Wolfram von Eschenbach einigen einflnss 
auf ihn gehabt. Wie mit dem letzteren am thüringischen 
hofe, 80 mag er vielleicht mit dem ersteren am meiss- 
nischen in persönliche bertihrung gekommen sein. Einfluss 
der lyrik des Volkes 2) zeigt sich besonders in 13. 14. 
40. 54. Bedeutender noch wird die Wirkung gewesen 
sein, welche die beschäftigung mit der Spruchdichtung, 
wie er sie in der schule der spielleute erlernt hatte, 
auf seinen minnesang gehabt hat. Betrachtungen über 
die zustände in der höfischen gesellschaft drängen sich 
bei Walther viel mehr in den Vordergrund als bei 
Reinmar. 

In der Spruchdichtung hat Walther das ganze bis 
dahin bearbeitete gebiet umspannt. Er hat insbesondere 
eine gattung, wozu vor ihm wahrscheinlich nur erst 
schwache ausätze gemacht waren, die politische dichtung 
in grossartigster und nach ihm nicht wieder erreichter 
weise ausgebildet. Wir dürfen Walthers politische 
Sprüche nicht als blosse äusserungen seiner privat- 
meinung betrachten. Sie haben vielmehr einen gewissen 
offiziellen Charakter, vertreten das Interesse und den 
Standpunkt eines fürsten oder einer politischen partei, 
sind vielleicht von daher ihrem Inhalte nach geradezu 
eingegeben. Sie spielen in den politischen kämpfen 
der zeit eine ähnliche rolle wie heutzutage die leit- 
artikel der parteizeitungen. Für die gewalt, mit der 
sie wirkten, gibt uns der ausspruch eines gegners das 
beste Zeugnis, vgl. zu 75, 51. 

Des religiösen dementes hatten sich die spielleute 
nach dem muster der geistlichen schon vor Walther 
bemächtigt, die ritter wenigstens in der gattung der 
kreuzlieder. Indessen lässt sich wol behaupten, dass 
Walther neben Wolfram von Eschenbach epochemachend 
für die ausbreitung der religiösen dichtung unter dem 
laienstande geworden ist. Wir würden in seinen dich- 



1) Vgl. Werner AfdA VIT, 125 ff., wo aber auch manches 
ungehörige beigebracht wird. V Dieser einfluss wird besonders 
von Burdach betont und jedenfalls zu hoch angeschlagen. 



21 

tungen nicht das universelle bild der mittelalterlichen 
anschanungen haben, wie es uns jetzt vorliegt, wenn 
nicht auch diese Seite darin reichlich vertreten wäre. 
Während aber bei Wolfram religion und weltleben sich 
friedfertig miteinander vertragen, erscheint bei Walther 
der gegensatz beider, wie er für mittelalterliches leben 
und mittelalterliche dichtung so charakteristisch ist, in 
seiner ganzen Schroffheit. Sie liegen mehr nach- als 
nebeneinander. Auf unbefangene, sorglose hingebung 
an die freude der weit folgt allmähliche abkehrung 
unter erschütternden Seelenkämpfen, i) 

Es kann hier nicht unsere aufgäbe sein, eine voll- 
ständige Charakteristik von Walthers eigenart und den 
mittein seiner darstellung zu entwerfen. 2) Ich hebe 
nur als besonders charakteristische momente hervor die 
neigung zum humor, die sinnliche kraft des ausdrucks, 
die Vorliebe für Personifikation und allegorie, die geist- 
reiche Zuspitzung der gedanken, die meisterhafte be- 
herrschung der metrischen form. 

Welche anerkennung Walther bei seinen Zeit- 
genossen fand, zeigt eine stelle im Tristan Gottfrieds 
von Strassburg. Dieser kommt auf die minnesinger zu 
sprechen, die er als nachtigallen bezeichnet, und wirft 
die frage auf, wer ihre anführerin sein soll, seitdem 
die von Hagenau verstummt ist. Er fährt dann fort: 

') Kaum noch erwähnt zu werden braucht die annähme 
von W. Grimm, dass Walther auch der Verfasser der unter 
dem namen Freidanks überlieferten Bescheidenheit sei. Vgl. 
dairegen Pfeiffer, Zur deutschen litterat Urgeschichte s. 37 
(wider abgedruckt in Freie Forschung, s. 163). ^) Die schrift 
von Wigand, Der stil Walthers von der Vogelweide (Marburg 
1879) genügt nicht den an eine solche arbeit zu stellenden 
forderungen. Ueber mehrere punkte handelt Burdach, Reinmar 
und Walther. Einen ausführlichen abschnitt über Walthers 
Stil enthält die zweite au.sgabe von Wilmauns, die dann in die 
durch V. Michels veröffentlichte Neubearbeitung von Walthers 
Leben übergegangen ist. Vgl. noch E. Hamann, Der humor 
Walthers von der Vogelweide, diss. Rostock 1889. H. Wood, 
Unconventional uses of natural imagery in the poems of W. 
V. d. V. (American Journ. of. Philol. XI, 200). E. Gärtner, 
Die epitheta bei W. v. d. V. diss. Kiel, 1911. 



22 

wer leitet nu die lieben schar? (4794) 

wer wiset diz gesinde? 

ich wsene ich si wol vinde 

diu die baniere vüeren sol: 

ir raeisterinne kan ez wol, 

diu von der Vogelweide. 

hei wie diu über beide 

mit hoher .stimme schellet! 

waz Wunders si gestellet! 

wie spaehe si organieret! 

wie si ir sanc wandelieret, 

ich meine ab in dem döne 

da her von Zitherone, 

da diu gotinne Minne 

geblutet üfe und inne. 

diu ist da ze hove kameraerin. 

diu sol ir leitserinne sin. 

diu wiset si ze wünsche wol. 

diu weiz wol wä si suochen sol 

der minnen melodie. 

Walther wird also hier als der erste lebende sänger 
hingestellt, wiewohl ausschliesslich auf seinen rainnesang 
rticksicht genommen wird. Walthers schüler, Ulrich 
von Singenberg, hat ihm folgenden nachruf gewidmet: 

Uns ist unsers sauges meister an die vart, 

den man e von der Vogelweide nande, 

Diu uns nach im allen ist vil unerspart. 

nu waz frumt swaz er e der weite erkande? 

Sin höher sin ist worden kranc. 

nu wünschen irae dur sinen werden hövescheu saue, 

sit dem sin fröude si ze wege, 

daz sin der süeze vater nach genäden pflege. 

Mit andern verstorbenen dichtem zusammen wird er 
gepriesen von dem Marner und von Reinmar von Brennen- 
berg, die ihn ausdrücklich als ihren meister bezeichnen, 
von Rubin, Hermann dem Damen, Hugo von Trimberg 
(Jier Walther von der Vogelweide, stver des vergoeze, 
tcete mir leide). ^) Fraueulob nennt ihn mit Reinmar 
und Wolfram. Er gehört nach der sage zu den Sängern, 
die am Wartburgkrieg teilnehmen. Sein name lebt in 
der tradition der meistersinger fort. Zahlreich sind 



») Vgl. V. d. Hagen, Minnesinger IV, 184 ff. 871 ff. 



23 

die nachabmungen seiner gedichte und eatlehnungen 
aus denselben bei den lyrischen und didaktischen dichtem 
des dreizehnten Jahrhunderts. Die von ihm hergestellte 
Vermittlung zwischen ritterdichtung und Spielmanns- 
dichtung ist von bleibender Wirkung gewesen. Es folgt 
auf ihn eine anzahl ritterlicher dichter, die sich mit 
Spruchdichtung befassen, und eine noch grössere zahl 
bürgerlicher dichter, die neben dem spruch den minne- 
sang pflegen. 

3. Die Überlieferung und kritisclie beliandlung 
der gedichte Walthers. 

Die lieder Walthers i) sind wie die der übrigen 
minnesinger in der regel zuerst einzeln oder in kleinen 
grnppen von gleicher strophenform und melodie^) ver- 
breitet, einerseits durch mündliche Überlieferung, ander- 
seits durch aufzeichnung auf einzelne blätter, die neben 
dem text auch die melodie zu enthalten pflegten. Es 
haben sich dann Sammler gefunden, welche eine anzahl 
von liedern teils des gleichen, teils verschiedener Ver- 
fasser in ein liederbuch vereinigten. Aus diesen lieder- 
büchern endlich sind gegen ende des dreizehnten und 
im vierzehnten Jahrhundert grössere Sammlungen ent- 
standen. Von diesen sind uns mehrere erhalten, während 
die einzelaufzeichnungen und die kleineren liederbücher 
verloren gegangen sind, und sind nun die hauptquellen 
für unsere kenntnis Walthers wie der übrigen minne- 
singer. Die drei wichtigsten sind die Heidelberger 
handschrift n. 357 (A nach Lachmanns bezeichnung), 
die Weingartener, jetzt Stuttgarter (B), die Heidelberger, 
früher Pariser, auch als Manessische bezeichnet, die 
umfänglichste unter allen (C). In geringerem masse 
kommt in betracht die Weimarer handschrift (F) und 
in noch geringerem die Heidelberger n. 350 (D). Eine 
sehr reichhaltige Zusammenstellung Waltherscher lieder 
enthält ferner eine grosse Sammelhandschrift, die sich 

') Vgl. zum folgenden Wilmanns ZfdA XIII, 217. 2) Die 
mittelhochdeutsche bezeichnung dafür ist dön oder icise. 



24 

nicht bloss auf lieder beschränkt, nämlich die schon oben 
erwähnte Würzburger (jetzt Münchener) hs. des Michael 
Leone (E). Ausserdem sind eine anzahl lieder hie und 
da zerstreut überliefert. Ich verweise dafür auf. das 
vollständige Verzeichnis in Lachmanns ausgäbe, i) 

Bei solcher art der Überlieferung musste die 
reinheit und Vollständigkeit des textes erheblich leiden. 
Dass wir manchen verlust zu beklagen haben, macht 
schon der Umstand wahrscheinlich, dass unter den 
wenigen auf uns gekommenen Zitierungen Waltherscher 
gedichte eine ein verlorenes lied trifft (Parz. 297, 24, 
vgl. oben s. 10). Unter den überlieferten liedern sind 
mehrere fragmentarisch, vgl. namentlich 53, 25. 41. 105. 
Wenn Walther von manchen diensten spricht, die er 
dem Meissner erwiesen habe (74, 15), so wird man 
daraus zu schliessen haben, dass er noch andere Sprüche 
in dessen Interesse gedichtet hat als 73, 1. Ferner aber 
konnte manches von seinem eigentum auf fremden namen 
und umgekehrt manches fremde auf den seinigen über- 
tragen werden. So gibt es eine nicht ganz kleine zahl 
von Strophen, um deren Verfasserschaft sich nach den 
verschiedenen Überlieferungen mit dem namen Walthere 



') Eine bereicherung des handschriftlichen materials 
brachten: Wolfenbüttler bruchstücke der gedichte Walthers 
von der Vogelweide, aufgefunden von G. Mlcbsack, zum druck 
befördert von F. Zarncke (Ber. der sächs. gesellsch. d. wiss., 
phil.-hist. classe 1883), mit U bezeichnet, 0. v. Heinemann, 
ZfdA 32, 87 (mit W bezeichnet). Dazu kommt jetzt ein 
pergamentdoppelblatt, das wir mit bezeichnen, veröffentlicht 
von Jostes, ZfdA 53, 348. Es enthält nr. 83, eine anzahl 
Strophen des tones 76 (lOH) und den Anfang von 70 b. Der 
ertrag für die texlkritik ist nicht erheblich. Wichtiger 
sind vielleicht die beigefügten melodien, deren wert aber 
verschieden beurteilt wird, vgl. E.. Molitor, Sammelbände der 
internationalen Musikgesellschaft XII, s. 475, R. Wustmann 
ib. XIII, s. 247, R. Molitor ib. XIII, s. 506. Ferner enthält ein aus 
Heiligenstadt stammendes pergamentblatt, das von Degerin, 
ZfdA 53, 337 veröffentlicht ist, und das wir mit R bezeichnen, 
ausser dem brucbstück eines sonst unbekannten Spruches 76, 
31 ff., 76, Iff. und den anfang von 76, 71. Die R und 
gemeinsame Strophe zeigt starke Übereinstimmung in den 
lesarten. 



25 

der einee anderen dichters streitet. So der name Rein- 
mars: 102. 103, Hartmanns von Aue: 3, Leutolds von 
Seven: 25. 28. 41, Ulrichs von Singenberg: 106, 51. 
Weitere fälle der art sind von Lachmann in der ein- 
leitung zu seiner ausgäbe s. XI angegeben. Andere 
Strophen sind zwar nur unter Walthers namen, aber 
auch nur in einer einzigen handschrift überliefert, und 
auch bei diesen fehlt eine ausreichende äussere be- 
glaubigung für ihre echtheit. Trotz anwendung aller 
hilfsmittel der kritik ist nicht immer eine sichere ent- 
scheidung zu treffen, und es bleibt eine beträchtliche 
masse von Strophen, die mit voller bestimmtheit dem 
dichter weder zu- noch abgesprochen werden können, 
wenn auch die Wahrscheinlichkeit der echtheit oder un- 
echtheit eine mannigfach abgestufte ist. Wie wir uns 
in dieser hinsieht vielfach bescheiden müssen, so sind 
wir auch nicht im stände, den text durchgängig von den 
mannigfachen verderbungen zu reinigen, denen derselbe 
im laufe der Zeit ausgesetzt gewesen ist, und ihn in 
seiner ursprünglichen gestalt wider herzustellen. Wo 
uns nicht wenigstens mehrere von einander unabhängige 
Überlieferungen vorliegen, bewegen wir uns auf einem 
sehr unsicheren boden. Besondere Schwierigkeiten macht 
es auch, die ursprüngliche reihenfolge der Strophen her- 
zustellen, indem die handschriften mitunter sehr von 
einander abweichen.') Es hängt das damit zusammen, 
dass der gedankenzusammenhang zwischen den Strophen 
oft nur ein loser ist, so dass auch eine sichere ent- 
scheidung über Zusammengehörigkeit oder nichtZusammen- 
gehörigkeit nicht immer möglich ist. 

In der neuzeit ist, von einigen früheren flüchtigen 
erwähnungen abgesehen, Bodmer der erste gewesen, der 
die gedichte Walthers wieder aus der Vergessenheit 
hervorgezogen hat. In seinen 1748 erschienenen Proben 
der alten schwäbischen poesie wurden auch gedichte 
Walthers mitgeteilt, und in seiner 1758/9 erschienenen 
Sammlung von minnesingern der ganze Inhalt der Pariser 



») Darüber handelt Wilmanns, ZfdA Xin, 229. 



2tj 

liederhandscbrift. Nachdem dann Gleim (1773. 9) und 
einige mitglieder des Hainbundes, später Tieck (1803) 
sich in der erneuerung mehrerer lieder Walthers ver- 
sucht hatten und Uhlands Schrift über ihn (1822) ein 
anschauliches bild geliefert hatte, erschien im jähre 
1827 die erste kritische ausgäbe von K. Lachmann, die 
grundlage für alle späteren ausgaben und noch immer 
die einzige, die den vollständigen kritischen aj^arat 
bietet. Die zweite ausgäbe (1843) hat im text wenige 
Veränderungen erfahren, mehr in den anmerkungen, 
namentlich Zusätze. Die dritte (1853) und vierte (1864), 
die von Haupt besorgt sind, und die fünfte (1875), die 
von Müllenhoff besorgt ist, lassen Lachmanns arbeit 
unangetastet, geben aber einige wertvolle zusätze und 
berichtigungen, die sechste (1891) ist unverändert. In 
der siebenten, besorgt von Carl von Kraus (1907), sind 
die Varianten einer durchgängigen revision unterzogen, 
einige druckfehler im text berichtigt und auf grund des 
neuen materiales auch einige änderungen im texte vor- 
genommen. Ausserdem sind bis jetzt folgende ausgaben 
erschienen: von v. d. Hagen in seinen Minnesingern 
(Leipzig 1838) I, 222 ff.; von Wackernagel und Rieger 
(Giessen 1862); von Pfeiffer, (Leipzig 1864, siebente 
aufläge, besorgt von Herm. Michel 1911) mit erläuterndem 
kommentar für weitere kreise; von Wilmanns (Halle 1869) 
mit kommentar für studierende, zweite vollständig um- 
gearbeitete ausgäbe (1883), dritte ausgäbe (1912), text- 
ausgabe (Halle 1886), zweite ausgäbe (1905); von 
Simrock (Bonn 1870) mit einleitenden Vorbemerkungen 
und einigen erläuterungen; von Bartsch (Leipzig 1875. 
•U906), Schulausgabe mit Wörterbuch; von Pf äff in 
Kürschners National -litteratur 8, 2 2. Von auswählen 
sind zu nennen Bartsch, Deutsche liederdichter des 
zwölften bis vierzehnten Jahrhunderts, Leipzig 1864, 
zweite aufläge, Stuttgart 1879, dritte 1894, vierte, 
Berlin 1901 nr. XXI; Bechstein, Walthers v. d. Vogel- 
weide und seiner schüler ausgewählte gedichte, Stutt- 
gart 1879. 2 1893. An Lachmanns ausgäbe schliesst 
sich an das Glossarium zu den gedichten Walthers v. d. 



27 

Vogelweide von Hornig, Quedlinburg 1844. Eine voll- 
ständige Übersetzung hat zuerst Simrock geliefert, Berlin 
1833, siebente ausgäbe Leipzig 1883, durchgesehen von 
Morgenstern, Berlin 1906. Die erste aufläge enthält 
wertvolle erläuterungen von Wackernagel, die später 
nicht wider abgedruckt sind. Andere Übersetzungen 
sind die von Koch (1848), Weiske (1852), Pannier 
(1876), Schroeter (1881), Samhaber (1882), Kleber 
(1899), Zoozmann (1907). Eine gut lesbare auswahl 
bietet Eigenbrodt (Halle 1898). 

Von abhandlungen, die sich mit kritik und erklärung 
der gedichte Walthers beschäftigen, sind noch zu er- 
wähnen: PfeLffer, Germania V, 21; Bartsch ib. VI, 187; 
Paul, PBB II, 550. VIII, 192; Fasching, Germania XXII, 
429. XXIII, 34 (zu den religiösen dichtungen); Lucae, 
ZfdA XXXin, 254; Hildebrand, ib. XXXVIH, 1; Mettin, 
PBB. XVIII, 536 (ziemlich wertlos); Schönbach, ZfdA 
39, 337 und Beiträge zur erklärung altd. dichtwerke II, 
Wien 1902 (=^ Sitzungsberichte der Wiener akad., 
philos.-historische klasse 145, IX); Wallner, ZfdA 39, 184. 
429. 40, 335 und PBB 33, 1. 35, 191. 43, 178 (meist 
verfehlt); Bech, AfdA 22, 128; Rieger, ZfdA 46, 381. 
47, 56; Frantzen im Album Kern 309 (nicht über- 
zeugend); Herrn. Möller, AfdA 36, 197; Starr Willard 
Cutting, Modern Philology 12, 101; Braune, PBB 40, 216. 
345. 41, 189. 42, 123; H. Fischer, Germ.-Rom. Monats- 
schrift 7, 157; Jellinek, PBB 43, 1; Singer, ibid. 44, 451. 
Man vgl. auch die rezensionen von Bartsch in den 
Jahrbüchern f. phil. und paed., zweite abteilung, jahrg. 
1869, s. 407 und von Hildebrand, ib. 1870, s. 73.') 
Auf anderes wird in den anraerkungen verwiesen, über 
die nachwirkung Walthers handelt Hugo Roesing, Die 
nachwirkung Walthers v. d. Vogelweide auf die lyrische 
und didaktische poesie des mittelalters. Diss. Strass- 
burg 1911. 



') Auf eine anzahl stellen wird auch bezug genommen 
in der abhaudlung von Wolfram, Kreuzpredigt und kreuzlied, 
ZfdA XXX, 89. 



28 

Eine orientiernng über die bis dahin erschienene bereits 
ziemlich beträchtliche literatur gibt die schrift von Leo, Die 
gesamte literatur Walthers von der Vogel weide, Wien 1880. 

Es erübrigt noch die grundsätze darzulegen, die bei 
der anordnung der gedichte in unserer ausgäbe befolgt 
sind. Ich habe wie die handschriften und die bis- 
herigen ausgaben die Strophen des gleichen tones bei 
einander gelassen. Dadurch ist eine konsequente an- 
ordnung nach sachlichen gesichtspunkten von selbst 
ausgeschlossen. Doch ist eine solche soweit angestrebt, 
als sie nicht durch die Ordnung nach tönen und durch 
die natur der gedichte selbst unmöglich gemacht wird. 
Ich habe zunächst die ganze masse unter zwei haupt- 
abteilungen gebracht, welche den Stoffen nach einiger- 
massen dem früheren gegensatz zwischen ritterlicher 
und spielmännischer dichtung entsprechen. Die erste 
umfasst die minnelieder, die naturlieder und diejenigen 
lieder, die sich mit den Verhältnissen der höfischen 
geselligkeit beschäftigen. Voran stehen die reinen 
minnelieder, und zwar kommen zuerst diejenigen, die 
ihrem Charakter nach den Reinmarischen am nächsten 
verwandt sind, dann die auf niedere minne, dann die 
übrigen auf hohe minne bezüglichen. Es folgen dann 
diejenigen töne, in denen der minnesang mit reflexionen 
über die gesellschaftlichen Verhältnisse untermischt ist; 
endlich diejenigen, die gar keine beziehung auf ein 
minneverhältnis enthalten. Die zweite hauptabteilung 
umfasst die gedichte, die sich mit moral, religion, 
politik und persönlichen angelegenheiten des dichters 
beschäftigen, sämtliche Sprüche im Simrockschen sinne, 
aber auch eine anzahl lieder und den leich. Hier stehen 
diejenigen töne voran, in denen sich Strophen finden, 
die mit einiger Sicherheit datierbar sind, und zwar in 
der reihenfolge, wie die vermutlich ältesten datierbaren 
Strophen der einzelnen töne chronologisch auf einander 
folgen. Ebenso sind dann innerhalb jedes tones die 
datierbaren Strophen vorangestellt, soweit wie möglich 
in chronologischer folge. Hoffentlich wird man diese 
weise der anordnung einigermassen rationell finden. 



1 (L. 91 17). 

Junger man, wis hohes muotes 
durch diu reinen wol gemuoten wip. 
Fröuwe dich libes unde guotes, 
unde wirde dinen jungen lip. 

Ganzer fröude hast da niht, 5 

so man die werdekeit von wibe an dir niht siht. 

Er hat rehter fröude kleine, 
der sie von guoten wiben niht ennimt, 
Offenbare, stille und eine, 

und als ez der mäze danne zimt. 10 

Dar an gedenke, junger man, 
und wirp nach herzeliebe: da gewinnest an. 

Ob dus danne niht erwirbest, 
du mnost doch iemer deste tiurre sin. 
Dazt an fröuden niht verdirbest, 15 

daz kumt allez von der frouwen din. 
Du wirst also wol gemuot, 
daz du den andern wol behagest, swie si dir tuot. 

Ist aber daz dir wol gelinget, 
so daz ein guot wip din genäde hat, 20 

Hei waz dir danne fröuden bringet, 
so si sunder wer vor dir gestät: 
Halsen, triuten, bi gelegen. 
von 80 rdhter herzeliebe mnost du fröuden pflegen. 

Sich, nu hab ich dich geleret 25 

des ich selbe leider nie gepflac. 



1 Iff. Die echtheit dieses und des folgenden liedes, die 
beide nur in C tiberliefert sind, ist mehrfach angezweifelt. 
Doch wird ihr geringer poetischer wert eher daraus zu er- 
klären sein, dass sie zu den ersten versuchen Walthers gehören. 



30 1 27 — 2 32 

Ungelücke mir verkeret 

daz ein sselic man volenden mac. 

Doch tuot mir der gedinge wol 

und der wille, den ich hän, deichznoch erwerben sol. 30 

2 (L. 112 35). 

Frouwe, vernemt durch got mir ditze maere: 

ich bin ein böte und sol in sagen, 

Ir sült wenden einem ritter swaere, 

die er lange hat getragen. 

Daz sol ich iu künden so: 5 

ob ir in weit fröuden riehen, 

sicherlichen 

des wirt manic herze fro. 

Frouwe, enlät iuch des so niht verdriezen, 
ir engebt im höhen muot. 10 

Des mügt ir und alle die wol geniezen, 
den ouch fröude sanfte taot. 
Da von wirt sin sin bereit, 
ob ir in ze fröuden bringet, 

daz er singet 15 

iuwer ere und werdekeit. 

Fronwe, sendet im ein höhgemüete, 
Sit an iu sin fröude stät. 
Er mac wol geniezen iuwer güete, 
Sit diu tugent und ere hat. 20 

Frouwe, gebt im hohen muot. 
weit ir, sin truren ist verkeret, 
daz in leret 
daz er daz beste gerne toot. 

'Ja möhte ich michs an in niht wol geläzen, 25 

daz er wol behuote sich. 
Krumbe wege die gent bl allen sträzen 
da vor got behüete mich. 
Ich wil nach dem rehten varn, 

ze leide im der mich anders lere. 30 

swar ich kere, 
da müeze mich doch got bewarn.' 



3 1 — 3 30 31 

8 (1— 16=MF 214 34. 17— 32=L. s. 217. 33— 40=L. 120 16). 

Dir hat enboten, frouwe guot, 

sin dienest der dir es wol gan, 

Ein ritter der vil gerne tuot 

daz beste daz sin herze kan. 

Der wil dnrch dinen willen disen sumer sin 5 

vil hohes muotes verre üf die genäde din. 

daz solt du minnecliche enpfän, daz ich mit gnoten 

so bin ich willekomen dar. [mseren var: 

'Du solt im, böte, min dienest sagen: 
swaz ime ze liebe müge geschehen, 10 

Daz möhte niemen baz behagen, 
der in so selten habe gesehen. 
Und bite in daz er wende sinen stolzen lip 
da man im löne: ich bin im ein vil vremedez wip 
zenpfänne sus getane rede. swes er ouch anders 

danne gert, 15 
daz tuon ich, wan des ist er wert.' 

Min erste rede dies ie vernam, 

die enpfienc si deiz mich dühte guot, 

ünz si mich nähen zir gewan; 

zehant bestuonts ein ander muot. 20 

Swie gerne ich wolte, ich enmac von ir niht kernen: 

diu gröze liebe hat so vaste zuo genomen, 

daz si mich niht enlsezet fri: ich muoz ir eigen iemer 

nu enruoche, est doch der wille min. [sin. 

Swer gibt daz minne Sünde si 25 

der sol sich e bedenken wol. 

Ir wont vil manic ere bi, 

der man durch reht geniezen sol. 

Und volget michel stsete und dar zuo saelikeit. 

daz iemer iemen missetuot, daz ist ir leit. 30 



3 1 ff. Die fünf Strophen dieses tones sind in E unter 
Walthers namen überliefert, die vierte auch in s, die fünfte 
auch in C. Die drei ersten stehen in AC unter Hartmann 
von Aue. Ueber die gründe für Walthers autorschaft vgl. 
Beiträge II, 173. Auf 3 25 bezieht sich 47 21. 



32 8 81-4 24 

die valschen minne meine ich niht; diu möhte unminne 

beizen baz. 
der wil ich iemer sin gehaz. 

Sit deich ir eigenllchen sol, 

die wile ich lebe, sin undertän, 

Und si mir mac gebüezen wol 35 

den kumber den ich durch sie hän 

Geliten nu lange und iemer also llden mnoz, 

dez mich enmac getroesten nieman, si entuoz, 

so sol si nemen den dienest min, und bewar dar 

under mich, 
dazs an mir ouch niht versüme sich. 40 

4 (L. 113 31). 

'Mir tuot einer slahte wille 

sanfte, und ist mir doch dar under w6: 

Ich minne einen ritter stille; 

dem enmag ich niht versagen me 

Des er mich gebeten hat: 5 

tuon ichs niht, mich dunket daz miu niemer werde rät. 

Dicke dunke ich mich so staete 
mines willen: so mir daz geschiht, 
Swie vil er mich denne bsete, 

al die wlle so enhulfe ez niht. 10 

leze hän ich den gedanc: 
waz hilfet daz? der muot ist küme eines tages lanc. 

Wold er mich vermiden mere! 
ja versuochet er mich alze vil. 

Ouwe des fürht ich vil sere, 15 

daz ich müeze volgen swes er wil. 
Gerne het ichz nu getan, 
wan deichz im muoz versagen und wlbes ere sol begän. 

In getar vor tüsent sorgen, 
die mich tougen in dem herzen min 20 

twingent äbent unde morgen, 
leider niht getuon des willen sin. 
Daz ichs iemer einen tac 
sol g;efristen, deist ein klage diu mir ie bi dem herzen lac. 



4 25 — 5 30 



33 



Sit daz im die besten jähen 25 

daz er also schone künne leben, 
So hän ich ouch im vil nähen 
mime herzen eine stat gegeben, 
Da noch nieman in getrat, 
sie hänt daz spil verlorn, er eine tuot in allen mat.' 30 

6 (L. 71 35). 
Mich hat ein wunneclicher wän 
und ouch ein lieber friundes trost 
in senelichen knmber bräht: 
Sol der mit frönde an mir zergän, 
so enwirde ichs anders niht erlöst, . 5 

ezn kome alz ich mirz hän gedäht 
Umb ir vil minneclichen lip, 
diu mir enfremedet alliu wip, 
wan deichs alle durch sie eren muoz. 



jo enger ichs anders lönes niht 
Mit valscheloser güete lebt 
ein man der mir wol iemer mac 
gebieten s'naz er . . wil. 
Sin stsete mir mit fröude gebt, 
wan ich sin vil schone enpflac: 
daz kumt von grozer liebe vil. 
Mir ist an ime, des muoz ich jehen, 
ein schoenez wibes heil geschehen, 
diu sselde wirt uns beiden schin. 
sin tugent hat ime die besten stat 

Die mine fröude hat ein wip 
gemachet stsete und endelös 
von schulden al die wile ich lebe. 
Genäde suoche ich an ir lip: 
enpfähe ich wunnecllchen tröst, 
der mac wol heizen friundes gebe. 
Ein mannes heil mir da geschach, 
da si mit rehten triuwen sprach, 
ich müese ir herzen nähe sin. 
nu endarf es nieman wunder nemen 

Walth. V. d. Vogelweide. *. aufl. 



von ir dekeiner, wan 
[ir gruoz. 10 



15 



erworben in dem 
[herzen miu. '20 



ii> 



ob äne sorge lebet 
[daz min. 30 

3 



34 6 1—38 

6 (L. 95 17). 
Waz ich doch gegen der schocnen zit 
gedinges unde wänes hän verlorn! 
Swaz kumbers an dem winter lit, 
den wände ich ie des sumers hän verhorn. 
Sus sazte ich allez bezzernnge für: 5 

swie vil ich trostes ie verlür, 
60 hat ich doch ze fröuden wän. 
dar under misselanc mir ie: 
in vant so stsete fröude nie, 
sin wolte mich e ich sie län. 10 

Muoz ich nu sin nach wäne frö, 
son heize ich niht ze rehte ein sselic man. 
Dem ez sin saelde flieget so, 
daz im sin herzeliep wol guotes gan. 
Hat ouch der selbe fröuderichen sin, 15 

des ich nu leider äne bin, 
son spotte er niht dar umbe min, 
ob im sin liep iht liebes tuot: 
ich wa»re ouch gerne höhgemuot, 
möht ez mit liebes hulden sin. 20 

Er sselic man, si sselic wip, 
der herze ein ander sint mit triuwen bi! 
Ich wil daz daz ir beider lip 
getiuret und in hoher wirde si, 

Vil sivlic sin ir jär und al ir zit! 25 

er ist ouch sselic sunder strit, 
der nirat ir tugende rehte war, 
so daz ez in sin herze get. 
ein ssolic wip, diu sich verstet, 
diu sende ouch guoten willen dar. 30 

Sich waenet maneger w^ol begen 
so daz er guoten wiben niht enlebe: 
Der töre kan sich niht versten 
waz, ez fröude und ganzer wirde gebe. 
Dem lihtgemuoten dem ist iemer wol 35 

mit liliten dingen, als ez sol; 
swer Avirde und fröude erwerben wil, 
der diene guotes wibes gruoz. 



6 39—7 23 35 

swen si mit willen grüezen muoz, 

der hat mit fröuden wirde vil. 40 

Ja heiTe, wes gedenket der 
dem ungedienet ie vil wol gelanc? 
Ez si ein si, ez si ein er, 
swer also minnen kan, der habe undanc, 
Und da bi guoten dienest übersiht. 45 

ein saelic wip diu tuot des niht; 
diu merket gnotes mannes site; 
da scheidet si die bcesen von. 
so ist ein tumbiu so gewon 
daz ir ein tnmber volget mite. 50 

7 (L. 96 29). 

Staete ist ein angest und ein not; 
in weiz niht ob si ere si: 
si git michel ungemach. 
Sit daz diu Liebe mir gebot 

daz ich Stjete waere bi, ' 5 

waz mir leides sit geschach! 
Lät mich ledic, liebe min fro Staete. 
wan ob ich sis iemer bsete, 
so ist si staeter vil dann ich, 

ich muoz von miner staete sin verlorn, diu Liebe 

en underwinde ir sich. 10 

Wer sol dem des wizzen danc, 
dem von staete liep geschiht, 
nimt der staete gerne war? 
Dem an staete nie gelanc, 

ob man den in staete siht, 15 

seht, des staete ist lüter gar. 
Also habe ich staete her gerungen: 
nochn ist mir leider niht gelungen, 
daz wende, saelic frouwe min, 

daz ich der valschen ungetriuwen spot von m^ner 

staete iht müeze sin. 20 

ilet ich niht miner fröuden teil 
an dich, herzeliep, geleit, 
so möht es wol werden rät. 

3* 



36 7 24-8 18 

Sit nn min frönde und al mtn heil, 

dar zuo al min werdekeit 25 

niht wan an dir einer stät, 

Sült ich danne min herze von dir scheiden, 

80 müest ich mir selben leiden: 

daz wsere mir niht guot getan. 

doch solt du gedenken, saelic wip, daz ich nu lange 

kumber hän. 30 

Frouwe, ich weiz wol dlnen rauot: 
daz du gerne stsete bist, 
daz hab ich befunden wol. 
Ja hat dich vil wol behuot 

der vil reine wibes list 35 

der guotiu wip behüeten sol. 
Alsus fröut mich din saelde und ouch din ere, 
und enhän niht fröude mere. 
nu sprich, bin ich dar an gewert? 
du solt mich, frouwe, des geniezen län, daz ich so 

rehte hän gegert. 40 

8 (L. 13 33). 
Maneger fraget waz ich klage, 
unde gibt des einen daz ez iht von herzen g6. 
Der verliuset sine tage: 

wand im wart von rehter liebe nie weder wol noch we: 
Des ist sin geloube kranc. 5 

swer gedachte waz diu minne braehte, 
der vertrüege minen sanc. 

Minne ist ein gemeinez wort, 
und doch ungemeine mit den werken: dest also. 
Minne ist aller tugende ein hört: 10 

4ne minne wirdet niemer herze rehte fr6. 
Sit ich den gelouben hän, 
frouwe Minne, fröut ouch mir die sinne, 
mich müet, sol min trost zergän. 

Min gedinge ist, der ich bin 15 

holt mit rehten Iriuwen, dazs ouch mir daz selbe si. 
Triuget dar an mich min sin, 
eo ist minem wäne leider lützel fröuden bl. 



8 19—9 20 37 

Neinä herre! sist so guot, 

swenne ir gtiete erkennet min gemüete, 20 

daz si mir daz beste tuot. 

Wiste si den willen min, 
liebes unde guotes des wurd ich von ir gewert. 
Wie möht aber daz nu sin, 

Sit man valscher minne mit so süezen worten gert, 25 
daz ein wip niht wizzen mac 
wer si meine? disiu not alleine 
tuot mir manegen swseren tac. 

Der diu wip alrerst betrouc, 
der hat beide an mannen und an wiben missevam. 30 
In weiz waz diu liebe touc, 

Sit sich friunt gein friunde niht vor valsche kan bewavn. 
Frouwe, daz ir sselic sit! 

lät mit hulden mich den gruoz verschulden, 
der an friundes herzen lit. 35 

9 (L. 120 25). 

Weder ist ez übel, oder ist ez guot, 
daz ich min leit verhelen kan? 
Man siht mich dicke wol gemuot: 
so trüret manic ander man, 

Der minen schaden halben nie gewan: 5 

so gebäre ich dem geliche 
als ich si . . fröndenriche. 
nn müeze ez got gefüegen s6 
daz ich noch von wären schulden werde fro. 

Wie kumet daz ich so manegem man 10 

von siner not geholfen hän, 
Und ich mich selben niht enkan 
getrcesten, mich entriege ein wän? 
Ich minne ein wip, diust guot und wol getan: 
diu lät mich aller rede beginnen. 15 

ich kan aber endes niht gewinnen, 
dar nmbe wsere ich nu verzaget, 
wan dazs ein wenic lachet so si mir versaget. 

Si sehe dazs innen sich bewar 
(si schinet üzen fröudenrich), 20 



38 9 21—10 12 

Dazs an den siten iht irre var: 

80 wart nie wip so minneclich: 

Sost eht ir lop vil frouwen lobes entwich; 

ist nfich ir wirde gefurrieret 

diu schoene diu sie üzen zieret, 25 

kan ich ir denne gedienen iht, 

des wirt bi solhen eren ungelönet niht. 

Swie noch min fröude an zwivel stät, 
den mir diu guote mac vil avoI 

Gebäezen, ob sis willen hat, 30 

son ruoche eht waz ich knmbers dol. 
Si fraget des mich nieman fragen sol, 
wie lange ich welle an ir beliben: 
sist iemer mer vor allen wiben 

ein wernder tröst ze fröuden mir. 35 

nu mtieze mir geschehen als ich geloube an ir. 

Genuoge kunnen deste baz 
gereden daz si bi liebe sint: 
Swie dicke ich ir noch bi gesaz, 

80 wesse ich minner danne ein kint; 40 

Ich wart an allen minen sinnen blint. 
, des wser ich anderswä betoeret: 
si ist ein wip diu niht gehoeret, 
und guoten willen kan ersehen, 
den hau ich, so mir iemer müeze liep geschehen. 45 

10 (L. 115 6). 

Herre got, gesegene mich vor sorgen, 
daz ich vil wunnecliche lebe! 
Wil mir ieman sine fröude borgen, 
daz i'm ein ander wider gebe? 

Die vind ich vil schiere ich weiz wol wä; 5 

wan ich liez ir wunder da; 
der ich vil wol mit sinnen 
getrüwe ein teil gewinnen. 

AI min fröude lit an einem wibe: 
der herze ist ganzer tugende vol, 10 

Und ist 80 geschaffen an ir libe 
daz man ir gerne dienen sol. 



10 13-12 4 39 

Ich erwirbe ein lachen wol von ir. 

des muoz si gestaten mir. 

wie mac siz behüeten? 1^ 

ich fröuwe mich nach ir güeten. 

Als ich under wilen zir gesitze. 
80 si mich mit ir reden lät, 
So benimt si mir so gar die witze, 
daz mir der lip alnmbe gät. 

Swenne ich iezuo wunder rede kan, 20 

gesihet si mich einest an, 
so hän ichs vergezzen. 
Vraz wolde ich dar gesezzen? 

11 (L. 100 3). 

Ich gesprach nie wol von gnoten wiben, 

was mir leit, ichn wurde fro. 

Sende sorge künde ich nie vertriben 

minneclicher danne also. 

Wol mich, daz ich in hohen muot •'> 

mit minem lobe gemachen kan, und mir daz sanfte tuotl 

Ouwe wolte ein saelic wip aleine, 
80 getrürte ich niemer tac, 
Der ich diene, und hilfet mich vil kleine 
Bwaz ich sie geloben mac. 1^ 

Daz ist ir liep und tuot ir wol: 
wan si vergizzet iemer min, so man mir danken sol. 

Frömdiu wip diu dankent mir vil schone, 
dazs iemer saelic müezen sin! 

Daz ist wider miner frouwen löne ,15 

mir ein kleinez denkelin. 
Si habe den willen den si habe, 

min Wille ist guot, und klage diu werc, get mir an 

den iht abe. 

12 (L. 49 25). 
Herzeliebez frouwelin, 

got gebe dir hiute und iemer guot. 
Kunde ich baz gedenken din, 
des hete ich willeclichen muot. 



40 12 5-13 8 

Waz sol ich dir sagen me, 5 

Avan daz dir nieman holder ist dann ich? da von ist 

mir vil Ave. 

Sie verwlzent mir daz ich 
80 nider wende minen sanc. 
Daz sie niht versinnent sich 

waz liebe si, des haben undanc! 10 

Sie getraf diu liebe nie. 

die da nach dem guote und nach der schoene minnent, 

we wie minnent die? 

Bi der schoene ist dicke haz: 
zer schoene niemen si ze gäch. 

Liebe tuot dem herzen baz: 15 

der liebe get diu schoene nach. 
Liebe machet schoene wip: 
desn mac diu schoene niht getuon, sin machet niemer 

Ich vertrage als ich vertruoc [lieben llp. 

und als ich iemer wil vertragen. 20 

Du bist schoene und hast genuoc: 
waz mtigen sie mir da von gesagen? 
Swaz sie sagen, ich bin dir holt, 
und nxme din glesin vingerlin für einer küneginne golt. 

Hast du triuwe und staetekeit, 25 

BÖ bin ich des an angest gar, 
Daz mir iemer herzeleit 
mit dinem willen widervar. 
Hast aber du der zweier niht, 

son müezest du mir niemer werden, onwe danne, ob 

daz geschiht! 30 

13 (L. 74 20). 

'Nemt, frouwe, disen kränz:' 

also sprach ich zeiner wol getanen maget; 

'So zieret ir den tanz 

mit den schcenen bluomen, als irs üffe traget. 

Het ich vil edele gesteine, 5 

daz mües üf iuwer honbet, 

obe ir mirs geloubet. 

set mine triuwe, daz ichz meine. 



13 9 — 14 2 41 

[Frouwe,] ir sit so wol getan, 
daz ich in min schapel gerne geben wil, 10 

So ichz aller beste hän. 
wizer unde röter bluomen weiz ich vil; 
Die Stent niht verre in jener heide, 
da sie schone entspringent 

und diu vogelin singent: 15 

da süle wir sie brechen beide.' 

Si nam daz ich ir bot, 
einem kinde vil gelich daz ere hat. 
Ir Wangen wurden rot, 

same diu rose, da si bi der liljen stät. 20 

Do erschampten sich ir liebten ougen: 
doch neic si mir vil schöne, 
daz wart mir ze löne: 
wart mtrs iht mer, daz trage ich tougen. 

Mich dühte daz mir nie 25 

lieber wurde, danne mir ze muote was. 
Die bluomen vielen ie 

von den boumen bi uns nider an daz gras. 
Seht, dö muost ich von fröuden lachen, 
do ich so wunnecliche 30 

was in troume riche, 
dö tagete ez unde muose ich wachen. 

Mir ist von ir geschehen, 
daz ich disen sumer allen meiden muoz 
Vast und er dougen sehen: 35 

lihte wirt mir miniu: so ist mir sorgen buoz. 
Waz obe si get an disem tanze? 
frouwe, durch iuwer güete 
rucket üf die hüete. 
ouwe gesaehe ichs under kränze! 40 

14 (L. 39 11). 
'Linder der linden 

an der heide, 



14 Iff. Vgl. Schade, Wissenschaftl. monatsbl. 111,107. 
Saran, Beitr. zur gesch. d. deutschen spräche 24, 83 (über den 
Rhythmus). 



4ii 14 3 — 15 2 

da unser zweier bette was, 

Da' müget ir vinden 

schöne beide 5 

gebrochen bluomen unde gras. 

Vor dem walde in einem tal, 

tandaradei, 

schöne sanc diu nahtegal. 

Ich kam gegangen 10 

zuo der ouwe: 

dö was min friedel komen e. 
Da' wart ich empfangen, 
here frouwe, 

daz ich bin saelic iemer me. 15 

Küster mich? wol tüsentstunt: 
tandaradei, 

seht wie rot mir ist der munt. 

Dö het er gemachet 
also riebe 20 

von bluomen eine bettestat. 
Des wirt noch gelachet 
innecliche, 

kumt iemen an daz selbe pfat. 

Bi den rosen er wol mac, 25 

tandaradei, 

merken wä mirz houbet lac. 

Daz er bi mir Isege, 
wessez iemen 

(nu enwelle got!), so schämt ich mich. 30 

Wes er mit mir pflaege, 
niemer niemen 

bevinde daz, wan er nnd ich, 
Und ein kleinez vogelin: 
tandaradei, 35 

daz mac wol getriuwe sin.' 

15 (L. 45 37). 
So die bluomen üz dem grase dringent, 
same si lachen gegen der spilden sunnen. 



15 3 — 16 4 43 

in einem meien an dem morgen fruo, 
Und diu kleinen vogelin wol singent 
in ir besten wise die si kunnen, 5 

waz wnnne mac sich da genozen zuo? 
Ez ist wol halp ein himelriche. 
snln wir sprechen waz sich deme geliche, 
8Ö sage ich waz mir dicke baz 

in minen ougen hat getan, und taete ouch noch, 

gesajhe ich daz. 10 

Swä ein edeliu frouwe schcene reine, 
wol gekleidet unde wol gebunden, 
durch kurzewile zuo vil liuten gät, 
Hovelichen hohgemuot, niht eine, 

umbe sehende ein wenic under stunden, 15 

alsam der snnne gegen den Sternen stät, — 
Der meie bringe uns al sin wunder, 
waz ist da so wunnecHches under, 
als ir vil minneclicher lip? 

wir läzen alle bluomon stän und kapfen an daz 

werde wip. 20 

Nu wol dan, weit ir die wärheit schouwen! 
gen wir zuo des meien hochgezite! 
der ist mit aller siner krefte komen. 
Seht an in und seht an werde frouwen, 
wederz ir daz ander überstrite; 25 

daz bezzer spil, ob ich daz hau genomen. 
Ouwe der mich da welen hieze, 
deich daz eine durch daz ander lieze, 
wie rehte schiere ich danne kür! 

her Meie, ir müeset merze sin, e ich min frouwen 

da verlür. 30 

16 (L. 46 32). 
Aller werdekeit ein füegaerinne, 
daz Sit ir zewäre, frouwe Mäze. 
er saelic man, der iuwer lere hat! 
Der endarf sich iuwer niender inne 



16 1 ff. Dieser ton unterscheidet sich von dem vorher- 
gehenden nur in der drittletzten zeile. 



44 16 5 — 17 19 

weder ze hove schämen noch an der sträze. 5 

durch daz so siioche ich, frouwe, iuwern rät, 
Daz ir mich ebene werben leret. 
wirbe ich nidere, wirbe ich höhe, ich bin verseret. 
ich was vil nach ze nidere tot, 

nu bin ich aber ze höhe siech: unmäze enlät mich 

äne not. 10 

Niderin minne heizet diu so swachet 
daz der lip nach kranker liebe ringet: 
diu minne tuot unlobeliche we. 
Höhiu minne heizet diu daz machet 
daz der muot nach werder liebe üf swinget: 15 

diu winket mir nu, daz ich mit ir ge. 
Nun weiz ich wes diu Mäze beitet. 
kumet diu herzeliebe, so bin ich verleitet: 
min ougen hänt ein wip ersehen, 

swie minneclich ir rede si, mir mae wol schade von 

ir geschehen. 20 

17 (L. 109 1). 

Ganzer fröuden wart mir nie so wol ze muote: 
mirst geboten, daz ich singen muoz. 
Saelic si diu mir daz wol verste ze guote! 
mich mant singen ir vil werder gruoz. 
Diu min iemer hat gewalt, 5 

diu mac mir wol trüren wenden 
unde senden fröude manicvalt. 

Git daz got daz mir noch wol an ir gelinget, 
seht, so waere ich iemer mere frö, 
Diu mir beide herze und lip zu fröuden twinget. 10 
mich betwanc nie me kein wip also. 
Ez was mir gar unbekant 
daz diu Minne twingen solde 
swie si wolde, unz ichz an ir bevant. 

Süeze Minne, sit nach diner süezen lere 15 

mich ein wip also betwungen hat, 
Bite sie dazs ir wiplich güete gegen mir kere: 
so mac miner sorge werden rät. 
Durch ir lichten ougen schin 



17 20 — 19 4 45 

wart ich also wol enpfangen, 20 

gar zerg;angeii was daz trüren min. 

Mich fröut iemer daz ich also guotem wibe 
dienen sei üf minneclichen danc. 
Mit dem tröste ich dicke trüren mir vertrlbe, 
unde wirt min nngemtiete kranc. 25 

Endet sich min ungemach, 
80 weiz ich von wärheit danne 
daz nie manne an liebe baz geschach. 

Minne, wunder kan din gtiete liebe machen, 
und din twingen swenden fi-önden vil. 30 

Wan du lerest leide üz spilnden ougen lachen, 
swä du meren wilt din wunderspil: 
Du kanst fröudenrichen muot 
80 verworrenliche verkeren, 
daz din seren sanfte unsanfte tuet. 35 

18 (L. 110 13). 

Wol mich der stunde, daz ich sie erkande, 

diu mir den lip und den muot hat betwungen, 

Sit deich die sinne so gar an sie wände, 

des si mich hat mir ir güete verdrungen. 

Daz ich gescheiden von ir niht enkan, 5 

daz hat ir schoene und ir güete gemachet, 

und ir roter munt der s6 lieplichen lachet. 

Ich hän den muot und die sinne gewendet 
an die reinen, die lieben, die guoten. 
Daz müez uns beiden wol werden volendet, 10 

swes ich getar an ir hulde gemuoten. 
Swaz ich fröuden zer werlde ie gewan, 
daz hat ir schoene und ir güete gemachet, 
und ir röter munt, der so lieplichen lachet. 

19 (L. 118 24). 
Ich bin nu so rehte frö, 

daz ich vil schiere wunder tuon beginne. 

Lihte ez sich gefüeget so 

daz ich erwirbe miner frouwen minne. 



46 19 5-20 17 

Seht so stigent mir die sinne 5 

höher danne der sunnen schin. genäde, ein küniginne! 

Ich ensach die guoten nie 
so dicke, daz ich daz . . verbsere, 
Mirne spilten dougen ie. 

der kalte winter was mir gar unmjBre. 10 

Ander liute dühte er swaere: 
mir was die wile als ez enmitten in dem meien wjere. 

Disen wunneclichen sanc 
hän ich gesungen miner frouwen ze eren. 
Des sei si mir wizzen danc: 15 

durch sie so wil ich iemer fröude meren. 
Wol mac si min herze seren: 
waz danne, ob si mir leide tuot? si mag ez wol verkßren. 

Daz enkunde nieman mir 
geraten daz ich schiede von dem wäne. 20 

Kert ich minen muot von ir, 
wä funde ich denne ein also wol getane, 
Diu so wsere valsches äne? 
sist schoener und baz gelobet denne Elene und Dijäne, 

20 (L. 92 9). 

Ein niuwer sumer, ein niuwe zit, 
ein guot gedinge, ein lieber wän, 
diu liebent mir en widerstiit, 
daz ich noch tröst ze fröuden hän. 
Noch fröuwet mich ein anderz baz 5 

dan aller vogeline sanc: 
swä man noch wibes güete maz, 
da wart ir ie der habedanc. 
Daz meine ich an die frouwen min: 
da muoz noch mere tröstes sin. 10 

sist schoener danne ein schoene wip: 
diu schoene machet lieber lip. 

Ich weiz wol daz diu liebe mac 
ein schoene wip gemachen wol: 

iedoch swelch wip ie tugende pflac, 15 

daz ist diu der man wünschen sei. 
Diu liebe stet der schoene bi 



20 18 — 21 6 47 

baz danne gesteine dem golde tuot: 

nu jehet waz danne bezzer si, 

hänt dise beide rehten muot. 20 

Sie hcehent mannes werdekeit: 

swer ouch die süezen arebeit 

durch sie ze rehte kan getragen, 

der mac von herzeliebe sagen. 

Der blic gefrönt ein herze gar, 25 

den minnecliche ein wip an siht: 
wie weit ir danne daz der var, 
dem ander liep von in geschiht? 
Der ist eht maneger fröuden rieh, 
so jenes fröude gar zergät. 30 

waz ist den fröuden ouch gellch, 
da liebez herze in triuwen stät, 
In schoene, in kiusche, in reinen siten? 
swelch saelic man daz hat erstriten, 
ob er daz vor den fremden lobet, 35 

so wizzet daz er niht entobet. 

Waz sol ein man der niht engert 
gewerbes umb ein reine wip? 
si läze in iemer ungewert, 

ez tinret doch wol sinen lip. 40 

Er tuo durch einer wiUen so 
daz er den andern wol behage: 
so tuot in ouch diu eine fro, 
ob im diu ander gar versage. 

Dar an gedenke ein saelic man: 45 

da lit vil sselde und eren an. 
swer guotes wibes minne hat, 
der schämt sich aller missetät. 

21 (L. 93 20). 
Waz hat diu werlt ze gebenne 
liebers danne ein wip, 

daz ein sende herze baz gefrönwen müge? 

Waz stiaret baz ze lebenne 

danne ir werder lip? 5 

ich enweiz niht daz ze fröuden hoher tüge, 



48 21 7 — 22 12 

Denne swä ein wip von herzen meinet 

den der ir wol lebt ze lobe. 

da ist ganzer tröst mit frönden underleinet: 

disen dingen hat diu werlt niht dinges obe. 10 

Min frouwe ist zwir beslozzen, 
der ich liebe trage, 

dort verklüset, hie verhöret da ich bin. 
Des einen hat verdrozzen 

mich nu manege tage: lf> 

so git mir daz ander senelichen sin. 
Solt ich pflegen der zweier slüzzel huote, 
dort ir libes, hie ir tugent, 
disiu Wirtschaft na^me mich üz sendem muote, 
und nsem iemer von ir schoene niuwe jugent. 20 

Wsenet Huote scheiden 
von der lieben mich, 

die ich mit stseten triuwen her gemeinet hän? 
Solhe liebe leiden, 

des verzihe sich: 25 

ich diene iemer üf den minnecllchen wän. 
Mac diu Huote mich ir libes pfenden, 
da habe ich ein troesten bl: 
sin kan niemer von ir liebe mich gewenden. 
twinget si daz eine, so ist daz ander fri. 30 

22 (L. 112 17). 
Ir vil minneclichen ougenblicke 
rtierent mich alhie, swann ich sie sihe, 
In min herze, ouwe sold ich sie dicke 
sehen, der ich mich für eigen gihe! 
Eigenlieben diene ich ir: 5 

daz sol si -vil wol gelouben mir. 

Ich trage in minem herzen eine swsere 
von ir der ich läzen niht enmac, 
Bl der ich vil gerne tougen waere 
beide naht und ouch den liebten tac. 10 

Des enmac nu niht gesin, 
ez enweUe diu liebe frouwe min. 



22 13 — 23 30 49 

Sol ich miner triuwe alsus entgelten, 
so ensol niemer man getrüwen ir. 

Si vertrüege michels baz ein schelten 15 

danne ein loben, daz geloubet mir. 
We war umbe tuot si daz, 
der min herze treit vil kleinen haz? 

23 (L. 99 6). 

Snmer nnde winter beide sint 
guotes mannes trost, der trostes gert: 
Er ist rehter fröude gar ein kint, 
der ir niht von wibe wirt gewert. 
Da von sol man wizzen daz, 5 

daz man elliu wip sol eren, und iedoch die besten baz. 

Sit daz nieman äne fröude touc, 
so wolte ouch ich vil gerne fröude hän 
Von der mir min herze nie gelouc, 
ezn sagte mir ir güete ie sunder wän. 10 

Swenn ez diu ougen sante dar, 
seht, so brähtens im diu msere, daz ez fuor in sprängen 

In weiz niht wol wiez dar umbe si: [gar. 

sin gesach min ouge lange nie : 

Sint ir mines herzen ougen bi, 15 

so daz ich äne ougen sihe sie? 
Da ist doch ein wunder an geschehen: 
wer gap im daz sunder ougen, deiz sie zaller zit mac 

Welt ir wizzen waz diu ougen sin [sehen? 

da mite ich sie sihe durch elliu laut? 20 

Ez sint die gedanke des herzen min: 
da mite sihe ich durch müre und ouch durch want. 
Nu hüeten swie sie dunke guot : 

80 sehent sie doch mit vollen ougen herze wille und 

al der muot. 

Wirde ich iemer ein so sselic man, 25 

daz si mich an ougen sehen sol ? 
Siht si mich in ir gedanken an, 
so vergütet si mir mine wol. 
Minen willen gelte mir, 
sende mir ir guotcn willen: minen den habe iemer ir. 30 

Waltb V. ü. Vog'elweide. 5. uufl. 4 



50 24 1 — 32 

24 (L. 50 19). 

Bin ich dir unmaere, 
des enweiz ich niht : ich minne dich. 
Einez ist mir swsere, 
du sihst bi mir hin und über mich. 
Daz solt du vermiden. 5 

ine mac niht erliden 
solhe liebe an grozen schaden : 
hilf mir tragen, ich hän ze vil geladen. 

Sol daz sin din huote, 
daz din ouge an mich so selten siht? 10 

Tuost du mir daz ze guote, 
söne wize ich dir dar umbe niht. 
So mit mir daz houbet, 
daz sl dir erloubet, 

und sich nider an minen fuoz, 15 

so du baz enmügest: daz si din gruoz. 

Swanne ichs alle schouwe, 
die mir suln von schulden wol behagen, 
So bist duz min frouwe: 

daz mac ich wol äne rtiemen sagen. 20 

Edel unde riche 
sint sie sumeliche 
dar zuo tragent sie hohen muot: 
lihte sint sie bezzer, du bist guot. 

Frouwe des versinne 25 

dich ob ich dir zihte maere si. 
Eines friundes minne 
diu ist niht, da ensi ein ander bi. 
Minne entouc niht eine, 

sl sol sin gemeine, 30 

so gemeine daz si ge 
durch zwei herze und durch dekeinez me. 



24 16. Hierauf folgt in E folgende Strophe: Sie heginnent 
alle miner frauwen (lies frouwe, niiner) fuezze nemen war 
mitten in dem schatte so sich frauwe auch under vrilen dar 
ümme die merkere la dir sin umm,ere den griffe ich wol naher 
baz daz versueclie alrerst so denrie daz. 



25 1 — 38 51 

25 (L. 51 13). 

Müget ir schouwen waz dem meien 
Wunders ist beschert? 
Seht an pfaffen, seht an leien, 
wie daz allez vert. 

Groz ist sin gewalt: 5 

ine weiz obe er zouber kunne: 
swar er vert in siner wunne, 
dän ist nieman alt. 

Uns wil schiere wol gelingen, 
wir suln sin gemeit, 10 

Tanzen lachen unde singen 
äne dörperheit. 
We wer waere unfrö? 
Sit din vogelin also schöne 

schallent mit ir besten döne, 15 

tuon wir ouch also! 

Wol dir, meie, wie du scheidest 
allez äne haz! 

Wie wol du die bonme kleidest, 

und die beide baz! 20 

Diu hat varwe me. 
'du bist kurzer, ich bin langer,' 
also stritents üf dem anger, 
bluomen unde kle. 

Roter munt, wie du dich swachest! 25 

lä din lachen sin. 

Scham dich daz du mich an lachest 
nach dem schaden min. 
Ist daz wol getan? 

ouwe so verlorner stunde, 30 

sol von minneclichem munde 
solch unminne ergän! 

Daz mich, frouwe, an fröuden irret, 
daz ist iuwer lip. 

An iu einer ez mir wirret, 35 

ungensedic wip. 
Wä nemt ir den muot? 
ir Sit doch genäden riche: 



52 25 39 — 26 25 

tuot ir mir ungnaedecliche, 

so Sit ir niht guot. 40 

Scheidet, frouwe, mich von sorgen, 
liebet mir die zit: 
Oder ich muoz an fröuden borgen, 
daz ir sselic sit! 

Müget ir umbe sehen? 45 

sich fröut al diu werlt gemeine: 
möhte mir von iu ein kleine 
fröudelin geschehen! 

26 (L. 52 23). 

Min frouwe ist ein ungenaedic wip, 

daz si wider mich als übele tuot. 

Ja bräht ich doch einen jungen lip 

in ir dienest unde hohen muot. 

Ouwe do was mir so wol: 5 

wiest daz nu verdorben! 

waz hän ich erworben? 

anders niht wan kumber den ich dol. 

Ouwe miner wunneclichen tage! 
waz ich der an ir versümet hän! 10 

Daz ist iemer mines herzen klage, 
süln diu lieben jär also zergän. 
Manege sorge und arebeit 
die klage ich vil kleine: 

raine zit aleine, 15 

hab ich die verlorn, daz ist mir leit. 

In ^esach nie houbet baz gezogen: 
in ir herze künde ich nie gesehen, 
le dar under bin ich gar betrogen: 
daz ist an den triuwen mir geschehen. 20 

Möhte ich ir die Sternen gar, 
mänen unde sunnen 
zeigen hän gewunnen, 
daz waer ir, so ich iemer wol gevar. 

Ich gesach nie sus getane site, 25 



26 25. Statt dieser und der folgendeu stropbe bat E: 



26 26 — 27 12 53 

dazs ir besten friunden wsere gram. 

Swer ir vient ist, dem wil si mite 

rünen; daz guot ende nie genam. 

Ich weiz wol wiez ende ergät: 

vint und friunt gemeine, 30 

der gestets aleine, 

so si mich und jene unrehte hat, 

Miner frouwen darf niht wesen leit, 
daz ich rite und frage in frömediu laut 
Von den wlben die mit werdekeit 35 

lebent (der ist vil manegin mir erkant) 
Und die schcene sint da zuo: 
doch ist ir deheine, 
weder groz noch kleine, 
der versagen mir iemer we getuo. 40 

27 (L. 53 25). 

Si wunderwol gemachet wip, 

daz mir noch werde ir habedanc! 

Ich setze ir minneclichen lip 

vil werde in minen hohen sanc. 

Gern ich in allen dienen sol: 5 

doch hän ich mir dise üz erkorn. 

ein ander weiz die sinen wol: 

die lobe er äne minen zom; 

hab ime wis unde wort 

mit mir gemeine: lobe ich hie, so lobe er dort. 10 

Ir houbet ist so wunnenrich, 
als ez min himel welle sin. 



Si hat mir bescJieiden vil manigen tac wide versumet mir vil 
schone leben als ich sie {ichs Lachm.) nu niht mer geliden mac 
so wil ich ir auch eine {ein ende Haupt) gehen tuot si mir 
gnade [da nachgetragen] so diene ich ir mit eren sol aber ich 
mich Teeren von ir gar so tantze ich aber anderswar. Maniger 
claget sin frautve spreclie nein so clage ich daz mine spricht ia 
aller worte kan si nur (niu-an Lachm.) ein daz hoer ich vil 
selten anderswa ichn weiz ob sie spotte min sie versaget mir 
nimmer sie gelobet mir immer gern unde ia daz muoz un- 
selic sin. 27 1 ff. Vgl. Pfeiffer, Germania II, 470. 



54 27 13 — 50 

Wem solde ez anders sin gelich? 

ez hat joch himelischen schin. 

Da liuhtent zwene Sternen abe: 15 

da müeze ich mich noch inne ersehen, 

daz si mirs also nähen habe! 

so mac ein wunder wol geschehen: 

ich junge, und tuot si daz, 

und wirt mir gernden siechen seneder sühte baz. 20 

Got häte ir wengel höhen fliz: 
er streich so tiure varwe dar, 
So reine rot, so reine wiz, 
hie roeseloht, dort liljenvar. 

Ob ichz vor Sünden tar gesagen, 25 

so Sffihe ichs iemer gerner an 
dan himel oder himelwagen. 
ouwe waz lob ich tumber man? 
mach ich sie mir ze her, 
vil lihte wirt mins mundes lop mins herzen ser. 30 

Si hat ein küssen, daz ist rot: 
gewunne ich daz für minen munt. 
So stüende ich üf üz dirre not 
und waere ouch iemer me gesunt. 

Dem si daz an sin wengel legt, 35 

der wont da gerne nähe bi: 
ez smecket, so manz iender regt, 
alsam ez allez balsme sl. 
das sol si lihen mir: 
swie dicke so siz wider wil, so gibe ichz ir. 40 

Ir kel, ir hende, ietweder fuoz, 
daz ist ze wünsche wol getan. 
Ob ich da enzwischen loben muoz, 
so wffine ich me beschouwet hän. 

Ich hete ungerne 'decke bloz!' 45 

gernefet, do ich sie nacket sach. 
si sach min niht, do si mich schoz, 
daz mich noch sticht als ez do stach, 
ich lobe die reinen stat 
da diu vil minnecliche üz einem bade trat. 50 



28 1-3S ^^ 

28 (L. 85 34). 
Frouwe, enlät iuch niht verdriezen 
miner rede, ob si gefüege si. 
Höhte ichs wider iuch geniezen, 
so wser ich den besten gerne bi. 

Wizzet daz ir schoene Sit: 5 

hat ir, als ich mich verwsene, 
güete bi der wolgetsene, 
waz danne an iu einer eren lit! 
'Ich wil iu ze redenne gunnen 
(sprechet swaz ir weit), ob ich niht tobe. 10 

Daz hat ir mir an gewunnen 
mit dem iuwern minneclichen lobe, 
lehn weiz obe ich schcene bin, 
gerne hete ich wibes güete. 

leret mich wiech die behüete: 15 

schcener lip entouc niht äne sin.' 

Frouwe, daz wil ich iuch leren, 
wie ein wip der werlte leben sol: 
Guote liute sult ir eren, 

minnecliche an sehen und grüezen wol; 20 

Eime sult ir iuwern lip 
geben für eigen, nemet den sinen. 
frouwe, woltet ir den minen, 
den gjßb ich umb ein so schcene wip. 

'Beide schouwen unde grüezen, 25 

swaz ich mich dar an versümet hän, 
Daz wil ich vil gerne büezen. 
ir hat hoveliche an mir getan. 
Tnot durch minen willen me: 

Sit niht wan mtn redegeselle. 30 

in weiz nieman dem ich welle 
nemen den lip: ez tsete im lihte we.' 

Frouwe, lät michz also wägen 
(ich bin dicke komen üz groezer not) 
Unde läts iuch niht betragen: 35 

stirbe aber ich, so bin ich sanfte tot, 
'Herre, ich wil noch langer leben, 
lihte ist iu der lip unmsere; 



56 28 39 - 29 35 

waz bedörfte ich solher swsere, 

solt ich minen lip umb iuwern geben V 40 

29 (L. 115 30). 
Mich nimt iemer wnnder waz ein wip 
an mir habe ersehen, 
Dazs ir zouber leit an ralnen lip. 
waz ist ir geschehen? 

Si hat doch ouch ougen: 5 

wie kumt dazs als übel gesiht? 
ich bin aller manne schoenst niht; 
daz ist äne lougen. 

Habe ir ieman iht von mir gelogen, 
so beschouwe mich baz. 10 

Sist an miner schoene gar betrogen, 
wils anders niht wan daz. 
Wie stät mir min houbet! 
dazn ist niht ze wol getan. 

sie betriuget lihte ein tumber wän, 15 

ob siz niht geloubet. 

Da si wont, da wonent wol tüsent man 
die vil schoener sint. 
Wan daz ich ein lützel fuoge kan, 
80 ist min schoene ein wint. 20 

Fuoge hän ich kleine: 
doch ist si gemeine wol, 
.... 80 daz si vil liuten sol 
iemer sin gemeine. 

Wil si fuoge für die schoene neraen, 25 

so ist si wol gemuot. 
Kan si daz, s6 muoz ir wol gezemen 
swaz si mir getuot. 
So wil ich mich neigen, 

und tuon allez daz si wil. 30 

waz bedarf si denne zoubers vil? 
ich bin doch ir eigen. 

Lät iu sagen wiez umbe ir zouber stät, 
des si wunder treit. 
Sist ein wip diu schoene und ere hat, 35 



29 86 — 30 22 57 

da bi liep und leit. 

Dazs iht anders kunne, 

daz sol man gar übergeben; 

wan daz mir ir wunneclichez leben 

machet sorge und wunne. 40 

30 (L. 69 1). 
Saget mir ieman, waz ist minne? 

weiz ich des ein teil, so wist ichs gerne me. 
Der sich baz denn ich versinne, 
der berihte mich durch waz si tuot so we. 
Minne ist minne, tuot si wol: 5 

tuot si we, 80 anheizet si niht rehte minne. sus enweiz 
ich wie si danne heizen sol. 

Obe ich rehte raten kunne 
waz diu minne si, so sprechet denne ja. 
Minne ist zweier herzen wunne: 

teilent sie geliche, sost diu minne da: 10 

Sol aber ungeteilet sin, 

80 enkans ein herze alleine niht enthalten, ouwe wol- 
dest du mir helfen, frouwe min! 

Frouwe, ich trage ein teil ze swaere: 
wellest du mir helfen, so hilf an der zit. 
Si aber ich dir gar unmaere, 15 

daz sprich endeliche: so läz ich den strit, 
Unde wirde ein ledic man. 

du solt aber einez rehte wizzen, daz dich Kitzel ieman 
baz dann ich geloben kan. 

Kan min frouwe süeze siuren? 
waenet si daz ich ir liep gebe umbe leit? 20 

Sol ich sie dar umbe tiuren, 
daz siz wider kere an mine unwerdekeit? 



3018. Hier folgt in EF : Ich mU also singen immer daz 
sie denne sprechent er gesanc nie baz des gedankest du mir 
nimmer daz verwizze ich dir alrest so (fenlt F) denne daz 
tceistu wes sie wünschent dir daz sie selig sie von der man 
tms sust (uns so schone E) singet sich frauwe den gemeinen 
wünsch hast auch von mir. 



58 30 23 — 31 27 

So kund ich unrehte spehen. 

w6 waz sprich ich örenlöser ougen äneV den diu minne 
blendet, wie mac der gesehen? 

31 (L. 40 19). 
Ich hän ir so wol gesprochen, 
daz sie maneger in der werlte lobet: 
Hat si daz an mir gerochen, 
ouwe danne, so hän ich getobet, 

Daz ich die getiuret hän 5 

und mit lobe gekrcenet, 
diu mich wider hoenet. 
frouwe Minne, daz si iu getan. 

Frouwe Minne, ich klage iu mere: 
rihtet mir und rihtet über mich. 10 

Der ie streit umb iuwer ere 
wider nnstiete liute, daz was ich. 
In den dingen bin ich wunt. 
ir hat mich geschozzen, 

und gät si genozzen: 15 

ir ist sanfte, und ich aber ungesunt. 

Frouwe, lät mich des geniezen: 
ich weiz wol, ir habet sträle me: 
Müget irs in ir herze schiezen, 

daz ir werde mir geliche we: 20 

Müget ir, edeliu ktinegin, 
iuwer wunden teilen 
oder die mine heilenV 
sol ich eine alsus verdorben sin? 

Ich bin iuwer, frouwe Minne: 25 

schiezet dar da man iu widerste. 
Helfet daz ich sie gewinne. 



31 24 Hier folgt iu E, teilweise auch in U erhalten: 
Frauwe minne ir siUt mir loyien baz denne einem andern 
man unde sült min schonen {ir mir schonen U) baz u-onde 
(lies wände) ich ü baz gedienet han (baz als ich iv gedienen 
kan U) waz sol {sold Ü) üch der nüwe site daz ir managen 
eret Qieret U) der üch hin (f. U) wider uneret da verderbet 
ir die besten mite. 



31 28 — 32 L'O 59 

neinä frouwe, daz sis iht enge! 

Lät mich iu daz ende sagen : 

und engets uns beiden, 30 

wir zwei sin gescheiden. 

wer solt iu danne iemer iht geklagenV 

32 (L. 65 33). 
In einem zwivellichen wän 

was ich gesezzen, und gedähte, 

Ich wolte von ir dienste gän; 

wan daz ein tröst mich wider brähte. 

Trost mag ez rehte niht geheizen, onwe des! 5 

ez ist vil küme ein kleinez trcestelin, 

so kleine, swenne ichz iu gesage, ir spottet min. 

doch fröut sich lützel ieman, er enwizze wes. 

Mich hat ein halm gemachet fro: 
er gibt, ich sül genäde vinden. 10 

Ich maz daz selbe kleine strö, 
als ich hie vor gesach von kinden. 
Nu beeret unde merket ob siz denne tuo. 
'si tuot, si entuot, si tuot, si entuot, si tuot.' 
swie dicke ich also maz, so was ie 'z ende guot. 15 
daz troestet mich: da beeret ouch geloube zuo. 

Swie liep si mir von herzen si, 
so mac ich doch wol erliden 
Daz ich ir si zem besten bi: 
ich darf ir werben da niht niden, 20 



32 1. Vor dieser atrophe steht in F die folgende iu 
gleichem tone : Do got geschuff so schöne ein weyp da geschuff 
er ir so schöne synne das fuan sie lobet für mangen leyp ir 
schone ist auch tumb dorimie wie sol ich die erwerben die so 
rehte selig ist mit meiner selde erwirbe ich lützel dann (da 
Lachmann) ich wil mich rechte an ir gnade lan {läzen Lachm.) 
ia das ist mein ennde rat und auch mein ende list. 32 17. Der 
text dieser nur in C überlieferten Strophe scheint verderbt. 
Sie ist noch nicht befriedigend erklärt. Vgl. WaUner, PBB 
33, 204. Der Vorschlag von Sievers (ib. 35, 191) z. 19 zu lesen 
daz ich ie s/ den besten bi verstösst gegen den Sprachgebrauch, 
da statt ie vielmehr iemer stehen müsste. 



öO 32 21 - 34 8 

lehn mac, als ich erkenne, des gelonben niht 
dazs ienaan sanfte in zwivel bringen müge. 
mirst liep daz die getrogenen wizzen waz sie trüge, 
und alze lanc dazs iemer rüemic man gesiht. 

33 (L. 70 1). 
Daz ich dich so selten grtleze, 
frouwe, daz ist äne alle missetät. 
Ich wil daz wol zürnen müeze 
liep mit liebe, swä ez von friundes herzen gät. 
Niene trüre du, wis fro: 5 

sanfte zürnen, sere süenen, deist der minnen reht: diu 

In gesach nie tage suchen [herzeliebe wil also, 

so die mine tuont. ich warte in allez nach. 
Wesse ich war sie wolten strichen! 
mich nimt iemer wunder wes in si so gäch. 10 

... sie mügen zuo deme 

komen der ir niht so schone pfliget: so läzen denne 

schinen ob si wizzen weme. 

Du solt eine rede vermiden, 
frouwe; daz gezimt den dinen güeten wol; 
Spraechest duz, ich woldez niden, 15 

daz die boesen sprechent, so man Ionen sol, 
'Hete er saelde, ich taete im guot.' 
er ist selbe unsaelic, swer daz gerne sprichet unde 

niemer diu geliche tuot. 

34 (L. 70 22). 
Genäde, frouwe! also bescheidenliche 
lä mich dir einer iemer leben, 
Ob ich daz breche, daz ich fürder striche, 
wan einez soltu mir vergeben: 

Daz mahtu mir ze kurzer wile erlouben gerne, 5 

die wile unz ich din beiten sol. 
ich nenne ez niht, ich meine jenz, du weist ez wol. 
ich sage dir wes ich angest hau: da fürhte ich daz 

ichz widerlerne. 

34 1. 3. Die beiden zeilen haben einen fuss weniger 
als die entsprechenden in den übrigen Strophen. 



34 9 — 35 10 61 

'Gewinne ich iemer liep, daz wil ich haben eine: 
min friunt der minnet andriu wip. 10 

An allen guoten dingen hän ich wol gemeine, 
wan da man teilet friundes lip. 
So ich in under wilen gerne bi mir saehe, 
so ist er von mir anderswä. 

Sit er da also gerne si, so sl onch da. 15 

ez tuot so manegem wibe we, daz mir da von niht 

wol geschaehe.' 

Si sselic wip, si zürnet wider mich ze sßre, 
daz ich mich friunde an manege stat. 
Si engehiez mich nie geleben nach ir Ißre, 
swie jämerliche ich sies gebat. 20 

Waz hilf et mich daz ich sie minne vor in allen? 
si swiget iemer als ich klage, 
wil si daz ich andern wlben widersage, 
so läze ir mine rede ein wenic baz gevallen. 

'Ich wil dir jehen daz du min dicke sere bsete, 25 
und nam ich des vil kleine war. 
Do wisse ich wol daz du allenthalben also taste: 
des wart ich dir so fremede gar. 
Der min ze frinnde ger, wil er mich gewinnen, 
der läze alsolhe unstaetekeit. 30 

gemeine liep daz dunket mich gemeinez leit: 
nu sage, weist du anders iht? da von tar ich dich 

niht geminnen.' 

35 (L. 72 31). 
Lange swigen des hat ich gedäht: 
nu muoz ich singen aber als 6. 

Dar zuo hänt mich gnote liute bräht: 
die mügen mir wol gebieten me. 

Ich sei singen unde sagen, 5 

und swes sie gern, daz sol ich tuon: so snln sie minen 

kumber klagen. 
Hoeret wunder, wie mir ist geschehen 
von min selbes arebeit: 
Mich enwil ein wip niht an gesehen; 
die bräht ich in die werdekeit, 10 



62 35 11— 36 lü 

Daz ir muot so höhe stät. 

Jon weiz si niht, swenn ich min singen läze, daz ir lop 

Herze, waz si flüeche liden sei, [zergät. 

swenn ich nu läze minen sanc! 

Alle die nu lobent, daz weiz ich wol, 15 

die scheltent danne an minen danc. 
Tüsent herzen wurden fro 
von ir genäden, dins engeltent, scheide ich mich von ir 

Do mich dühte daz si wsere guot, [also, 

wer was ir bezzer do dann ich? 20 

Dest ein ende: swaz si mir getuot, 
so mac si wol verwsenen sich: 
Nimet si mich von dirre not, 
ir leben hat mines lebennes ere: sterbet si mich, so ist 

Sol ich in ir dienste werden alt, [^i tot. 25 

die wile junget si niht vil. 
So ist min här vil lihte also gestalt, 
dazs einen jungen danne wil. 
So helfe iu guot, her junger man, 
so rechet mich und get ir alten hüt mit sumerlaten an. 30 

36 (L. 88 9). 

Friuntlichen lac 

ein riter vil gemeit 

an einer frouwen arme. er kos den morgen lieht. 

do er in durch diu wölken so verre schinen sach, 

Diu frouwe in leide sprach ' 5 

'we geschehe dir, tac, 

daz du mich last bi liebe langer bliben niht. 

daz sie da heizent minne, deist niewan senede leit.' 

'Friundinne min, 
du solt diu trüren län. 10 

ich wil mich von dir scheiden: daz ist uns beiden guot. 
ez hat der morgensterne gemachet hinne lieht.' 
'Min friur.t, nu tuo des niht, 
Ifi die rede sin, 

duz du mir ilit so sere beswserest minen muot. 15 
war gähest also balde? ez ist niht wol getan.' 



36 17 — bi f*'i 

'Frouwe, nu daz si: 
ich wil beliben baz. 

nu rede in kurzen ziten allez daz du wil, 
daz wir unser huote triegen aber als e.' 20 

'Min friunt, daz tuot mir we. 
e ich dir aber bi 

gelige, miner swaere derst leider alze vil. 
nu mit mich niht ze lange: vil liep ist mir daz.' 

'Daz muoz also geschehen 
daz ich es niene mac. 

sol ich dich, frouwe, miden eines tages lanc, 
so enkumt min herze doch niemer von dir.' 
'Min friunt, nu folge mir: 

du solt mich schiere sehen. 30 

ob du mir sist mit triuwen stsete sunder wanc. 
ouwe der ougenweide! nu kius ich den tac' 

'Waz helfent bluomen rot, 
Sit ich nu hinnen sol? 

vil liebiu friundinne, die sint unmsere mir, 35 

reht als den vogelinen die winterkalten tage.' 

'Friunt, dest ouch min klage 
und mir ein wernde not. 

Jon weiz ich niht ein ende, wie lange ich din enbir. 
nu lige cht eine wile: son getsete du nie so wol.' 40 

'Frouwe, es ist zit: 
gebiut mir, lä mich varn. 

ja tuon ichz durch din ere, daz ich von hinnen ger. 
der wahtaere diu tageliet so lüte erhaben hat.' 
'Friunt, wie wirt es rät? 45 

da läze ich dir den strit. 

onwe des urloubes, des ich dich hinnen wer! 
von dem ich habe die sele, der müeze dich bewarn.' 

Der riter dannen schiet: 
do sente sich sin lip, 50 

und liez ouch sere weinde die schoenen frouwen guot. 
doch galt er ir mit triuwen dazs ime vil nähe lac. 
Si sprach 'swer ie gepflac 
ze singenne tageliet 



64 36 55 - 37 26 

mir, der wil wider morgen beswaeren minen muot. 55 
nu lige ich liebes eine reht als ein senede wip.' 

37 (L. 57 23). 
Minne diu hat einen site: 
daz si den vermiden wolde! 
daz gezaeme ir baz. 
Da beswaert si manegen mite, 

den si niht beswaeren solde: 5 

we wie zimt ir daz? 
Ir sint vier unt zwenzec jär 

vil lieber danne ir vierzec sin, und stellet sich vil 

übel, sihts iender gräwez h&r. 

Minne was min frouwe so gar, 
deich wol wiste al ir tougen. 10 

nu ist mir so geschehen. 
Kumt ein junger ieze dar, 
so wird ich mit twerhen ougen 
schilhend an gesehen. 

Armez wip, wes müet si sich? 15 

weizgot wan daz si liste pfliget und tören triuget, 

sist doch elter vil dann ich. 

Minne hat sich an genomen 
daz si get mit tören umbe 
springende als ein kint. 

War sint alle ir witze komen? 20 

wes gedenket si vil tumbe? 
sist joch gar ze blint. 
Dazs ir rüschen nienen lät, 

und füere als ein bescheiden wip! si stözet sich, daz 
ez mir an min herze gät. 

Minne sol daz nemen für guot, 25 

under wüen so si ringet, 

37 1. E eröffnet dieses lied mit folgender Strophe : Ich 
han ir gedienet hö Lachm.J daz (diu Lachm.) do heizet frauwe 
mirme daz iz \mac Lachm.] immer clage [wiser man si wiget 
unhö und Lachm.] der gauch ist guoter sinne daz mich der 
sol vertage der mm tore solte sin da wir zwene werben ümme 
ein ding daz dinc tuot fürder nimmer miiez es werden min. 



37 27 — 38 27 65 

daz ich sitzen ge. 
Ich hau also hohen muot 
als einer der vil hohe springet: 

we waz wil sis me? 30 

Anders diene ich swaz ich mac. 

si besüoche wä die sehse sin: von mir häts in der 

Wochen ie den sibenden tac. 

38 (L. 63 32). 

'S wie wol der heide ir manicvaltiu varwe stät, 
so wil ich doch dem walde jehen 
Daz er vil mere wunneclicher dinge hat: 
noch ist dem velde baz geschehen. 
So wol dir, sumer, sus getaner arebeit! 5 

sumer, daz ich iemer lobe dine tage, 
trost, s6 troeste ouch mine klage. 

ich sage dir waz mir wirret: der mir ist liep, dem 

bin ich leit.' 
Ich mac der guoten niht vergezzen noch ensol, 
diu mir so vil gedanke nimet. 10 

Die wile ich singen wil, so vinde ich iemer wol 
ein niuwe lop daz ir gezimet. 
Nu habe ir diz verguot (so lobe ich danne me): 
ez tuot in den ougen wol daz man sie siht: 
und daz man ir vil tugende gibt, 15 

daz tuot wol in den oren. so wol ir des! so wo mir, we! 

Sie frägent unde frägent aber alze vil 
von miner frouwen, wer si si. 
Daz müet mich so daz ichs in allen nennen wil: 
so laut sie mich doch danne fri. 20 

Genäde und Ungenäde, dise zwene namen 
hat min frouwe beide und sint ungelich: 
der eine ist arm, der ander rieh. 

der mich des riehen irre, der müeze sich des armen 

schämen. 
Die schamelosen, liezen sie mich äne not, 25 

so enhaete ich weder haz noch nit. 
Nu muoz ich von in gän, also diu zuht gebot. 

Walth. V. d. Vogelweide. 6. aufl. 5 



6« 38 28 — 39 32 

ich lA.ze in laster uride atrit. 

1)6 zuht gebieten raolite, seht, dö schuof siz so: 

tösent werten einem ungefftegen man, 30 

unz er schone sich versan; 

und muose sich versinnen: so vil was der gefüegen do. 

39 (L. 119 17). 
Got gebe ir iemer gnoten tac 
und läze mich sie noch gesehen, 
Diech minne und niht erwerben mac. 
mich mtiet daz ich sie beere jehen, 
Wie holt si mir entriuwen wsere, 5 

und saget mir ein ander maere, 
des min herze inneclichen kumber lidet iemer sit: 
onwe wie süeze ein arebeit! 
ich hän ein senfte unsenftekeit. 

'Got hat vil wol ze mir getan, 10 

Sit ich mit sorgen minnen sol, 
Daz ich mich underwunden hän 
dem alle liute aprechent wol. 
Im wart von mir in allen gäben 

ein küssen und ein umbevähen: 15 

seht, do schoz mir in min herze daz mir iemer nähe lit, 
unz ich getuon des er mich bat. 
ich tsetez, wurde mirs diu stat.' 

Ich wsere dicke gerne fro, 
wan daz ich niht gesellen hän. 20 

Nu sie alle trürent so, 
wie möhte ichz eine denne län? 
Ich mtiese ir vingerzeigen liden, 
ichn wolte fröude durch sie mfden. 
sus behalte ich wol ir hulde, daz siez läzen äne nit. 25 
wan ich gelache niemer niht 
da ez ir dekeiner siht. 

Es tuot mir inneclichen we, 
als ich gedenke wes man pflac 

In der weiite wilent e. 30 

ouwe deich niht vergezzen mac 
Wie rehte fro die liute wären! 



39 33 — 41 17 67 

dö künde ein s»lic man gebären, 
und spilte im sin herze gein der wunneclichen zit. 
sol daz nimmer mer geschehen, 35 

80 müet mich daz ichz hän gesehen. 

40 (L. 112 3). 

Mtieste ich noch geleben daz ich die rosen 

mit der minneclichen solde lesen, 

So wold ich mich so mit ir erkosen, 

daz wir iemer friunde müesten wesen. 

Wurde mir ein kus noch zeiner stunde 5 

von ir roten munde, 

80 waer ich an fi-öuden wol genesen. 

Waz sol lieblich sprechen? waz sol singen? 
waz sol wibes schcene? waz sol guot? 
Sit man nieman siht nach fröuden ringen, 10 

Sit man übel äne vorhte tuot, 
Sit man trinwe milte zuht und ere 
wil verpflegen so sere, 
so verzagt an fröuden maneges muot. 

41 (L. 110 27). 
Wer kan nu ze danke singen? 
dirre ist trüric, der ist fro: 

Wer kan daz zesamene bringen? 

dirre ist sus und der ist so, 

Sie verirrent mich 5 

und versüment sich: 

wess ich waz sie wolten, daz sung ich. 

Fröude und sorge erkenne ich beide: 
da von singe ich swaz ich sol. 

Mir ist liebe, mir ist leide. 10 

sumerwunne tuot mir wol; 
Swaz ich leides hän, 
daz tuot zwivelwän, 
wiez mir umb die lieben sül ergän. 

Wol iu kleinen vogelinen! 15 

iuwer wunneclicher sanc 
Der verschallet gar den minen. 



68 41 18 — 42 32 

al diu werlt diu seit iu danc. 
Also danken ir 

42 (L. 42 15). 
Wil aber iemen wesen frö, 
daz wir iemer in den sorgen niht enlebenV 
We wie tuont die jungen so, 
die von fröuden selten in den lüften sweben? 
lehn weiz anders weme ichz wizen sol, 5 

wan den riehen wize ichz und den jungen, 
die sint unbetwungen: 
des stät in trüren übel und stüende in fröude wol. 

Wie fro sselde kleiden kan, 
daz si mir glt kumber unde hohen muot! 10 

So gits einem riehen man 
ungemüete: ouwe waz sol dem selben guotV 
Min frou Saelde, wie si min vergaz, 
daz si mir sin guot ze minem muote 
niene schriet, si vil guote! 15 

min kumber stüende im dort bi sinen sorgen baz. 

Swer verholne swaere trage, 
der gedenke an guotiu wip: er wirt erlöst; 
Und gedenke an liehte tage. 

die gedanke wären ie min bester tröst. 20 

Gegen den vinstern tagen lide ich not, 
wan daz ich mich rihte nach der beide, 
diu sich schämt ir leide: 
80 si den walt siht gruonen, so wirts iemer röt. 

Frouwe, als ich gedenke an dich, 25 

waz din reiner lip erweiter tugende pfliget, 
S6 lä stän! du rüerest mich 
mitten an daz herze, da diu liebe liget. 
Lieb und lieber des enmein ich niht: 
du bist [mir] aller liebest, daz ich meine. 30 

du bist mir aleine 
vor al der werlte, frouwe, swaz so mirgeschiht. 

42 30 ff. wiU Braune (PBB 41, 191) mit U(E) lesen: 
ez ist allerliehest, daz ich meine. Du bist mir aüeine vor 
aUem liehe, frouwe, swaz joch mir geschiht. 



43 1 — 44 U 69 

43 (L. 117 29). 
Nu sing ich als ich e sanc, 

'wil aber iemen wesen fro? 

Daz die riehen haben undanc, 

und die jungen haben also!' 

Wist ich waz in würre (daz möhten sie mir gerne 5 

so hülfe ich ir schaden klagen. [sagen), 

Swä so liep bi liebe lit 
gar vor allen sorgen fri, 
Ich wil daz diu winterzit 

den zwein wol erteilet si. 10 

Snmer unde winter, der zweier eren ist so vil, 
daz ich beide loben wil. 

Hat der winter kurzen tac, 
so hat er die langen naht, 

Daz sich liep bi liebe mac 15 

wol erholn, daz e da vaht. 

Waz hän ich geredet? ouwe ja het ich baz geswigen. 
sol ich iemer so geligen? 

44 (L. 97 34) 

Ez waere uns allen einer hande saelden not: 

daz man rehter fröude schöne pflsege als e. 

Ein missevallen daz ist miner fröuden tot, 

daz den jungen fröude tuot so rehte we. 

War zuo sol ir junger lip, 5 

da mite sie fröude solten minnen? 

hei wolten sie ze fröuden sinnen, 

junge man, des hülfen noch diu wip! 

Nu bin ich iedoch frö und muoz bi fröuden sin 
durch die lieben, swiez dar under mir ergät. 10 

Min schin ist hie noch: so ist bl ir daz herze min, 
daz man mich vil ofte sinnelösen hat. 
Hei solten sie zesamene komen, 
min lip, min herze, ir beider sinne, 



• 43 1 if. Das versmass ist das gleiche wie in 59. Ich habe 
beide lieder in ihrer Stellung nur belassen, um die reihenfolge 
gegen die erste aufläge nicht zu verändern. 



70 44 15 - 45 10 

daz sie des wol wurden inne, 15 

die mir dicke fröude hänt benomen! 

Vor den merkaeren kan nu nieman liep geschehen: 
wan ir huote twinget manegen werden lip. 
Daz muoz beswsDren mich: swenn ich sie solte sehen, 
so muoz ich sie miden, sie vil sa3lic wip. 20 

Doch mtieze ich noch die zit geleben, 
daz ich sie willic eine vinde, 
so daz diu huote uns beiden swinde; 
da mite wurde mir liebes vil gegeben. 

Vil maneger fraget mich der lieben, wer si sl, 25 
der ich diene und allez her gedienet hän. 
So des betraget mich, so spriche ich 'ir sint dri, 
den ich diene: so hab ich zer vierden wän.' 
Doch weiz siz aleine wol, 

diu mich hat sus zuo zir geteilet. 30 

diu guote wundet unde heilet, 
der ich vor in allen dienen sol. 

Nu, frouwe Minne, kum sie minneclichen an, 
diu mich twinget und also betwungen hat. 
Brinc sie des inne, daz werdiu minne twingen kan. 35 
waz ob minneclichiu liebe ouch sie bestätV 
So möhtes ouch gelouben mir 
daz ich sie gar von herzen meine, 
nu, Minne, bewaere irz und bescheine, 
daz ich iemer gerne diene dir. 40 

45 (L. 54 37). 
Ich freudehelfeloser man, 
war umbe mach ich manegen frö, 
Der mir es niht gedanken kan? 
ouwe wie tuont die friunde so? 

Ja friunt! waz ich von friunden sage! 5 

het ich dekeinen, der vernseme ouch mine klage, 
nun hän ich friunt, nun hän ich rät: 
nu tuo mir swie du wellest, minneclichiu Minne, sft 

nieman min genäde hat. 
Vil minneclichiu Minne, ich hän 
von dir verloren minen sin. 10 



45 11 — 40 71 

Du wilt gewaltecllchen gän 
in minem herzen uz und in. 
Wie künde ich äne sin genesen? 
du wonest an siner stat, da'r inne solte wesen: 
du sendest in du weist wol war, 15 

dan mac er leider niht erwerben, frouwe Minne: ouwe 
Genäde, frouwe Minne! ich wil [du soltest selbe dar, 
dir umbe dise boteschaft 
Gefüegen dines willen vil: 

wis wider mich nu tugenthaft. 20 

Ir herze ist rehter fröuden vol, 
mit lüterllcher reinekeit gezieret wol: 
erdringest du da dine stat, 
so lä mich in, daz wir sie mit ein ander sprechen, mir 

missegie, do ichs eine bat. 
Gensedeclichiu Minne, lä: 25 

war umbe tuost du mir so we? 
Du twingest hie, nu twinc ouch da, 
versuoche wer dir widerste. 
Nu wil ich schouAven, ob du iht tügest. 
dun darft niht jehen daz du in ir herze'n mügest: 30 
ezn wart nie slöz so manicvalt, 
daz vor dir gestüende, diebe meisterinne, tuo üf! 

sist wider dich ze halt. 

Frö Sselde teilet umbe sich, 
und keret mir den rugge zuo. 

Da enkan si niht erbarmen sich: 35 

in weiz waz ich dar umbe tuo. 
Si stet ungerne gegen mir: 

louf ich hin umbe, ich bin doch iemer hinder ir: 
sin ruochet mich niht an gesehen. 
ich wolte daz ir ougen an ir nacke stüenden: so 

müest ez an ir danc geschehen. 40 

Wer gap dir, Minne, den gewalt, 

daz du doch so gewaltic bist? 

Du twingest beide junc und alt: 

da für kau nieman keinen list. 

Nu lob ich got, Sit diniu bant 45 



72 45 46 — 46 24 

mich snlen twingen, deich so rehte hän erkant 
wä dienest werdellchen Ht. 

da von enkume ich niemer. gnäde, frou küneginne! 
lä mich dir leben mine ztt. 

46 (L. 8. 184. 5. 61 33). 
Ich wil nu mere üf ir genäde wesen frö, 
80 verre als ich . . . immer mac. 
lehn weiz ob allen liuten . . sl also: 
nach eime guoten kumet mir ein so boeser tac, 
Daz ich ze fröuden niht enkan. 5 

so get ez an ein scheiden: des pflac ich von kinde 

gerner denne ie man. 
in ruoche wer min drumbe lachet: 
zewäre wünschen unde wsenen daz hat mich dicke 

frö gemachet. 

Ich wünsche mir so werde daz ich noch gelige 
bi ir so nähen deich mich in ir ouge ersehe, 10 

Und ich ir also vollecllchen an gesige, 
swes ich sie denne frage daz si mirs verjehe. 
So spriche ich 'wildus iemer me 

beginnen, du vil sselic wip, daz du mir aber . . tuost 
so lachet si vil minnecliche. [s6 we?' 15 

wie nu? swenn ich mir s6 gedenke, bin ich von 

wünschen denne nicht riche? 

Min Ungemach daz ich durch sie erliten hän, 
swenn ich mit senenden sorgen also sere ranc, 
Sol mich daz also kleine wider sie vervän, 
hän ich getrüret äne Ion und äne danc, 20 

So wil ich mich gehaben baz. 
waz ob ir denne lieber ist min fröude dan min trOren? 

ich wünsche ouch daz. 
und eint ir denne beide unmaere, 

80 spilte ich doch des einen gerner dan jenes daz gar 
verloren wsere. 

46 1 ff. Die ersten drei Strophen und die letzte sind nur 
in E überliefert, weshalb eine einigermassen sichere herstellung 
des textes nicht möglich ist. In der vierten bereut der dichter 
die in der zweiten ausgesprochenen phantasieen, da sie anstoss 
erregt hatten. 



46 25 — 47 15 73 

Mir ist min erre rede enmittenzwei geslagen: 25 

daz eine halbe teil ist mir verboten gar: 

Daz müezen ander liute singen unde sagen. 

ich sol aber iemer miner zühte nemen war 

Und wunneclicher mäze pflegen. 

nmb einez, daz sie heizent ere, läze ich vil dinges 

under wegen: 30 

mac ich des niht me geniezen, 
stet ez als übel üf der sträze, so wil ich mine tür 

besliezen. 

Ouwe daz mir s6 maneger missebieten sol! 

daz klage ich hiute und iemer rehter hövescheit. 

Ir ist doch lützel, den ir schapel ste s6 wol, 35 

ichn funde in doch ein hertze werendez (?) leit, 

Und wsere et von in anderswä; 

wan daz ich gerne bi in bin; daz ist der schade: ich 

bin et gerne da. 
des muoz ich missebieten liden. 
iedoch swer sine zuht behielte, dem stüende ein schapel 

wol von siden. 40 

47 (L. 44 11. s. 171. 2) 
Min frouwe ist underwilent hie; 
so guot ist si, als ich des wsene, wol; 
Wan ich geschiet von ir noch nie. 
ist daz ein minne dandern suochen sol, 
So wirt si vil dicke eilende 5 

mit gedanken als ich bin. 
min lip ist hie, so wont bi ir min sin: 
der wil von ir niht, dest ein ende, 
nu wolt ich daz er ir nseme guote war 
und min dar under niht vefgaeze. was hilfet, tuon ich 
dougen zuo? so sehent sie durch min herze dar. 10 

Ich lepte wol und äne nit, 

wan durch der lügenaere werdekeit. 

Daz wirt ein langer wernder strit: 

ir liep muoz iemer sin miu herzeleit. 

Ez erbarmet mich vil sere, 15 



74 47 IG — 48 4 

dazs als offenliche gänt 
und niemen guoten unverworren länt. 
unstaete, schände, Sünde, unere, 
die rätent sie swä man sie hoeren wil. 
ouwe daz man sie niht vermidet! daz wirt noch maneger 
frouwen schade und hat verderbet heiTen vil. 20 

Noch dulte ich tougenlichen haz 
von einem worte daz ich wilent sprach. 
Waz mac ichs, zürnents umbe dazV 
ich wil jehen des ich wilent jach. 
Ich sanc von der rehten minne, 25 

daz si waere Sünden fri. 
der valschen der gedähte ich ouch da bi, 
und rieten . . mine sinne 
daz ich sie hieze unminne. daz tet ich. 
nu vehent mich ir undertäne. als helfe iu got, werde ich 
vertriben, ir frouwen, so behaltet mich. 30 

Mac ieman deste wiser sin, 
daz er an siner rede vil liute hat, 
Daz ist an mir kleine schin. 
ez gät diu werlt wol halbe an minen rät. 
Und bin ich iedoch verirret, 35 

daz ich lützel hie zuo kan. 
Ez mac wol helfen einem andern man, 
ich merke wol daz ez mir wirret, 
und wil die friunt nu baz erkennen me 
die guote maere niht verkerent. wil ieman loser mit mir 
reden, ichn mac, mir tuot daz honbet we. 40 

48 (L. 73 23). 
Die mir in dem winter fröude hänt benomen, 
sie heizen wip, sie heizen man, 
Disiu sumerzit diu müez in baz bekomen. 
ouwe daz ich niht fluochen kan! 



47 21. Diese und die folgende atrophe sind nur in E 
überliefert, daher die textherstellung misslich. Es findet eine 
rückbeziehung auf 3 25 statt. 



48 5 — 49 2 75 

Leider ich enkan niht mere 5 

wan daz übel wort 'unsselic'. neinä! daz waer alze sere. 

Zwene herzeliche flüeche kan ich ouch: 
die flnochent nach dem willen min. 
Hiure müezens beide esel und den gouch 
gehoeren e si enbizzen sin. 10 

We in denne, den vil armen! 

wesse ich obe siez noch gerüwe, ich wolde mich durch 

got erbarmen. 

Man sol sin gedultic wider ungedult: 
daz ist den schamelösen leit. 

Swen die boesen hazzent äne sine schult, 15 

daz kumt von siner frümekeit. 
Troestet mich diu guote alleine, 
diu mich wol getrcesten mac, so gsebe ich umbe ir niden 

Ich wil al der werlte sweren umb ir lip: [kleine. 
den eit sol si wol vernemen: 20 

Si mir ieman lieber, maget oder wip, 
diu helle müeze mir gezemen. 
Hat si nu deheine triuwe, 
so getrüwet si dem eide und entstet mins herzen riuwe. 

Herren unde friunt, nu helfet an der zit: 25 

daz ist ein ende, ez ist also: 
In behalde minen minneclichen strit, 
ja enwirde ich niemer rehte fro. 
Mines herzen tiefiu wunde 

diu muoz iemer offen sten, si enküsse mich mit friundes 
mines herzen tiefiu wunde [munde. 30 

diu muoz iemer offen sten, si enheiles üf und üz von 
mines herzen tiefiu wunde [gründe. 

diu muoz iemer offen sten, sin werde heil von Hiltegunde. 

49 (L. 62 6). 
Ob ich mich selben rüemen sol, 

80 bin ich des ein hübescher man, 



48 34. Hiltegund ist nicht der wirkliche name der ge- 
liebten, sondern der dichter gibt ihr den namen mit rücksicht 
auf seinen eigenen, indem er auf das Verhältnis zwischen 
Walther und Hiltegund in der deutschen heldensage anspielt. 



76 49 3-40 

Daz ich so mange unfuoge dol, 

so wol als ichz gerechen kan. 

Ein klösensere, ob erz vertrüege? ich waene, er nein. 5 

hset er die State als ich sie hän, 

bestüende in danne ein zörnelln, 

ez wurde unsanfter widertän. 

wie sanfte ichz also läze sin! 

daz und ouch me vertrage ich doch durch eteswaz. 10 

Frouwe, ir habt mir geseit also, 
swer mir beswa^re mlnen muot, 
Daz ich den mache wider frö: 
er schäme sich lihte und werde gnot. 
Diu lere, ob si mit triuwen si, daz schine an iu. 15 
ich fröuwe iuch, ir beswajret mich: 
des schämt iuch, ob ichz reden getar, 
lät iuwer wort niht velschen sich, 
und werdet guot: so habt ir war: 
vil guot Sit ir, wan daz ich guot von güete wil. 20 

Frouwe, ir sIt schcene und sit ouch wert: 
den zwein stet wol genäde bi. 
Waz schadet iu daz man iuwer gert? 
joch sint iedoch gedanke fri. 

Wän unde wünsch daz wolde ich allez ledic län: 25 
höveschent mine sinne dar, 
waz mag ichs, gebents iu minen sanc? 
des nement ir lihte niender war: 
so hän ichs doch vil höhen danc. 
treit iuch min lop ze hove, daz ist min werdekeit. 30 

Frouwe, ir habet ein werdez tach 
an iuch geslouft, den reinen lip. 
Wan ich nie bezzer kleit gesach. 
ir Sit ein wol bekleidet wip. 

Sin unde sselde sint gesteppet wol dar in. 35 

getragene wät ich nie genam: 
dise na?m ich als gerne ich lebe, 
der keiser wurde ir spileman, 
umb also wunnecliche gebe, 
da, keiser, spil! nein, herre keiser, anderswä! 40 



50 1 — 51 12 77 

50 (L. 63 8). 
Die verzagten aller guoten dinge 
wsenent daz ich mit in si verzaget: 
Ich hän tröst daz mir noch fröade bringe 
der ich minen knmber hän geklaget. 
Obe mir liep von der geschiht, 5 

so enruoche ich wes ein boeser gibt. 

Nit den wil ich iemer gerne liden. 
frouwe, da solt du mir helfen zuo, 
Daz sie mich von schulden müezen niden, 
so min liep in herzeleide tuo. 10 

Schaffe daz ich frö geste: 
so ist mir wol, und ist in iemer we. 

Fi'iundin unde frouwen in einer wsete 
wolte ich an iu einer gerne sehen, 
Ob ez mir so rehte sanfte taete 15 

alse mir min herze hat verjehen. 
Friundin dast ein süezez wort: 
doch so tiuret frouwe unz an daz ort. 

Frouwe, ich wil mit hohen liuten schallen, 
werdent diu zwei wort mit willen mir: 20 

So läz ouch dir zwei von mir gevallen, 
dazs ein keiser küme gaebe dir. 
Friunt und geselle diu sint din: 
80 si friundin unde frouwe min. 

61 (L. 58 21). 
Die zwivelaere sprechent, ez si allez tot, 
ezn lebe nu nieman der iht singe. 
Nu mtigen sie doch bedenken die gemeinen not, 
wie al diu werlt mit sorgen ringe. 
Kumpt sanges tac, man beeret singen unde sagen: 5 
man kan noch wunder. 

ich horte ein kleine vogelin daz selbe klagen: 
daz tet sich under: 
'ich singe niht, ez welle tagen'. 

Die losen scheltent guoten wiben minen sanc. 10 
und jehent daz ich^ir übel gedenke. 
Sie pflihten alle wider mich und haben danc: 



78 51 18 - nO 

er si ein zage, der da wenke. 

.... swer tiuschen wlben ie gespraeche baz! 

wan daz ich scheide 15 

die guoten von den boesen. seht, daz ist ir haz. 

lobt ich sie beide 

geliche wol, wie stüende daz? 

Ich bin iu eines dinges holt, haz unde nit, 
so man iuch üz ze boten sendet, 20 

Daz ir so gerne bi den biderben . . sit, 
und daz ir iuwern herren schendet. 
Ir spehaere, so ir niemen Staaten müget erspehen, 
den ir verkeret, 

s6 hebt iuch heim in iuwer hüs; ez mnoz geschehen, 25 
daz ir uneret 
verlogenen munt und twerhez sehen. 

Der also guotes wibes gert als ich da ger, 

wie vil der tugende haben solte! 

Nun hän ich leider niht da mite ich sie gewer, 30 

wan obs ein lützel von mir wolte. 

Zwo tugende hän ich, der sie wilent nämen war, 

schäm unde triuwe. 

die schadent nu beide sere. schaden nu also dar! 

ich bin niht niuwe: 35 

dem ich da gan, dem gan ich gar. 

Ich wände daz si waere missewende fri: 
nu sagent sie mir ein ander maere, 
Sie jehent daz niht lebendes äne wandel si: 
so ist ouch min frouwe wandelbaere. 40 

lehn kan aber niht erdenken waz ir misseste, 
wan ein vil kleine: 

si schadet ir vinden niht, und tuot ir friunden we. 
lät si daz eine, 
swie vil ich snoche, ichn vindes me. 45 

Ich hän iu gar gesaget waz ir missestät: 
zwei Wandel hän ich iu genennet. 
Nu snlt ir ouch vernemen waz si tagende hat: 
der sint ouch zwo, daz irs erkennet. 
Ich seit iu gerne tüsent: im ist niht me da, 50 



51 51 — 52 33 79 

wan schoene und ere, 

die hat si beide vollecliche. 'hat si?' ja. 

'waz wil si mere? 

hiest wol gelobt: lobe anderswä.' 

52 (L. 56 14). 
Ir sult sprechen willekomen: 

der iu msere bringet, daz bin ich. 

Allez daz ir habt vernomen, 

daz ist gar ein wint: nu fraget mich. 

Ich wil aber miete: 5 

wirt min Ion iht guot, 

ich sage iu vil lihte daz iu sanfte tuot. 

seht waz man mir eren biete. 

Ich wil tiuschen frouwen sagen 
solhiu msere daz sie deste baz 10 

AI der werlte snln behagen: 
äne groze miete tuon ich daz. 
Waz wold ich ze lone? 
sie sint mir ze her: 

so bin ich gefüege, und bite sie nihtes mer 15 

wan daz sie mich grtiezen schone. 

Ich hän lande vil gesehen 
unde nam der besten gerne war: 
Übel müeze mir geschehen, 

künde ich ie min herze bringen dar, 20 

Daz im wol gevallen 
wolde fremeder site. 

nu waz hülfe mich, ob ich unrehte strite? 
tiuschiu zuht gät vor in allen. 

Von der Elbe unz an den RIn 25 

und her wider unz an Ungerlant 
So mügen wol die besten sin, 
die ich in der werlte hän erkant. 
Kan ich rehte schouwen 

guot geläz unt lip, 30 

sem mir got, so swüere ich wol daz hie diu wip 
bezzer sint danne ander frouwen. 

Tiusche man sint wol gezogen. 



80 52 34 - 53 17 

rehte als engel sint diu wip getan. 

Swer sie schildet, derst betrogen: 35 

ich enkan sin anders niht verstän. 

Tngent und reine minne, 

swer die suochen wil, 

der sol komen in unser lant: da ist wunne vil: 

lange müeze ich leben dar inne! 40 

Der ich vil gedienet hän 

und ieraer mere gerne dienen wil, 

Diust von mir vil nnerlän: 

iedoch so tuot si leides mir so vil. 

Si kan mir verseren 45 

herze und den muot. 

nu vergebez ir got dazs an mir missetuot. 

her nach mac si sichs bekeren. 

53 (L. 60 34). 
Ich wil nu teilen, e ich var, 
min varnde guot und eigens vil, 
Daz iemen dürfe striten dar, 
wan den ichz hie bescheiden wil. 

AI min ungelücke wil ich schaffen jenen 5 

die sich hazzes und nides gerne wenen, 
dar zuo min nnsaelikeit. 
mine swaere 
haben die lügenaere. 

min unsinnen 10 

schaff ich den die mit valsche minnen, 
den frouwen nach herzeliebe senendiu leit. 

Nu bitet, lät mich wider komen. 
ich weiz der wibe willen wol: 

Ich hän ein maere von in vernomen, 15 

da mite ich manege erwerben sol. 
Ich wil lip und ere und al min heil verswern: 



53 1 ff. Wir werden uns diese beiden Strophen so vor- 
getragen denken müssen, dass sich der dichter, nachdem er 
mit der ersten fertig ist, zum Weggang wendet, dann aber 
wieder umkehrt und von neuem beginnt. Ein lied in dem 
gleichen tone siehe unter 95. 



53 18 — 54 10 81 

wie künde sich deheiniu danne min erwern? 

nein ich weizgot, swaz ich sage. 

got der solte 20 

rihten, obe er wolte, 

die so swüeren, 

daz in diu ougen üz gefüeren 

und sich doch einest stiezen in dem tage. 

Mir ist liep daz si mich klage 25 

ze mäze als ez ir schone ste; 

Ob man ir maere von mir sage, 

daz ir da von sl sanfte we. 

Si sei iemer mere durch den willen min 

nngefüege swaere und fröude läzen sin: 30 

daz stet senenden frouwen wol, 

als ichz meine. 

dar ahtent jene vil kleine, 

die sich des flizent 

daz sie den munt so sere bizent 35 



54 (L. 39 1). 

Uns hat der winter geschat über al: 

heide unde walt diu sint beidiu nu val, 

da manic stimme vil suoze inne hal. 

ssehe ich die megde an der sträze den bal 

werfen! so kaeme uns der vögele schal. 5 

Möhte ich versläfen des winteres zit! 
wache ich die wile, s6 hän ich sin nit, 
daz sin gewalt ist so breit und so wit. 
weizgot er lät doch dem meien den strit: 
s6 lise ich bluomen da rife nu lit. 10 



54 1. E lässt die folgenden beiden Strophen vorangehen: 
Wölt der winter schier zer gan so liez ich alle min sorge die ich 
han anders hat er mir niht getan wenne daz er lenget den 
liehen wan mir sol ein fravide mitten in dem meyen enstan. 
Ich wünsche daz der winter zerge wenne er en hat fratide niht 
me wenne kalten ivint und dor zuo regen unde sne daztuotden 
äugen unsanfte we selic si gruene laup unde cle. Auf 54 10 
folgt dann : Swaz mir nu unrret des wirt allez rat svne mir der 

Walter v. d, Vogelweide. 5. aufl. ß 



82 55 1 " 32 

5o (L. 75 25). 
Diu werlt was gelf, rot unde blä, 
grüen in dem walde und andei'swä: 
die kleinen vögele sungen da. 
nu schriet aber diu nebelkrä. 

pfligt si iht ander varweV ja: 5 

Bist worden bleich und übergrä. 
des rimpfet sich vil manic brä. 

Ich saz üf eime grüenen le: 
da ensprungen bluomen unde kle 

zwischen mir und eime se. 10 

der ougenweide ist da niht me. 
da wir schapel brächen e, 
da lit nu rife und ouch der sne. 
daz tuet den vogelinen we. 

Die toren sprechent 'sniä sni', 15 

die armen liute 'ouwe ouwi'. 
des bin ich swiere alsam ein bli. 
der wintersorge hän ich dri: 
swaz der und der andern si, 

der wurde ich alse schiere fri, 20 

waer uns der sumer nähe bi. 

ß danne ich lange lebt also, 
den krebz wolt ich e ezzen ro. 
sumer, mache uns aber frö. 

du ziertest anger unde 16. 25 

mit den bluomen spilte ich do, 
min herze swebte in sunnen ho: 
daz jaget der winter in ein stro. 

Ich bin verlegen als fisaü: 
min sieht här ist mir worden rü. 30 

stiezer sumer, wä bist du? 
ja saehe ich gerne veltgebü. 



muot bi der erden nu stat noch Tcummet die zit daz er in die 
sunnen gat tuot man daz man mir gelobet hat oive wie hohe 
denne 'min hertze stat. 55 1. Ueber dies lied vgl. Bechstein, 
Germ. XV, 434. Giske, Zschr. f. deutsche Phil. XV, 66. Horne- 
mann, Germ. XXIX, 42. 55 32. Vgl. E. Schröder, ZfdA 

46, 90 (schwerlich richtig). 



55 33 — 57 11 - 83 

e daz ich lange in solher drü 

beklemmet wsere als ich bin nu, 

ich wurde e münech ze Toberlü. 35 

56 (L. 114 23). 
Der rife tet den kleinen vogelen we, 
daz sie niht ensnngen. 

Nu hoer ichs aber wunneclich als e, 

nu ist diu beide entsprungen. 

Da sach ich bluomen striten wider den kle, 5 

weder ir lenger waere. 

miner frouwen seit ich disiu msere. 

Uns hat der winter kalt und ander not 
vil getan ze leide. 

Ich wände daz ich iemer bluomen rot 10 

gessehe an grüener beide. 
Ja schatte ez guoten liuten, waere ich tot, 
die nach fröuden rungen 
und die gerne tanzten unde Sprüngen. 

Versümde ich disen wunneclichen tac, 15 

80 wser ich verwäzen 
Und waere mir ein ewecllcher slac. 
dennoch müese ich läzen 
AI mine fröude der ich wilent pflac. 
got gesegen iuch alle: 20 

wünschet noch daz mir ein heil gevalle. 

57 (L. 94 11). 
Do der sumer komen was 

und die bluomen durch daz gras 

wunneclichen Sprüngen, 

aldä die vögele sungen, 

dö kom ich gegangen 5 

an einen anger langen, 

da ein lüter brunne entspranc: 

vor dem walde was sin ganc, 

da diu nahtegale sanc. 

Bi dem brunnen stuont ein boum: 10 

da gesach ich einen troum. 



84 57 12 — 58 3 

ich was von der sunnen 

gegangen zuo dem brunnen, 

daz diu linde ma^re 

mir ktielen schaten bajre. 15 

bl dem brunnen ich gesaz, 

miner sorge ich gar vergaz, 

schiere entslief ich umbe daz. 

Do bedühte mich zehant 
wie mir dienten älliu laut, 20 

wie min sele wsere 
ze himel äne swsere, 
und der lip solte 
gebären swie er wolte. 

däne was mir niht ze we. 25 

got der Waldes, swiez erge: 
schcener troum enwart nie me. 

Gerne sliefe ich iemer da, 
wan ein unsseligiu krä 

diu hegende schrien. 30 

daz alle krä gedien 
als ich in des gunne! 
si nam mir michel wunne. 
von ir schrienne ich erschrac. 

wan daz da niht steines lac, 35 

so wser ez ir suontac. 

Wan ein wunderaltez wip 
diu getroste mir den llp. 
die begond ich eiden. 

nu hat si mir bescheiden 40 

waz der troum bediute. 
daz merket, lieben liute: 
zwene und einer daz sint drl; 
dannoch seite si mir da bi 
daz min düme ein vinger si. 45 

58 (L. 43 9). 
Ich hoere iu so vil [der] tugende jehen, 
daz iu min dienest iemer ist bereit. 
Enhset ich iuwer niht gesehen, 



58 4 — 59 4 85 

daz schatte mir an miner werdekeit. 

Nu wil ich [iemer] deste tiurre sin, 5 

und bite iuch, frouwe, daz ir iueh underwindet min. 

ich lebete gerne, künde ich leben: 

min wille ist goot, nu bin ich tump: nu sult ir mir 

'Kund ich die mäze als ich enkan, [die mäze geben, 
so wsere ich zer werlte ein sselic wip. 10 

Ir tuot als ein wol redender man, 
daz ir so hohe tiuret miuen lip. 
Ich bin noch tumber danne ir sit. 
waz dar umbe? doch wil ich scheiden disen strit. 
tuot ir alrerst des ich iuch bite, 15 

und saget mir der manne muot: so lere ich iuch der 

Wir wellen daz diu staetekeit [wibe site.' 

in guoten wiben gar ein kröne si. 
Kunnet ir mit zühten sin gemeit, 

80 stet diu lilje wol der rosen bi. 20 

Nu merket wie der linden ste 
der vögele singen, dar under bluomen unde kle: 
noch baz stet wiben werder gruoz. 
ir minneclicher redender munt der machet daz man'n 

küssen muoz. 

'Ich sage iu wer uns wol behaget: 25 

der beide erkennet übel unde guot 
Und ie daz beste von uns saget, 
dem sin wir holt, ob erz mit triuwen tuot. 
Kan er ze rehte ouch wesen fro 

und sin gemüete ze mäze tragen nider und hö, 30 
der mac erwerben swes er gert: 

welch wip verseit im einen vaden? guot man ist 

guoter siden wert.' 

59 (L. 118 12). 
Wer gesach ie bezzer jär? 
wer gesach ie schcener wip? 
Daz entroestet niht ein här 
einen unsaeligen lip. 



59 1. S. zu 43 1. 



86 59 5 — 60 27 

Wizzet, swera der anegenget an dem morgen fruo, 5 
deme get ungelücke zuo. 

Ich wil einer helfen klagen, 
der ouch froude zseme wol, 
Daz in also valschen tagen 

schoene tugent Verliesen sol. 10 

Hie vor wser ein land gefrönt umb ein so schoene wip: 
waz sol der nu schoener llp? 

60 (L. 121 33). 
Die grisen w ölten michs überkomen, 
diu werlt gestüende trüreclicher nie 
Und hete an fröuden abe genomen. 
doch streit ich zornecliche wider sie, 
Sie möhtens wol gedagen, 5 

ez wurde niemer war. 
mir was ir rede swär. 
sus streit ich mit den alten: 
die hänt den strit behalten 
nn lenger denne ein jär. 10 

Min ouge michel wunder siht, 
die ez vil wirs verdienen kunnen denn ich, 
Daz den so schoene heil geschiht. 
ouwe Werlt, wie kumt ez urabe dich! 
Ist got solch ebensere? 15 

er git dem einen sin, 
dem andern gewin: 
so waene ich also maere 
ein richer töre wsere 
so rieh ich armer bin. 20 

Hie vor, dös alle wären fro, 
do wolte nieman hoeren mine klage: 
Nu ist sumelichen so 

daz sie mir wol gelouben swaz ich in sage. 
Nu müeze got erwenden 25 

unser arebeit, 
und gebe uns sselekeit, 

60 5 gedagen ist eine Verderbnis: es wird ein reim auf 
alten verlangt. 



60 28 — 6134: 87 

daz wir die sorge swenden. 

ouwe möht ichz verenden! 

ich hän ein sunder leit. 30 

61 (L. 90 15). 
Ane liep so manic leit, 
wer möhte daz erliden iemer me? 
Waer ez niht unhövescheit, 
80 wolt ich schrien 'se, gelücke, se!' 
Gelücke daz enhoeret niht 5 

und selten ieman gerne siht, 
swer triuwe hat. 
ist ez also, wie sol min [danne] iemer werden rät? 

We wie jämerlich gewin 
tegelich vor minen ougen vert! 10 

Deich so gar ertoeret bin 
mit miner zuht, und mir daz nieman wert! 
Mit den getriuwen alten siten 
ist man nu zer werlte versniten, 

er unde guot 15 

hat nu lützel ieman wan der tibele tuot. 

Daz die man als tibele tuont, 
dast gar der wibe schult: dest leider so. 
Hie vor, do ir muot üf ere stuont, 
dö was diu werlt üf ir genäde fro. 20 

Hei wie wol man in do sprach, 
do man die fuoge an in gesach! 
nu siht man wol 
daz man ir minne mit unfuoge erwerben sol. 

Lät mich zuo den frouwen gän: 25 

80 ist daz min aller meiste klage, 
So ich ie mere zühte hän, 
so ich ie minre werdekeit bejage. 
Sie swachent wol gezogenen lip, 

ezn 8i ein wol bescheiden wip: 30 

der meine ich niht: 
diu schämt sich des, swä iemer wibes schäme geschiht. 

Keiniu wip und guote man, 
swaz der lebe, die müezen sselic sin. 



88 61 35 — 62 31 

Swaz ich den gedienen kan, 35 

daz tuon ich, daz sie gedenken min. 

Hie mite so künd ich in daz: 

diu werlt enste danne schiere baz, 

BÖ wil ich leben 

so ich beste mac und minen sanc üf geben. 40 

62 (L. 44 35). 
Die herren jehent, man sülz den frouwen 
wizen daz diu werlt so ste. 
sie sehent niht froelich üf als e, 
sie wellent alze nider schouwen. 

Ich habe ouch die rede gehceret: 5 

sie sprechent, daz in ■?.' ude stoeret, 
sie sin me dan halbe verzaget 
Beidiu libes unde guotes, 
niemen helfe in hohes muotes. 
wer sol rihten? hiest geklaget. 10 

Ein frouwe wil ze schedeliche 
schimpfen, ich habe üz gelobet, 
si tumbet, obe si niht entobet. 
Jon wart ich lobes noch nie s6 riebe. 
Törst ich vor den wandelbseren, 
so lobte ich die ze lobenne wseren. 
des enhaben deheinen muot, 
lehn gelobe sie niemer alle, 
swiez den losen missevalle, 
siene werden alle guot. 20 

Ich weiz sie diu daz nit ennidet, 
daz man nennet reiniu wlp. 
s6 rehte reine sost ir lip, 
daz si der guoten lop wol lidet. 

Er engap ir niht ze kleine, 25 

der sie geschuof, schcene unde reine, 
der diu zwei zesamne sloz. 
Wie gefnoge er künde sliezen! 
er solt iemer bilde giezen, 
der daz selbe bilde göz. 30 

Sich krenkent frouwen unde pfaifen, 



62 32 - 63 26 89 

daz sie sich niht scheiden länt. 

die den verschampten bi gestänt, 

die wellent lihte ouch mit in schaffen. 

35 

we daz zwen als edele namen 

Mit den schamelosen werbent! 

sicherliche sie verderbent, 

siene wellens sich erschamen. 40 

63 (L. 47 36). 

Hie vor, do man so rehte minneclichen warp, 
do wären mine Sprüche fröuden riche : 
Sit daz diu minnecliche minne also verdarp, 
Sit sanc ouch ich ein teil unminnecliche. 
lemer als ez danne stät, 5 

also sol man danne singen, 
swenne unfuoge nu zergät, 
80 sing aber von höfschen dingen, 
noch kumpt fröude und sanges tac: 
wol im, ders erbeiten mac! 10 

derz gelouben wolte, 

so erkande ich wol die fuoge, wenn unde wie man 

singen solte. 

Zwo fuoge hän ich doch, swie ungefüege ich si, 
der hän ich mich von kinde h^ vereinet: 
Ich bin den fron bescheidenlicher fröude bi, 15 

und lache ungerne swä man bi mir weinet. 
Durch die liute bin ich fro, 
durch die liute wil ich sorgen: 
ist mir anders danne also, 

waz dar umbe? ich wil doch borgen. 20 

swie sie sint so wil ich sin, 
daz sie niht verdrieze min. 
manegem ist unmsere 

swaz einem andern werre: der si ouch bi den liuten 

swaere. 

Ich sage iu waz uns den gemeinen schaden tuot: 25 
diu wip gelfchent uns ein teil ze sere. 



90 63 27 — 60 

Daz wir in also liep sfn übel alse guot, 
seht, daz geliehen nimet uns fröude und ere. 
Schieden uns diu wip als e, 

daz sie sich ouch liezen scheiden, 30 

daz gefrumte uns iemer me, 
mannen unde wiben, beiden, 
waz stet übel, waz stet wol, 
Sit man uns niht scheiden sol? 

edeliu wip, gedenket 35 

daz ouch die man waz kunnen : gelichents iuch, ir Sit 

gekrenket. 

Wip muoz iemer sin der wlbe höchste name, 

und tiuret baz dan frouwe, als ichz erkenne. 

Swä nn deheiniu si diu sich ir wipheit schäme, 

diu merke disen sanc und kiese denne. 40 

Under frouwen sint unwip, 

under wiben sint sie tiure. 

wibes name und wlbes lip 

die sint beide vil gehiure. 

swiez umb alle frouwen var, 45 

wip sint alle frouwen gar. 

zwivellop daz hoenet, 

als under wllen frouwe: wip dest ein name ders alle 

krcenet. 
Ich sanc hie vor den frouwen umbe ir blözen gruoz: 
den nam ich wider mime lobe ze löne. 50 

Swä ich des geltes nu vergebene warten muoz, 
da lobe ein ander, den sie grüezen schone. 
Swä ich niht verdienen kan 
einen gruoz mit mime sänge, 

dar ker ich vil herscher man 55 

minen nac oder ein min wange. 
daz kit 'mir ist umbe dich 
rehte als dir ist umbe mich.' 
ich wil min lop keren 
an wip die kunnen danken: waz hän ich von den 

tiberheren? 60 



64 1-38 91 

64 (L. 4t 13). 
Ich bin als unschedeliche frö, 
daz man mir wol ze lebenne gan. 
Tougenliche stät min herze ho: 
waz touc zer werlte ein rüemic man? 
We den selben die so manegen schoenen lip 5 

habent ze boesen mseren bräht! 
wol mich, daz ichs hän gedäht! 
ir sult sie miden, guotiu wip. 

Ich wil guotes mannes werdekeit 
vil gerne höeren unde sagen. 10 

Swer mir anders tuot, daz ist mir lelt: 
ich wilz ouch allez niht vertragen. 
Rüemsere nnde lügensere, swä die sin, 
den verbiute ich minen sanc, 

und ist äne minen danc, 15 

obs also vil geniezen min. 

Maneger trüret, dem doch liep geschiht: 
ich hän aber iemer hohen muot. 
Und enhabe doch herzeliebes niht. 
daz ist mir also lihte guot. 20 

Herzeliebes, swaz ich des noch ie gesach, 
da was herzeleide bi. 
liezen mich gedanke fri, 
son wiste ich niht umb ungemach. 

Als ich mit gedanken irre var, 25 

so wil mir maneger sprechen zuo : 
So swig ich und läze in reden dar. 
waz wil er anders daz ich tuo? 
Hete ich ougen oder oren danne da, 
So kund ich die rede verstän: 30 

swenn ich ir beider niht enhän, 
son kan ich nein, son kan ich ja. 

Ich bin einer der nie halben tac 
mit ganzen fröaden hat vertriben. 

Swaz ich fröuden ie da her gepflac, 35 

der bin ich eine hie beliben. 
Nieman kan hie fröude vinden, si zerge 
sam der liehten blnomen schin: 



92 64 39 — 65 IG 

da von sol daz herze min 

niht senen nach valschen fröuden me. 40 

65 (L. 111 22). 
Ein man verblutet äne pfliht 
ein spil, d6s im nieman wol gevolgen mac. 
Er gihet, swenne ein wip ersiht 
sin ouge, daz si si sin österlicher tac. 
Wie waere uns andern liuten so geschehen 5 

selten wir im alle siues willen jehen? 
ich bin der imez versprechen muoz: 
bezzer wsere miner frouwen senfter gruoz. 
deist mates buoz. 

'Ich bin ein wip da her gewesen 10 

so stsßte an eren und ouch also wol gemuot: 
Ich trüwe ouch noch vil wol genesen, 
daz mir mit solhem steine nieman [keinen] schaden tuot. 
Swer küssen hie ze mir gewinnen wil, 
der werbe ez mit fuoge und ander spil. 15 

ist daz ez im wirt iesä, 



65 1. Parodie zweier Strophen Eeinmars. 1 (MF 159, 1) 
Ich wirhe umb allez daz ein man ze werltJ teilen fröuden iemer 
haben sol. daz ist ein wip der ich enkan nach ir vil 
grözen werdekeit gesprechen tvol. lob ich si so man ander 
frouwen tuot, dazn nimet eht disiu von mir niht für guot. 
doch swer ich des, sist an der stat dazs üz iviplichen 
tugenden nie fuoz getrat. daz ist in mat. 2 (MF 159, 37) 
Und ist daz mirs min scelde gan deich ab ir wol redendem 
munde ein küssen mac versteln, git got daz ich ez bringe dan, 
so wil ichz tougeiüiclie tragen und iemer Jieln. und ist daz siz 
für gröze swcere hat und vehet mich durch mine missetät. 
waz tuon ich danne, unsodic man ? da hebe ichz üf und legez 
hin wider da ichz da nam, als ich wol kan. Ausserdem 
bezieht sich Walther auf ein anderes lied Eeinmars, in welchem 
die zeile vorkommt (MF 170, 19) si ist min österlicher tac. 
Er scheint die äusserungen Reinmars nicht genau im gedächtnis 
gehabt zu haben, denn die parodie passt nicht recht. Vielleicht 
ist in z. 4 zu lesen daz daz si sin österlicher tac. Als er- 
widerung ßeinmars auf Walthers angriff ist vielleicht zu fassen 
MF 197, 3: Waz unmäze ist daz, ob ich des hän gesworn, daz 
si mir lieber si dan elliu wip? 



65 17 — 66 30 93 

er muoz sin iemer sin min diep, und habe imz da 
und anderswä.' 

66 (L. 64 30). 
Ouwe, hovelichez singen, 

daz dich ungefüege dcene 

Selten ie ze hove verdringen! 

daz die schiere got gehoene! 

Ouwe daz din wirde also geliget! 5 

des sint alle dine friunde unfro. 

daz muoz eht also sin: nu si also: 

fro Unfuoge, ir habt gesiget. 

Der uns fröude wider brajhte 
diu reht und gefüege waere, 10 

Hei wie wol man des gedsehte 
8wä man von im seite msere! 
Ez wser ein vil hovelicher muot, 
des ich iemer gerne wünschen sol. 
frouwen unde herren zseme es wol. 15 

ouwe daz ez nieman tuot! 

Die daz rehte singen stoerent, 
der ist ungeliche mere 
Danne die ez gerne hoerent. 

doch volg ich der alten lere: 20 

Ich enwil niht werben zuo der mül, 
da der stein so riuschend umbe gät 
und daz rat so manege unwfse hat. 
merket wer da harpfen stil. 

Die so frevellichen schallent, 25 

der muoz ich vor zorne lachen, 
Dazs in selben wol gevallent 
mit als ungefüegen Sachen. 
Die tuont sam die frösche in eime se, 
den ir schrien also wohl behaget, 30 



66 1 ff. Unter den ungevüegen dornen, gegen welche sich 
dies lied wendet, werden trotz Lachmanns Widerspruch die 
tanzweisen Neidhards von Reuental zu verstehen sein, die 
eine kunstmässige, zum teil parodierende nachbildung der 
bäurischen tanzheder wajen. 



94 66 31 67 3 

daz diu nahtegal dfi von verzaget, 
80 si gerne sunge nie. 

Swer Unfuoge swlgen hieze, 
waz man noch von fröuden sunge ! 
Und sie ab den bürgen stieze, 35 

daz si da die frön niht twunge. 
Wurden ir die grozen höve benomen, 
daz wxT allez nach dem willen min. 
bi den gebüren lieze ich sie wol sin: 
dannen ists ouch her bekomen. 40 

67 (L. 8 4). 

Ich horte diu wazzer diezen 
und sach die vische fliezen; 
ich sach swaz in der werlte was, 

67 1 ff. Der sprach ist gedichtet, nachdem Philipp voii 
Schwaben als kandidat für die deutsche königskrone aufgetreten 
war, aber vor seiner krönung. Am 15. februar 1198 erklärte 
sich derselbe in Nordhausen zur annähme einer wähl bereit 
(Winkelmann, Philipp von Schwaben und Otto der IV, I, 66), am 
8. märz ward er zu Mühlhausen gewählt (ib. 69), am 8. September 
zu Mainz gekrönt. Genauer setzt Burdach (Walther 217) 
den Spruch in die letzten tage des juni, dagegen Wilmanns 
(ZfdA 45, 427) noch vor die wähl Philipps. Die armen Jcünege 
in z. 23 hat man früher immer auf die gegenkandidaten bezogen, 
von denen sich keiner in bezug auf reichtum mit Philipp messen 
konnte (vgl. Winkelmann I, 50 und 66 anm. 1). Dabei macht es 
allerdings eine Schwierigkeit, dass dieselben (Berthold von 
Zähringeu, Bernhard von Sachsen, Otto von Poitou), nach 
einander, nicht gleichzeitig aufgestellt sind. Eine andere deutung 
ist vorgebracht von Eoe^he, ZfdA 44, 116 und von Burdach, 
der dieselbe in der zweiten Untersuchung seines Walther- 
buches sehr eingehend zu begründen versucht. Beide nehmen 
an, dass unter den armen königen wie in lateinischen quellen 
unter reguli die als dem kaiser untergeordnet gedachten 
dem reiche benachbarten könige zu verstehen seien. Gegen 
diese von vielen beifällig aufgenommene ansieht spricht aber, 
dass eine solche hineinziehung des ausländes im vorhergehenden 
auf keine weise vorbereitet ist, und namentlich der deutliche 
gegensatz zwischen Fhüippe setze en iceisen üf und heiz si£ 
treten hituler sich, wodurch letzteres als ein zurücktreten von 
dem anpruch auf die kröne gekennzeichnet ist, so dass es 
sehr begreiflich ist, dass früher niemand auf eine andere auf- 
fassung gekommen ist (vgl. auch Symons, Album-Kern 183). 



67 4 - 30 95 

velt walt loup rnr iinde gras, 

swaz kriuchet unde fliuget 5 

und bein zer erde biuget. 

daz sach ich, unde sage in daz: 

der deheinez lebet äne haz. 

daz wilt und daz gewürme 

die stritent starke stürme, 10 

sam tuont die vogel under in; 

wan daz sie habent einen sin : 

si diuhten sich ze nihte, 

si enschüefen starc gerihte. 

sie kiesent künege unde reht. 15 

sie setzent herren unde kneht. 

so we dir, tiuschiu zunge, 

wie stet din ordenunge, 

daz nu diu mugge ir künec hat, 

und daz din ere also zergät! 20 

bekerä dich, bekere. 

die cirken sint ze here, 

die armen künege dringent dich; 

Philippe setze en weisen üf, und heiz sie treten hinder 

Ich sach mit minen ougen [sich. 25 

manne und wibe tougen, 

daz ich gehörte und gesach 

swaz iemen tet, swaz iemen sprach. 

ze Rome horte ich liegen, 

zwene künege triegen. 30 

Die cirken (cirkel) in 22 sind bisher als die stirnreife der 
deutschen fürsten gefasst, so auch noch von Burdach a. a. o. 
Dagegen bezieht sie derselbe in den Sitz.-ber. der Berliner 
akad. 1902, s. 897 auf die krönen der ausländischen könige, 
indem er behauptet, dass die reichsfürsten um diese zeit noch 
keine stirnreife getragen hätten. Gegen diese behauptung vgl. 
Dieterich, Lit.-bl. 1903, 279. 

25 ff. Das gedieht ist einige zeit nach dem banne des 
papstesinnocenz III. über Philipp entstanden, der am 29. Juni 1201 
durch den kardinal Guido von Präneste zu Köln verkündet 
wurde (vgl. 0. Abel in der ZfdA IX, 138 ff). Es gibt eine 
kurze Übersicht über den gang des kampfes zwischen Otto 
und Philipp, die mit den beiden königen in z. 30 gemeint sind 
(anders Abel, der darunter Philipp und Friedrich versteht). 



9ö 67 31 — 55 

da von huop ßich der meiste strit 

der 6 was oder iemer sit, 

do sich begunden zweien 

pfaffen unde leien. 

daz was ein not vor aller not: 35 

llp unde sele lac da tot. 

die pfaffen striten sere; 

doch wart der leien mere. 

diu swert leiten sie dernider, 

und griffen zuo der stole wider: 40 

sie bienen die sie wolten, 

und niht den sie selten. 

do störte man diu goteshüs. 

ich horte verre in einer klüs 

vil michel ungebaere : 45 

da weinte ein klosenaere, 

er klagete gote siniu leit: 

'ouwe der bähest ist ze junc: hilf, herre, dlner 

Ich saz Üf eime steine, [kristenheit.' 

und dahte bein mit beine; 50 

dar üf satzt ich den ellenbogen; 

ich hete in mine haut gesmogen 

daz kinne und ein min wange. 

do dähte ich mir vil ange, 

wie man zer werlte solte leben: 55 



41. die sie wolten Philipp und seine anhänget, 42. den sie 
solten Otto. 46. Der Hösencei-e erscheint noch 75 40 und 79 73 als 
Vertreter der schlichten frömmigkeit, die von der geistlichkeit 
verlangt, dass sie lediglich auf das geistige wohl der kirche 
bedacht sei und sich nicht in weltliche angelegenheiten ein- 
mische. Es ist dabei gewiss an keine bestimmte persönlichkeit 
zu denken wie von J. Grimm und von Opel in seiner schritt 
Mm guoter klösencere (Halle 1860) angenommen ist. Verfehlt 
ist auch H. Domanig, Der Klösencere Walthers von der Vogel- 
weide, Paderborn 1889 (vgl. Behaghel, Germania XXXV, 199). 
S. jetzt auch Schönbach, Erklärung altd. dichter, s. 3. 49 ff. Die 
Schilderung der zustände passt nicht bloss auf die zeit kurz 
nach dem Tode Heinrichs VI., in die man den spruch gewöhnlich 
setzt, sondern eben so gut auf die spätere des kampfes zwischen 
Philipp und Otto. In der im anfang geschilderten Stellung ist 
Walther in der Pariser und Weingartner handschrift abgebildet. 



67 56 — 68 15 97 

deheinen rät kond ich gegeben, 
wie man drin dinc erwürbe, 
der deheinez niht verdürbe. 
diu zwei sint ere nnd varnde guot, 
der ietwederz dem andern schaden tnot, 60 

daz dritte ist gotes hulde, «i 
der zweier Überguide, 
die wolte ich gerne in einen schrin. 
ja leider desn mac niht gesin, 

daz guot und wertlich ere 65 

und gotes hulde mere 
zesamene in ein herze komen. 
stig unde wege sint in benomen: 
untriuwe ist in der säze, 

gewalt vert üf der sträze; 70 

fride unde reht sint sere wunt. 

diu driu enhabent geleites niht, diu zwei enwerden 

[e gesunt. 

68 (L. 18 29). 

Diu kröne ist elter danne der ktinec Philippes si; 

da müget ir alle schouwen wol ein wunder bi, 

wies ime der smit so ebene habe gemachet. 

Sin keiserlichez houbet zimt ir also wol, 

daz sie ze rehte nieman guoter scheiden sol. 5 

ir dewederz da daz ander niht enswachet 

Sie lachent beide ein ander an, 

daz edel gesteine wider den jungen stiezen man. 

die ougenweide sehent die fürsten gerne. 

swer nu des riches irre ge, 10 

der schouwe wem der weise ob sime nacke ste: 

der stein ist aller fürsten leitesterne. 

Do Friderich üz Osterriehe also gewarp, 

daz er an der sele genas und im der lip erstarp, 

dö fuort er mine kranechen trite in derde. 15 

68 1 ff. bezieht sich höchst wahrscheinlich auf die erste 
krönung Philipps (zweifelhaft ob 15. august oder 8. sept. 1198). 
Die Schilderung deutet auf anwesenheit Walthers. 13. Fried- 
rich starb am 15. oder 16. april iu Palästina. 

Walth. V. d. Vuyelweido. 5. aufl. 7 



9B 68 16- 38 

Do gieng ich slichend als ein pfäwe swar ich gie, 

daz houbet hanht ich nider unz üf miniu knie: 

nu rihte ich ez üf nach vollem werde. 

Ich bin wol ze finie komen, 

mich hat daz riche und ouch diu kröne an sich 20 

wol üf, swer tanzen welle nach der gigen! [genoraen. 

mir ist miner swsere buoz: 

erste wil ich ebene setzen minen fuoz 

und wider in ein hohgemtiete stigen. 

Ez gienc eins tages als unser herre wart gebom 25 

von einer maget dier im ze muoter häte erkorn, 

ze Megdeburc der künec Philippes schöne. 

Da gienc eins keisers bruoder und eins keisers kint 

in einer wät, swic doch die namen drige sint: 

er truoc des riches zepter und die kröne. 30 

Er trat vil lise, im was niht gäch: 

im sleich ein höhgeborniu küneginne nach, 

rös äne dorn, ein tübe sunder gallen. 

diu zuht was niener anderswä: 

die Düringe und die Sahsen dienden also da, 35 

daz ez den wisen muoste wol gevallen. 

Philippes künec, die nähe spehenden zihent dich, 
dun slst niht dankes milte: des bedunket mich 



20. daz rtche und oiieh diu h-öne] gemeint ist könig Philipp. 
25 ff. bezieht sich auf die Weihnachtsfeier im jähre 1199, vgl. 
Winkelmanu I, 148. 29. Die drei namen sind künec, keisers 
hruoder, keisers kint. 33. Attribute, die sonst der Jungfrau 
Maria gegeben werden, legt der dichter hier der gemahlin 
Philipps bei, weil sie in Deutschland den namen Maria führte, 
was sich anderweitig erst seit dem Jahre 1208 nachweisen lässt. 
Sie war die tochter des byzantinischen kaisers Isaak, und ihr 
eigentlicher name war Irene. 87 ff. An freigebigkeit Hess es 
Philipp nach den sonstigen Zeugnissen, die wir darüber haben, 
nicht fehlen. Wenn es Walther hier und 70 a 1 noch nötig findet, 
ihn dazu zu ermahnen, so rauss er starke anspräche gestellt 
haben. Er vertritt dabei die allgemeinen anschaunngen der 
dichter des mittelalters , für die masslose freigebigkeit zum 
idealbilde eines fürsten gehört. Uebrigens ist der rat beide 
mal ganz allgemein gehalten, und nirgends angedeutet, dass 
Walther für sich selbst oder für einen bestimmten fürsten 
grössere freigebigkeit beansprucht. 



68 39 — 69 2 99 

wie du da mite verliesest michels mere. 

Du möhtest gerner danke s geben tüsent pfunt, 40 

dan drizec tüsent äne danc. dir ist niht kunt 

wie man mit gäbe erwirbet pris und ere. 

Denk an den muten Salatin: 

der jach daz küneges hende dürkel solten sin: 

so wurden sie erforht und ouch geminnet. 45 

gedenke an den von Engellant, 

wie tiure man den löste durch sine muten haut. 

ein schade ist guot, der zwene frumen gewinnet. 

Der in den oren siech von ungesühte si, 

daz ist min rät, der läz den hof ze Düringen fri: 50 

wan kumet er dar, deswär er wirt ertoeret. 

Ich hän gedrungen unz ich niht me dringen mac. 

ein schar vert üz, diu ander in, naht unde tac. 

groz wunder ist daz iemen da gehceret. 

Der lantgräve ist so gemuot 55 

daz er mit stolzen helden sine habe vertuet, 

der iegeslicher wol ein kempfe wsere. 

mir ist sin höhiu fuore wol kunt: 

und gulte ein fuoder guotes wines tüsent pfunt, 

da stüende doch niemer ritters becher laere. 60 

69 (L. 20 16. 148). 
Ob ieman spreche, der nu lebe, 
daz er gessehe ie grcezer gebe, 

46. Richard Löwenherz ist gemeint, der für ein lösegeld 
von 150000 mark aus der gefangen Schaft Heinrichs VI befreit 
wurde. Er war das ideal der spielleute seiner zeit. Roger 
von Hoveden sagt von ihm: de regno Francorum cantores et 
joculatores mwieribus allexerat, ut de illo canerent inplateis; 
etjam dicehatur ubique, quod non erat talis in orhe. 49 ff. Vgl. 
Einl. 8. 11. Von einer klage des dichters. dass sein anklopfen 
am thüringischen hofe nichts helfe (vgl. Lachmann, anm.) steht 
nichts in der Strophe. 52. Ueber das dringen bei hofe vgl. 
R. Hildebrand , Germania X , 143. 69 1 ff. Zu diesem tone 
vgl. Roethe, ZfdA 57, 130, dessen willkürlichen textänderungeu 
ich nicht folgen kann. Die erste Strophe bezieht sich auf ein 
grosses fest in Wien, vielleicht den ritterschlag Leopolds VII 
(28. mai 1200), wozu der ausdruck den jungen fUrsten am besten 
passt; Leopold war damals 24 jähre alt. Ausserdem kann aber 



100 69 3 — 30 

als wir ze Wiene haben durch ere empfangen? 

Man sach den jnngen fürsten geben, 

als er niht langer wolte leben: 5 

da wart mit guote wunders vil begangen. 

Man gap da niht bi drizec pfunden, 

wan Silber, als ez waere funden, . 

gab man hin und riche wät. 

ouch hiez der fürste durch der geraden hulde 10 

die malhen von den stellen laeren. 

ors, als ob ez lember waeren, 

vil maneger dan gefüeret hat. 

ezngalt da nieman siner alten schulde: 

daz was ein minnecllcher rät. 15 

Mir ist verspart der sselden tor; 

da sten ich als ein weise vor: 

mich hilfet niht swaz ich dar an geklopfe. 

Wie möht ein wunder groezer sin? 

ez regent bedenthalben min, 20 

daz mir des alles niht enwirt ein tropfe. 

Des fürsten milte üz Osterriche 

fröut dem süezen regen gellche 

beidiu Mute unt ouch daz laut. 

er ist ein schoene wol gezieret beide, 25 

dar abe man bluomcn brichet wunder. 

und brauche mir ein blat dar under 

sin vil milte richiu haut, 

80 möhte ich loben die süezen ougenweide. 

hie bi si er an mich gemant. 30 



auch die vennählungsfeier Leopolds im november 1203 in be- 
tracht kommen, um welche zeit sich Walther nach ausweis der 
reiserechnungen Wolfgers sicher in Oestreich aufhielt. Anderer 
ansieht sind Simrock und Nagele (Germ XXIV, 162). 

11. Vgl. Bech, Germ. 32, 117 und Wallner, ZfdA 39, 429. 
Anders H. Fischer, ZfdA 49, 157. 14. Walther spielt 

hier wol auf sein eigenes früheres vergehen gegen den herzog 
an, vgl. einl. s. 4. 16 ff. Diese und die folgende strophe sind 
nicht datierbar. Schwerlich aber sind sie verfasst, bevor 
Walther überhaupt von Wien geschieden war, eher bei einem 
späteren besuche und zwar beide wol nicht bei dem gleichen. 



69 3L — 47 101 

Der hof ze Wiene sprach ze mir: 

'Walther, ich solte lieben dir, 

nii leide ich dir: daz müeze got erbarmen. 

Min wirde diu was wilent groz: 

do lebte niender min genoz, 35 

wan künec Artüses hof: so we mir armen! 

Wä nu ritter unde frouwen, 

die man bi mir solte schouwen? 

seht wie jämerlich ich ste. 

min dach ist fül, so risent mine wende. 40 

mich enminnet nieman leider. 

golt Silber ros und dar zuo kleider 

diu gab ich, unde hat ouch m^: 

nun hab ich weder schappel noch gebende 

noch frouwen zeinem tanze, ouwe!' . 45 

Künc Constantin der gap so vil, 
als ich ez iu bescheiden wil, 



4:6 ff. gehört wahrscheinlich in des jähr 1213. Der pfaff'en 
wal z. hl ist die wähl Friedrichs II, die am 5. dec. 1212 zu Frank- 
furt stattfand, nachdem sie bereits auf einer Versammlung zu 
Nürnberg im sept. 1211 beschlossen war. Hierzu war die an- 
regung durch ein manifest des papstes gegeben (vgl. Winkel- 
mann II, 255). Friedrich wird von seinen gegnern als pfaffen- 
könig (rex presbyterorum) verspottet, und bezeichnet sich selbst 
als könig von gottes und des papstes gnaden. Lachmann 
bezieht in den späteren ausgaben dei- pfaffen wal auf die wähl 
Ottos IV (vgl. auch Burdach, s. 48), an der aber der papst gar nicht 
beteiligt war, Wilmanns auf die entscheidung des papstes zu 
gunsten Ottos IV im jähre 1201, die aber doch nicht als eine 
wähl bezeichnet werden kann. — Haupt vergleicht eine rand- 
bemerkuDg in einer Wiener handschrift von einer band des 
13. jahrh.: Legitur, quod eo die, quo a Constantino dotata est 
ecclesia, audita est vox angelica, dicens 'hodie infusum est 
venenum in ecclesia, quia major est dignitate et minor religione'. 
Eine im wesentliche übereinstimmende stelle aus der Summa 
de vitiis et virtutibus des Wilhelm Peraldus führt Schönbach 
(Beitr. s. 22) an. Vgl. ferner Hermann v. Fritzlar (Pfeiffer, 
Mystiker I, 48) : dö wart ein stimme gehört über allez Home, die 
»prach: hüte ist die galle und die vergiß gegozzen in die lieiligen 
kristenheit, und wjzzet, daz diz ist noch ein wurzele und ein, 
grundfestene alles kriges zwischen den bebisten und den keisem. 
Die Schenkung Constantins wird auch 79 69 als unheilvoll be- 



102 69 48 - 73 

dem stuol ze Röme, sper kriuz unde kröne. 

Zehant der engel lüte schre 

'ouwe, ouwe, zem dritten we! 50 

c stuont diu kristenheit mit zühten schöne: 

Der ist ein gift nu gevallen, 

ir honec ist worden zeiner gallen. 

daz wirt der "werlt her nach vil leit.' 

alle forsten lebent nu mit eren, 55 

wan der hoehste ist geswachet: 

daz hat der pfaifen wal gemachet. 

daz sl dir, süezer got, gekleit. 

die pfaffen wellent leien reht verkeren. 

der engel hat uns war geseit. 60 

Nu wachet! uns get zuo der tac, 

gein dem wol äugest haben mac 

ein ieglich kristen, Juden unde beiden. 

Wir hau der zeichen vil gesehen, 

dar an wir sine kunft wol spehen, 65 

als uns diu schrift mit wärheit hat bescheiden. 

Diu sunne hat ir schin verkeret. 

untriuwe ir sämen üz gereret 

allenthalben zuo den wegen; 

der vater bi dem kinde untriuwe vindet, 70 

der bruoder sinem bruoder liuget; 

geistlich orden in kappen triuget, 

die uns ze himel selten stegen; 

zeichnet. Man vgl. die plane auf die kirchengüter, welche (Jem 
kaiser Otto IV zugeschrieben wurden (Winkelmann II, 293). 
61 ff. Über die datierung vgl Zarncke, PBB VII, 597. 
Zarncke bestimmt die Sonnenfinsternis, auf die z. 67 angespielt 
wird, nach astronomischen berechnungeu als die vom 27. nov. 
1201. Es sind dabei aber nur die Verfinsterungen bis zum 
jähre 1207 in betracht gezogen. Die möglichkeit, dass der 
Spruch einer späteren zeit angehört, darf nicht ohne weiteres 
von der band gewiesen werden. Burdach (s. 48) sucht spezielle 
beziehvingen, ohne .dass seineu ausführungen Überzeugungs- 
kraft innewohnt. Überhaupt enthält der sprach keine an- 
spielung auf bestimmte einzelne Vorgänge, auch keine politische 
Parteinahme, z. 75 nimmt die mahnnng von z. 61 wieder auf: 
man soll nicht länger zögern, sich auf den jüngsten tag vor- 
zubereiten. 



69 71 — 107 103 

gewalt get üf, reht vor gerihte swindet. 

wol üf! hie ist ze vil gelegen. 75 

Ich hoere des die wisen jehen, 

daz ein gerihte sül geschehen, 

daz nie deheinez me wart also strenge. 

der riht^ere sprichet sä zehant 

•gilt äne borg und äne pfant.' 80 

da wirt des mannes rät vil kurz und enge. 

Daz hilf mir, frouwe, hie besorgen, 

Sit daz dort nieman wil borgen, 

durch die hcehsten fröude din, 

die dir der heilige engel ze oren brähte, 85 

dö er dir ze tragenne künde 

da von sich din fröude erzunde 

und unser werndez heil sol sin. 

der dir der fröude von alrerste gedähte, 

des trost si an dem ende min. 90 

So we dir, Werlt, wie übel du stest! 

waz dii^ge du alzan hegest, 

diu von dir sint ze lidenne ungenaeme! 

Du bist vil nach gar äne schäm. 

got weiz wol, ich bin dir gram: 95 

din art ist elliu worden widerzaeme. 

Waz eren hast uns her behalten? 

nieman siht dich fröuden walten, 

als man ir doch wilent pfiac. 

we dir, wes habent diu milten herze engolten? 100 

für diu lobt man die argen riehen. 

Werlt du stest so lasterlichen, 

daz ichz niht betiuten mac. 

triuwe und wärheit sint vil gar bescholten: 

daz ist ouch aller eren slac. 105 

Ez troumte, des ist manic jär, 
ze Babilöne, daz ist war, 



76 ff. ist nur in r überliefert, daher die echtheit nicht 
zweifellos. 106. Gemeint ist der träum Nebukadnezars, 

Daniel cap. 2. 



104 69 108—142 

dem künege, ez wurde boeser in den riehen. 

Die nu ze vollen boese sint, 

gewinnen! die noch boeser kint, 110 

ja herre got, wem sol ich diu geliehen? 

Der tievel waere mir niht so smaehe, 

quaeme er dar da ich in saehe, 

sam des boesen boeser barn. 

von ddr geburt enkumt uns frum noch ere. 115 

die sich selben so verswachent 

und ir bösen boeser machent, 

an erben müezen sie vervarn. 

daz tugendeloser herren werde iht mßre, 

daz solt du, herre got, bewarn. 120 

Die veter habent ir kint erzogen, 

dar ane sie bede sint betrogen: 

sie brechent dicke Salomones lere. 

Der sprichet, swer den besemen spar, 

daz der den sun versüme gar: 125 

des sint sie ungebachen und an ere. 

Hie vor dö was diu werlt so schoene, 

nu ist 8i worden also hoene. 

des enwas niht wilent e. 

die jungen habent die alten so verdrungen. 130 

nu spottet also dar der alten! 

ez wirt iu selben noch behalten: 

beitet unz iuwer jugent zerge: 

swaz ir nu tuot, daz rechent iuwer jungen. 

daz weiz ich wol, und weiz noch me. 135 

Wer zieret nu der eren sal? 

der jungen ritter zuht ist smal: 

so pflegent die knehte gar unhtibescher dinge 

Mit Worten und mit werken ouch. 

swer ztihte hat, der ist ir gouch. 140 

nemt war wie gar unfuoge für sich dringe. 

Hie vor do berte man die jungen. 



123. Sprüche Salomonis 13, 24. 126. Vgl. Lucae ZfdA 
30, 351 ; Wallner und Schröder, ib. 39, 184. 



69 143 — 180 105 

die da pflägen frecher zungen: 

nu ist ez ir werdekeit. 

sie schallent unde scheltent reine frouwen. 145 

we ir hiuten und ir hären, 

die niht kunnen fro gebären 

sunder wibe herzeleit! 

da mac man sünde bi der schände schouwen, 

die maneger üf sich selben leit. 150 

Swer äne vorhte, herre got, 

wil sprechen diniu zehen gebot, 

und "brichet diu, daz ist niht rehtiu minne. 

Dich heizet vater menege vil: 

swer min ze bruoder niht enwil, 155 

der spricht diu starken wort üz krankem sinne. 

Wir wahsen üz gelichem dinge: 

spise frumet uns, diu wirt ringe, 

so si durch den munt gevert. 

wer kan den herren von dem knehte scheiden, 160 

swa er ir geljeine blozez funde, 

het er ir joch lebender künde, 

so gewürme daz fleisch verzertV 

im dienent kristen Juden unde beiden, 

der elliu lebendiu wunder nert. 165 

Swer houbetsünde unt schände tuot 

mit siner wizzende umbe guot, 

sol man den für einen wisen nennen? 

Swer guot von disen beiden hat, 

swerz an im weiz unt sichs verstät, 170 

der sol in zeinem toren baz erkennen. 

Der wise minnet niht so sere, 

alsam die gutes hulde und ere: 

sin selbes lip, wip unde kint, 

diu lät er e er disiu zwei Verliese. 175 

er töre, er dunket mich niht wise, 

und ouch der sfn ere prise: 

ich waen sie beide toren sint. 

er gouch, swer für diu zwei ein anderz kiese! 

der ist an rehten witzen blint. 180 



10<J 69 181-2U 

June man, in swelher ahte du bist, 

ich wil dich leren einen list: 

du lä dir niht ze we sin nach dem guote, 

La dirz ouch niht zunmiere sin. 

und volgest du der lere min, 185 

so wis gewis, ez frumt dir an dem muote. 

Die rede wil ich dir baz bescheiden. 

und last du dirz ze sere leiden, 

zergät ez so ist din fröude tot: 

wilt aber du daz guot ze sere minnen, 190 

du mäht Verliesen sele und ere. 

da von so volge miner lere, 

leg üf die wäge ein rehtez 16t, 

und wig ouch dar mit allen dinen sinnen, 

also diu mäze uns ie gebot. 195 

Waz Wunders in der werlte vert! 

wie manic gäbe uns ist beschert 

von dem der uns üz nihte hat gemachet! 

Dem einen git er schcenen sin, 

dem andern guot unt den gewin, 200 

daz er sich mit sin selbes guote swachet. 

Armen man mit guoten sinnen 

sol man für den riehen minnen, 

ob er eren niht engert. 

ja enist ez niht wan gotes hulde und ere, 205 

dar nach diu werlt so sere vihtet: 

swer sich ze guote also verpflihtet 

daz er der beider wirt entwert, 

dern habe ouch hie noch dort niht lönes mere, 

wan sl eht guotes hie gewert. 210 

Mit saelden müeze ich hiute üf sten, 
got herre, in diner huote gen 
und riten, swar ich in dem lande köre. 
Krist herre, läz an mir werden schin 

211 ff. ist eine kunstmässige nachbildung der volkstüm- 
lichen gattung der reisesegen, vgl. Denkmäler deutscher poesie 
und prosa, herausg. von Müllenhoff und Scherer IV, 8 und 
XL VII, 3 nebst den anmerkungen dazu. 



69 215 — 70 a 16 107 

die grözen kraft der güete din, 215 

und pflic min wol durch diner muoter ere. 

Als ir der heilig engel pflsege, 

unt din, do du in der krippen laege, 

junger mensch und alter got, 

demüetic vor dem esel und vor dem rinde 220 

(und doch mit sseldenricher huote 

pflac din Gabriel der guote 

wol mit triuwen sunder spot), 

als pflig ouch min, daz an mir iht erwinde 

daz din vil götelich gebot. 225 

70 a (L.14 36). 
Philippe, künec here, 

sie gebent dir alle heiles wort 

und wolden liep nach leide. 

Nu hast du guot und ere; 

daz ist wol zweier künege hört : 5 

die gip der Milte beide. 

Diu Milte lonet same diu sät, 

diu wunnecliche wider gät 

dar nach man sie geworfen hat: 

wirf von dir miltecliche. 10 

swelch künec der Milte geben kan, 

si git im daz er nie gewan. 

wie Alexander sich versan! 

der gap und gap, und gap sim elliu riche. 

Wir suln den kochen raten, 15 

Sit ez in also höhe ste. 



70 a 15 ff. Auf diesen spruch spielt Wolfram im Willehalm 
286, 10 an: her Vogelweid von braten sanc: dirre brüte tcas 
die unde lanc: ez hete sin frouwe dran genuoc, der er so holdez 
herze ie truoc. Von den meisten heransgebem wird er auf 
Philipp bezogen, passt aber besser auf Otto. Die erzählung von 
den kochen hat Koberstein auf die eroberung von Konstantinopel 
durch die Lateiner bezogen, Zarncke (PBBVII, 592) auf die 
der eroberung unmittelbar vorhergehenden ereignisse. Aber 
damit ist nicht erklärt, wie Walther zu dem gleichnis von dem 



108 70=' 17-42 

daz sie sich niht versümen, 

Daz sie der ftirsten braten 

sniden groezer baz dan e, 

doch dicker eines dümen. 20 

Ze Kriechen wart ein spiz versniten; 

daz tet ein hant mit argen siten : 

sin möhte ez niemer hän vermiten: 

der brate was ze dünne. 

des muose der herre für die tür: 25 

die fürsten säzen ander kür. 

der nu daz rlche also verlür, 

dem stüende baz daz er nie spiz gewünne. 

Waz eren hat frö Bone, 

daz man so von ir singen sol? 30 

si rehtiu vastenkiuwe! 

Sist vor und nach der nöne 

fül und ist der wibel vol 

wan erste in der niuwe. 

Ein halm ist kreftec unde guot: 35 

waz er uns allen liebes tuet! 

er fröut vil manegem sinen muot: 

wie danne umb sinen sämen? 

von grase wirdet halm ze stro, 

er machet manic herze frö, 40 

er ist guot nider unde ho. 

frou Bone — set liberä nos ä mälo, amen. 



braten gekommen ist. Es ist daher wol doch eher ein sagen- 
hafter bericht anzunehmen, in dem das, was Walther als parabel 
verwendet, als wirkliches factum erzählt war. 

29 ff. Lachmann bemerkt hierzu: 'ich glaube, ein tadler, 
vielleicht der dichter, den das nächstfolgende gesetz (70 b 15) 
derb abfertigt, hatte Walthers lied vom halmmessen (32) ver- 
höhnt; etwa in dem sinne, herrn Walthers halm sei keiner 
höhnen wert, die man dagegen schon eher besingen könnte, 
„was", sagt der dichter, „ist an der bohne zu loben? sie ist 
fastenspeise, vor und nach himmelfahrt (nö^ie) faul, und von 
anfang voU würmer; dagegen halm, körn und stroh gut und 
erfreulich und zu jeder zeit brauchbar: aber vor der bohne 
muss man ein paternoster beten, um ihrer los zu werden."' 
So wenig befriedigend diese deutung ist, so ist doch bisher 
noch nichts besseres aufgestellt. 



70'' 1—20 109 

70 b (L. 18 1). 
Mir hat ein liet von Franken 
der stolze Missensere bräht: 
daz vert von Lndewige. 
lehn kan ims niht gedanken 

so wol als er min hat gedäht, 5 

wan daz ich tiefe nige. 
Kund ich swaz ieman guotes kan, 
daz teilte ich mit dem werden man, 
der mir so höher eren gan, 

got müeze ouch im die sinen iemer meren. 10 

zuo flieze im aller saelden fluz, 
niht wildes mide sinen schuz, 
sins hundes louf, sins homes duz 
erhelle im und erschelle im wol nach eren. 

Her Wicman, ist daz ere, 15 

daz man die meister irren sei 

80 meisterlicher sprüche? 

Latz iu geschehen niht m^re: 

für war ich iu daz rate wol. 

waz obe her Walther krüche? 20 



70 b weicht in der zehnten zeile von 70* ab, die erste 
Strophe allerdings nur in der einen, aber, wie es scheint, besseren 
Überlieferung. 70 b 1 ff. Die veranlassung dieses Spruches bleibt 
uns unverständlich. Der Missencere ist markgraf Dietrich von 
Meissen (vgl. einl. s. 12); dass mit Ludwig der herzog von Baiern 
gemeint sei, ist eine durch nichts als die Übereinstimmung 
des namens zu begründende annähme. Die gäbe, welche der 
Meissner mitgebracht hat, heisst in C liet, in A lieht. Gegen die 
letztere von allen anderen berausgebern aufgenommene lesart 
ist zu bemerken, dass lieht nicht die jetzt in Norddeutschland 
übliche Bedeutung ,,kerze" hat, sondern nur ein brennendes Hebt 
bezeichnen kann. Für liet tritt jetzt auch Saran (PBB 27, 202) 
ein und vermutet, dass damit die folgende Strophe gemeint sei, 
die im Interesse Waltbers von Ludwig oder in dessen auftrage 
verfasst sei. Wackernagels deutung (vgl. zu 79 1) ist unan- 
nehmbar. Es ist wol der Meissner, nicht Ludwig, dem das 
lob gilt. 15. Ueber die person des Wicman (so nennt ihn 
A, C hat dafür Volcnant) wissen wir nichts. Die echtheit der 
Strophe ist nicht ohne grund angezweifelt. Vgl. die anmerkung 
zum vorhergehenden sprach. Ueber den sprach vgl. noch 
H. Fischer, ZfdA 49, 154. 



110 70 •> 21 — 71 24 

Er soltz doch iemer hän vor iu, 

also der weize vor der spriu. 

singt ir einz, er singet driu, 

daz geli'chet sich rehte also ars und mäne. 

her Walther singet swaz er wil, 25 

des kurzen und des langen vil: 

8U8 meret er der werlte spil: 

so jaget ir alse ein leithunt nach wäne. 

71 (L. 82 11). 
Ouwe daz wfsheit unde jugent, 
des mannes schcene noch sin tugent 
niht erben sol, so ie der lip erstirbet! 
Daz mac wol klagen ein wiser man, 
der sich des schaden versinnen kan, 5 

Reimär, waz guoter kunst an dir verdirbet. 
Du solt von schulden iemer des geniezen, 
daz dich des tages wolte nie verdriezen, 

dun spraechest ie den frouwen wol 

des süln sie iemer danken diner zungen. 10 

und betest niht wan eine rede gesungen, 

'so wol dir, wip, wie reine ein nam!', du betest an ir 

lobe also gestriten 
daz elliu wip dir iemer me genaden sollen biten. 

Deswär, Reimär, du riuwest mich 
michels harter danne ich dich, 15 

ob du lebtest und ich wser erstorben. 
Ich wilz bi minen triuwen sagen, 
dich selben wolt ich lützel klagen: 
ich klage din edelen kunst, daz sist verdorben. 
Du kündest al der werlte fröude meren, 20 

so duz ze guoten dingen wollest keren. 
mich riuwet din wol redender munt und dm vil stiezer 
daz die verdorben sint bi minen ziten. [sanc, 

daz du niht eine wile mohtest biten! 

71 1 ff. Klagelied um Reinmar, der, wenn wir ihn mit der 
uachtigall von Hagenau identificieren dürfen (vgl. einl. s. 4), etwa 
zwischen 1205 und 1214 gestorben sein muss. 12. Die citierte 
stroplie steht in Minnesangs frühling 165, 28. Die zeile ist zu lang. 



7125 — 56 111 

80 leiste ich dir geselleschaft: min singen ist niht lanc. 25 
dm sele müeze vvol gevarn, und habe din zunge danc. 

Swä der hohe nider gät 

und ouch der nider an höhen rät 

gezucket wirt, da ist der hof verirret. 

Wie sol ein unbescheiden man 30 

bescheiden des er niht enkan? 

sol er mir büezen des mir niht enwirret? 

Des Stent die hohen vor den kemenäten: 

so suln die nidern umb daz riche raten. 

swä den gebrichet an der kunst, seht, da tuont sie 35 

wan daz siez umbe werfent an ein triegen: [niht me 

daz lerent sie die fürsten unde liegen. 

die selben brechent uns diu reht und stoerent unser e. 

nu sehet wie diu kröne lige und wie diu kirche ste. 

Ich muoz verdienen swachen haz: 40 

ich wil die hen'en leren daz, 

wies iegeslichen rät wol mügen erkennen. 

Der guoten rsete der sint dri: 

dri ander boese Stent da bi 

zer linken hant. lät iu die sehse nennen. 45 

Frnm unde gotes hulde und werltlich ere, 

daz sint die guoten: wol im der sie lere! 

den möhte ein keiser nemen wol an smen hoehsten rät. 

die andern heizent schade sünde und schände. 

da erkenne sie bi der sie e niht erkande. 50 

man beeret an der rede wol wiez umb daz herze stät. 

daz anegenge ist selten guot, daz bcesez ende hat. 

Dri sorge habe ich mir genomen : 

möht ich der einer zende komcn, 

80 wsere wol getan ze minen dingen. 55 

ledoch swaz mir da von geschiht, 

27 ff. Die Verhältnisse auf welche in diesem Spruche au- 
gespielt wird, lassen sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Rieger 
(Leben Walthers s. 45 ff.) bezieht ihn auf die regierung könig 
Heinrichs und setzt ihn zwischen sommer 1229 und sept. 1230. 



112 



71 57 — 72 6 



in scheid ir von ein ander niht: 

mir mag an allen drin noch wol gelingen. 

Gotes hulde und miner frouwen minne, 

dar umbe sorge ich, wie ich die gewinne: 60 

daz dritte hat sich min erwert unrehte manegen tac, 

daz ist der wunnecliche hof ze Wiene: 

in gehirme niemer unz ich den verdiene, 

Sit er so maneger tugende mit so staeter triuwe pflac. 

man sach Liupoltes hant da geben, daz si des niht 

erschrac. 65 

Rit ze hove, Dietrich, 
'herre, in mac' waz irret dich? 
'in hän niht rosses daz ich dar gerite.' 
Ich lihe dir einz, und wilt du daz. 
'herre, gerite al deste baz.' 70 

nu stant also noch eine wile, bite. 
Weder ritest gerner eine guldin katzen, 
oder einen wunderlichen Gerhart Atzen? 
'semir got, und aeze ez höu, ez war ein frömdez pfert. 
im gent diu ougen umbe als einem äffen, 75 

er ist als ein guggaldei geschaffen, 
den selben Atzen gebet mir her: so bin ich wol gewert.' 
nu krümbe diu bein, rit selbe her hein, sit du Atzen 

hast gegert. 

72 (L. 103 13). 
Mir hat her Gerhart Atze ein pfert 
erschozzen zisenache. 
daz klage ich dem den er bestät: 
derst unser beider voget. 

Ez was wol drier marke wert. 5 

nu hoeret frömde Sache, 



66 ff. bezieht sich auf deuselbeu Vorfall wie 72 1 ff. Ger- 
hardus et frater ejus Heinricus cognomine Atzo erscheinen als 
zeugen in einer Urkunde des landgrafen Hermann vom jähre 1196. 
Die seltsame entschuldigung, welche der dichter 72 9 dem Atze 
boshafterweise in den mund legt, ist wol dadurch veranlasst, 
dass ihm entweder wirklich ein finger von einem rosse ab- 
gebissen war, oder dass ihm wenigstens ein finger fehlte. 



727-41 113 

Sit daz ez an ein gelten gät, 

wä mite er mich nu zöget. 

Er seit von grözer swaere, 

wie min pfert msere 10 

dem rosse sippe waere, 

daz im den vinger abe 

gebizzen hat ze schänden. 

ich swer mit beiden banden, 

daz sie sich niht erkanden. 15 

ist ieman der mir stabe? 

Swä guoter hande wnrzen sint 

in einem gröenen garten 

bekliben, die sol ein wiser man 

niht läzen unbehuot. 20 

Er sol in spilen vor als ein kint, 

mit ougenweide zarten. 

da lit gelnst des herzen an, 

imd git ouch höhen muot. 

Si boese unkrüt dar under, 25 

daz breche er üz besunder 

(lät erz, daz ist ein wunder), 

und merke ob sich ein dorn 

mit kündekeit dar breite, 

daz er den fnrder leite 30 

von siner arebeite: 

sist anders gar verlorn. 

Uns irret eii^er hande di^t: 

der uns die ftirder taete, 

so möhte ein wol gezogener man 35 

ze hove haben die stat. 

Die läzent sin ze Spruche niet: 

ir drfizzel derst so draete, 

kund er swaz ieman guotes kan, 

daz hülfe niht ein blat. 40 

Ich und ein ander tore 



72 41 ff. nicht recht verständlich und wol verderbt 
Walth. V. d. Vogelweide. 5. aufl. 3 



1 14 72 42 - 73 21 

wir doenen in sin öre, 

daz nie kein münch ze köre 

so sere me geschrei. 

gefüeges mannes doenen 45 

daz sol man wol beschcenen: 

müet des mannes hcenen, — 

hie get diu rede enzwei. 

73 (L. 11 6). 

Her keiser, sit ir willekomen. 

der küneges name ist in benomen: 

des schinet iuwer kröne ob allen krönen. 

lur hant ist krefte und guotes vol: 

ir wellet übel oder wol, 5 

so mac si beidiu rechen unde lönen. 

Dar züo sag ich iu msere: 

die fürsten sint iu undertän, 

sie habent mit zühten iuwer kunft arbeitet. 

und ie der Missensere 10 

derst iemer iuwer äne wän: 

von gote wurde ein engel e verleitet. 

Got git ze künege swen er wil: 

dar umbe wundert mich niht vil: 

uns leien wundert umb der pf äffen lere. 15 

Sie lerten uns bi kurzen tagen: 

daz wellents uns nu widersagen. 

nu tuonz durch got und durch ir selber ere, 

Und sagen uns bi ir triuwen, 

an welher rede wir sin betrogen; 20 

volrecken uns die einen wol von gründe, 

73 1 ff. Zur begrüssung Ottos IV bei seiner rückkehr aus 
Italien im frühjahr 1212 gedichtet, vielleicht auf dem hoftage 
zu Frankfurt vorgetragen, wo auch Dietrich von Meissen erschien 
und sich dem kaiser am 20. märz durch einen vertrag ver- 
pflichtete, nachdem er vorher gegen ihn konspiriert hatte. Er 
fiel schon im folgenden jähre wider von Otto ab. 16 bezieht 
sich auf die frühere anerkeunung und nachherige Verwerfung 
Ottos. 



73 22-51 115 

die alten ode die niu\7en. 

uns dunket einez si gelogen. 

zwo Zangen stänt unebne in einem munde. 

Her habest, ich mac wol genesen: 25 

wan ich wil iu gehörsam wesen. 

wir horten iuch der kristenheit gebieten 

Wes wir dem keiser solten pflegen, 

do ir im gäbet den gotes segen, 

daz wir in herren hiezen und vor im knieten. 30 

Ouch sult ir niht vergezzen, 

ir sprächet 'swer dich segene, der si 

gesegnet: swer dir fluoche, der si verfluochet 

mit fluoche völmezzen.' 

durch got bedenket iuch da bi, 35 

ob ir der pfaffen ere iht geruochet. 

Do gotes sun hien erde gie, 

do versnobten in die Juden ie: 

sam tätens eines tages mit dirre frage. 

Sie frägeten obe ir friez leben 40 

dem riebe iht zinses solte geben. 

do brach er in die huote und al ir läge. 

Er iesch ein münizisen, 

er sprach 'wes bilde ist hinne ergraben?' 

'des keisers', sprächen do die merksere. 45 

do riet er den unwisen 

daz sie den keiser liezen haben 

sin keisers reht, und got swaz gotes waere. 

Her keiser, ich bin frönebote 

und bringe iu boteschaft von gote. 50 

ir habt die erde, er hat daz himelriche. 



49 ff. Unter dem kaiser, der in dieser und der folgenden 
Strophe angeredet wird, hat Uhland, wie ich glaube, mit recht 
Friedrich U verstanden , indem er in z. 68 den adler auf das 
Wappen des reiches, den löwen auf das der Hohenstaufen 
bezieht. Lachmann dagegen und die anderen herausgeber sind 
der ansieht, dass Otto gemeint sei, der einen halben adler und 
drei halbe löwen im wappen führte (vgl. Winkelmann II, 498). 



116 73 52 — 74 10 

Er hiez iu klagen (ir alt sin voget): 

in sines sunes lande broget 

diu heidenschaft in beiden lasterliche. 

Ir müget im gerne rihten: 55 

sin 8un der ist geheizen Krist, 

er hiez iu sagen wie erz verschulden welle. 

nu lät in zuo iu pflihten. 

er rihtet iu da er voget ist, 

klagt ir joch über den tievel üz der helle. 60 

Her keiser, swenne ir Tiuschen fride 

gemachet staete bi der wide, 

so bietent iu die fremeden zungen ere. 

Die sult ir nemen an arbeit 

und stienen al die kristenheit: 65 

daz tiuret iuch, und mtiet die beiden sere. 

Ir tragt zwei keisers eilen, 

des aren tugent, des lewen kraft: 

die sint des herzeichen an dem schilte. 

die zwene hergesellen, 70 

wan woltens an die heidenschaft! 

waz widerstüende ir manheit und ir milteV 



74 (L. 105 13). 
Der Missensere solde 
mir wandeln ob er wolde. 
min dienest läz ich allez varn, 
Niewan min lop aleine. 

deich in mit lobe iht meine, 5 

daz kan ich schone wol bewam. 
Lobe ich in, so lobe er mich: 
des andern alles des wil ich 
in minnecliche erläzen. 
sin lop daz muoz ouch mir gezemen, 10 



69. Schröder (ZfdÄ 45, 439) will lesen: die sint des 
Herren zeielien. 74 1 ff. Vgl. einl. s. 12. Der markgraf muss 
sich nach z. 7 ff. tadelnd über walther ausgesprochen haben. 



74 11-32 117 

oder ich Avil minz her wider nemen 
ze hove und an der sträzen, 
so ich nu genuoge 
gewarte siner fuoge. 

Ich hän dem Missensere 15 

gefüeget manec msere 

baz danne er nu gedenke min. 

Waz sol diu rede beschcenet? 

möht ich in hän gekroenet, 

diu kröne waere hiute sin. 20 

Het er mir dö gelonet baz, 

ich diente im aber eteswaz. 

noch kan ich schaden vertriben. 

er ist aber so gefüege niht, 

daz er mir biete wandeis iht. 25 

da läzen wirz beliben. 

wan vil verdirbet 

des man niht enwirbet. 

Nu sol der keiser here 

für brechen durch sin ere 30 

des lantgräven missetät. 

Wand er was doch zewäre 



15. Von diensten, die Walther dem Meissner erwiesen hat, 
ist ausser der hochtönenden Versicherung von dessen treue, 
die er dem kaiser Otto entgegenbrachte (73 10), nichts bekannt. 
19. 20. Wol keine anspielung auf eine bestimmte kröne, die für 
den Meissner zu erwerben Walther sich bemüht hätte, sondern 
nur ein ausdruck dafür, dass er bereit gewesen wäre ihm das 
grösste zu verschaffen, wenn es in seinen kräften gestanden hätte. 
27. Ein Sprichwort. 29 ff. Diese fürbitte für den landgrafen 
Hermann kann nicht gut in eine andere zeit fallen, als in das 
jähr 1212, wo derselbe, von den meisten übrigen Parteigenossen, 
die mit ihm im jähre zuvor die wähl Friedrichs beschlossen 
hatten, im stich gelassen, von Otto hart bedrängt wurde. Auf- 
fallend ist nur, dass sonst keine spur davon vorhanden ist, 
dass der landgraf die gnade des kaisers nachgesucht hätte. 
Im gegenteil gab er in dem schlimmsten momente seinem in 
Weissensee eingeschlossenen beere ausdrücklich die Weisung 
im widerstände zu verharren, vgl. Winkelmann II, 308. 



118 74 33 — 75 14 

Bin vient offenbare. 

die zagen truogeu stillen rät: 

Sie swuoren hie, sie swuoren dort, 35 

und pruoften ungetriuwen mort. 

von Rome fuor ir scheiden. 

ir diufe enmohte sich nicht verheln, 

si begouden under zwischen stein 

und alle ein ander melden. 40 

seht, diep stal diebe, 

dro tete liebe. 

75 (L. 31 13). 
Der stuol ze Rome ist allererst berihtet rehte 
als hie vor bi einem zouberaere Gerbrehte. 
Der selbe gap ze valle niwan sin eines leben: 
80 hat sich dirre und al die kristenheit ze valle geben. 
Alle Zungen suln ze gote schrien wäfen 5 

und rüefen ime, wie lange er welle släfen. 
sie widerwürkent siniu werk und felschent siniu wort, 
sin kameraere stilt im sinen himelhort, 
sin süensere mordet hie und roubet dort, 
sin hirte ist zeinem wolve im worden under sinen 10 

Schafen. 

Wir klagen alle und wizzen doch niht waz uns wirret^ 
daz uns der habest unser vater alsus hat verirret. 
Nu gät er uns doch harte vaterlichen vor: 
wir volgen im nach und komen niemer fuoz üz sinem spor. 



34. Mit deu zagen müssen die mitverschworeneu des 
landgrafen gemeint sem, die sich dem kaiser bei seiner rück- 
kehr aus Italien zum schein unterwarfen, um bei günstiger 
gelegenheit wider von ihm abzufallen, wie z. b. Dietrich von 
Meissen. Doch sind die folgenden zeilen nicht ganz klar 
und am schluss auch die textherstellung sehr wenig sicher. 
37. Von Eom aus wurden sie veranlasst, sich unzufrieden mit 
Ottos regierung zu erklären (?) 42. Die drohung Ottos 

brachte sie zum gehorsam zurück (?) 75 1 — 80. Vgl. einl. 

s. 8. 2. Gemeint ist Gerbert , als papst Sylvester II 

(999 — 1003), der in folge seiner naturwissenschaftlichen Studien 
in den ruf gekommen war, Zauberei zu treiben. 



75 15-44 119 

Nu merke, werlt, waz mir dar ane missevalle: 15 

gitset er, sie gitsent mit im alle; 
liuget er, sie liegent alle mit im sine lüge; 
und triuget er, sie triegent mit im sine trüge, 
nu merket wer mir daz verkeren müge: 
BUS wirt der junge Judas mit dem alten dort ze 20 

schalle. 

Diu kristenheit gelepte nie so gar nach wäne. 
die sie da leren sollen, die eint guoter sinne äne. 
Es waere ze vil, und taet ein tumber leie daz. 
sie sündent äne vorhte: dar umb ist in got gehaz. 
Sie Wisent uns zem himel, und varent sie zer helle. 25 
sie sprechent, swer ir worten volgen welle 
und niht ir werken, der si an allen zwivel dort genesen, 
die pfaffen sollen kiuscher dan die leien wesen: 
an weihen buochen haut sie daz erlesen, 
daz sich so maneger flizet wa er ein schcenez wip 30 

vervelle? 

Swelch herze sich bi disen ziten niht verkeret, 
Sit daz der bähest selbe dort den ungelouben meret. 
Da wont ein sselic goist und gotes minne bi. 
nu seht ir waz der pf äffen werc und waz ir lere si. 
E daz was ir lere bi den werken reine: 35 

nu sint sie aber anders so gemeine, 
daz wirs unrehte würken sehen, unrehte beeren sagen, 
die uns guoter lere bilde solden tragen, 
des mügen wir tumbe leien wol verzagen, 
ich wsen aber min guoter klösenaere klage und 40 

sere weine. 

Ir bischofe und ir edeln pfaffen ir sit verleitet. 

seht wie iuch der bähest mit des tievels stricken seilet. 

Saget ir uns daz er sant Peters slüzzel habe, 

so saget war umbe er sine lere von den buochen schabe. 



40. Vgl. zu 67 46. 41. 42. Wallner und Schönbach 

wollen lesen verteilet . . seilet. 



120 7545-ft4 

Dax Huui gotcs gtbe dd koole oder yerkonfe, 45 

dax wart «■• rerbotM bf der tovfe, 

na l£r eis ia tfn awarMK l»aoeli, das ine der htüembr 

bit gegebon, and ilz im les et flma rAr: 

ir kardenile, ir decket iawem kdr: 

alter fitae der ttH iBd» eiaer fbdoi tronfe. 50 



AU wie kriateaUeke ■• der bäb«8t lachet, 

•weime er tfaea Walkea iot ^ieh hknz aiid gonaeket:' 

(Dax er di feit, dea Kdt O' oieaia' kta gediUit) 

er gibt *idi kia swte Alaum aader dae kitoe tnftkt, 

Dax siex fidbe aftai atenva «ade waatea, 55 

ie dar aado' fiOlai wir die kaatea: 

iek kias aa arfa^ atoe goaeat, ir gvoi iat aüea aifa: 

ir tiaaclwz aObo' rot ia arfan wdadMB adote. 

ir fiMÜem etiH kieaer aad triakeft wfa, 

aade lit die tiatadbea Taatea.' 60 

Sagt aa, ber Sioe» bit iaeb der bibeat ber geaeadet, 
dax ir ia ifdMt nd aaa Tfatadhea enaei aade awoidet? 
Sweaa iai dia rolle mSae kmat xe Latoia, 
ad taot er eiaea aigea hgt, ah er i UA gflUtit: 




4& MeA aicbt 
ZtifkYI,36; Waüacr, ZüX»,4aO; 
lldy 240. 49. SO, Der iaAut wiü wel angca: tb Baal iit 
|Wt gCMfgt wlOffcad die kifdie ia IVatiddaad TefBachKarigt 
Mt, h\9. Im Jahre 1213 hatte T aaow at ciae Terofiaaag 
fritawa, woaach ia jeder kinbe ciae bichee (traaeaa eoaeatai) 
■a^gfrtfllt werfca aallte, aai hciMge flir ica heahriAtigtea 
krabaagr aafm B fb ai fa . Ite iat der «foe ia dicaai aad deai 
f^eadea qpwdbe. Walder wir! wegea fieaer rcrii^^ng 
der ■Wrbtfa dea fapeCca getaddt Toa Tbwaeaa Toa Zidam 
ia aaaeaiWciaebca gM(11163E Vgj trapaifia Ifuwiehat 

tpmdt JUirA riittn hdktit wuot, dtu i€T b&b t t t woU wtH 
fttuüftctn §tui€ vfiflfla 4te wHkftffifT $dirtnt hwt er o^uAt 
aEfla rat wtiitf tr mit ruu wvft fttfro^hert wktf Sm ruHe 

wm ImOL — «NM trmit iktmt wum 'betöret, ätu rie 
habest fAerhraret g&te» wti de» bäbtte» gduH. . . . nodr 
et ut mir leü wmb im, er kät erzeiget zmkt und »im an 
wentt§er rirter rede fuot. 



75 Ü5 - yv 1 2 1 

Yst seit uns danne wie daz riche stß verwarren, 65 

unz iu erfüllent aber alle pfarren. 

ich wa:n des Silbers wenic knmet ze helfe in gotes lant: 

grözen hört zerteilet selten pf äffen hant. 

her Stoc, ir slt üf schaden her gesant, 

daz ir fiz tiuschen linten suochet toerinne unde narren. 70 

'Sit willekomen, her wirt,' dem gruoze muoz ich swigen: 
'slt willekomen, her gast,' so mnoz ich sprechen oder nigen. 
Wirt unde heim sint zwene unschamellche namen: 
gast unde hereberge muoz man sich vil dicke schämen. 
Noch mtlez ich geleben daz ich den gast ouch grüeze, 75 
sft daz er mir dem wirte danken mUeze. 
'sit hinaht hie, sit morgen dort,' waz gougelfuore ist daz: 
'ich bin heime' oder 'ich wil heim' daz trcestet baz. 
gast unde schäch kumt selten äne haz: 
herre büezet mir des gaste», daz iu got des 80 

Schaches büeze. 

Ich bin des railtf;n lantgräven ingesinde. 

ez ist min sitc daz man mich iemer bt den tinrsten vinde. 

Die andern ftirsten alle sint vil milte, iedoch 

so stajteclichen niht, er was ez e und ist ez noch. 

Da von kan er baz danne sie dermite gebären: 85 

er enwil dekeiner lüne vären. 

swer hiure schallet und ist hin ze järe boese als S, 

des lop gruonct unde valwet so der kl6. 

der Dürng<; bluome schinet durch den snß: 

sumer und winter blUet sin lop als in den ersten jären. 90 

Ich \Ai\ des Kemdseres gäbe dicke empfangen: 

wil fr Hiircli firi vermissen bieten mir alsß diu wangen? 

71 ff. Vjjl. »^iIll. M. H. 77. Für ditleHunf^ goydfuore 

tritt ein Wallrif;r, l'Hli '.','), 104. 91 ff. Vgl. einl. h. 11. Der 
li^rzoff Hcheint «ifili nnfntHiidlich getjen Walther benommen za 
lialjcn. Darauf gibt ihm dieHer auf eine feine weiwe zu ver- 
.Htehen, (la«H nicht lU-.r hf;rzo(f urHftche habe auf ihn, vielmehr 
'T auf den herzoj^ bfiHc, zu nein; er wolle ch aber nicht Übel 
nehmen, daMH dieser nein verMpreclien nicht gebalten liabe. 



122 75 93—117 

Er wscnet lihte daz ich zürue: nein ich, niht. 

im ist geschehen daz noch vil manegem muten man 

geschiht. 
Was mir lihte leide, dö was ime noch leider. 95 

dö er häte mir geschaffen kleider, 
daz man mir niht engap, dar umbe zürne er anderswä. 
ich weiz wol, swer willecHche sprichet ja, 
der gaebe ouch gerne, nnd wsere ez danne da. 
dirre lorn ist äne alle schulde weizgot unser 100 

beider. 

lehn weiz wem ich geliehen muoz die hovebellen, 
wan den miusen, die sich selbe meldent, tragent sie 

schellen. 
Des leckers herre der miuse klanc, kumt si üz ir klüs, 
so schrien wir vil lihte 'ein schale, ein schale! ein 

müs, ein müs!' 
Edel Kerndenaere, ich sol dir klagen sere: 105 

milter fürste, marteraere umb ere, 

ichn weiz wer mir in dinem hove verkeret minen sanc. 
läz ichz niht durch dich und ist er niht ze kranc, 
ich swinge im also swinden widerswanc. 
frage waz ich habe gesungen, und ervar uns werz 110 

verkere. 

Die wile ich weiz dri hove so lobellcher manne, 

so ist min win gelesen und süset wol min pfanne. 

Der biderbe patriarke missewende frl, 

der ist ir einer, so ist min höfscher tröst zehant da bi, 

Liupolt, zwir ein fürste, Stir und Osterriche. 115 

niemen lept den ich zuo deme geliche: 

Bin lop ist niht ein lobelin: er mac, er hat, er tuot. 



■ 101 ff. Dem herzog von Kärnten ist über einen auf ihn 
bezüglichen sprach Walthers, vielleicht den voranstehenden, 
durch seine hofleute ein entstellter bericht zugekommen. 
Walther bittet ihn, sich von dem richtigen tatbestande zu 
überzeugen. 103. Wie die maus durch den klang der 

schelle, so verrät sich der Schmeichler durch sein ewiges 
herr-sagen (?). 111 fl'. Vgl. einl. s. 10. 11. 



75 118-143 123 

so ist sin veter als der milte Weif gemuot: 
des lop was ganz, ez ist nach tode gaot. 
mirst vil unnöt daz ich durch handelunge iht 120 

veiTe striche. 

In nomine dumme ich wil beginnen: sprechet amen 
(daz ist gnot für ungelücke und für des tievels sämen), 
Daz ich gesingen mtieze in dirre wise also, 
swer höveschen sanc und fröude stcere, daz der werde 

unfrö. 
Ich hän wol und hovelichen her gesungen: 125 

mit der hövescheit bin ich nu verdrungen, 
daz die unhöveschen nu ze hove gensemer sint dann ich. 
daz mich eren solde, daz uneret mich, 
herzöge üz Österriche fürste nu sprich : 
dun wendest michs alleine, so verkere ich mine 130 

znngen. 

Nu wil ich mich des scharpfen sanges ouch genieten: 
da ich ie mit vorhten bat, da wil ich nu gebieten. 
Ich sihe wol daz man herren guot und wibes gruoz 
gewalteclich und ungezogenlich erwerben muoz. 
Singe ich minen höveschen sanc, so klagent siez 135 
deswär ich gewinne ouch lihte knollen : [Stollen. 

Sit sie die schalkheit wellen, ich gemache in vollen 
ze Österriche lernt ich singen unde sagen: [kragen, 
da wil ich mich allererst beklagen: 
vind ich an Liupolt höveschen tröst, so ist mir 140 

min muot entswollen. 

Do Liupolt sparte üf gotes vart, üf künftige ere, 
sie behielten alle samt, sie volgeten siner lere, 
Sie znhten üf, alsam sie niht getörsten geben. 

118. der mute Weif, Weif VI von Baiem (f 1291), der 
durch eine verschwenderische hofhaltung zu iUemmingen 
seine besitztümer vergeudete. 121 ff. Wer die gegner der 

Walther'schen sangesweiae sind, wer insbesondere der z. 135 
genannte Stolle ist lässt sich nicht ermitteln. 141 ff. Vgl. 

einl. s. 10. 



124 75 144 — 170 

daz was billich : man sol iemer nach dem hove leben. 
Daz sin an der milte niht überhcehen wolten, 145 

wol in des! sie täten als sie solten. 
die beide üz Österriche beten ie gehoveten muot. 
sie behielten dnrch sin ere: daz was guot: 
nn geben durch sin ere, als er nu tuot. 
sin leben nach dem hove nu, so ist jeniu zuht 150 

beschulten. 

Herzoge üz österriche, lä mich bi den Muten, 
wünsche mir ze velde, niht ze walde: ichn kan niht 
Sie sehent mich bi in gerne, also tuon ich sie. [rinten: 
du wünschest underwilent biderbem man dun weist 

joch wie. 
Wunsches du mir von in, so tuost du mir leide. 155 
vil saelic si der walt, dar zuo diu beide! 
diu müeze dir vil wol gezemen: wie hast du nu getan, 
Sit ich dir an din gemach gewtinschet hän, 
und du mir an min ungemach? lä stän: 
wis du von dan, lä mich bl in: so leben wir 160 

saufte beide. 

Ich hän gemerket von der Seine unz an die Muore, 
von dem Pfade unz an die Traben erkenne ich al ir fuore : 
Diu meiste menege enruochet wies erwirbet guot. 
sol ichz also gewinnen, so ganc släfen, höher muot. 
Guot was ie gena?me, iedoch so gie diu ere 165 

vor dem guote : nu ist daz guot so here, 
daz ez gewaltecliche vor ir zuo den frouwen gät, 
mit den fürsten zuo den künegen an ir rät. 
so we dir guot! wie roemesch riebe stät! 
du enbist niht guot: du habest dich an die schände 170 

ein teil ze sere. 



151 ff. Vgl. einl. s. 10. Der herzog hat Walther in den 
wald gewünscht, womit sich für den mittelalterlichen menschen 
die Vorstellung der harten arbeit des reutens verknüpft. 
Walther wünscht dagegen den herzog auf die beide, wo er 
zwar auch die gesellschaft der menschen entbehren muss, es 
aber bequem hat. 



75 171 — 76 18 125 

An wibe lobe stet wol daz man sie heize schoene: 
manne stet ez übel, ez ist ze wich und ofte hcene. 
Küene und milte, und daz er da zuo staete si, 
80 ist vil gar gelobt: den zwein stet wol daz dritte bi. 
Wilz iu niht versmähen, so wil ichz iuch leren, 175 
wie wir loben suln und niht uneren: 
ir müezet in die liute sehen, weit ir erkennen wol. 
nieman üzen nach der varwe loben sol. 
vil manic more ist innen tugende vol: 
we wie wi'z der biderben herze sint, der sie wil 180 

umbe keren! 

76 (L. 26 3), 
Ich hän hern Otten triuwe, er welle mich noch riehen: 
wie nam aber er min dienest ie so trügelichen? 
oder waz bestet ze lonne des den künic FriderichenV 
Min vorderunge ist üf in kleiner danne ein bone; 
ezn 81 so vil, ob er der alten Sprüche wsere fro: 5 
ein vater lerte wilent sinen sun also 
'sun, diene manne bcesten, daz dir manne beste lone.' 
Her Otte, ich binz der sun, ir sit der boeste man, 
wand ich so rehte boesen herren nie gewan: 
her künec, sit irz der beste, sit iu got des lonnes 10 

gan. 

Ich wolt hern Otten milte nach der lenge mezzen: 
do häte ich mich an der mäze ein teil vergezzen: 
waer er so milte so lanc, er hete tugende vil besezzen. 
Vil schiere maz ich aber den lip nach einer ere: 
do wart er vil gar ze kurz als ein verschroten werc, 15 
miltes muotes minre vil dan ein getwerc, 
und ist doch von den jären daz er niht enwahset mere. 
Do ich dem künege brähte daz mez, wie er üf schoz! 



172. Das in AC übereinstimmend überlieferte wich hat 
man mit einem dialektwort identifiziert, das „üppig", aber 
auch „abgeschmackt" bedeutet. Wol begründete bedenken 
dagegen erhebt Wallner, ZfdA 40, 340. Lachmann vermutete 
weich. 76 1 ff. Vgl. einl. s. 8. 11 ff. Vgl. die Schilderungen 
Ottos und Friedrichs bei Winkelmann I, 75. II, 91. 



126 76 19 — 40 

sin junger Itp wart beide michel unde groz. 
nu seht waz er noch wahse: erst ieze über in wol 20 

risen gnoz. 

Herzoge üz Osterriche, ez ist in wol ergangen 

lind also schöne daz uns muoz nach iu belangen. 

Sit gewis, swenn ir uns komet, ir werdet hohe en- 

pfangen, 
Ir Sit wol wert daz wir die gloggen gegen iu liuten, 
dringen unde schouwen als ein wunder komen sl. 25 
ir komet uns beide Sünden unde schänden fri: 
des snln wir man iuch loben, und die frouwen suln 

iuch triuten. 
Diz lichte lop volfüeget heime uns üf daz ort: 
Sit uns hie biderbe für daz ungefüege wort, 
daz iemen spreche, ir soldet sin beliben mit eren 30 

dort. 

Von Rome voget, von Pulle künec, lät iuch erbarmen 

daz man mich bi richer kunst lät alsus armen. 

gerne wolde ich, möhte ez sin, bi eigem fiure erwärmen. 

Zäi wiech danne sunge von den vogelinen, 

von der beide und von den bluomen, als ich wilent 35 

sanc! 
swelch schoene wip mir denne gaebe ir habedanc, 
der liez ich liljen unde rosen üz ir wengel schinen. 
Sus rite ich fruo und kume niht heim: 'gast, we dir, we!' 
so mac der wirt wol singen von dem grüenen kle. 
die not bedenket, milter künec, daz iuwer not zerge. 40 



31 ff. Vgl. einl. s. 9. Diese Strophe ist von Ulrich von 
Singenberg parodiert (bei Wackernagel s. 211) : Ber tverlte 
voget, des himels künec, ich lobe iuch gerne, daz ir mich 
hänt erläzen des, daz ich niht lerne wie dirre und der an 
fremder stat ze minem sänge scherne. Min meister klaget so 
sere von der Vogelweide, in twinge daz, in twinge jenz, daz 
mich noch nie gettcanc. den länt si bi so richer kirnst an 
habe ze kranc, daz ich mich küme v.f ir genäde von dem 
minen scheide. Sus rite ich späte und kume doch Jieim, mirst 
niht ze we: da singe ich von der heide und von dem grüenen 
Ue. daz stcetent ir mir, milter got, daz ez mir iht zerge! 



76il — 70 127 

Ich hän mia lehen, al diu werlt, ich hän min lehen. 

nu enfürhte ich niht den hornunc an die zehen 

und wil alle boese herren dester minre flehen. 

Der edel künec, der milte künec hat mich beraten, 

daz ich den sumer luft und in dem winter hitze hän. 40 

mine nähgebüren dunke ich verre baz getan: 

sie sehent mich niht mer an in butzen wiz als sie 

wilent täten. 
Ich bin ze lange arm gewesen an minen danc. 
ich was so volle scheltens daz min äten stanc: 
daz hat der künec gemachet reine, und dar zuo 50 

minen sanc. 

Der künec min harre lech mir gelt ze drizec marken: 
des enkan ich niht gesliezen in den arken, 
noch geschiffen üf daz mer in kielen noch in barken. 
Der name ist groz, der nuz ist aber in solher mäze, 
daz ich in niht begrifen mac, gehoeren noch gesehen: 55 
wes sol ich danne in arken oder in barken jehen? 
nu rate ein ieglich friunt, ob ich ez halte oder ob ichz 
Der pf äffen disputieren ist mir gar ein wiht: [läze. 

sie prüevent in den arken niht, da ensi ouch iht: 
nu prüeven hin, nu prüeven her, son habe ich 60 

drinne niht. 

Ir fürsten, die des küneges gerne waeren äne, 

die volgen mime rate: ichn rate in niht nach wäne. 

weit ir, ich schicke in tüsent mile und dannoch me für 

Träne. 
Der helt wil Kristes reise varn: swer in des irret, 
der hat wider got und al die kristenheit getan. 65 
ir vinde, ir sult in sine sträze varen län: 
waz ob er hie heime iu niemer mere niht gewirret? 
Belibe er dort, des got niht gebe, so lachet ir: 
kom er uns friunden wider hein, so lachen wir. 
der maere warten beidenthalp, und habet den rät 70 

von mir. 



51 ff. Vgl. einl. s. 9. 61 ff. Vgl. einl. s. 13. 



128 76 71 — 103 

Vil höhgelobter got, wie selten ich dich prise, 
und ich doch von dir beidiu wort hän unde wise! 
wie getar ich so gefrevein under dime rIseV 
lehn tuon diu rehten werc, ichn hän die wären minne 
gein minem ebenkristen, herre vater, noch gein dir: 75 
ir keinem wart ich nie so holt so ich bin mir. 
got vater unde Sün, din geist berihte mine sinne. 
Wie solt ich den geminnen der mir iibele tuotV 
ich muoz dem iemer holder sin der mir ist guot. 
vergip mir anders mine schulde, wan ich hän noch 80 

den mnot. 
Er schale, in swelhem namen er sl, der dankes triege 
sinen herren unde im rate daz er liege! 
erlamen müez ime sin bein, swenn erz ze deheime rate 
Si aber er so here daz er da zuo sitze, [biege! 

so wünsche ich daz ime sin ungetriuwe zunge erlame 85 
die selben machent uns die biderben äne schäme, 
sol liegen witze sin, so pflegent die schemelicher witze. 
Wan mügens in raten daz si läzen in ir kragen 
so valsch geheize oder nach geheize niht versagen? 
sie selten geben e dem lobe der kalc waer abe getragen. 90 
Ich hän gesehen in der werlte ein michel wunder: 
wserz üf dem mer, ez diuhte ein seltssene kunder; 
dez min fröude erschrocken ist, min trüren worden munder. 
Daz glichet einem bcesen man. swer nu des lachen 
strichet an der triuwen stein, der vindet kunterfeit. 95 
er bizet da sin grinen niht hat widerseit. 
[sin valscheit tuot vil manegem dicke leit.] 
zwo Zungen habent kalt und warm, die ligent in sime 
In sime süezen honege lit ein giftic nagel. [rächen, 
sin wolkenlosez lachen bringet scharpfen hagel. 100 
swä man daz spürt, ez kert sin haut und wirt ein 

swalwen zagel. 
Got weiz wol, daz mfn lop waer iemer hovestaete, 
da man eteswenne hovelichen taete 



101. Noch nicht befriedigend erklärt, vgl. Bezzenberger 
Zfdph VI, 34. Wackerneil, ZfdA 26, 295. Wallner ib. 40, 335. 
PBB 33, 12. 



76 101-77 10 129 

mit Worten oder mit werken, mit gewizzenem geraete. 
Mir grüset, so mich lachent an die lechelsere, 105 

den diu zunge honget und daz herze gallen hat. 
friundes lachen sol sin äne missetät, 
lüter als der äbentröt, der kündet liebin maere. 
Nu tuo mir lacheliche, oder lache aber anderswä. 
swes munt mich triegen wil, der habe sin lachen da: 110 
von dem nsem ich ein wärez nein für zwei gelogenio ja. 

Sit got ein rehter rihtsere heizet an den buochen, 
daz er solte üz siner milte des geruochen 
daz er die gar getriuwen üz den valschen hieze suochen ! 
Joch meine ich hie: sie werdent dort vil gar ge- 115 

sundert: 
doch saehe ich an ir eteslichem gerne ein schänden mal. 
der sich dem man wint üz der hant reht als ein äl, 
onwe daz got niht zorneclichen sere an deme wundert! 
Swer sant mir var von hüse, der var ouch mit mir hein. 
des mannes muot sol veste sin alsam ein stein, 120 
üf trinwe sieht und eben als ein vil wol gemähter zein. 

77 (L. 104 23). 
Man Seite mir ie von Tegerse, 
wie wol daz hüs mit eren ste: 

darnmbe kerte ich mer dan eine mlle von der sträze. 
Ich bin ein wunderlicher man, 

daz ich mit selben niht entstän 5 

und mich so vil an frömde liute läze. 
Ich schilte sie niht, wan got genäde uns beiden, 
ich nam da wazzer: 
also nazzer 
muost ich von des münches tische scheiden. 10 



77 1. Vgl. einl. s. 12. 13. 3. Die Schlusszeilen der stellen 
sind nicht gleich, also in der Überlieferung entstellt. 8. Es ist 
das wasser zum waschen der bände nach der mahlzeit gemeiut. 
Walther will also sagen , dass er sonst nichts geschenkt be- 
kommen hat. Dass er zum essen keinen wein bekommen habe, 
ist nirgends angedeutet. Schon aus diesem gründe wäre die 
seltsame deutuug und Zeitbestimmung Burdachs (s. 76) haltlos, 
wenn sie sich nicht auch sonst als unrichtig erwiesen hätte. 

Walth. V. d. Vogt'lweide. 6. aufl. 9 



130 78 1-32 

78 (L. 78 24). 
Ich bin dem Bogensere holt 
gar äne gäbe und äne solt: 
er ist milte, swie klein ich sin geniuze. 
BÖ nieze in aber ein Polän oder ein Riaze: 
daz ist allez äne minen haz. 5 

in bra3hte ein meister baz ze maere 
danne tüsent snarrenzaere, 
tset er den hovewerden baz. 

Den diemant den edelen stein 

gap mir der schoensten ritter ein: 10 

äne bete wart mir diu gäbe sine. 

j6 lob ich niht die schcene nach dem' schine: 

milter man ist schcene und wol gezogen. 

man sol die inre tugent üz keren: 

so ist daz üzer lop nach eren, 15 

sam des von Katzenellenbogen. 

Der anegenge nie gewan 

und anegenge machen kan, 

der kan wol ende machen und an ende. 

Bit daz allez stet in siner hende, 20 

wer wsere danne lobes so wol wert? 

der si der erste in miner wise: 

sin lop get voi^ allem prise: 

daz lop ist sselic, des er gert. 

Nu loben wir die süezen maget, 25 

der ir sun niemer niht versaget, 
si ist des mnoter, der von helle uns loste: 
daz ist uns ein tröst vor allem tröste, 
daz man da ze himel ir willen tuot. 
nu dar, die alten mit den jungen, 30 

daz ir werde lop gesungen. 
Bist guot ze lobenne, si ist guot. 



78 1. Vgl. einl. s. 12. 17 ff. Dies lied wird in eine 

zeit gehören, wo der von Friedrich gelobte Kreuzzng den 
dichter lebhaft beschäftigte. Eine genauere datiening ist 
nicht möglich. 



78 33 — 61 131 

Ich solt iuch engel grüezen ouch, 
wan daz ich bin niht gar ein gouch: 
waz habet ir der beiden noch zerstceret? 35 

Sit iuch nieman siht noch nieman beeret, 
saget, waz habet ir noch dar zuo getan? 
möht ich got stille als ir gerechen, 
mit wem solt ich mich besprechen? 
ich wolte iuch herren ruowen län. 40 

Her Michael, her Gabriel, 
her tiuvels vient Raphahel, 
ir pfleget wisheit sterke und arzenle, 
dar zuo habet ir engelkcere drie, 

die mit willen leistent iur gebot: 45 

weit ir min lop, so sit bescheiden 
und schadet allererst den beiden: 
lopt ich iuch e, daz wsere ir spot. 

Swelch herre nieman niht versaget, 

der ist an gebender kunst verschraget! 50 

der muoz iemer nötic sin oder triegen, 

zehen versagen sint bezzer danne ein liegen. 

geheize minre unde grüeze baz, ' 

well er ze rehte umb ere sorgen, 

swes er niht mtige üz geborgen 55 

noch selbe enhabe, versage doch daz. 

Man hohgemäc, an friunden kranc, 

daz ist ein swacher habedanc: 

baz hilfet . . friuntschaft äne sippe. 

lä einen sin geborn von küneges rippe: 60 

er enhabe friunt, waz hilfet daz? 



42. tiuvels vient heisst Eaphael wol mit hinblick auf 
Tobias, cap. 8, wo erzählt wird, wie er den teufel bewältigt, 
der die sieben männer der Sara getötet hat. 43. Der name 
Gabriel wird gedeutet als „stärke gottes" Eaphael als „heiluug 
gottes", Michael als „wer ist wie gott?". Vgl. Laurin 239 
sente Michahel der icise. Ein alter hymnus (Mone 1, 814) 
schreibt dem von Michael geleiteten engelchore besondere 
Weisheit zu. 

9* 



1 32 78 62 - 9G 

mSgschaft ist ein selbwahsen 6re: 
so muoz man friunde verdienen sere. 
mäc hilfst wol, friunt verre baz. 

Swer sich ze friunde gewinnen lät 65 

\md ouch da bi die tagende hat 

daz er sich äne wanken lät behalten, 

des friundes mac man gerne schone walten? 

ich hau eteswenue friunt erkom 

so sinewel an siner staete, 70 

swie gerne ich in behalten haete, 

daz ich in muoste hän verlorn. 

Swer mir ist slipfic als eiu Is 

und mich üf hebt in balles wis, 

sinewell ich dem in sinen banden, 75 

daz sol zunstffite nieraan an mir anden, 

Sit ich dem getriuwen friunde bin 

einloetic unde wol gevieret. 

swes muot mir ist so vech gezieret, 

nu sus nu so, dem walge ich hin. 80 

Sich wolte ein ses gesibent hän 

üf einen höhvertigen wän: 

siis strebte ez sere nach der tibermäze. 

swer der mäze brechen wil ir sträze, 

dem gevellet lihte ein enger pfat. 85 

hohvertic ses, nu stant gedriet! 

dir was zem sese ein velt gefriet: 

nu smiuc dich an der drien stat. 

Unmäze, nim dich beidiu an, 

manlichiu wip, wipliche man: 90 

pfafllche ritter, ritterliche pfaffen, 

mit den solt du dinen willen schaffen: 

ich wil dir sie gar ze stiure geben, 

und alte juncherren für eigen: 

ich wil dir junge altherren zeigen, 95 

daz sie dir twerhes helfen leben. 



78 97-128 133 

Wer sieht den lewen? wer sieht den risen? 

wer überwindet jenen und disen? 

daz tuot jener der sich selben twinget 

und alliu siniu lit in huote bringet, 100 

üz der wilde in stseter zühte habe. 

geligeniu zuht und schäme vor gesten 

mtigen wol eine wile erglesten: 

der schin nimt dräte üf und abe. 

Wolveile unwirdet manegen lip. 105 

ir werden man, ir reiniu wip 

niht ensit durch kranke miete veile. 

ez muoz sere sten an iuwerm heile, 

weit ir iuch vergeben vinden län. 

zundanke wolveile unwirdet sere: 110 

da bi s6 swachet iuwer ere, 

und zluhet doch üf smsehen wän. 

Swelch man wirt äne muot ze rieh, 

wil er ze sere striuzen sich 

üf sine richeit, so wirt er ze here. 115 

ze rieh und zarm diu leschent beide sere 

an sumelichen liuten rehten muot. 

swä übric richeit zühte slucket 

und übrie armuot sinne zucket, 

da dunket mich enwederz guot. 120 

Diu minne ist weder man noch wip, 

si hat noch sele noch den lip, 

si gelichet sich dekeinem bilde. 

ir name ist kunt, si selbe ist aber wilde, 

unde enkan doch nieman äne sie 125 

der gotes hulden niht gewinnen 



si kam in valschez herze nie. 



108 ff. Es ist besser, sich umsonst zu einem dienste bereit 
finden zu lassen, als wider seine neigung um eines geringen 
lohnes willen. Dabei leidet man an seiner ehre schaden, und 
es läuft doch bloss auf eine elende hoffnung hinaus. 



134 78 129 — 79 10 

Ez ist in unsern kurzen tagen 
nach minne valsches vil geslagen: 130 

swer aber ir insigel rehte erkande, 
dem setze ich mine wärheit des ze pfände, 
wolt er ir geleite volgen mite, 
daz in unfuoge niht erslüege. 

minn ist ze himel so gefüege, 135 

daz ich sie dar geleites bite. 

79 (L. 10 1. 84 U). 
Von Röme keiser here, ir hat also getan 
ze minen dingen, daz ich iu muoz danken län: 
in kan iu selbe niht gedanken als ich willen hän. 
Ir hat iuwer kerzen kündeclichen mir gesendet. 
diu hat unser här vil gar besenget an den brän, 5 
Unde hat ouch uns der ougen vil erblendet: 
doch hänt sie mir des wizen alle vil gewendet. 
BUS min frume und iuwer ere ir schilhen hat geschendet. 

Sie frägent mich vil dicke, waz ich habe gesehen, 
swenn ich von hove rite, und waz da si geschehen. 10 



79 1 ff. Vgl. einl. s. 13. Die Tcerze in z. 4 ist vielleicht 
nur ein bildlicher ausdruck für das vom kaiser gesandte 
geschenk. Es fehlt aber au einer befriedigenden erklärung 
dafür, wie der dichter dazu gekommen sein könnte, das bild 
anzuwenden. Wackernagel (Baseler bischofs- und dienstmannen- 
recht s. 26) nimmt kerze im eigentlichen sinne und leitet eine 
erklärung ab aus der Verpflichtung der Basler bischöfe, zu licht- 
mess ihren in der frauenkirche anwesenden dienstraannen kerzen 
zu geben. Er nimmt an, dass auch für den kaiser eine ähn- 
liche Verpflichtung gegeu seine dienstmannen bestanden habe, 
unter die Walther durch seine belehnung aufgenommen sei, und 
dass die Übersendung an einen nichtanwesenden für eine be- 
sondere auszeichnung gegolten habe. Das sind aber annahmen, 
die zu wenig fest begründet und kaum wahrscheinlich sind. 
Vgl. dazu noch Prosch, Zfdph XV, 358. Koch weniger 
zulässig scheint es 70 b 1 auf ähnliche weise zu erklären. Eine 
eigenartige deutung mit mehreren vorschlagen zur textände- 
rung, aber, wie mir scheint, ohne ausreichende Überzeugungs- 
kraft, bietet jetzt Saran, PBB 27, 199. 9. Hoftage zu Nürn- 
berg, bei denen Leopold von Oesterreich anwesend war, fanden 
statt im märz 1200, im februar 1209, im mai 1212, im Januar 



79 11-32 135 

ich liuge ungerne, und wil der wärheit halber niht 

verjehen. 
Ze Nüerenberc was guot gerihte, daz sage ich ze maere. 
umbe ir milte fraget varndez volc: daz kan wol spehen. 
Die Seiten mir, ir malhen schieden danne Isere: 
unser heimschen färsten sint so hovebaere, 15 

daz Liupolt ein müeste geben, wan daz er ein gast 

da waere. 

Von Kölne werder bischof, sit von schulden fro. 

ir hat dem riebe wol gedienet und also 

daz iuwer lop da enzwischen stiget und sweibet hö. 

Si iuwer werdekeit dekeinen bcesen zagen swjsre, 20 

ftirsten meister, daz si iu als ein unnütze dro. 

Getriuwer küneges pflegaere, ir sit hoher maere, 

keisers eren trost baz danne ie kanzelaere, 

drier künege und einlif tüsent megede kameraere. 

Ich drabe da her vil rehte drier slahte sanc, 25 

den hohen und den nideren und den mittelswanc, 
daz mir die rederichen iegesliches sagen danc. 
Wie könd ich der drier einen nu ze danke gesingen? 
der höhe der ist mir ze starc, der nider gar ze kranc, 
Der mittel gar ze spaehe an disen twerhen dingen. 30 
nu hilf mir, edeler küneges rät, da enzwischen dringen, 
daz wir als e ein ungehazzet liet zesamene bringen. 

1217, ende okt. und anfang nov. 1219, im juni 1224, im nov. 
1225. Da aber aus z. 13 heArorzugehen scheint, dass Walther 
selbst nicht auf freigebigkeit der füi-sten reflektierte, so wird 
der Spruch nach seiner belehnung faUen. Man setzt ihn 
jetzt allgemein in das jähr 122-1 ohne völlig zureichenden 
grund. 

15. 16. Diese zeilen sind trotz allen auseinandersetzungen 
darüber (vgl. ausser den ausgaben GennaniaV, 6 ; XX, 262 ; Menzel 
801; Blätter f. d. bair. gymn. XI, 214; Burdach s. 22) noch nicht 
befriedigend erklärt. 17 ff. Vgl. einl. s. 13. 14. Köln rühmt 
sich die gebeine der heiligen drei könige zu verwahren, sowie 
die der 11000 Jungfrauen, die nach der sage dem kaiser Karl im 
kämpfe gegen die Saracenen beistanden. 25 ff. Es ist un- 
möglich, sich von den drei hier von Walther unterschiedenen 
arten des gesanges eine genauere Vorstellung zu machen. 



136 79 33-64 

Swes leben ich lobe, des tot den wil ich iemer klagen. 
80 WC im der den werden fürsten habe erslagen 
von Kölne! ouwe des daz in diu erde mac getragen! 35 
Ine kan im nä.ch siner schulde keine marter vinden: 
im waere alze senfte ein eichin wit umb einen kragen, 
In wil sin ouch niht brennen noch zerliden noch schinden 
noch mit dem rade zerbrechen noch ouch dar üf binden: 
ich warte allez ob diu helle in lebende welle slinden. 40 

Swer an des edeln lantgräven rate si, 
durch sine hübscheit, er si dienstman oder fri, 
der mane in umb min leren so daz ich in spür da bi. 
Min junger herre ist railte erkant, man seit mir er si stsete, 
dar zno wol gezogen: daz sint gelobter tugende dri. 45 
Ob er die vierden tugent willeclichen taste, 
so gienge er ebene und daz er selten missetraete; 
waere unsümic. sümunge schat dem snite und schat 

der saete. 

Rieh, herre, dich und dine mnoter, der mägede kint, 
an den die iuwers erbelandes vinde sint. 50 

lä dir den kristen zuo den beiden beide sin als den wint: 
Du weist wol daz die heiden dich niht irrent alters eine. 



die sint wider dich doch öffentliche unreine, 55 

dise unreiner, diez mit in so stille habent gemeine. 

Bote, sage dem keiser sines armen mannes rät, 

daz ich deheinen bezzern weiz als ez nu stät: 

ob in guotes unde liute nieman erbeiten lät. 

So var er balde und kome uns schiere, läze sich 60 

niht teeren: 
irre ouch etellchen der got und in geirret hat; 
Die rehten pfaffen warne, daz sie niht gehoeren 
den unrehten, die daz riche waenent stoeren; 
scheide sie von in, oder scheides alle von den koeren. 



41 ff. Vgl. einl. s. 14. 49 ff. Vgl. das Verzeichnis der 
Abweichungen von Lachmanns text. 



79 65 — 80 7 137 

Solt ich den pf äffen raten an den triuwen min, 65 

s6 spraeche ir hant den armen zuo 'se daz ist din'; 
ir zunge sunge nnde lieze manegem man daz sin; 
Gedsehten daz ouch sie durch got e wären almuosena^re : 
do gap in erste geltes teil der känic Constantin. 
Het er gewest daz da von übel künftic waere, 70 

so het er wol underkomen des riches swaere; 
wan daz sie do wären kiusche und übermttete laere. 

Min alter klosensere, von dem ich so sanc, 
do uns der erre habest also sere twanc, 
der fürhtet aber der goteshüse, ir meister werden kranc. 75 
Er seit, ob sie die guoten bannen und den Übeln singen, 
man swenke in engegene den vil swinden widerswanc. 
An pfrüenden und an kirchen müge in misselingen; 
der si vil die dar üf iezuo haben gedingen 
dazs ir guot verdienen umb daz riche in lichten 80 

ringen. 

Mehtiger got, du bist so lanc und bist so breit, 

gedaehte wir da nach, daz wir unser arebeit 

vlürn. dir sint beide ungemezzen mäht und ewekeit. 

Ich weiz bl mir wol daz ein ander ouch dar umbe trabtet: 

80 ist ez, als ez ie was, unsem sinnen unbereit. 85 

Du bist ze groz, du bist ze kleine: ez ist ungahtet. 

tumber gouch, der dran betaget oder benahtet! 

wil er wizzen daz nie wart gepredjet noch gepfahtetV 

80 (L. 13 5). 

Ouwe waz eren sich eilendet von tiuschen landen! 

witze und manheit, dar zuo silber und daz golt, 

Swer diu beidiu hat, belibet der mit schänden, 

wie den vergät des himelischen keisers solt! 

Dem sint die engel noch die frouwen holt. 5 

armman zuo der werlte und wider got, 

wie der fürhten mac Lr beider spot! 

69. Vgl. zu 69 46. 73. Vgl. zu 67 46. 80 1 ff. Vgl. 
einl. 8. 15. Die zweite und vierte zeile sind in den beiden 
ersten Strophen um eine hebung kürzer als in den beiden letzten, 
Lachm. trennt die einzelnen Strophen von einander. 



138 80 8 — 812 

Ouwe ez kumt ein wint, daz wizzet sicherliche, 
da von wir beeren beide singen unde sagen: 
Der sol mit grimme ervaren älliu künicriche. 10 

daz hoere icli wall.-ere unde pilgerine klagen: 
Boume, turne ligent vor im zerslagen: 
starken liuten wset er diu houbet abe. 
nu suln wir fliehen hin ze gotes grabe. 

Ouwe wir mtiezegen liute, wie sin wir versezzen 15 
zwischen zwein fröuden nider an die jämerlichen stat! 
Aller arebeite heten wir vergezzen, 
dö uns der kurze sumer sin gesinde wesen bat. 
Der brähte uns varnde bluomen unde blat: 
do tronc uns der kurze vogelsanc. 20 

wol im der ie nach statten fröuden ranc! 

Ouwe der wise die wir mit den grillen sungen, 
do wir uns selten warnen gegen des kalten winters zit! 
Daz wir vil turaben mit der ämeizen niht rungen, 
diu nu vil werdecliche bi ir arebeiten lit! 25 

Daz was ie der werlte strit, 
tören schulten ie der wisen rät. 
man siht wol dort wer hie gelogen hat. 

81 (L. 124 1). 
Ouwe war sint verswunden alliu miniu järV 
ist mir min leben getroumet, oder ist ez wärV 



12. Lachraann bemerkt, der dichter deute vielleicht auf deu 
grossen stürm im dec. 1227; aber es ist von einem erst bevor- 
stehenden , prophezeiten stürm die rede. Anzunehmen , dass 
Walther gleichzeitig auf den bann Gregors deute, ist trotz der 
bestimmtheit, mit der dies Lachmann behauptet, durch nichts in- 
diciert. 26. Es fehlt eine hebung. 81. 1 ff. Vgl. Zarncke, PBB 
II, 574. Man hat mit unrecht die Situation so aufgefasst, als ob 
Walther, nach längerer Abwesenheit in die heimat zurückgekehrt, 
dieselbe ganz verändert finde. Er wird sich vielmehr plötzlich 
der grossen Veränderungen bewusst, die seit seiner Jugend um 
ihn her vor sich gegangen sind. Über das gedieht hat auch Bur- 
dach gehandelt in einem vortrage vor der Berl. akd. d. wissensch., 
im auszug mitgeteilt in den Sitzungsberichten 1903, I, s. 612 
(fast durchweg verfehlt). Ergebnislos scheinen mir die ausein- 
andersetzungen Wallners, PBB 34, 188. Über die strophenform 
handelt zuletzt Plenio, ib. 42, 255, schwerlich richtig. 



813—37 139 

daz ich ie wände daz iht wsere, was daz iht? 

dar nach hän ich gesläfen und enweiz es niht. 

nu bin ich erwachet, und ist mir unbekant 5 

daz mir hie vor was kündic als min ander hant. 

liut unde lant, da ich von kinde bin erzogen, 

die sint mir frömde worden reht als ez si gelogen. 

die mine gespilen wären, die sint trsege und alt, 

bereitet ist daz velt, verhouwen ist der walt: 10 

wan daz daz wazzer fliuzet als ez wilent floz, 

für war ich wände min ungelücke wurde groz. 

mich grüezet maneger träge, der mich bekande e woL 

diu werlt ist allenthalben ungenäden vol. 

als ich gedenke an manegen wunneclichen tac, 15 

die mir sint enpfallen gar als in daz mer ein slac, 

iemer mere ouwe. 

Onwe wie jsemerliche junge liute tuont! 
den vil unriuwecliche ir gemüete stuont, 
die kunnen niuwan sorgen: we wie tuont sie söV 20 
swar ich zer werlte kere, da ist nieman fro: 
tanzen, singen, daz zergät mit sorgen gar: 
nie kristenman gesach so jsemerlichiu jär, 
nu merket wie den frouwen ir gebende stät: 
die stolzen ritter tragent dörpelliche wät. 25 

uns sint unsenfte brieve her von Rome komen, 
uns ist erloubet trüren und fröude gar benomen. 
daz müet mich inneclichen (wir lebten ie vil wol), 
daz ich nu für min lachen weinen kiesen sol. 
die wilden vögele betrüebet unser klage: 30 

waz Wunders ist, ob ich davon verzage? 
waz spriche ich tumber man durch minen bcesen zornV 
swer dirre wunne volget, der hat jene dort verlorn, 
iemer mere ouwe. 

Ouwe wie uns mit süezen dingen ist vergeben! 35 
ich sihe die [bittern] gallen mitten in dem honege sweben. 
diu werlt ist üzen schcene, wiz, grüen unde rot, 

26. Gewöhnlich auf die bannung Friedrichs bezogen. 
Burdach denkt wohl richtiger an die encyclica vom 1. Oktober 
1227 an die bischöfe und die vom 8. Oktober an die fürsten. 
31. Es fehlt eine hebung. 



MO 8138—82 15 

und innän swarzer varwe, vinster sam der tot. 
swen si nu habe verleit, der schouwe sinen tröst: 
er wirt mit swacher buoze grozer sünde erlost. 40 

dar an gedenket, ritter: ez ist iuwer dinc. 
ir traget die liebten helme nnd manegen Herten rinc, 
dar zuo die vesten schilde und diu gewihten swert. 
wolte got, wa;r ich der sigentinfte wert! 
80 wolte ich nötic man verdienen riehen solt. 45 

joch meine ich niht die huoben noch der herren golt: 
ich wolte selbe kröne ewecllchen tragen: 
die möhte ein soldensere mit sime sper bejagen, 
möht ich die lieben reise gevaren über se, 
80 wolte ich denne singen 'wol', und niemer mere 50 

'ouwe'. 

82 (L. 76 22). 
Vil süeze waere minne, 
berihte kranke sinne, 
got, durch dfn anbeginne 
bewar die kristenheit. 

Din kunft ist frönebsere 5 

über al der werlte swaere. 
der weisen barmenaere, 
hilf rechen disiu leit. 
Loesaer üz den Sünden, 

wir gern zen swebenden ünden. 10 

uns mac din geist enzünden, 
wirt riuwic herze erkant. 
din bluot hat uns begozzen, 
den himel üf geslozzen. 
nu loeset unverdrozzen 15 



82. Zu diesem und dem folgenden liede vgl. Block, Bei- 
träge zur kritik und erklärung zweier kreuzlieder Walthers v. d. 
V. (Programm des realgymnasiums zu Stralsund, ostern 1901). 
1. minne wird got angeredet nach 1. Joh.4,8. 16 deus Caritas est. 
Speziell wird sonst der heilige geist so bezeichnet. 3. an- 
beginne ist hier nicht recht verständlich. Die auf f assung „mensch- 
werdung" ist bedenklich. 13. Vgl. 94 47. Christus ist hier als 
osterlamm gefasst, mit dessen blute nach alttestamentlicher sitte 
das Volk bespritzt ward. 



82 16 — 54 141 

daz herebemde lant. 

verzinset llp und eigen. 

got sol uns helfe erzeigen 

üf den der manegen veigen 

der sele hat gepfant. 20 

Diz kurze leben verswindet, 
der tot uns stindic vindet: 
swer sich ze gote gesindet, 
der mac der helle engän. 

Bi swsere ist gnade funden: 25 

nu heilent Kristes wunden, 
sin lant wirt schiere enbunden: 
dest sicher sunder wän. 
Kungln ob allen frouwen, 

lä wernde helfe schouwen. 30 

din kint wart dort verhouwen, 
sin menscheit sich ergap. 
sin geist müez uns gefristen, 
daz wir die diot verlisten. 

der touf sie seit unkristen: 35 

wan fürhtent sie den stap 
der ouch die Juden villet? 
ir schrien lüte erhillet, 
manc lop dem kriuze erschillet. 
erlcEsen wir das grap! 40 

Diu menscheit muoz verderben, 
suln wir den Ion erwerben, 
got wolde durch uns sterben, 
sin drö ist üf gespart. 

Sin kriuze vil geheret 45 

hat maneges heil gemeret. 
öwer sich von zwivel keret, 
der hat den geist bewart. 
Sündic lip vergezzen, 

dir sint diu jär gemezzeu: 50 

der tot hat uns besezzen 
die veigen äne wer. 
nu hellet hin geliche. 
da wir daz hinaelriche 



142 82 55-83 2 

erwerben sicherliche 55 

bi dulteclicher zer. 

got wil mit beides banden 

dort rechen sinen anden. 

sieb schar von manegen landen 

des beilegeistes her. 60 

Got, dine helfe uns sende: 
mit diner zesewen bende 
bewar uns an dem ende, 
so uns der geist verlät, 

Vor bellebeizen wallen, 65 

daz wir dar in iht vallen. 
ez ist wol kunt uns allen, 
wie jämerlicli ez stät, 
Daz bere laut vil reine, 

gar belfelös und eine. 70 

lerusalem, nu weine: 
wie din vergezzen ist! 
der beiden tiberbere 
bat dich verschelket sere. 

durch diner namen ere 75 

lä dich erbarmen, Krist, 
mit welber not sie ringen, 
die dort den borgen dingen, 
dazs uns also betwingen, 
daz wende in kurzer frist. 80 

83 (L. 14 38). 
Allererst lebe ich mir werde, 
Sit min sündic onge siht 



78. Unverständlich. 83 Iff. Vgl. einl. s. 15. Wilmanns 
will nur die in A überlieferten Strophen 1—21.29 — 42. 50—56. 
71-77 als echt gelten lassen, Mettin (PBB XVIII, 209) nur 
1—14. 71—77, schwerlich mit recht. Block (vgl. zu 82) 
scheidet 57 — 70 aus- N bietet sämtliche Strophen meines 
textes, aber zum teil in unrichtiger reihenfolge. Ausserdem 
an vierter stelle eine, die in E an zweiter steht, diese lautet: 
Me danne tusent hundert {hundert tosent 0) wwnder die von 
{Hie in 0) disme lande sint die kan ich ihte mer {Da von 
ich nicht 0) bemnder unde gehahten dewne {Kangesagen als 0) 



83 3-33 143 

Daz hßre lant und ouch die erde 

der man vil der eren gibt. 

Mirst geschehen des ich ie bat: 5 

ich bin komen an die stat 

da got mennischlichen trat. 

Schceniu lant rieh unde here, 
swaz ich der noch hän gesehen, 

So bist duz ir aller ere. 10 

waz ist Wunders hie geschehen! 
Daz ein maget ein kint gebar 
here über aller engel schar, 
was daz niht ein wunder gar? 

Hie liez er sich reine toufen, 15 

daz der mensche reine si. 
Do liez er sich hie verkoufen, 
daz wir eigen Avurden fri. 
Anders waeren wir verlorn. 

wol dir, sper kriuz unde dorn! 20 

we dir, beiden! deist dir zorn. 

Do er sich wolte über uns erbarmen, 
hie leit er den grimmen tot. 
Er vil riebe über uns vil armen, 

daz wir kcemen üz der not. 25 

Daz in do des niht verdroz, 
dast ein wunder alze groz, 
aller wunder übergnoz. 

Hinnen fuor der sun zer helle 
von dem grabe, da'r inne lac. 30 

Des was ie der vater geselle 
und der geist, den nieman mac 
Sunder scheiden: est al ein. 



ein deine (f. 0) leint wenne ein teil von unser e stvem des nüd 
genuoge der ge zuo den iüden die sagent im (es 0) me. F bietet 
eine vereinsselte Strophe gleichen tones, aber von ganz anderem 
Inhalt : Vrawe mein durch ewer gute nue vernemet meine clage 
das ir durch ewer hochgemut^ nick enzurnet was ich sage vil 
leichte das ein tummer man misse redet als er wol kan daran 
solt jr euch nicht leeren an. 



144 83 34-G6 

sieht und ebener danne ein zein, 

alB er Abrahame erschein. 35 

Do er den tievel do geschande, 
daz nie keiser baz gestreit, 
Do fuor er her wider ze lande, 
dö huop sich der Juden leit, 

Daz er herre ir huote brach, 40 

und daz man in sit lebendic sach, 
den ir hant sluoc unde stach. 

Dar nach was er in dem lande 
vierzic tage: do fuor er dar 

Dannen in sin vater sande. 45 

sinen geist, der uns bewar, 
Den sant er hin wider zehant. 
heilic ist daz selbe laut: 
sin name der ist vor gote erkant. 

In diz lant hat er gesprochen 50 

einen angestlfchen tac, 
Da diu witwe wirt gerochen 
und der weise klagen mac 
Und der arme den gewalt 

der da wirt mit ime gestalt. 55 

wol im dort, der hie vergalt! 

Unser lantrehtaere tihten 
fristet da niemannes klage; 
Wan er wil zestnnden rihten, 

so ez ist an dem lesten tage: 60 

Und swer deheine schulde hie lät 
nnverebenet, wie der stät 
dort da er pfant noch bürgen hat! 

Ir enlät iuch niht verdriezen 
daz ich noch gesprochen hän. 65 

So wil ich die rede besliezen 



34. Vgl. 1. Mos. 18. Der dort gegebene bericht wird als 
ein beweis für die dreieinigkeit aufgefasst, weil die drei männer 
von Abraham zuerst im pl., dann im sing, angeredet werden: 
domini mei, nunc inveni gratiam in oculis Ulis, ne quaeso 
praetereas a servo tuo. 50. Das jüngste gericht findet nach 
dem mittelalterlichen glauben im tale Josaphat statt auf grund 
von Joel cap. 3. 



83 67 — 84 13 145 

kurzlich, und iuch wizzen län: 
Swaz got mit der werlte ie 

begie, 

daz huop sich unde endet hie. 70 

Kristen Juden und die heiden 
jehent daz diz ir erbe si: 
Got müez ez ze rehte scheiden 
durch die sine namen dri. 

AI diu werlt diu stritet her: 75 

wir sin an der rehten ger: 
reht ist daz er uns gewer. 

84 (L. 101 23). 
Selbwahsen kint, du bist ze krump, 
Sit nieman dich gerihten mac. 

du bist dem besemen leider alze groz, 

den swerten alze kleine. 

nu släf unde habe gemach. 5 

Ich hän mich selben des ze tump, 

daz ich dich ie so hohe wac. 

ich bare din ungefüege in friundes schöz, 

min leit baut ich ze beine, 

mlnen rugge ich nach dir brach. 10 

Nu 81 din schuole meisterlos an miner stat: ich kan 

dir niht. 
kan ez ein ander baz, deist mir liep, swaz liebes dir 

da von geschiht. 
doch weiz ich wol, swä sin gewalt ein ende hat, da 

stet sin kunst noch sunder obedach. 



84 1. Diesen spruch bezieht Daffis auf den jungen könig 
Heinrich und basiert darauf namentlich seine ansieht, dass 
Walther dessen erzieher gewesen sei, vgl. einl. s. 14. anm. Anders 
Wackernagel zu Simrocks Übersetzung II, 185 und Karajan, Zwei 
gedichte Walthers 13 ff. Lachmann setzt die Strophe in das jähr 
1205, und Wilraanns bezieht sie in der ersten aufl. auf Philipp, 
während er in der zweiten sich der beziehung auf Heinrich zu- 
neigt. Keine dieser Vermutungen ist zureichend begründet. 
13. Da findet seine kunst keinen abschluss, bleibt wirkungslos (?). 
Die erklärung und auch die herstellung des textes ist unsicher. 
Vgl. Pfeiffer, Germ. VI, 365. 

Walth. V. d. Vogrelweide. 5. aufl. 10 



146 8414 — 85 2 

Ich was durch wunder tiz gevarn: 

dö vant ich wunderlichiu dinc. 15 

ich vant die sttiele leider Isere stän, 

da wisheit adel und alter 

gewaltecliche säzen e. 

Hilf frouwe maget, hilf, megede barn, 

den drin noch wider in den rinc, 20 

lä sie niht lange ir sedeles irre gän. 

ir kumber manicvalter 

der tuot mir von herzen we. 

Ez hat der tumbe riche nu ir drfer stuol, ir drier gruoz. 

onwe daz man dem einen an ir drier stat nu nfgen 25 



maoz 



des hinket reht und trüret zuht und siechet schäme, 
diz ist min klage: noch klagte ich gerne m6. 

Diu Minne lät sich nennen da 

dar si doch niemer komen wil: 

si ist dem toren in dem munde zam, 

und in dem herzen wilde. 30 

hüetet ir iuch reinen wip. 

Vor kinden berget iuwer ja: 

80 enwirt ez niht ein kindes spil. 

Minne unde kintheit sint ein ander gram. 

vil dicke in schoenem bilde 35 

siht man leider valschen llp. 

Ir sult e spehen, war umbe, wie, wenn unde wä reht 

unde weme 
ir iuwer minneclichez ja so teilet mite daz ez gezeme. 
sich, Minne, sich, swer also spehe, der si din kint, so 

wIp 80 man: die andern du vertrip. 

85 (L. 85 25). 
Ich sach hie vor eteswenne den tac, 
daz unser lop was gemein allen zungen. 



14 ff. Diese klage ist nachgeahmt vom Stricker, Kleine 
gedichte ed. Hahn 12 117 ff. 85 1 ff. Von Rieger auf die 

regierung Heinrichs bezogen, vgl. zu 71 27. 



85 3 — 87 8 147 

Swä nns dehein lant iender nähe gelac, 

daz gerte snone oder ez was betwangen. 

Richer got, wie wir nach eren do rnngen! 5 

do rieten die alten, und täten die jungen. 

nu krump die rlhtaere sint, — 

(diz bispel ist ze merkenne blint) 

swaz nu da von geschehe, meister, daz vint. 

86 (L. 104 33). 

Daz milter man gar wärhaft si, 

geschiht daz, da ist wunder bi. 

der groze wille der da ist, 

wie mac der werden verendet? 

Deswär da hoeret witze zuo 5 

und wachen gegen dem morgen fruo 

und anders manec schoener list, 

daz ez iht werde erwendet. 

Der also tuot, 

der sol den muot 10 

an riuwe selten keren: 

mit Witzen sol erz allez wegen, 

und läze got der sselden pflegen. 

s6 sol man Stegen 

nach lange wernden eren. 15 

87 (L. 87 1). 

Nieman kan mit gerten 

kindes zuht beherten: 

den man zeren bringen mac, 

dem ist ein wort als ein slac. 

Dem ist ein wort als ein slac, 5 

den man zeren bringen mac: 

kindes zuht beherten 

nieman kan mit gerten. 



7—9. Der text ist verderbt und das versmass nicht in 
Ordnung. 

10* 



148 87 9 — 88 4 

Hüetet iuwer znngen: 
daz zimt wol den jungen. • 10 

stoz den rigel für die tür, 
lä kein boese wort dar fär. 
La kein boese wort dar für, 
stoz den rigel für die tür: 

daz zimt wol den jungen. 15 

hüetet iuwer znngen. 

Hüetet iuwer ougen 
offenbare und tougen. 
lät sie guote site spehen 

und die bcesen tibersehen. 20 

Und die boesen übersehen 
lät sie, guote site spehen. 
offenbare und tongen 
hüetet iuwer ougen. 

Hüetet iuwer oren, 25 

oder ir sit tören. 
lät ir bcesiu wort dar in, 
daz gnneret iu den sin. 
Daz guneret iu den sin, 

lät ir boesiu wort dar in. 30 

oder ir sit toren, 
hüetet iuwer oren. 

Hüetet wol der drier 
leider alze frier. 

Zungen ougen oren sint 35 

dicke schalchaft, zeren blint. 
Dicke schalchaft, zeren blint 
znngen ougen oren sint. 
leider alze frier 
hüetet wol der drier. 40 



88 (L. 102 29). 

Mirst diu ere unmsere, 

da von ich ze järe wurde unwert. 

Und ich klagende wsere 

'we mir armen hiure! diz was vert. 



88 5 — 89 19 149 

Also hän ich mangen kränz verborn 5 

und bluomen vil verkom. 

jö braeche ich rosen wunder, wan der dorn. 

Swer sich so behaltet 
daz im nieman niht gesprechen mac, 
Wunuecliche er altet. 10 

im enwirret niht ein halber tac. 
Des ist fro, swenn er ze tanze gät, 
swes herze üf ere stät. 
we im, des sin geselle unere hat! 

Man sol iemer fragen 15 

von dem man, wiez umb sin herze ste. 
Swen des wil betragen, 
der enruochet wie diu zit zerge. 
Maneger schinet vor den frömden guot, 
und hat doch valschen muot. 20 

wol im ze hove, der heime rehte tuot! 

89 (L. 59 37). 

Wie sol man gewarten dir, 

Werlt, wilt also winden dich? 

Wsenest dich entwinden mir? 

nein: ich kan ouch winden mich. 5 

Du wilt sere gäben, 

und ist vil unnähen 

daz ich dir noch sül versmähen. 

Du hast lieber dinge vil, 
der mir einez werden sol. 

Werlt, wiech daz verdienen wil; 10 

doch solt du gedenken wol 
obe ich ie getrsete 
fuoz von miner staete, 
Sit du mich dir dienen bsete. 

Werlt, du ensolt niht umbe daz 15 

zürnen, ob ich lones man. « 

Grüeze mich ein wenic baz, 
sich mich minneclichen an. 
Du mäht mich wol pfenden 



150 89 20 — 90 7 

und min heil erwenden: 20 

daz stet, frouwe, in dinen henden. 

lehn weiz wie din wille ste 
wider mich: der mine ist guot 
Wider dich. Waz wil dus me, 

Werlt, von mir, wan hohen muot? 25 

Wilt du bezzer wunne, 
danne man dir gunne 
fröude und der gehelfen kunne? 

Werlt, tuo me des ich dich bite: 
volge wiser Hute tugent. 30 

Da verderbest dich da mite, 

wil du minnen toren jugent. • 

Bite die alten ere 
daz sie wider kere 
und aber din gesinde lere. 35 

90 (L. 1 16 33. 117 7). 
Bi den liuten nieman hat 
hovelichem trost denn ich: 
So mich sende not bestät, 
80 schine ich geil und trceste selben mich. 
Also hau ich dicke mich betrogen 5 

und durch die werlt manege fröude erlogen: 
daz liegen was aber lobelich. 



85. E fügt noch zwei Strophen hinzu : Werlt wie lange sol 
ich gern du weist wol wes utide wa du muost miner fraude 
enpem mir enwerde huoz alda get heim hie ist gesungen 
wirde ich hie verdrungen so heslüzze ich mine zungen. Ich 
han ir (dir Lachm.j gedienet so werlt daz ich mis niht schäme 
stoie du mich mit lone macJies fro dir geschiht vil lihte alsame 
ich wölte oc ein vil deine weistu waz ich meine wider liebe 
liep daz eine. 90 Iff. Die Strophen dieses tones stehen hier 
in der handschriftlichen reihenfolge. Lachmann und die übrigen 
herausgeber stellen die zweite strophe mit der vierten und 
fünften zu einem liede zusammen. Veranlassung dazu waren 
metrische unglei«hmässigkeiten, die aber wol durch die Über- 
lieferung verschuldet sind. Z. 2 und 16 haben jetzt eine hebung 
zu wenig. In den beiden letzten Strophen bat die vorletzte zeile 
eine hebung mehr als in den vorangehenden, wenn sie nicht 
mit zweisilbigem auftakt zu lesen ist. 



90 8 — 914 151 

Leider ich muoz mich entwenen 
Maneger wunne der min ouge an sach: 
War nach sol sich einer senen, 10 

der niht geloubet waz hie vor geschach? 
Der weiz lützel waz daz si, gemeit. 
deist senender muot mit gerender arebeit. 
unsselic si daz ungemach! 

Maneger wsenet der mich siht, 15 

min herze si an fröuden ho. 
Hoher fröude hän ich niht, 
und wirt mir niemer wider, wan also: 
Werdent tiusche liute wider gnot, 

und troestet si mich, diu mir leide tuot, 20 

80 wirde ich aber wider fro. 

Ich hän ir gedienet vil, 

der Werlte, und wolte ir gerne dienen me, 

Wan dazs übel danken wil, 

und wsenet daz ich mich des niht verste. 25 

Ich versten michs wol an eime site: 

des ich aller serest ger, so ich des bite, 

80 glt siz einem toren e. 

lehn weiz wiechz erwerben mac. 
des man da pfligt, daz widerstuont mir ie: 30 

Wirbe aber ich so man e pflac, 
daz schadet mir lihte: sus enweiz ich wie. 
Doch verwaen ich mich der fuoge da, 
daz der ungefüegen werben anderswä 
genaemer si dan wider sie. 35 

91 (L. 100 24). 

Fro Werlt, ir sult dem wirte sagen 
daz ich im gar vergolten habe; 
Min gröziu gülte ist abe geslagen; 
daz er mich von dem brieve schabe. 



91 1. Der wirt ist der teufel, der als inhaber der weit ge- 
dacht wird, dem man zu bezahlen hat, was man darin geniesst. 



152 91 o — 92 4 

Swer ime iht sol, der mac wol sorgen. 5 

e ich im lange schuldic wäre, ich wolt e zeinem Juden 
er swiget unz an einen tac: [borgen, 

so wil er danne ein wette hän, so jener niht ver- 

' Walther, du zürnest äne not: [gelten mac. 

du solt bl mir beliben hie. 10 

Gedenke waz ich dir eren bot, 
waz ich dir dines willen lie, 
Als du mich dicke sere ba^te. 
mir was vil innecliche leit daz duz so selten taete. 
bedenke dich: diu leben ist guot: 15 

so du mir rehte widersagest, so wirst du niemer wol 

Fro Werlt, ich hän ze vil gesogen; [gemuot.' 
ich wil entwonen, des ist zit. 
Din zart hat mich vil nach betrogen, 
wand er vil süezer fröuden git. 20 

Do ich dich gesach reht under ougen, 
dö was din schouwen wunderlich al sunder lougen: 
doch was der schänden alse vil, 
do ich din binden wart gewar, daz ich dich iemer 

'Sit ich dich niht erwenden mac, [schelten wil. 25 
so tuo doch ein dinc des ich ger: 
Gedenke an manegen liebten tac, 
und sich doch underwilent her, 
Niuwan so dich der zit betrage.' 

daz taet ich wunderlichen gerne, wan deich fürhte 30 
vor der sich nieman kan bewarn. [dine läge, 

got gebe iu, frouwe, guote naht: ich wil ze her- 



berge vam. 



92 (L. 66 21). 
Ir reinen wip, ir werden man, 
ez stet also daz man mir muoz 
er unde minnecllchen gruoz 
noch volleclicher bieten an. 



14. Diese zeile ist um eine hebung zu kurz, z. 22 um zwei. 
21 ff. Diese Vorstellung von der weit begegnet auch sonst, 
besonders in der erzählung Konrads von Würzburg Der tcerZfeZön. 
92 1 ff. Vgl. einl. s. 4'. 



92 5 — 36 153 

Des habet ir von schulden grcezev reht dan e: 5 

weit ir vernemen, ich sage in wes: 

wol vierzec jär hab ich gesungen oder me 

von minnen und als iemen sol. 

Do was ichs mit dem andern geil: 

nu enwirt mirs niht, ez wirt in gar. 10 

min minnesanc der diene iu dar, 

und iuwer hulde si min teil. 

Lät mich an eime stabe gän 
und werben umbe werdekeit 

mit unverzageter arebeit, 15 

als ich von kinde habe getan: 

So bin ich doch, swie nider ich si, der werden ein, 
genuoc in miner mäze ho. 

daz müet die nideren. ob mich daz iht swache? nein, 
die biderben hänt mich deste baz. 20 

Diu wernde wirde diust so guot, 
daz man irz höchste lop sol geben, 
ezn wart nie lobelicher leben, 
swer so dem ende rehte tuot. 



Werlt, ich hän dtnen Ion ersehen: 25 

swaz du mir gist, daz nimest du mir. 

wir scheiden alle bloz von dir. 

schäm dich, sol mir also geschehen. 

Ich hän lip unde sele (des was gar ze vil) 

gewäget tüsentstunt durch dich. 30 

nu bin ich alt und hast mit mir din' gampelspil: 

und zürne ich daz, so kichest du. 

Nu lache uns eine wile noch: 

din jämertac wil schiere komen, 

und nimet dir swaz du uns hast benomen, 35 

und brennet dich dar umbe iedoch. 



13. -Gesetzt auch ich ginge zu fuss am wanderstabe 
(wie ein bettler)." Walther war in Wirklichkeit auch in seiner 
dürftigsten zeit immer zu pferde, vgl. 76, 38. 25 ff. Die 
drei Strophen gehören vielleicht zu einem liede zusammen. 



154 92 37 — 93 2 

Min sele müeze wol gevarn! 

ich hän zer werlte manegen lip 

gemachet frö, man unde wip: 

künd ich dar under mich bewarn! 40 

Lobe ich des libes minne, deist der sele leit: 

si gibt, ez sl ein lüge, ich tobe. 

der wären minne gibt si ganzer staetekeit, 

wie gnot si si, wies iemer wer. 

Lip, lä die minne diu dich lät, 45 

und habe die staeten minne wert: 

mich dunket, der du hast gegert, 

diu sl niht visch unz an den grät. 

Ich bäte ein scboene bilde erkorn; 

ouwe daz ich ez ie gesach 50 

oder ie so vil zuoz ime gesprach! 

ez hat schcen unde rede verlorn. 

Da wonte ein wunder inne: daz fuor ine weiz war: 

da von gesweic daz bilde iesä. 

sin liljerosevarwe wart so karkelvar, 55 

daz ez verlos smac unde schin. 

Min bilde, ob ich bekerkelt bin 

in dir, so lä mich üz also 

daz wir ein ander vinden frö: 

wan ich muoz aber wider in. 60 



93 (L. 122 24). 

Ein meister las, troum unde Spiegelglas, 
daz sie zem winde bi der staete sin gezalt. 



49. Das gebilde ist der eigene leib. 93 1 ff. Die 

echtheit dieses liedes ist angezweifelt. In dessen ist die 
künstlichkeit der form auch anderen gedichten aus Walthers 
späterer lebenszeit eigen, und aus derselben erklärt sich 
manches gesuchte im ausdruck. las in z. 1 bedeutet soviel als 
„dichtete", „sagte in seinem gedickte", indem die nicht sangbaren 
gedichte gewöhnlich durch vorlesen verbreitet wurden, und 
der dichter selbst der erste Vorleser zu sein pflegte. Das 
zitat bezieht sich vielleicht auf "Wolframs Parzival 1, 20 ff. : sin 



93.3 — 36 155 

Loup unde gras, daz ie min fröude was, 

swiech nu erwinde, ez dunket mich also gestalt. 

Dar zuo die bluomen manicvalt, 5 

diu beide rot, der grüene walt. 

der vögele sanc ein trüric ende hat; 

dar zuo diu linde süeze und linde. 

80 we dir, Werlt, wie dirz gebende stät! 

Ein tumber wän den ich zer werlte hän, 10 

derst wandelbaere, wand er bcesez ende git: 
Ich solt in län (wan ich mich wol verstau), 
daz er iht gebsere miner sele grozen nit. 
Min armez leben in sorgen lit: 

der buoze waere michel zit. 15 

nu fürhte ich siecher man den grimmen tot, 
daz er mit swsere an mir gebaere. 
vor vorhten bleichent mir diu wangen rot. 

Wie sol ein man der niuwan Sünden kan, 
.... gedingen oder gewinnen höhen muot? 20 
Sit ich gewan den muot daz ich began 
zer werlte dingen merken übel unde guot, 
Do greif ich, als ein töre tuot, 
zer winstern haut reht in die gluot, 
und merte ie dem tievel sinen schal. 25 

des muoz ich ringen mit geringen: 
nu ringe und senfte ouch Jesus minen val. 

Heiliger Krist, Sit du gewaltic bist 
der werlte gemeine, die nach dir gebildet sint, 
Gip mir den list daz ich in kurzer frist 30 

alsam gemeine dich sam diniu erweiten kint. 
Ich was mit sehenden ougen blint 
und aller guoten dinge ein kint, 
swiech mine missetät der werlte hal. 
mache mich reine, e min unreine 35 

sele versinke in daz verlorne tal. 



anderhalp ame glase gelicJiet (ziuu, auf der rückseite des glases 
geglättet, d. h. ein spiegel) und des Minden troum, die gebent 
antlützes roum (Schattenbild), doch mac mit stcete niht gestn 
dirre trüebe lihie schin. 4. Unverständlich. 23. Vgl. Lieb- 
echt, Germania I, 475. 



156 94 1 — 29 

94 (L. 3 1) 
Got, diner Trinitäte, 
die beslozzen häte 
din ftirgedanc mit rate, 
der jehen wir: mit driunge 
diu drie ist ein einunge. 5 

Ein got der hohe here 
(sin ie selbwesende ere 
verendet niemer mere), 
der sende iins sine lere. 

ans hat verleitet sere 10 

die sinne üf manege Sünde 
der fürste üz helle abgründe. 

Sin rät und broedes fleisches gir 
die hänt geverret, herre, uns dir. 

Sit disiu zwei dir sint ze halt 15 

und du der beider hast gewalt, 
So tuo daz dinem namen ze lobe, 
und hilf uns daz wir mit dir obe 
geligen, und daz din kraft uns gebe 
BÖ starke staete widerstrebe, 20 

Da von din name si geret 
und ouch din lop gemeret. 
da von wirt er guneret, » 
der uns da sünde leret 

Und der uns üf unkiusche jaget, 25 

sin kraft von diner kraft verzaget, 
des si dir iemer lop gesaget, 
und ouch der reinen süezen maget, 
von der uns ist der sun betaget, 



94 1 ff. Dies gedieht ist der einzige leich Walthers, d. h. 
ein der form der lateinischen Sequenzen nachgebildetes lied, 
aus ungleichen Strophen bestehend, aber doch nicht ohne eine 
gewisse symmetrische gruppierung. lieber den bau dieses leiches 
handelt Bartsch, Germania VI, 187 ff. Die richtigkeit seiner auf- 
fassung scheint mir aber nicht gesichert. Vgl. femer Schade, 
Wissenschaftl. monatsbl. III, 29. Eine berichtigung der Lach- 
mannschen lesarten gibt Zarncke, PBB VII, 599. Sachliche 
anmerkungen bietet Fasching, Germ. XXII, 436. XXIII, 34. 



94 30—51 157 

der ir ze kinde wol behaget. 30 

Maget und muoter, schouwe der kristenheite not, 
du blüende gerte Arönes, üf gender morgenröt, 
Ezechieles porte, diu nie wart üf getan, 
durch die der künec herliche wart üz und in gelän. 
also diu sunne schinet durch ganz geworhtez glas, 35 
also gebar diu reine Krist, diu maget und muoter was. 

Ein bosch der bran, da nie niht an besenget noch 

verbrennet wart: 
breit unde ganz beleip sin glänz vor fiures flamme 

unverschart. 
daz ist diu reine maget alleine, diu mit maget- 

Kindes muoter worden ist [lieber art 40 

an aller manne mitewist, 
wider menneschlichen list 
den wären Krist 
gebar, der uns bedähte. 

Wol ir, daz si den ie getruoc, , 45 

der unsem tot ze tode sluoc! 
mit sinem bluote er ab uns twuoc 
den ungefuoc 
den Even schulde uns brähte. 

Salomones hohes trones bist du, frouwe, ein selde 

here und ouch gebietserinne. 50 

balsamite, margarite, ob allen megeden bist du, 

maget, ein maget, ein küneginne. 



81 ff. Die hier zum preise der Jungfrau verwendeten epitheta 
und vergleichungen sind alle traditionell, schon vor Walther 
in der mitteralterlichen poesie angewendet. Darüber handelt 
W. Grimm in der vorrede zu seiner ausgäbe der goldenen 
schmiede von Konrad von Würzburg, vollständiger A. Salzer, Die 
Sinnbilder und beiworte Mariens (programme des gymnasiums 
zu Seitenstetten), Linz 1886—1893. 32. Vgl. 4. Mos. 17, 8 und 
Hoheslied 6, 9. 33. Vgl. Hesekiel 44, 2. 35. Häufiges bild 
für die unverletzte Jungfräulichkeit, vgl. Grimm a. a. o. XXXI, 12. 
37. Vgl. 2. Mos. 3, 2. 47. Vgl. zu 82 13. 50. Vgl. 

Georg von Eeinbot von Dume 2706: höhiu pfcdz und fröne 
hern Salomones tröne. Sonst wird Maria selbst Salomos thron 
genannt, vgl. 1. (3.) Kön. 10, 18. 51. Vgl. Grimm XLHI, 2. 
XLI, 15. 



158 94 52 — 87 

gotes amme, ez was din wamme ein palas kleine, 
da daz reine lamp aleine lac beslozzen inne. 

Dem lamme ist gar 
gelich gevar 

der megede schar: 55 

die nement sin war 
und kerent swar ez keret. 
Daz lamp ist Krist, 
der war got ist, 

da von du bist 60 

nu alle frist 
gehoehet und geheret. 
Nu bite in daz er uns gewer 
durch dich des unser dürfte ger. 

du sende uns trost von himel her: 65 

des wirt din lop gemeret. 

Du maget vil unbewollen, 
der Gedeönes wollen 
gelichest da bevollen, 

die got begoz mit sime himeltouwe. 70 

Ein wort ob allen w orten 
entsloz diner oren porten, 
des süeze an allen orten 
dich bat gesüezet, süeze himelfrouwe. 

Daz üz dem worte erwahsen si, 75 

daz ist von kindes sinnen fri. 
ez wuohs ze worte und wart ein man. 
da merket alle ein wunder an: 
ein got der ie gewesende wart 

ein man nach menneschlicher art. 80 

swaz er noch Wunders ie begie, 
daz hat er überwundert hie. 
des selben wunderaeres hüs 
was einer reinen megede klüs 

wol vierzic wochen und niht me 85 

an alle stinde und äne we. 

Nu biten wir die muoter und euch der muoter bam, 



52. Vgl. Grimm XXXVI, 30. 53. Vgl. Apoc. 14, 4. 68. Vgl. 
Richter 6, 37. 8. 



94 88 — 124 159 

gi reine und er vil guoter, daz sie uns tuon bewam. 
wan äne sie kan niemen hie noch dort genesen; 
nnd widerredet daz lernen, der muoz ein töre wesen. 90 

Wie mac des iemer werden rät, 
der umbe sine missetät 
niht herzelicher riuwe hat, 
Sit got enheine sünde lät, 

Die niht geriuwent zaller stunt 95 

hin abe unz üf des herzen grünt? 
dem wisen ist daz allez kunt, 
daz niemer sele wirt gesunt, 
diu mit der Sünden swert ist wunt, 
sin habe von gründe heiles funt. 100 

Nu ist uns riuwe tiure: 
sie sende unz got ze stiure 
bi sinem minnefiure. 
sin geist der vil gehiure 

Der kan wol herten herzen geben 105 

wäre riuwe und lihtez leben: 
da wider solte niemen streben. 

Swä er die riuwe gerne weiz, 
da machet er die riuwe heiz: 

ein wildez herze er also zamt, 110 

daz ez sich aller Sünden schämt. 

Nu sende uns, vater unde sun, den rehten geist her abe, 
daz er mit siner süezen fiuhte ein dürrez herze erlabe, 
unkristenlicher dinge ist al diu kristenheit so vol. 
swä Kristentuom ze siechhüs lit, da tuot man im niht 

wol. 115 

In dürstet sere nach der lere als er von Rome 

was gewon: 
der im die schancte und in da trancte als e, da 

Swaz im da leides ie gewar, [wurde er vamde von. 
daz kam von simonie gar, 

und ist er da so friunde bar, 120 

daz em getar 

niht sinen schaden gerüegen. 
Kristentuom und kristenheit, 
der disin zwei zesamne sneit, 



160 94 125 — 162 

geliche lanc, geliche breit, 125 

liep unde leit, 

der wolte ouch daz wir trüegen 

In Kriste kristenlicliez leben. 
Sit er uns hat üf ein gegeben, 

80 suln wir uns niht scheiden. 130 

Swelch kristen kristentuomes gibt 
an Worten und an werken niht, 
der ist wol halp ein beiden. 
Nu ist uns ir beider not: 

daz eine ist an daz ander tot: 135 

nu stiure uns got an beiden, 

Und gebe uns rät, 
Sit er uns hat 
sin bantgetät 

geheizen offenbare. 140 

Nu senfte uns, frouwe, sinen zorn, 
barmherzic muoter üz erkorn, 
du frier rose sunder dorn, 
du sunnevarwiu kläre. 

Dich lobet der höhen engel schar: 145 

doch brähten sie din lop nie dar 
daz ez volendet wurde gar, 

Swä ez ie wurde gesungen 
in stimmen oder von zungen 

üz allen ordenungen 150 

ze himel und üf der erde, 
ich mane dich, gotes werde, 

Wir biten umb unser sünde dich, 
daz du uns sist gensediclich. 

So daz din bete erklinge 155 

vor der barmunge urspringe. 
so hän wir des gedinge, 
din schulde werde ringe. 

Da mite wir sere sin beladen, 
hilf uns daz wir sie abe gebaden 160 

Mit staete wernder riuwe umb unser missetät, 
die äne got und äne dich nieman ze gebenne hat. 

143. Vgl. Grimm XXXVI, 34; vgl. auch 68 38. 



95 1 — 36 161 

Zweifelhaftes uud unechtes. 

05 {L. s. 183). 
Sit mir din niht m§r werden mac, 
wan daz ich küme dich ges§, 
So wünsche ich dir heiles naht und tac, 
und bin doch iemer an der fle, 

Daz dich got vor'valscher diet bewar 5 

und leite dich an aller engel schar, 
ouch bite ich, swä du mich ersest, 
daz du tougeu 
ein lützel mit den ougen 

zuo mir neiges 10 

und mir eine kleine liebe erzeiges: 
so enruoche ich, ob du mich mit worten vest. 

*Man mac wol offenbare sehen 
din scheiden an den ougen min: 

Nu sprich, wie waere mir geschehen, 15 

het ich getan den willen din? 
So euwurde ich niemer rehte vro. 
du enkumest wider, ich wirde iedoch also. 
du bist mir ein fremder man. 

we warumbe ' 20 

klage so sere ich tumbe 
durch daz eine, 

daz wir ie warn mit rede gemeine? 
doch wizze got deich dir wol ze lebenne gan.' 

Ich hau vil kleine an dir bejaget 25 

wan under wilen einen gruoz. 
Du hast mir aber so wol versaget 
daz ich dir iemer dienen muoz. 
Ob ich an dir niht erworben hän, 

wol mich! son hat ein ander ouch getan. 30 

also kaust du wesen gemeit. 

fot dir löue 
az du mich Melde schone, 
wis gesunde. 

we daz ich dich also funde; 35 

nu, frouwe, gedenke an alle stsetekeit. 

95 1 ff. In E und F überliefert, in gleichem tone wie 53, 
nur dass die fünfte zeUe eine hebung weniger hat, was aber 
vielleicht auf rechuung der Überlieferung kommt. Bedenken 
gegen Walthers Verfasserschaft erregen nur die reime gese : fle, 
ersest : vent , von denen man aber doch nicht behaupten kann, 
dass sie ihm durchaus nicht zuzutrauen- sind. Beachtenswert 
ist es, dass es sich hier um einen abschied handelt wie in 53 1 ff. 
und wahrscheinlich auch ft3 25 ff. Auch kommt diese art Zwie- 
gespräch in der lyrik nach Walther fast gar nicht mehr vor. 

Walth. V. d.Votfelweide. 5. Aufl. H 



162 961 — 9813 

96 (L. s. XIII). 

Ja lige ich mit gedauken der alrebesten bi. 

mirst leit daz ich sie ie gesach, sol sie mir fremede sin. 

ichn mac ir uiut verge^zeu deheine zit: sist guot; 

und ist behuot: 

des trüret mir der muot. 5 

ir sult mir alle helfen klagen diu leit diu man mir an ir tuot. 

97 (L. s. XIII). 
Herzeliebez frouwelin, 

tuo an mir din ere! 

da von solt du sselic sin 

hiute und immer mere. 

frouwe, du solt machen 5 

mich und manegen frö, 

daz wir dich an lachen. 

wol dir, und tuost also! 

frouwe, du solt tragen 

pfeller unde siden, 10 

daz sie gar verzagen, 

jene die uns da niden: 

und suln als schöne zieren dich, 

daz du noch solt geweren mich. 

98 (L. XV 1). 
Ja waz wirt der kleinen vogeline? 

der kalte sne ' 

der tuot in we. 

Daz sint nu die meiste swaere mine, 

mir enfüege got 5 

sülchen spot 

Daz diu schoene gnade an mir spsete 
diu mir nsehest minen arm vemaete. 

Ouwe daz ich also rehte verre 
von ir hin 10 

fevaren bin! 
6 fürhte ich sere daz ez mir gewerre, 
dazs ein ander siht, 



961 ff. In A überliefert. Strophenform und stil ist sehr 
altertümlich. Das gedieht mtisste zu den frühsten versuchen 
Walthers gehören, wenn es ihm zukäme. 971 ff. In E über- 
liefert, deutet auf ein ähnliches Verhältnis wie 12. 98 Iff. Dies 
und die beiden folgenden lieder sind in E überliefert. Das 
versmass scheint zerrüttet, da die zweite zeile der Stollen 
bald zwei, bald drei hebungen hat. Die letzte Strophe wird 
von Lachmann abgetrennt. 



9814 — 99 27 163 

und ich nilit. 

Wolte got, und waerens alle tören, 15 

die ir so vil gerilnen zuo den oren! 

Wil si wider si so lange striten 
als wider mich, 
daz lob ich: 

S6 getuot siz noch in langen ziten. 20 

e denne ez erge, 
ich kam e. 

Wan des einen fürht ich harte sere: 
kan ich vil, so kan si lihte mere. 

Tumbe liute nement mich besunder, 25 

und frägent mich da bi, 
wer si si. 

Rieten siz. daz wjere ein michel wunder; 
wan daz nie geschach 

des ich da jach. 30 

Müget ir beeren gemelichiu msere? 
gerne weste ich selbe wer si wfere. 

99 (L. XVI 1). 
Ich hän die zit wol gesehen an der linden: 
sist worden val: 

Ouwe j6 lit al ir loup vor den winden 
verre imme tal. 

Des müezen beide 5 

walt unde beide 
werden ze leide. 
Swaz grüenes was, daz blichet besunder 

Loup unde gras, schcene bluomen dar under 10 



Noch klag ich mere, 
daz die vogel here 
trürent ze sere. 

Als ez nu stät, so ist ez ze sorgen 15 

sere gewant. 

Der Winter hat michel ere verborgen, 
die ich hän genant. 
Daz klaget ich vil kleine, 

wolt ein wip aleine. 20 

ouwe si vil reine I 

Swer wip wil sehen beide schcene unde wise, 
1er sol fragen dar: 

^ö muoz er jehen daz nie sunne ze prise 
stüende so gar. 25 

Hört ir ie baz grüezen 
mit Worten so süezen, 

11* 



164 99 28 — 100 30 

ich wil lüge büezen. 

Da mac ein man wol Verliesen die sinne 
von grözer not. 30 

Lachet sin an, so ist ir munt und ir kinne 
wiz unde rot. 
Seht, disiu schulde 
machet deich dulde 
not umb ir hulde. 35 

Sich, saelic wip, daz ich so lange mide 
dich, daz tuot mir we. 
Din süezer lip ist unsenfte als ein side, 
swarz als ein sue. 

Nach sülchen güeten 40 

mac min herze wüeten: 
wie sei i'z behüeten? 

100 (L. xvn 1). 

Järlanc sint die tage trüebe, 

lützel ist daz sich ze fröuden üebe. 

Des sint löuber unde gras 

verdorben, dar zuo bluomen unde kl6, 

Daz der ougen wunne was. 5 

den vögeln tuot der kalte rife we. 

Sumer, du hast manege güete, 
du gist al der werlde höchgemüete. 
Winter, hast du tröstes iht, 

80 troeste mich, daz ich gelobe dich. 10 

Leider, du hast tröstes niht, 
wan einen: des selben des gelüstet mich. 

Winter du hast lange nehte. 
der ist sselic, dem sie kumen rehte. 
Der mit fröuden leben sol 15 

bi dem sint si niht ze laue: 

Dem entsete niht s6 wol 

der blüende meige noch sin vogelsanc. 

Ligents an angest uude warme 
si an sinem munde, er an ir arme, 20 

So ist in liep der kurze tac. 
der langen naht sint sie. ich waene, frö: 
Lit man noch als man dö lac, 
dö i's pflac, so ist ez noch also. 

Wol bedorfte ich guoter sinne: 25 

mich entrcestet weder zit noch minne. 
Wä von ist mir daz geschehen, 
wan daz ich mich durch friunt versümet hän? 
Wellen sie daz übersehen, 
daz stet in übel, und hän ich wol getan. 30 



1011 — 10213 165 

101 (L. XVII 31). 
Wie hän ich nnsaelic man 
zallen spileu sus getan gevelle, 
Daz ich niht gedienen kan 
daz mir ieman rehte Ionen welle? 

mac ich dienen anderswä, 5 

da min dienest mich vervä, 
als ich bite, daz man spreche ja? 

Wsere ich hi ir tüsent jär, 
so enkönde ich aller rede mere, 

Wan daz ich ir gerne war 10 

sage und liep hän ir lip und ir ere. 
Des biut ich ir minen eit: 
wil sis groezer Sicherheit, 
mac si sprechen ja, ich bin bereit. 

Eines dinges prise ich sie, 15 

daz si ist so rehte wol versunnen, 
Daz si gerne midet die 
die so vil unnützer rede kunnen. 
Wol mich dazs erkennen kan 

einen lachenden man! 20 

daz sint «iinc der ich ir vil wol gan. 

Könde ich des geniezen iht 
dazs an mir gensedecliche tsete, 
Son könd ich verderben niht: 

sus ist al min fröude gar unstsete. 25 

Seht an disen grisen roc: 
ich gewinne alsülchen loc 
und ein gräwez kinne als ein hoc. 

102 (L. 47 16). 
Ich minne, sinne lange zit. 
versinne Minne sich, 
wie si schöne lone miner tage, 
So löne schöne: dest min strit. 

vil kleine meine mich, 5 

niene meine kleine mine klage 
Unde rihte 
solch unbilde, 
daz ein ledic wip, 

mich verderbet . 10 

gar äne schulde, 
zir gesihte 
werde ich wilde, 



101 1 ff. In E und F. 102 1 ff. In BC Walther, in A 
Reinmar zugeschrieben. Der anhang der Heidelberger Frei- 
dankhandschrift enthält eine Strophe in dem gleichen tone. 



166 10214 — 103 32 

mich enbabe ir lip 

fröude enterbet. 15 

noch ger ich hulde. 

waere msere staeter man, 

so solte, wolte si, mich an 

eteswenne denne ouch sehen, 

so ich gnuoge fuoge künde spehen. 20 

103 (L. 71 19. MF. 152 25). 
'Ich hoere im maneger eren jehen, 
der mir ein teil gedienet hat. 
Der im in sin herze kau gesehen, 
an des genäde suoch ich rät, 

Daz er mirz rehte erscheine. 5 

nu fürht aber ich daz erz mit valsche meine, 
taet er mir noch den willen schin, 
hset ich iht liebers danne den lip, des müeser herre siu. " 

Wie kumt daz ich so wol verstän 
ir rede, und si der miner niht, 10 

Und ich doch groze swaere hau, 
wan daz man mich frö drunder siht? 
Ein ander man ez iieze: 
nu volg aber ich, swie ich es niht genieze. 
swaz ich dar umbe swsere trage, 
da enspriche ich niemer übel zuo, wau so vil daz ichz klage. 

Ich lebte ie nach der Hute sage, 

wan daz sie niht geliche jehent. 

Als ich ein hohez herze trage 

und sie mich wol gemuoten sehent, 20 

Daz hazzet einer sere, 

der ander gihet, mir si fröude ein ere. 

nun weiz ich weme ich volgen sol; 

bete ich wisheit unde siu, so taete ich gerne wol. 

Ist daz mich dienest helfen sol, 25 

als ez doch mauegen hat getan. 

So gewinnet mir ir hulde wol 

ein wille den ich hiute hän. 

Der riet mir deich ir bsete, 

und zurude aber siz, daz ich ez dennoch taete. 30 

nu wil ichz tuon, swaz mir geschiht. 

ein reine wise saelic wip läz ich so übte niht. 



1031 ff. Teils Walther, teils Reinmar zugeschrieben. 
Die bessere gewähr ist für den letzteren, von dem noch eine 
reihe anderer Strophen des gleichen tones erhalten sind, vgl. 
PBB II, 552. 



1041 — 106 2 167 

104 (L. s. 166). 
Ein wlp mit wibes güete. 

diu rehte in wibes sinne treit ein wiplich hohgemüete. 

diu wibet sich so schöne daz ir wipheit sselde birt. 

AVol ir diu sich so wibet, 

daz si in rehter wibes tugent bi wibes zuht belibet. 5 

der weiz ich eine, diu des niemer fuoz verstozen wirt. 

Diu reine minnecliche tuot 

so rehte an allen dingen, da von ir staete wibes ere sint 

und ouch ir lip [behuot 

vor valsche gar. si ist so guot, 10 

daz ich sie nseme, und seit ich wein üz al der weite ein wip. 

Nu hoeret, lät iuch wisen, 
wie sich ein sselic frouwe sol für ander frouwen prisen, 
so daz ir lop bekeret nach der besten volge si: 
Si sol die höhfart miden, 15 

da mite ein saelic frouwe mac ir wibes zuht versniden, 
und sol doch rehtes hohes muotes niemer werden fri. 
Si minne zuht und höhen mnot, 

si staete an allen dingen, bescheidenliche fro und doch 
diemüetec lip [dar under guot, 20 

da bi den allen rehte tuot, 
rein unde erbermic herze habe, und si nach wünsche ein wip. 

105 (L. 111 12). 
Selpvar ein wip, 

an wize, an roete ganzlicher stsete, 

ungemälet, daz si niht gebuggerämet waere, 

Ich lobe ir lip, 

swie ich sie doch nie niht gebsete. 5 

ja hoere ich gerne von ir guotiu mare, 

Diu ir val här üf gebunden hat. 

bi ir mauegiu hin ze kirchen gät. 

diu ir swarzen nac vil höhe blecken lät. 

ich waene daz gebende uugeliche stät. 10 

106 (L. 26 13 ff.). 

Durhsüezet und geblüemet sint die reinen frouwen : 
ez wart nie niht so wunnecliches an ze schouweu 

1041 ff. In a unter Waltherschen liedem. 105 1 ff. In C 
unter Walther, in A unter Niune, wol nur ein fragment mit 
entstelltem texte. 106 1 ff. In gleichem tone wie 76, aber 
durch die Überlieferung nicht hinlänglich als Walthers eigen- 
tum gesichert und inhaltliche oder formelle bedenken erregend. 
Die beiden ersten Strophen sind in C, die dritte, vierte und 
fünfte in B überliefert, die sechste in C unter Walther, in A 
unter dem truchsesseu von St. Gallen, die siebente nur in A 



168 106 3 — 40 

in lüften noch üf erden noch in allen grüenen ouwen. 
Liljen unde rosen bluomen, swä die liuhten 
in meien touwen durh daz gras, und kleiner vögele sanc, 5 
daz ist gein solher wunnebernden fröude kranc, 
swä man ein schoene frouwen siht. daz kan trüeben mnot 
Und leschet allez trüren an der selben stunt, [erfiuhten 

80 lieblich lachet in liebe ir süezer röter munt 
und sträle uz spilnden ougen schiezen in mannes herzen 10 

grünt. 

Vil stieziu frouwe hohgelopt mit reiner güete, 
din kiuscher lip git wunneberndez höhgemüete, 
din munt ist roeter danne ein liehtiu rose in touwes fltiete, 
Got hat gehoehet und geheret reine frouwen, 
daz man in wol sol sprechen unde dienen zaller zit. 15 

der werlde hört mit wnniieclichen fröuden lit 
an in, ir lop ist lüter unde klär, man sol si schouwen. 
Für trüren und für ungemüete ist niht so guot, 
als an ze sehen ein schoene frouwen wol gemuot, 
swenne si üz herzen gründe ir friunde ein lieblich 20 

lachen tuot. 

Die wisen rätent, swer ze himelriche welle, 

daz er vil wol bewarte und ouch bestelle 

den wec, daz iemen drüße habe der in her wider velle. 

Ein aehtaere heizet mort, der schat der sträze sere: 

da bi vert einer in starken bennen, derst geheizen brant : 25 

so sprechents einem wuocher, der hat gar geschant 

die selben sträze. dannoch ist der wegewerender mere: 

Nit unde haz die haut sich üf den wec geleit, 

und diu verschampte unmäze gitekeit. 

dannoch so rennet maneger für, des ich niht hän geseit. 30 

Ich trunke gerne da man bi der mäze schenket, 

und da der übermäze niemen iht gedenket, 

Sit si den man an libe an guot und an den eren krenket. 

Si schat ouch an der sele, beere ich jehen die wisen: 

des möht ein ieglich man von sinem wirte wol enbem. 35 

liez er sich voUecliche bi der mäze wern, 

so möhte ime gelücke heil und sselde und ere üf risen. 

Diu mäze wart den liuten dar umb üf geleit, 

daz man si ebene mezze, ist mir geseit: 

DU hab er danc, ders ebene mezze und der si ebene treit. 40 

unter dem selben, die achte und die neunte nur in 0. Die 
in B ül)erlieferten Strophen zeigen kleine abweichungen im 
versmass, die allerdings vielleicht auf recbnung der Über- 
lieferung kommen. Die in überlieferten sind kaum echt; 
zu der dürftigkeit des inhalts kommt der anstössige reim 
in z. 79 und die seltsame betonung in z. 80. 



106 41 — 8i 169 

Er hat niht wol getrunken, der sich übertrinket. 

wie zimet daz biderbem man. daz ime diu zxmge hinket 

von wine? ich wgene er houbetsünde und schände zuo im 

Im zaeme baz, möht er gebrüchen sine füeze, [winket. 

daz er äne helfe bi den liuten möhte stän. 45 

swie sanfte man in triiege, er möhte lieber gän. 

sus trinke ein iegeslicher man. daz er den durst gebüeze: 

Daz tuot er äne houbetsünde und äne spot. 

swelch mau getrinket daz er sich noch got 

erkennet, so hat er gebrochen ime sin hoch gebot. 50 

Swer sich des stfeten frinndes durch übermuot heberet, 
und er den sinen durch des fremeden ere uneret, 
der möhte ersehen, wurd er von sinem hcehern ouch geseret, 
Daz diu gehalsen friuntschaft sich vil übte entrande, 
swenn er sich libes unde guotes solde umb in bewegen. 55 
ich hän vereischet, die der wenke hänt gepflegen, 
daz si der kumber wider üf die erborneu friunde wände: 
Daz sol von gotes leben dicke noch geschehen, 
ouch hörte ich ie mit volge des die liute jehen: 
'gewissen frinnt, versuochtiu swert sol man ze noete 60 

ersehen. * 

Ich wil niht me den ongen volgen noch den sinnen. 

diu rieten mir an zwei, daz ich diu solde minnen : 

diu wären äne valsch geworht beid uzen unde och innen. 

Da wart ein wenec in geleit. daz was niht stsete; 

des vielten sich ir egge, dö si solten hän gesniten. 65 

und wsere eht niht wan daz alleine drinne vermiten, 

so warens allenthalben alse ganz an ir getsete, 

Daz sich ein iegeslicher möhte läzen dran. 

ouwe daz ich der trüge ie künde an in gewan! 

wie übele ich nu mir des schaden und in des lasters gan I 70 

Swä nu ze hove dienet der herre sime knehte 

und swä der valke vor dem raben stet ze rehte, 

da spürt man offenliche unart, unadel und ungeslehte. 

Du werdiu ritterschaft, din diuc stet jämerliche. 

swä der zester vor dem Schilde hin ze hove vert, 75 

vrou Ere, da sint iuwer snellen sprünge erwert. 

wol üf mit mir und vare wir da heim in Österriche, 

Da vinde wir den (der 0) fürsten wert, der ist iu holt. 

wolt ir mich dar (da 0) ze hove leiten, also ir sult. 

So wirt gehoehet wol din name von mir, werder Liupolt. 80 

Swelch man sich gerne vrien wil von boeser sache, 

dem rät ich daz er sine tngent wol bewache 

und flie ouch die da sint gesezzen (die g. syu 0) nnder schänden 

Weizgot, tuot er des niht so mac im misselingen [dache. 



170 106 85 — 107 32 

au eren nnde an werdekeit. swelch mau gerne §re lii'it, 85 
der sol sich machen fri von aller misset ät 

Er ist zer werlde ein saelec man, den so sin mnot 
getiuret hat, daz er daz beste gerne tuot 
und sich der schänden hat bewegen, der mac wol heizen 90 

guot. 

107 (L. 36 11). 
Ir fürsteu tngendet iuwer sinne mit reiner güete, 
Sit gegen friunden scnfte, gein vinden traget höhgemüete: 
Sterket reht, und danket gote der grözeu eren, 
daz manic mensche sin lip sin guot muoz iu ze dienste k^ren. 
Sit milte, fridebaere, lät iuch in wirde schouwen: 5 

so lobent iuch die reinen süezen frouwen. 
schäme, triuwe, erbermde, zuht, die sult ir gerne tragen: 
minnet got, und rihtet swaz die armen klagen, 
gloubt niht daz iu die lügenasre sagen, 
und volget guotem rate: so müget ir in himele bouweu. 10 

Mar ja klär, vil hohgeloptiu frouwe süeze, 

hilf mir durch dines kindes ere deich min sünde gebüeze. 

Du flüetic fluot barmunge tugende und aller güete, 

der süeze gotes geist üz dinem edeln herzen blüete: 

Er ist diu kint, din vater unde diu schepfaere. 15 

wol uns des daz du in ie gebaere! 

den hoehe tiefe breite lenge umbgrifen mohte nie, 

din kleiner lip mit süezer kiusche in umbevie. 

kein wunder mohte dem geliehen ie: 

der engel küuiginne, du triieg in an alle swaere. 20 

An dem fritage wurde wir vor der helle gefriet 

von dem der sich drivalteclichen eine hat gedriet. 

Der engel Gabriel Marjä die botschaft kündet, 

da von himel und erde mit grözen fröuden wart enzündet. 

Er sprach zuo ir ave, daz minnecliche grüezen: 25 

durch ir oren enpfienc si den vil süezen, 

der ie an anegenge was und muoz an ende sin. 

des si dir lop und ere geseit, .... 

Marjä künigin. 

du gsebe in uns ze trost, der al der werlt mac swaere büezeu. 30 

Sündaere du solt an die grozen not gedenken, 
die got durch uns leit, und solt din herze in riuwe senken. 



1071 ff. Dieser und der folgende ton sind Variationen 
von 75, 109 eine erweiterung von 107. Ueberliefert sind diese 
Sprüche in C, 109 auch in B nach anderer quelle. Ihre unecht- 
heit ist fast zweifellos. 



107 33 — 10910 171 

Sin lip wart mit scharpfen dornen gar verseret: 

dennoch wart mannicvalt sin marter an dem kriiize gemeret: 

Man sluoc im drie negel dur hende und ouch diir füeze. 35 

jämerlichen weint Marjä diu süeze, 

dö si ir kinde daz bluot üz beiden siten fliezen sach. 

trüreclichen Jesus von dem kriuze sprach 

'muoter, ja ist iuwer ungemach 

min ander tot. Jöhan, du seit der lieben swgere büezen.' 40 

Der blinde sprach zuo sinem knehte 'du seit setzen 
daz sper au sin herze: ja wil ich die marter letzen.' 
Daz sper gein al der werlte herren wart geneiget. 
Marjä vor dem kriuze trürecliche klage erzeiget: 
Si verlos ir varwe, ir kraft, in bitterUchen noeten, 4:5 

do si jsemerlich ir [liebez] kint sach t«ten 
und Longlnus ein sper im in sin reine siten stach, 
si seic unmehtic nider, [daz] si [niht] hörte noch ensprach. 
in dem jämer Kriste sin herze brach: 
das kriuze begunde sich mit sinem süezen bluote roeten. 50 

108 (L. 37 24). 

Yil tumbiu Werlt, ziuch dinen zoum, wart umbe dich. 

wilt du län loufen dinen muot. sin sprunc der vellet dich. 

Derst manicvalt in dinem herzen umbe hört; 

er vröut dich hie und ist ein wemdez leit der sele dort. 

La rehten sin den boesen muot von dir vertriben: 5 

du müine got. so mäht du frö beliben: 

wirp umbe lop mit rehter fuoge, und wellest du genesen: 

den boesen rseten solt du gar unheimlich wesen: 

geloube swaz dir die pfaffen guotes lesen: 

wilt diiz dann allez überglUden. so sprich wol den wiben. 10 

109 (L. 37 34). 
Genuoge herren sint gelich den gougelseren, 
die beheudecliche kunnen triegeu unde vaeren. 

Der sprichet 'sich her, waz ist under disem huote?' 

nu zucke in uf. da stet ein wilder valke in sinem muote. 

Zuck üf den huot, so stet ein stolzer pfäwe drunder. 5 

nu zucke in üf, da stet ein merwunder. 

swie dicke daz geschiht, so ist ez ze jungest niwan ein krä. 

friunt, ich erkenne ouch daz, hähä hähä hähä. 

hab diu valschen gougelbühsen da: 

waer ich dir ebenstarc, ich slüeges an daz houbet diu. 10 

41. Der blinde ist der nachher genannte Longinus, nach 
der sage ein hauptmann, der Christi seite mit der lanze durch- 
stach und, indem das blut auf seine äugen tropfte, sehend ward. 



172 10911 — 11010 

din asche stiubet in diu ono^en min. 
ich wil niht mfer din bläsgeselle sin, 
dun wellest min baz hüeten vor so trtigelichem kunder. 

110 (L. 38 10). 
Er ist ein wol gefrinnder man, also diu weit nu stat, 
der under zwenzic mägen einen guoten friunt getriuwen hat: 
der hete man hie vor wol under fünfen funden dri. 
So we dir, Welt, du hast sn manegen wandelbernden site: 
er armet an der sele, der dir volget unz an sin ende mite, 5 
unt der dir aller diner fuore stät mit willen bi. 
Wir klagen alle daz die alten sterbent unde erstorben sint: 
wir möhten balde klagen von schulden ein ander not, 
daz triuwe zuht und ere ist in der weite tot. 
die liute läzent erben, dise dri sint äne kint. 10 

110 1 ff. In q unter Walthers namen. In gleichem tone 
sind zwei sprüche die A unter reimar der videler bietet. 



Yerzeichniss der abweichungen von 
Lachmanus texte. 

Im folgenden ist die vor dem Gleichheitszeichen stehende 
lesart die unseres textes, die hinter dem gleichheitszeichen 
stehende die des Lachmannschen textes nach der fünften aus- 
gäbe. Hinter jeder lesart sind die handscbriften angegeben, 
auf welchen sie beruht. Wo keine handschrift augegeben ist, 
beruht die lesart auf conjectur. Orthographische und dialek- 
tische abweichungen sind nicht berücksichtigt, abweichungen 
der interpunktion nur dann angegeben, wenn sie wesentlich 
verschiedenes Verständnis bedingen. Wo die von mir ge- 
billigte lesart der handschriftlichen Überlieferung entnommen 
ist, ist nicht angemerkt, welcher herausgeber sie zuerst in den 
text aufgenommen hat. Dagegen ist bei den aufgenommenen 
conjectuien ihr Urheber genannt, hoffentlich überall richtig. 
Wo La(chmann) vor dem sfleichheitszeichen genannt ist, findet 
sich der besserungsvorschlag in seinen anmerkungen. Kraus 
bezieht sich auf die in der siebenten aufläge von Lachmanns 
ausgäbe vorgenommenen änderungen des textes. 

1 2i s6 rehter C = selber. 30 und der wille C = der 
wile. 2 l mir C = von mir. ditze = diz (dis C, vielleicht 
disiu). 4 die er (dier Boclmer) = der si (der C). 23 daz = 
daz ez C. 2ö got = ,got.. 3 9 böte AE = fehlt MF. 0. 
min = minen ACE. 33 deich ir = daz ich CE {beide aber 
haben ir in der folgenden zeile vor sin). 4 lU so euhulfe ez 
ÜELa. = daz enhulfe (das enhnlff in F) Kraus. 12 ist küme 
CLa. (kume ist E) = enwert niht Kratis (er wirt jP). 13 Wold 
FUKraus = Wil CE. mere! Kraus = mere,. 14 ja FU 
Kraus = so CE. 16 müeze (muze U) Kraus = muoz CEF. 
volgen CEUKraus = verjehen F. 20 tougen UKraus = 
twingent CEF. 21 Twingent UKraus = beide den (den 
CEF), unde UKraus = und den CEF (Pauli -3). 24 ge- 
fristen CEU = fristen F. oach im La. (im CEF) = im mir 
UKraus. 28 mime (mineme U) = in mime CEF. 5 9 deichs 
alle = daz ichs [alle] (alle AC). 13 der in AC fehlen^Je fuss 
von La. ergänzt durch ere. 22. 3 endelös von schulden AC 
= mich erlöst von sorgen. 30 nu endarf A = sus darf C. 
ob äne sorge lebet daz = lebt äne sorge dez herze (obe 



174 

äne sorge lebet daz herze [de h^zen A]ÄC). 6 10 sin = si 
C. 16 nu La. = vil C. 7 40 frouwe Pf = fehlt C. 8 2 iht 
CLa. = niht Paul i-3. 4 wart C = wirt. nie weder C 
= neweder. 29 alrßrst C = von erst p. 9 23 Sost eht Wa. 
(so stet CE) = sost. 33 an F = bi CE. 44 ersehen F = 
gesehen CE. 10 16 nach CE = noch. 23 vergezzeu. Wa. 
= vergezzen,. 24 gesezzen ? Wa. = gesezzen. . 

11 1 nie C = ie. 2 ichn = ich C. 12 wan ia. = aber C. 

12 8 nider AE = nidere C. 12 die da ACE = die Paul i-*. 
20 ich AE = ichz (/"(pM m C). 23 na-me Ci's = nim A. 

13 ia. ordnet die stroplieti dieses to)ies xoiükürlich zu, zwei 
liedein: 1—8. 17—24 und 33—40. 9—16. 25—32. 13 13 niht 
E = so AC. beide, = beide . . 15 diu vogelin E = die 
vögele (die deine vögele AC). singent: = singent,. 16 sule 
E = suln AC. 22 doch E = äö AC. 24 wart E = wirt 
AC. 28 den boumen A = dem bourae C. 14 13 enpfangen, 
= enpfangen (ohne interpunktion). 15 6 genozen AN == ge- 
liehen BCE. 11 frouwe schoene BCE = schoene frowe J-F 
(vrouwe N). 24 werde C (werden A) = schoene BCF. 
16 13 minne AE = liebe BCF. 14 heizet diu daz BCE 
(du da B) = reizet unde ^4. 17 12 Ez C = e. 19 schin 
Kraus := schin,. Str. ^9ff. ist von La. vor Ib'OesteUt. 31 Wan 
du Pf. = du C. leide (herzeleit Wa., leit Pf.) = liebe C. 
18 5 gescheiden von ir La. = von ir gescheiden C. 19 3 Lihte 
F = swenne CE. 4 minne. := minne,. 5 Seht so La. = so 
CEF. 7 nie CE (fehlt hier F) = hie. 8 dicke CE = dicke 
nie F. daz CE = des iht (des ye F). 12 ez F = ich CE. 
16 durch sie so wil ich iemer F (nur meine statt iemer) = 
wan ich wil iemer durch sie CE. 18 sie mag ez J' = daz 
kan si CE. 24 schoener CE = schcene F. 20 28 in C = ir. 

21 6 ich enweiz = in weiz C. 7 denne swä La. = swenne 
C. 22 8 von ir der ich (von ir die ich Pf.) = der ich von 
ir C (nur mir für ir). 11 gesin, = gesin:. 12 enwelle C = 
enwil. 23 18 deiz Wa. = daz ez C. 24 8 hän BE = bin C. 
10 au mich s (au minz E) = mich C. 11 mir Es = fehlt C. 
25 des E (dich des s) = du C (nu B). 28 diu ist niht (ist 
nicht s, die entouget niht B, entauc niht F) = diust niht 
guot C. 25 14 diu vogelin AC = die vögele. 15 schallent 
mit A = singent in C. 2b ff. von La. als ein besonderes Ited 
abgetrennt. 26 Die reihenfolge der drei ersten Strophen nach 
E; U hatte wahrscheinlich die gleiche, da in dem erhaltenen 
fragment die zweite auf die erste folgt; La. stellt mit C die 
zweite hinter die dritte und trennt sie mit der vierten und 
fünften als ein besonderes lied ab (Kraus hat diese trennung 
nicht). 2 daz si wider mich als übele tuot EU = dazs an mir 
als harte missetuot C. 3 Ja U (io E) = nü C. 4 dienest 
= dienst, unde E (vü vil U) = und dar zuo C. 9 vmnnec- 
lichen EU = wünneclicher C. 12 süln diu lieben jär (tage 
E) also EU = sol diu liebe an mir alsus C. 13 Manege 



175 

sorge JEU = lide ich not C. 36 lebent (der — erkaut) = 
lebent. der — erkant;. 27 Die reihenfolge der stropJien nach 
DN, wonut auch C stimtnt, nur dass sie Uff. nach 11 ff. 
setzt; La. ord)iet nach A: 1. 21. 3t. 41. 11 wid nimmt 41. 11 
als parallelsirophen zu 21. 31. 27 14 joch Pf. = ouch CN 
(doch A, wol V). 24 hie — dort AN = da — da C (so — 
30 D). 29 sie mir AX = mir si C (mirz D). 31 küssen 
ACBN = küssin. 33 üz A = von ÜN (abweicheml D). 
35 Dem A = swä C (so DA')- sin .4 = ir CDN. 36 der 
wont da ^ ^ da wsere ich CD (wer ich ir danne N). nähe 
AC = nähen DX. 38 allez balsme A = vollez balsmen CDX. 
47 min AX = mich CD. 48 stach. = stach,. 49 ich lobe 
die reinen A (vü seüich si diu X, do wart ich so vro der 
stunde unt der D) = swann ich der lieben C. 50 da diu 
vil minnecliche üz einem AX (da di reine tueze uz einem D) 
= gedenke, das üz einem reinen C. 28 33. 4. wägen (ich — 
not) Wa. = wägen: ich — not:. 34 groezer Wa. = grozer. 
29 5 doch ouch = ouch ir (ouch CE). 10 baz CE = [baz]. 
11 betrogen. = betrogen:. 12 wils anders niht wan daz 
Benecke = si wil anders niht CE. 13 Wie Benecke = wan 
wie CE. 22 gemeine CE = genseme. 30 18 rehte vor wizzen 
AEF = vor lützel C. 

31 27 sie AU = sie CE. 32 5 rehte niht La. = niht CF. 
15 ich BC = ichz F. also maz C-F = tete BC^. 'z = daz. 
33 2 daz ist äne alle (an aUen argen C ^ gar an alle U) = 
daz ist an alle miue C^E. 5 Xiene (Nit en C^E) trüre du, 
wis frö: C^EU = trüren unde wesen fro, C. 6 minnen 
C^EU = minne CK 11 . . sie mügen CELa. = si mugen 
von mir komen UKraus. 12 komen der . . pfligst CELa. = 
der . . pfligt als ich Kraus nach U. wizzen = wizen. 14 daz 
gezimt den dinen güeten (güeten fehlt C^) C^EU = des ge- 
triuwe ich dinen zühten C^. 15 Sprsechest C^EU = tsetest 
C*. niden, = niden;. duz = düs. 16 daz die bcesen C^EU 
= als die argen CK so C'^EU — da CK 34 1 also AC = 
tuo also, bescheidenliche = bescheidenliche:. 2 leben, = 
leben:. 3 Obe AC = obe ab. 5 kurzer wile AC = kurze- 
wüe. 8 widerlerne Wa. = Avider lerne. 15 sit AC =: sit 
abe. also gerne Wa. = gerne AC. 18 mich Munde Wa. = 
triunde AC. 28 des La. = da von AC. 35 15 die .4 = dies 
(die si CE). 17 herzen AE = herze C. 36 3 lieht. Wa. = 
lieht,. 4 sach, Wa. = sach. . 17 Frouwe AC = Frowe min. 
daz si Pf. = sich C (feJdt A). 21 we. = we,. 22 e ich dir aber 
bi A (e "ich dir" aber bi C) = e bi dir aber ich. 23 gelige, 
= gelige. . 26 mac. = mac,. 27 lanc, = lanc:. 40 getaete 
AC = t*t. 41 es = ez. 56 eine A = äne C. 37 8 sin C 
= sint E. 31 swaz C, swes E = swä. 38 1 Swie BC = Wie 
E. stät, = stät!, 13 verguot BC = für guot E. (so — m§): 
Wa. =: so — me. 22 und BC = . die a. 39 4 hcere CE 
= hörte. 6 saget CE = sagte. 16 seht La. — fehlt CE. 



176 

42 Die reihen folge nach Wa. ; von La. in zwei lieder ge- 
ordnet: 17. 25 und 1. 9; die reihenfolge in BC: 17. 1. 25. 9; 
in EU: 1. 9. 25. 17. 42 17 swaere EU = sorge BC. 21 lide 
EU = hän BC. 23 ir Wa. = vor JS6'£C/. 43 6 ich ^ = 
ich in. 17 geredet A = gesprochen CE. geswigen. = ge- 
swigen,. 18 geligen? = breiigen.. 44 7 sinnen, = sinnen!. 
8 noch C = iu. wip! = wip. . 11 bi vor ir C = vor daz 
am anfang der folgenden Zeile. 12 vil Wa. = fehlt C. 
14 sinne, = sinne!. 16 benomen! = benomen. . 24 wurde 
mir C = mir wurde. 45 18 künde A (niocht F) — sol C 
(mac E). 16 niht erwerben AF = eine erwerben niht (alterseine 
niht erwerben C, niht erwerben eine E). frouwe = fro. 
19 Gevüegen A = noch fliegen C {fehlt E). 32 tuo = tuon 
A (rüne E, slüs C, fehlt F). 35 da BC (du E) = ja (nu A). 
sich BCF = ich (mich A, dich E). 48 von enkume = vone 
kume C (von kum A). dir AC = der. 46 5 daz Bf. = so E. 

8 daz hat Wa. = hat E. 9 mir so La. = so E. 10 deich mich 
Wa. = daz ich ii^. ersehe Ff. = sehe i\ 16 so Wa. = 
iiu so E. 24 doch TFo. = denne E. daz M^'ijt. = daz do E. 

25 enmittenzwei Wa. = enmitten zwei. 37 et La. = er E. 
38 in ia. = ir E. 47 3 Wan ich geschiet von ir noch nie E 
{aber noch nie von ir) ^= von ir geschiet ich mich noch nie BC. 

9 daz er ir naerae E == er tsete ir B'\ 10 under E = umbe BC. 
19 rätent sie i'J ;= rätents iemer £C. man sie = mans. 21 haz 
La. = schaden E. 23 zürneuts Wa. = zürnen E. 24 des = 
daz E. 27 der gedähte La. = gedaht E. 35 iedoch La. = 
doch E. 39 me Wa. — ie mer me E. 48 9 esel = 'esel'. 
den gouch A = 'der gouch' C (t,'auch E). 19 uinb C = M A. 

26 also: = also.. 27 In behalde E = ich enbiute iu C (ich 
enbüten dir A). strit, Wa. = strit. . 49 Strophencrdnung 
nach Wa.; bei La steht 21 vor 11 nach BC und 1 ist von 
den übrigen abgetrennt. 49 9 wie Wa. — swie BC. sin! 
Wa. == sin,. 19 war Wa. = war (war Kraus). 20 wan daz 
jB = da von C. güete = guote. 39 gebe. Wa. = gebe,. 
40 da, keiser. spil! Wa. = da keiser spil. . 50 10 so Wa. 
= so daz BC. 14 iu BC = dir. 

51 21 gerne BC = ungerne. 25 hüs; — geschehen = hüs 
(— geschehen). 39 Sie jehent (sprecheut E) daz BCE — daz A. 
lebendes La. = lebendiges ABCE. 43 vinden BE = vinde A 
(vient C). 46 waz BC = daz E. 48. 9 hat: der — zwo = bat 
(der — zwo). 53 15 ein F = eine BC. msere = me BC (rede 
F). in 5 = ir CF. 54 2 diu (die E) = fehlt BC. beidiu 
= beide BCE. 9 doch B = ouch C {fehlt E). 55 19 und 
der andern (under andern Ä) = unt der aufjer (und ouch der 
ander C). 25 ziertest = zierest AC. 29 Esaü C — ein sü 
A. 32 gerne C = gerner A. 56 3 hoer ichs UKraus =■ hört 
ichs Iju. Paul ^-3 (hoert es C, beert irs E). 5 den UKraus 
= den grüenen CE. seit CELa. == send UKraus. 12 Ja 
Z7 (io E) = Joch C. 17 mir ein eweclicher (ewelicher) U = 



177 

an fröide ein angeslicher ÜE (jedoch miner fröide). 18 dennoch 
CEü= da nach. 19 al = alle. 57 5 dö CU = dar A. 10 Bi 
dem brunnen AUKraus = Uf dem anger C. 11 gesach ich 
einen AUKraus = getroumde mir ein C. 12. 13 ich was von 
der snnnen gegangen ziio dem brunnen (do kom ich von der 
sunnen gegangen zuo dem brunnen A, ich was von sunnen 
untwichen zv dem brünen U) Kraus = ich was zuo dem 
brunnen gegangen von der sunnen C. 15 Mir CU = den A. 
17 sorge C (sorgen U) = swsere A. 23 und U = und wie A, 
und doch C. 25 niht ze AUKraus = niender C. 36 suontac 
ALa. = suonestac UKraus (endes tac C). -12 merket CU = 
hoeret A. 58 1 Ich BCDEs = Frouwe ich Fa. [der] {fehlt 
BCs) = der DEFa. 5 [iemer] = iemer BCDEFas. 9 enkan 
E = niene kan BC (niht in «, net in s, n-cht F). 15 Tuot ir 
BCE = nü tuot Fs (tuont a). alrerst BCEF = von erst a 
(irst s). 17 Wir BCFs (Sie S) = Wir man wir a. 19 Kunnet ir 
BC (kunnen zi s, kau si E) = kumt iu (kumen. und die F, 
sit ir a). 24 man'n (man in EF, man hem s) = m?n BCa. 25 uns 
BCEFs — uns wiben a. 26 der BCEFs = wan der (nieman 
wan der a). beide £'Fs = fehlt BCa. 27 saget, = saget. . 
30 und sin gemüete ze mäzen tragen Pf. = und tragen geuiüete 
ze mäze (und sin gemuete setzen E, der dine in zu massen 
hie und do und trage dein gemüte F, und da bi kan tragin beidu 
a, unde gedenchen ym zu maesen s, das er gedenket ze ma.sse 
BC). und = unde. 59 1 Wer = 'Wer. 6 zuo = zuo'. 9 Daz 
E = dazs (dasz C). 60 1 wollen CE = haut. 4 zomecliche 
(zorniclichen E) = zornliche C. 5 wol gedagen CE = vol 
gealten. 10 nu Wa. = nü wol CE. 12 vil vor wirs CE = 
vor denn. 17 gewin CE = den gewin. 20 ich Wa. — als ich C 
(so ich E) 24 ich in CE = ich. 30 ein CE = eine. 

61 11 Deich Wa. = daz ich. ertoeret = ertoret. 63 \if. 
Die reihenfolge der Strophen nach e; La. stellt str. Iff. nach 
IS ff. 63 16 swä C = so e. 26 sere. Wa. = sgre,. 27 guot, 
Wa. = guot:. 64 31 swenne ich ir beider niht enhän C = 
swenne ich niht ir beider hän (sit ich des nu niht en hau E). 

65 4 daz si si (si si C) = ir si mat. *6 solten C = solt. 

13 solhem (selkem C) = fehlt, [keinen] := keinen 6'. 15 werbe 
= werbe ab (C hat aber hinter swer in z. 14). ander C = äne. 

66 4 die La. = dich C. 67 1 diu BC = ein A. 4 gras, 
= gras. . 6 hinget. = hinget,. 8 deheinez BC (dekeinez A) 
= keinez. 13 diuhten = dühten (en duhten A, endiuhten 
Patdi—3, BC abweichend). 18 ordenunge, = ordenunge!. 
20 zergät ! = zergat. . 22 cirken A = cirkel C (kilchen B). 
34 pfaffen BC = die pfaffen A. 39 leiten BC = diu leiten A. 
58 deheinez (deheinoz A, deheines BC) = keines. 60 der 
ietwederz dem andern BC (ietwederz dem andern Ulrich 
V. Lichtenstein 587 31) = daz dicke ein ander A. 68 6 da 
daz C = daz (abweichend B). 7 lachent C = linhtent B. 

14 daz er B der. 15 mine kranechen trite Haupt (raine 

Waith. y. d.Vog-elweide. 5. Aufl. 12 



178 

kraneches trite La.) = miner krenechen trit B. 47 man den 
loste durch sine muten C = er wart erlost von siner gebenden B. 
60 doch B = ouch. 69 72 orden CD == leben B. 86 künde, 
kunte r = gunde. 91 So we C = Owg D. 92 alzan = alz 
an (alsan C, allez an D). 126 sie ungebachen und C = die 
ungebätten gar D. 134 nu C = in L>. 154 menege D = 
maneger C 165 lebendiu C = lebenden D. 192 so volge B 
= volge CD. 194 ouch CD = et (es B). 195 also D, reht 
alse B = als ez C. 197 uns ist C (von La. und Kraus nicht 
angegeben) ist uns D (?). 201 guote C = muote D. 214 an 
CD = [an]. 70» 7 Diu Milte lönet same BC = der mute 
lön ist so A (aber muten). 23 wird von La. in klammer ge- 
setzt 26 ander La. = au der AC. 70'' 1 liet CO = lieht A. 
10 ouch im die sinen iemer C = im ere A. 24 daz gelichet 
sich A — dazz sich gelichet (ir sit gelich C). also = als C. 
(alse A). 

71 11 und betest = hetst anders (und hettist anders a). 
12 du betest an ir lobe also gestriten a, nur lob alse = da 
betest also gestriten an ir lop. 13 iemer me (iemer a) = fehlt. 
83 des C = wes. kemenäten. = kemenäten?. 63 gehirme C 
= hirme. 72 10 pfert C = pferit. 73 29 den gotes BC 
= gotes. 30 herren hiezen BC == hiezen herre. 32. 33 der 
81 BC — si. 41 riche BC = künege A. 44 hinne BC = hie A. 
48 keisers BC = küneges A. 65 .süenen A = süeneut 0. 
69 des AC = dez. 74 3 varn, = varn :. 4 aleiue. = aleine,. 

12 sträzen, = sträzen. . 13 ich C = ist A. 14 gewarte A, 
warte C = gewartet. 27 wan La. = waz AC. 30 für brechen 
AC = fürbrechen. 38 diufe = düf AC. 75 3 niwan (nibt 
wan C, nieman wan B) = wan. 4 hat C (fehlt B) = wil. 
14 im nach B = ime. 27 an allen B = äne. 40 ich waen 
AC = wseu. 41 ir sit AC =■ sit. 42 seitet Wa. = beitet 
(seret C, seren A). 50 der stet AC = derst. 52 gemachet: 
= gemacbet! 53 bei La. ohne klammer. 54 Alman = Almän. 
62 swendet = pfendet (pfende, m swendet corrigiert C). 
80 herre BC = uü A. 100 äne alle .46' = äne. 103 herre 
der Wa. = her AC- (abweichend B). 106 martersere AC = 
und marterer B. 129 fürste AC = Liupolt B. 145 niht C 
= iht. 151 Herzoge A = Liupolt C. 152 nibt A = und 
niht C. 155 mir A = mich C. 157 nn A = sus C. 158 sit 
A = daz C. dir A = dich C. 159 mir A = mich C. 174 ist 
A = ist er C. 179 möre Wa. = töre AC. 180 we wie AC 
= wie. 76 3 lonne Wa. = lone AR (lonenne C). 7 boesten 
= boe.stem C (hoste jK, beste A). 10 lonnes = lönes ACB. 

13 so C = als. 17 daz C = wol daz. enwahset v. d. Hagen 
= wahset C. 28 volfüeget C = wol füeget A. 30 spreche 
= sprseche. 33 eigem A = eigenem C. 38 Sus rite ich fruo 
und kume niht heim B. (vgl. die parodie Ulrichs v. Sing.) = 
kume ich späte und rite fruo AC, Gast komet spate vnde 
rytet vro OB. 41 diu = die (7. 46 mine = min (ming C), 



179 

57 halte C = behalte 0. prüeven hin. prüeven her = 
prüeven hin. prüeven dar La. prüeven her C'. 71 hohgelobter 
BBt = wol gelobter AC. prise, = prise!. 72 und ich doch 
B{t), went ich (doch hinter von dir) B = sit ich AC. wise! 
= wise,. 7ö gein — gein Bt = ze — ze AC. 76 ir keinem 
wart ich nie so holt so ich bin B (ir wart mir keiner me so 
liep als ich bin t) = so holt enwart ich ir dekeinem nie so 
(so fehlt A) AC. 77 got B = frön Krist .4C (abtceicliend t). 
79 ich muoz dem iemer holder Bt (Ich mvz e ienen han lieber 
vil 0) = mir muoz der iemer lieber AC. 80 wan ich hän 
noch B (wann ich gewyn gar kum t) = ich wil noch haben 
AC. 81 namen AO = leben C. 82 sinen herren unde im 
rate A = unde sinen herren lere CO. 83 müez ime sin bein, 
swenn erz ze deheime A = müezen im diu bein, als ers 
zem C (er sich zuo dem), Verlamen mtzen syne beyn, swen 
er sich tzvm 0. 85 ime sin A = sin CO. erlame A = müeze 
erlamen CO. 86 schäme A = schämen CO. 87 schemelicher 
A = tugendelöser CO. 89 so valsch geheize — geheize A 
= ir valsche gelübde — gelübde CO. 96. 97 stehen nicht 
in 0, 97 nur in C. 102 daz min Bt = min CO. 
10-1 Worten oder mit werken, mit gewizzenem gersete B {nur 
alder mit gewissenen rsete), worten und mit werken ixnd mit 
gerete t = gebferde, mit gewisser rede, mit raete CO {doch 
gerete). 105 grüset BOto = griuiet C. 108 Ivlter B = süeze 
CO (schone o, recht t, dann als ein liehter). liebiu B = lüter 
CO (schone t, guote o). 117 wiut = windet Bt. 120 sin Bt 
= Wesen, alsam v. d. Hag. = als B {abweichend t). 77 3 dar 
umbe C = dar. 5 entstän C = enkan verstau. 78 3 ich sin 
C == ichs. 59 hilfet C = gehilfet. 72 muoste v. d. Rag. = 
müeste. 80 dem Wa. = den (de C). 99 selben = selber C. 
110 wolveile C = veile. Str. 12i ff. utid 129 /f. sind bei La. 
gesondert. 79 15 sint C = sin. 27 rederichen La. = rede- 
riche C. iegesliches Wa. = iegesliche C. 28 einen La. = 
eime C. 49 der megede BC = megde. 51 beide sin als BC 
(alse B) = sin also. 5S *** = an diner räche gegen in, 
herre vater, niht erwint C {fehlt in B). 54 ''** = wan si 
meinent dich mit ganzen triuwen kleine C {felüt in B). Die 
reihenfolge der Zeilen ist in C: 51. 55. 53. 54. 52. 56. Dieselbe 
tcird verteidigt unter vornähme einiger änderungen von 
Koethe, ZfdA 41. 300. 59 nieman BC = ieman. 81 breit, 
= breit:. 83 vlürn. dir sint beide BC (verlürn) = niht 
verlüm! dirst. 80 1 von BC = [von]. 2 und = unde. 
4 wie BC = we wie. 13 er diu C = erz. 16 zwein BC 
= [zwein]. 

81 8 worden C = [worden], als Bartsch = als ob C. 
10 bereitet C =^ vereitet. 13 bekande C = kande. 18 tuont! 
Wa. = tuont,. 19 vil unriuwecliche Pf. = nü vil riuwecliche 
C. stuont, Wa. = stuont!. 23 jsemerlichiu jär C = jaemer- 
liche schar. 27 trüren C = trtre. 28 inneclichen v. d. Hag. 

12* 



180 

= inneclichen s§re C. 30 vögele (vogel C) = vogel die. 
31 ist C = ist d& bi. 33 verlorn. = verlorn {ohne punkt, 
mit komma Kraus). 47 selbe ü = saelden. 82 46 heil A 
= teil C. 54 d& >1 = daz C. 60 des heilegeistes Wa. = den 
heilegestez (den beilegestes C, den heiligeist A). 83 25 koemen 
Barisch = komen. 61 schulde BCE = schult. 66 besliezen 
Pf. =. entsliezen CEO. 67 kurzlich (kürtzelich J5) = kurz- 
wilen C. 70 unde Bf. = dort und CE. 84 1 krump, = 
krump:. 2 mac. = mac ohne punkt. 3 du = (du. 4 kleine. = 
kleine),. 12 baz C = fehlt. 13 noch sunder Bartsch (gar 
s. Bf.) = nach Sünden ü. obedach C = äne dach. 29 dem 
tören a = den toren C. 31 ir iuch, reinen C = iuwer, guoten 
a. 37 gezeme C = iu zeme a. 85 3 gelac La. = lac C. 

86 4 werden -dC = wesen. 11 riuwe (ruwe AC) = ruowe. 

87 22 spehen. = spehen ohne punkt. 23 tougen = tougen: . 
30 in Haupt = in,. 31 toren, Haupt = tören. . 88 12 Des 
Wa. = der ü. 90 6 und = unde. 13 deist = daz ist CE. 
20 und = unde. 25 des vor niht Wa. = vor daz (fehlt CE). 

91 1 ir sult ACW = du solt 3 groziu gülte Bf. (grozer 
gelt A, groze ge. . W) = grceste gülte C. 14 duz C = du 
daz ie. 32 iu (uch C) = dir. 92 21 Diu wernde Wa. (du 
werde BC) = der werden A. 22 irz C (ir das B) = inz (in 
daz A). 32 und zürne ich daz CE (. . zur . . ich W) = ist 
mir daz zorn A. 48 diun CW = diu AB. 49 schoene BCW 
= schoenez A. 50 ouwe AW = und owe BC. ich ez = 
ichz. 93 4 swiech (swie ich CE) = swiez. 12 län = l&n,. 
(wan — verstän) Wa. =, wan — verstau,. 13 gebaere CE = 
bsere. 24 winstern Wa. = vinstern CE. 31 diniu (dine GE) 
= din. 33 dinge ein kint CE = sinne ein rint. 35 mache 
GE = mach e. unreine Wa. = gebeine (fehlt CE). 36 sele 
versinke C = versenke sich (sei sich versenke E). 94 6 höre 
Wa. = here,. 7. 8 (sin — ere — mere) Wa. =, sin — ere, — 
mßre. 13 brceder Singei\ bloedes kl = boeses C. 39 ist kl 
= was C. 58. 9 ist Krist, der war got ist C (warer) = ist 
der wäre Krist (ist Krist kl), nach 62 hat La. des bistü 
frowe geret C (fehlt M). 70 got kl = got selbe C. himel- 
touwe kl = touwe G. 72 entslöz Bf. (entslozen kl) = beslöz 
C. 73 des Bf = daz Ck. 129 ein M = eine C. 134 nn ist 
uns ir beider kl (unser b.) = daz ist unser meiste G. 148 Swä 
Bf. (swaz M) = D& (das G). 153 sünde kl = schulde G. 
162 nleman vor ze kl = nieman vor äne G. 

95 ist zuerst kritisch hergestellt von Wackernagel (s. 182 
anm.). Die abweichungen von dessen texte sind folgende: 4 doch 
E = och (fehlt F). 12 so enruoche F = ]o enruoche E. 

17 so enwurde E = so wurd F. niemer EF — nimmere. 

18 eukumest E = enksemest (kernest F). 21 klage (clagen 
F) = clag ich E. 23 ie warn mit rede E (waren gut mit 
reden ie J") = mit rede ie wären. 24 got F = fehlt E. 
2d oh E = Sit (seint F). 35 daz E = oh F. 36 alle F = 



181 

rnine (alle mine iJ). 96 6 mir an ir (an ir A) = mir. 97 8 und 
E = [lind]. 98 26 mich da bi i; = bi. 99 7 werden E 
= werben. 100 11 tröstes = liebes (fehlt E). 12 einen E 
= ein. 101 2 sus getan gevelle E = so getan ungevelle 
(solich ungeveUe F). 102 3 tage, = tage. . 4 So 4 = nü 
BC. strit. = strit:. 8 solch A = groz BC. 13 werde BC 
= wird (wirt A). 103 11 groze swaere hän = grozer swaere 
niht enhän AC (abweidiend E). 22 frönde AC^E = diu fröide 
MF. CK 24 bete AC = wan bete MF. E. so taete ich AC 
= ich taete MF. E. 105 2 an wize, an rcete = äne wiz rot 
AC. 8 ze J. = zer C. 106 7 ein schoene frouwen siht C = 
siht schoene frowen. 9 lachet C = lache. 10 schiezen C = 
schieze. 20 swenne C = so. 22 er 5 = er e. 29 und = 
unde. 32 da OLa. = feJüt B. übermäze = unmäze BLa. 
39 mezze B = mezze und trage (trüge 0). 49 man B = man 
80 (also vil 0). 56 ich A = wir C. 57 erbornen A = er- 
bome C. 58 von A = nach C. 59 mit volge des die liute 
il = die liute des mit volge C. 60 ncete ersehen A (not) 
= noeten sehen C. 62 beid üzen unde och innen. Wa. = 
beidiu üzen, unde och innen (oh)ie punki). 70 nu mir = 
mich A. schaden A = schaden schäme. 107 1 iuwer sinne 
C = iwem sin. 2 gein vinden traget C = tragt gein vinden. 
4 sin lip sin C = lip und sin. 5 luch in wirde C = in wirde 
iuch. 24 mit grözen fröuden wart C = wart mit grözen 
fröiden. 26 oren C = ore. 49 sin C = dez. 108 1 Vil 
tumbiu B = Tnmbiu C. dich = , sich C (sprich B). 3 umbe 
hört B ^= unbekort C. 4 vröut dich B = schadet dir C. 
wemdez leit B = langer haz C. 5 rehten sin B = guoten 
muot C. 6 du minne B = minne C. 7 rehter fuoge, und B 
= reinem guote C. 8 boesen rseten B = boesen C. gar B 
= iemer gerne C. 9 swaz dir J5 = swaz C. 10 duz dann B 
= du daz C. 109 7 niwan (niht dan C) = wan. 110 5 an 
sin q = anz. 8 ein ander (enander q) = ander. 



182 

Vergleichuug der reihenfolge der töne bei Lachmann 
mit der in unserer ausgäbe. 

XIII 1 = 96 53 25 = 27 97 3-t = 44 

XIII 11 = 97 54 37 = 45 99 6 = 23 

XV 1 = 98 56 14 = 52 100 3 = 11 

XVI 1 = 99 57 23 = 37 100 24 = 91 

XVII 1 = 100 58 21 = 51 101 23 = 84 

XVII 31 = 101 59 37 = 89 102 29 = 88 

3 1 = 94 60 34 = 53 103 13 = 72 

8 4 = 67 61 33 = 46 104 23 = 77 

10 1 = 79 62 6 = 49 104 33 = 86 

11 6 = 73 63 8 == 50 105 13 = 74 
13 5 = 80 63 32 = 38 106 17 == fehlt 

13 33 = 8 64 31 = 66 107 17 = „ 

14 38 = 83 65 83 = 32 108 6 = „ 
16 36 = 70 66 21 = 92 109 1 = 17 
18 29 = 68 69 1 = 30 110 13 = 18 
20 16 = 69 70 1 = 33 110 27 = 41 
26 3 = 76. 106 70 22 = 34 111 12 = 105 
31 13 = 75 71 19 = 103 111 22 = 65 

36 11 = 107 71 35 -= 5 112 3 = 40 

37 24 = 108 72 31 = 35 112 17 = 22 

37 34 = 109 73 23 = 48 112 35 = 2 

38 10 = 110 74 20 = 30 113 31 = 4 

39 1 = 54 75 25 = 55 114 23 = 56 

39 11 = 14 76 22 = 82 115 6 = 10 

40 19 = 31 78 24 = 78 115 30 = 29 

41 13 = 64 82 11 = 71 116 33 = 90 

42 15 = 42 84 14 = 79 117 7 = 90 

43 9 = 58 85 25 -= 85 117 29 = 43 

44 11 = 47 85 34 = 28 118 12 = 59 

44 35 = 62 87 1 = 87 118 24 = 19 

45 37 = 15 88 9 = 36 119 17 = 39 

46 32 = 16 90 15 = 61 120 16 = 3 

47 16 = 102 91 17 = 1 120 25 = 9 
47 36 = 63 92 9 = 20 121 33 = 60 

49 25 = 12 93 20 = 21 122 24 = 93 

50 19 = 24 94 11 = 57 124 1 = 81 

51 13 = 25 95 17 = 6 166 21 = 104 

52 23 = 26 96 29 = 7 183 1 = 95 



Verzeichnis der liederanf änge. •) 

Diu Minne lät sich nennen da 84 27 

diu werlt was gelf, rot unde blä 55 

friuntlichen lac 36 

ich bin einer der nie halben tac 64 33 

ich sach hie vor eteswenne den tac 85 

got gebe ir iemer guoten tac 39 1 

nu wachet! uns get zuo der tac 69 61 

roter munt, wie du dich swachest 25 25 

ahi wie kristenliche nu der bähest lachet 75 51 

mir ist liep daz si mich klage 53 25 

maneger fraget waz ich klage 8 

ich lebte ie nach der liute sage 103 17 

swer verholne sorge trage 42 17 

ouwe miner wunneclicher tage 26 9 

swes leben ich lobe, des tot den wil ich iemer klagen 79 33 

mir ist min erre rede enmittenzwei geslagen 46 25 

fro Werlt, ir sult dem wirte sagen 91 

ez ist in unsern kurzen tagen 78 129 

swelch herre nieman niht versaget 78 49 

lange swigen des hat ich gedäht 35 

uns hat der winter geschat über al 54 

wer zieret nu der eren sal 69 136 

ez wsere uns allen 44 

wer gap dir, Minne, den gewalt 45 41 

min erste rede dies ie vernam 3 17 

wip muoz iemer sin der wibe hoehste name 63 37 

in nomine dumme ich wil beginnen : sprechet amen 75 121 

Unmäze, nim dich beidiu an 78 89 

sich wolte ein ses gesibent hän 78 81 

der ich vil gedienet hän 52 41 

wie fro Saelde kleiden kan 42 9 

wie hän ich unsaellc man 101 



') Ich habe nicht bloss die liederanfänge meiner ausgäbe 
aufgenommen, sondern auch alle diejenigen Strophen berück- 
sichtigt, die in einer von den anderen ausgaben als anfange 
eines selbständigen liedes gefasst sind. 



184 

wie kumet daz ich so manegem man 9 10 

ir reinen wip, ir werden man 92 1 

ich freudehelfeloser man 45 1 

von Röme keiser here, ir hat also getan 79 1 

der anegenge nie gewan 78 17 

in einem zwivellichen wän 32 

mich hat ein wunneclicher wän 5 

man höhgemäc, an friunden kranc 78 57 

nn sing ich als ich ß sanc 43 

ich drabe da her vil rehte drier slahte sanc 79 25 

die losen scheltent guoten wiben minen sanc 51 10 

min alter klösensere, von dem ich so sanc 79 73 

wol mich der stunde, daz ich sie erkande 18 

ouwe waz eren sich eilendet von tiuschen landen 80 

ir fürsten, die des küueges gerne waeren äne 76 61 

diu kristenheit gelepte nie so gar nach wäne 75 21 

ich hän des Kerndseres gäbe dicke enpfangen 75 91 

herzöge üz österriche, ez ist iu wol ergangen 76 21 

mir hat ein liet von Franken 70'' 1 

die wile ich weiz dri hove so lohelicher manne 75 111 

nemt, frouwe, disen kränz 13 

ez troumte, des ist manic jär 69 106 

wer gesach ie hezzer jär 59 

ouwe war sint verswunden alliu miniu jär 81 

ich wil nu teilen, e ich var 53 1 

frouwe, vernemt durch got mir ditze msere 2 

mirst diu ere unmsere 88 

bin ich dir unmaere 24 

ich hän dem Missensere 74 15 

fenuoge herren sint gelich den gougelaeren 109 
er künec min herre lech mir gelt ze drizec marken 76 51 
von Röme voget, von Fülle künec, lät iuch erbarmen 76 31 
min sele müeze wol gevarn 92 37 

J"ch was durch wunder üz gevarn 84 14 
16 Friderich üz Österriche also gewarp 68 13 
hie vor, dö man so rehte minneclichen warp 63 1 
ein meister las 93 
do der sumer komen was 57 
swä der hohe nider gät 71 27 
bi den liuten nieman hat 90 1 
swer sich ze friunde gewinnen lät 78 65 
böte, sage dem keiser sines armen mannes rät 79 57 
swie wol der beide ir manicvaltiu varwe stät 38 1 
er ist ein wol gefriunder man, also diu weit nu stät 110 
got, diner Trinitäte 94 

got weiz wol, daz min lop waer iemer hovestsete 76 102 
wir suln den kochen raten 70* 15 
genuoge kunnen deste baz 9 37 
Werlt, du ensolt niht umbe daz 89 15 



185 

ich muoz verdienen swachen haz 71 40 

noch dulte ich tougenlichen haz 47 21 

man seile mir ie von Tegerse 77 

der rife tet den kleinen vogeJen we 56 

ob ieman spreche, der nu lebe 69 1 

waz hat diu werlt ze gebenne 21 

mir ist von ir geschehen 13 33 

ich hoere iu so vil der tugende jehen 58 

ich hoere im maneger eren jehen 103 1 

ich hoere des die wisen jehen 69 76 

ich bän min lehen, al diu werlt, ich hän min lehen 76 41 

sie frägent mich vil dicke, waz ich habe gesehen 79 9 

Werlt, ich hän dinen Ion ersehen 92 25 

der stuol ze Körne ist allererst berihtet rehte 75 1 

müget ir schouwen waz dem meien 25 

den diemant den edelen stein 78 9 

ich saz üf eime steine 67 49 

äne Uep so manic leit 61 

miner frouwen darf niht wesen leit 26 33 

mehtiger got, du bist so lanc und bist so breit 79 81 

ir bischofe und ir edeln pfaffen ir sit verleitet 75 41 

die wisen rätent, swer ze himelriche welle 106 21 

ichn weiz wem ich geliehen muoz die hovebeUen 75 101 

mit saelden müeze ich Mute üf sten 69 211 

sagt an, her Stoc, hat iuch der bähest her gesendet 75 61 

leider ich muoz mich entwenen 90 8 

ich trunke gerne da man bi der mäze schenket 106 31 

der also guotes wibes gert als ich da ger 51 28 

allererst lebe ich mir werde 83 

do Liupolt sparte nf gotes vart, üf künftige ere 75 141 

Philippe, künec here 70' 1 

nu sol der keiser here 74 29 

her Wicman, ist daz ere 70'' 15 

swer sich des staeten friundes durch übermuot beheret 106 51 

»welch herze sich bi disen ziten niht verkeret 75 31 

mir hat her Gerhart Atze ein pfert 72 1 

waz Wunders in der werlte vert 69 196 

nieman kan mit gerten 87 

her bähest, ich mac wol genesen 73 25 

80 we dir, Werlt, wie übel du stest 69 91 

ich wolt hern Otten mute nach der lenge mezzen 76 11 

ouwe wir müezegen liute, wie sin wir versezzen 80 15 

ja Uge ich mit gedanken der alrebesten bl 96 

ich wände daz sie wsere missewende fri 51 37 

swer gibt daz minne sünde si 3 25 

swer an des edeln lantgräven rate si 79 41 

der in den ören siech von ungesühte si 68 49 

zwo fuoge hän ich doch, swie ungefüege ich si 63 13 

swie Uep si mir von herzen si 32 17 



186 

diu kröne ist elter danne der künec Philippes si 68 1 

daz milter man gar wärhaft si 86 

ich gesprach nie wol von gnoten wiben 11 

vil tumbiu Werlt, ziuch dinen zonm, wart umbe dich 108 

Philippes künec, die nähe spehenden zihent dich 68 37 

dßswär, Reimär, du riuwes mich 71 14 

swelch man wirt äne muot ze rieh 78 113 

rit ze hove, Dietrich 71 66 

fro Saelde teilet umbe sich 45 33 

ein frouwe wil ze schedeliche 62 11 

genäde, frouwe! also bescheidenliche 34 

ouwß ez kumt ein wint, daz wizzet sicherliche 80 8 

in gesach nie tage slichen 33 7 

ich hän hern Otten triuwe, er welle mich noch riehen 76 1 

ir vil rainneclichen ougenblicke 22 

her keiser, swenne ir Tiuschen fride 73 61 

du solt eine rede vermiden 33 13 

do gotes sun hien erde gie 73 37 

min frouwe ist underwilent hie 47 1 

er schale, in swelhem uaraen er si, der dankes triege 76 81 

uns irret einer hande diet 72 33 

au dem fritage wurde wir vor der helle gefriet 107 21 

nu wil ich mich des scharpfen sanges ouch genieten 75 131 

ich horte diu wazzer diezen 67 1 

frouwe enlät iuch niht verdriezen 28 

frouwe, enlät iuch des so niht verdriezen 2 9 

'sit wiÜekomen, her wirf, dem gruoze muoz ich swfgen 75 71 

maneger trüret, dem doch liep geschiht 64 17 

ein man verbiutet äne pfliht 65 

min ouge michel wunder siht 60 11 

sie frägent unde frägeut aber alze vil 38 17 

künc Constantin der gap so vil 69 46 

ich hän ir gedienet vil 90 22 

got git ze künege swen er wil 73 13 

mir tuot einer slahte wille 4 

herzeliebez frouwelin 12 

herzeliebez frouwelin 97 

solt ich den pf äffen raten an den triuwen min 79 65 

mac ieman deste wiser sin 47 31 

ich bin des muten lantgräven Ingesinde 75 81 

under der linden 14 

ja waz wirt der kleinen vogeline 98 

die verzagten aller guoten dinge 50 

wer kan nu ze danke singen 41 

waz sol lieblich sprechen ? waz sol singen 40 8 

ouwe, hovelichez singen 66 

so die bluomen üz dem grase dringent 15 

er hat niht wol getrunken, der sich übertrinket 106 41 

vil süeze wsere minne 82 



187 

saget mir ieman, waz ist minne 30 

aller werdekeit ein füegaeriiine 16 

rieh, herre, dich und dine muoter, der megede kint 79 49 

stimer unde winter beide sint 23 

3wä guoter bände würzen sint 72 17 

wolveile unwirdet mangen lip 78 105 

min frouwe ist ein ungenaedic wip 26 

diu minne ist weder man noch wip 78 121 

selpvar ein wip 105 

mich nimt iemer wunder waz ein wip 29 

si wunderwol gemachet wip 27 

wie sol man gewarten dir 89 

der hof ze Wiene sprach ze mir 69 31 

wir klagen alle und wizzen doch niht waz uns wirret 75 11 

swer mir ist slipfic als ein is 78 73 

vil hohgelobter got, wie selten ich dich prise 76 71 

wer sieht den lewen ? wer sieht den risen 78 97 

junc man, in swelher ahte du bist 69 181 

ich bin iu eines dinges holt, haz unde nit 51 19 

ich lepte wol und äne nit 47 11 

ich minne, sinne lange zit 102 

ich hän die zit 99 

ein niuwer sumer, ein niuwe zit 20 

waz ich doch gegen der schoenen zit 6 

Minne diu hat einen site 37 

Herzoge üz Österriche, lä mich bi den liuten 75 151 

ich bin als unschedeliche frö 64 

ich waere dicke gerne frö 39 19 

ich bin nu so rehte fro 19 

von Kölne werder bischof, sit von schulden fro 79 17 

hie vor, dös alle wären frö 60 21 

ich wil nu mere üf ir genäde wesen frö 46 1 

wil aber iemen wesen frö 42 

ich hän ir so wol gesprochen 31 

die veter habent ir kint erzogen 69 121 

ist daz mich dienest helfen sol 103 25 

sit deich ir eigenlichen sol 3 33 

ob ich mich selben rüemen sol 49 

ouwe daz mir so maneger missebieten sol 46 33 

der Missenaere solde 74 1 

ich bin dem Bogenaere holt 78 1 

ir sult sprechen willekomen 52 

her keiser, sit ir willekomen 73 1 

die grisen wolteu michs überkomen 60 

nu bitet, lät mich wider komen 53 13 

die mir in dem winter fröude hänt benomen 48 

dri sorge habe ich mir geuomen 71 53 

waz eren hat frö Böne 70" 29 

an wibe lobe stet wol daz man sie heize schcene 75 171 



iB8 

mir ist verspart der saelden tor 69 16 

herre got, gesegene mich vor sorgen 10 

ez gienc eins tages als unser herre wart geborn 68 25 

ich häte ein schoene bilde erkorn 92 49 

müeste ich noch geleben daz ich die rosen 40 

swer äne vorhte, nerre got 69 151 

stsete ist ein angest und ein not 7 

die zwivelsere sprechent, ez si allez tot 51 1 

her keiser, ich bin frönebote 73 49 

ich sach mit minen ougen 67 25 

die herren jehent, man sülz den frouwen 62 1 

durhsüezet und geblüemet sint die reinen frouwen 106 1 

min frouwe ist zwir beslozzen 21 11 

järlanc sint die tage trüebe 100 

ir fürsten, tugendet iuwer sinne mit reiner gtiete 107 1 

vil süeziu frouwe hohgelopt mit reiner güete 106 11 

ein wip mit wibes güete 104 

daz ich dich so selten grüeze 33 

Marjä klär, vil hohgeloptiu frouwe süeze 107 11 

ouwe daz wisheit unde jugent 71 1 

selbwahsen kint, du bist ze krump 84 1 

ich hän gesehen in der werlte ein michel wunder 76 91 

ouwe der wise die wir mit den grillen sungen 80 22 

Sit got ein rehter rihtaere heizet an den buochen 76 112 

ich hän gemerket von der Seine unz an die Muore 75 161 

dir hat enboten, frouwe guot 3 1 

weder ist ez übel, oder ist ez guot 9 

swer houbetsünde unt schände tuot 69 166 

ganzer fröuden wart mir nie so wol ze muote 17 

junger man, wis hohes muotes 1 

ich sanc hie vor den frouwen umbe ir blozen gruoz 63 49. 



Wörterbuch, i) 



ä interj., zur Verstärkung des 
nachdrucks angehängt an 
imperative (bekerä, sniä) 
oder imperativische Parti- 
keln (neinä). 

ab prüp. von. 

abe adv. ab. 

aber abermals; aber. 

abgründe stn. abgrund. 

ahi interj. hah. 

ahte stf. läge, stand. 

aebtaere stm. geächteter. 

al adj. all, ganz; auch adv.; 
aldä, alhie kaum verschieden 
von da, hie. 

aleine mit gen. verlassen von. 

allererst, alrerst zuerst, erst 
recht; von alrerste zuerst. 

allez eigentl. acc. sg. n. immer- 
fort. 

Alman bezeichnung des Deut- 
schen im munde des Ita- 
lieners. 

almuosensere almosenempfän- 
ger. 

alsam ebenso; rel. ebenso wie; 
als ob. 

also, abgeschwächt alse, als 
adv. so, ebenso, unter der 
bedingung; rel. wie, wenn. 

alsolch gerade solch. 

alsus so. 

alten swv. alt werden. 

alter stm. altar. 

alters eine ganz allein. 



alumbe ringsherum. 

alzan = aUez an immerfort. 

ande sv^m. kränkung. 

anden strafen. 

ander adj. der zweite; in einem 
vergleiche pleonastisch: als 
min ander hant ivie meine 
hand. 

anders adverbialer gen. im 
übrigen, sonst. 

äne, an ohne, ausser; mit vor- 
angestelltem gen. ledig, er- 
mangelnd. 

anegenge stn. anfang. 

anegengen siw. einen aneganc, 
d. h. eine heil oder unheil be- 
deutetide begegnung machen. 

ange adv. zu enge sorgfältig. 

augestlich schrecklich. 

arc arg, karg. 

arebeit stf. mühe, leid; das 
durch mühe errungene. 

arke f. kästen. 

armen swv. arm sein. 

armman unglücklicher mann. 

ars stm. der hintere. 

art stf. beschaffenJieit. 

arzenie stf. heilkwnde. 

bäbest papst. 

balde adv. eilig. 

balsamite balsampflanze. 

balsme swm. baisam. 

balt kühn, dreist. 

ban stm., pl. benne bann. 



') Man suche v immer unter f. 



190 



baniere stf. hanner. 

bannen stv. prät. bien in den 
bann tun. 

bar mit gen. entblösst von. 

barmensere erharmer. 

barmunge stf. erbarmen. 

barn stn. kind. 

baz adv.besser, ivohler,pleonas- 
tisch nach com.: groezer baz. 

bede = beide. 

bedenken mit acc. sorgen für. 

be vollen adv. völlig. 

begän, begen stv., prät. beg'ie 
unterne'imen, ausüben; sich 
begen leben. 

begonde, begunde prät. von 
beginnen. 

begrifen greifen. 

behalten bewahren, aufbe- 
wahren, zurückhaltend im 
geben sein ; den strit b. den 
sieg behaupten; sich b. sich 
halten, aufführen. 

behereu siov. rcfl. mit gen. sich 
jemandem gegenüber über- 
heben. 

heberten erzwingen. 

behüeten behüten, vei'hüten, 
sich hüten vor. 

beide — nnde sowohl — cdsauch. 

beidenthalp, bedenthalben auf 
beiden Seiten. 

beiten swv. mit gen. warten. 

bejagen erwei-ben. 

bekennen kennen. 

bekeren wenden, einrichten. 

bekerkeln einlcerkern (?). 

bekliben stv. fest wachsen, 
ivurzel fassen. 

belangen unpers. verlangen. 

beliben, bliben stv. bleiben, 
zurückbleiben. 

benahten die nacht hinbringen. 

beraten stv. versorgen. 

bereiten zurecht machen. 

berihten in Ordnung bringen, 
unterweisen. 

bem stv. tragen, bringen, 
schaffen. 



bern swv. schlagen. 

bescheiden stv. auseinander- 
setzen; zuweisen, bestimmen. 

bescheiden, part dazu, sich 
zu benehmen wissend. 

bescheidenlich adj. gebührlich. 

bescheidenliche adv. auf fest- 
gesetzte weise; also b. unter 
solcher bedingung. 

bescb einen stw. offenbar ma- 
chen. 

bescheiten stv. schelten; part. 
bescholten mit makel be- 
haftet. 

heschoenen verschönern, wohl 
aufnahmen (?). 

beseme swm. besen. 

besitzen belagern, bildl. 82 51. 

besliezen einschliessen , zu- 
schliessen. 

besorgen mit acc. sorge tragen 
ettcas abzuwenden. 

bestän, besten angreifen, er- 
greifen; zukommen, zuge- 
hören (mit acc). 

beste adv. ; so — beste so gut 
als. 

bestellen besetzen. 

besonder adv. besonders, ein- 
zeln. 

besuochen nachsuchen. 

beswseren schwer maclien, be- 
kümmern. 

betagen zu tage kommen ; den 
tag hinbringen. 

bete stf. bitte. 

betiuten deutlich beschreiben. 

betoeren zum toren machen, 
äffen. 

betragen unpers. m. acc. der 
person u. gen. der sache, zu 
lange dauern, lästig werden. 

betriegen stv. betrügen; part. 
betrogen verblendet. 

bettestat lagerstätte. 

bewseren beweisen. 

bewarn schützen; verhüten. 

bewarten mit einer wache be- 
setzen. 



191 



bewegen stv., sich eines dinges 
auf eticas verzichten. 

bezzer 35 20 nützlicher. 

bezzerunge wendung zum 
bessern. 

bi präp. bei, an ; bi drizec pfän- 
den gegen dreissig pfund; 
adv. in der nähe. 

biderbe nützlich, tüchtig, vor- 

bien prät. von bannen, [nehm. 

bieten: an b. ^ erbieten, er- 
weisen. 

bilde stn. bild, gebilde, vorbild. 

binden, ze beine gering an- 
schlagen; wol gebunden mit 
gutem gebende. 

bispel stn. lehrhafte rede. 

biten stv. bitten, mit gen. um 
etwas; mit dat. für einen. 

biten stv. warten. 

blä blau. 

blat, niht ein b. nicht das ge- 
ringste. 

blecken sichtbar werden. 

blichen stv. blass, farblos 

blint blirul, dunkel, [iverden. 

blöz substantiviert in decke 
b. decice das blosse (?). 

blüemen (mit blumen) schmü- 
cken. 

bluot stf., gen. blüete blute. 

Bogenaere Bogner, graf von 
KatzenelUnbogen. 

bore stm. borg: äne b. so dass 
nicht (iceiter) geborgt zcird. 

borgen auf borg nehmen oder 
geben; üz b. etitleihen; vgl. 
Zamcke, PBB VII, 602. 

bosch busch. 

bcese geizig 7"» 87. 

bösen swv. schlecht sein. 

boteschaft tätigkeit als böte. 

bouwen = büwen wohnen. 

brä stf. braue. 

brechen durchbrechen, sich 
durch etwas nicht einengen 
lassen; für b. bei seite schie- 
ben, als nicht vorhanden 
betrachten. 



breiten ausbreiten. 

brief aufzeichnung (schuld- 
buch). 

brinnen stv., prät. bran bren- 
nen (intr.). 

broede hinfällig. 

brogen sich übermütig be- 
'nehmen. 

brunne swm. quelle. 

büezen wider gut machen, ab- 
hülfe wovon verschaffen (mit 
gen.). 

buggerämen in buggeräm (ein 
aus Ziegenhaaren gewebter 
Stoff) kleiden (?). 

buoz, des ist b. dafür ist ab- 
hülfe geschaffen. 

butze swm. schreckbild. 

cirke swm. reif, fürstenkrone. 

da (da) da ; rel. wo, da . . an 
daran, woran; da . . inne 
darin, worin etc. Es dient 
auch zur einleitung einer 
antwort, z. b. 36 46. 

dagen swv. schweigen. 

dahte prät. von decken. 

dan, danne, denne als nach 
comparativen. 

dan, dannen von dannen, rel. 
von wo. 

danc da7ik, preis ; dankes frei- 
willig ; äne danc Widerwillen. 

dandern = die andern. 

danne, denne dann; = dan. 

dannoch, dennoch ferner noch, 
noch. 

dar dahin, wohin, dazu; also 
dar immer zu. 

dar = da in dar abe, dar 
an etc. 

dast = daz ist. 

dazt = daz du. 

dehein, dekein irgend ein (ul- 
lus), kein. 

deich = daz ich. 

deis, deist = daz ist. 

deiz = daz ez. 



192 



dekein = dehein. 

denne = danne. 

der, diu, daz pron. dem. und 

rel., art.; gen. des deswegen; 

diu (instrumentalis) geliche 

derartig. 
der m dermite, dernider = 

dar, da. 
derde = die erde. 
d§st = daz ist. 
deste desto. 

deswär = daz ist war fürwahr. 
deweder irgend eitler (mit 

negation kei^ier) von zweien. 
dicke oft. 

dienen dienen, verdienen. 
dienest stm. oder stn. dienst; 

min d. sagen eine empfeh- 

lung von mir bestellen; sin 

d. enbieten eine empfehlung 

sagen lassen. 
dienstmann ministeriale. 
diep, min d. der mich hestohlen 

hat. 
diet stf. volk, leute; die lieiden. 
diezeu stv. rauschen. 
dinc Sache, angelegenheit. 
dingen verhandeln. 
dirre, disiu, diz oder ditze 

dieser. 
disputieren 76, 58 abschätzen 

(?); vgl. Schönbach, ZfdA 

39, 347. 
diufe stf. diebstaM. 
dö (do) da, damals, als. 
doln dulden. 
dön ton ; doenen tönen. 
dörperheit bäurisches beneh- 
men. 
dörperlich bäurisch. 
dougen = diu ougen. 
draben traben. 

drsete adj., dräte adv. schnell. 
drie stf. die drei, dreiheit. 
drien drei faltig, zur drei ma- 

cJien. 
dringen stv. dringen, drängen. 
driunge Verdreifachung. 
dro stf. drohung. 



drü stf. schlinge, klemme. 
drüzzel stm. schnauze. 
dulteclich mit leiden verknüpft. 
dumme entstellt aus lat. domini. 
durch, dur wegen, um — urillen. 
durchsüezen mit lieblichkeit 

durchdringen. 
Dürinc, Dürenc stm. Thüringer. 
dürfen nötig haben, brauchen. 
dürfte stf. bedürftigkeit. 
dürkel durchlöcliert. 
duz stm. schall. 

§ stf. Satzung; insbesondere 
kirchliche Satzung im gegen- 
Satz zu der weltlichen (reht) ; 
religion. 

g adv. frülier, elier, lieber; be- 
vor, ehe; dafür auch e danne, 
e daz; als präp. in 6 daz 
vordem. 

ebensere gleichmacJier. 

ebene adv. gleichmässig , an- 
gemessen. 

ebenkristen mitchrist. 

eht, et adv. nur, eben, nun 
einmal. 

eichiu adj. von eichenholz. 

eiden in eid nehmen. 

eigen adj. eigen, leibeigen; stn. 
eigentum, spec. grwndbesitz; 
für e. zu eigen. 

eigenlichen adv. vrie ein leib- 
eigener. 

ein ein, allein ; sin eines leben 
das leben von ihm allein; 
eine sw.nom. oder adv. allein, 
auch mit gen., z. b. liebes 
eine ohne den geliebten; üf 
ein zusammen; als artikel 
auch in vergleichungen und 
anreden, wo im nhd. kein 
artikel steht. 

einest einmal. 

einlif elf. 

einloetic aus einer gleichmäs- 
sigen masse gebildet (?). 

eischen stv. fordern. 

eilen stn. kraft. 



193 



elleude in fremdem lande 
weilend. 

eilenden, sich in die fremde 
gehen. 

elliu nom. sg. f. und nom. acc. 
pl. n. von al. 

en 1. = ne ; 2. = in ; 3. = den. 

enbern stv. mit gen. entbehren, 
frei bleiben wovon. 

enbieten stv. mssen lassen. 

enbizen friihstücJcen; enbizzen 
sin gefrühstückt haben. 

ende enle; eines dingesz'ende 
kommen mit etwas zum ab- 
schluss kommen; dest ein 
ende das steht fest; ein e. 
geben eineyi endgültigen aus- 
Spruch tun; Jon weiz ich 
niht ein ende ich weiss es 
nicht bestimmt. 

endeliche adv. entschieden. 

endelist letzte Mugheit. 

enderät endgültiger entschluss. 

enfremeden fern halten. 

engelten stv. mit gen. nachteil 
wovon haben; wes hänt sie 
engolten trodurch haben sie 
es verschtddet? 

enhein kein. 

enmitten mitten; enmittenzwei 
in der mitte entzwei. 

enpfähen stv. empfangen. 

enpfallen entfallen. 

enpflegen mit gen. sich be- 
nehmen gegen. 

en(t)springen entspringen, blü' 
ten treiben. 

enthalten fassen. 

entrennen zertrennen. 

entriuwen fünvahr. 

entsliezen aufsclüiessen. 

entsten wahrnehmen, ver- 
stehen; sich e. Verständnis, 
urteil haben. 

entswellen die aufschwdlung 
verlieren, besänftigt werden. 

entwenen entwöhnen. 

entwern, einen eines dinges 
versagen. 



entwich stm. das entweichen. 

entwonen sich enttcöhnen. 

enweder keiner von zweien. 

enwiht = ein wiht ein unbe- 
deutendes ding, so viel als 
nichts, e. machen zu nichte 
machen. 

er pron. er, derjenige; dat. 
auch reflexiv; pleonastisch 
das prädicat vorweg neh- 
mend : ich binz der sun etc. 

erbarmen mit acc. leid tun, 
jammern. 

erbeiten mit gen. warten auf. 

erben sich vererben. 

erbermde stf. barmherzigkeit. 

erbermic barmherzig. 

erblenden blenden. 

erborn angeboren. 

erdenken durch nachdenken 
finden. 

erdringen durch drängen ge- 
winnen. 

ere stf. ehre, häufig im plur.: 
e. hän geehrt icerden, mit 
gen. ivodurch. tuo din e. tu 
was dir zur ehre gereicht. 

ervarn durchfahren. 

erfiuhten anfeuchten, erfri- 
schen. 

erfüllen anfüllen. 

erfürhten, part. erforht fürch- 
ten. 

ergän geschehen, ergehen, ab- 
laufen. 

ergeben hingeben. 

erglesten erglänzen. 

ergraben eingraben. 

erheben stv. anheben. 

erhellen stv. erschallen. 

erholn, sich etwas versäumtes 
einbnngen. 

erkennen kennen, kennen ler- 
nen; mute erkant als frei- 
gebig bekannt. 

erkiesen stv., pari, erkorn er- 
wählen. 

erkosen, sich sich satt plaudern. 

erlaben erfrischen. 



Walth. T. d. Vogelweide. 5. Autl. 



13 



194 



erlAzen, einen eines (Unges 
einem eticus erlassen. 

erlesen herauslesen. 

eiiiden erleiden, sich gefallen 
lassen. 

ermen arm machen. 

erre adj. comp. früJiere. 

erschamen, sich in schäm ge- 
raten. 

erscheinen swv. zeigen. 

erschelleu siv. erschallen. 

erschrecken stv. auffahren, 
zurückbeben (mit gen ). 

erste adv. zuerst. 

erteilen zuteilen. 

ertoeren ztim toren machen, für 
einen toren halten, betäuben. 

erweit part. auserwählt. 

erwenden zur umkehr bringen, 
abwenden. 

erwerben ausrichten mit seiner 
bemühung 45 16. 

erwinden umkehren, aufhören, 
nachlassen. 

erzüuden entzünden. 

est = ez ist. 

eteslich mancher. 

eteswaz etwas. 

eteswenne manchmal. 

val adj. fahl, blond. 

val fa,ll, ze valle geben «Vis 
verderben stürzen. 

valsch stm. falschlieit, falsche 
münze, makel. 

valwen fahl werden. 

vären mit gen. trachten nach. 

vaeren auflauern, überlisten. 

varn fahren, überhaupt sich 
bewegen, kommen; sich be- 
nehmen, befinden; varn läzen 
preisgehen, keinen wert wo- 
rauf legen; part. vamde 
rasch vergänglich, im stände 
sich zu bewegen, tvoMauf; 
V. guot bewegliche habe; 
varndez volc spielleute. 

varwe färbe, äusseres an- 
seilen. 



vaste adr. sehr, dicht. 

vastenkiuwe fastenfrass. 

vech bunt. 

vehen, ven hassen, feindselig 
behandeln. 

vehten sich abmülien. 

veige zum verderben bestimmt. 

vellen zu falle bringen. 

velschen, sich sich falsch er- 
weisen. 

veltgebü behautes feld. 

verbern stv. ferti bleiben von, 
vermeiden, unterlassen. 

verbieten, ein spil den gegner 
im spiel überbieten. 

verderben swv. zu gründe 
richten. 

verdienen dienen um etwas, 
was man erlangen will oder 
schon erlangt hat, durch 
dienst erwerben. 

verdriezen , mich verdriuzet 
eines dinges mir toird etwas 
zu viel, dauert zu lange. 

verdringen verdrängen, drätv- 
gen zu (?). 

vereinen, sich mit gen. seinen 
sinn ivorauf richten. 

vereischen erfahren. 

verenden 1. ein ende finden; 
2. zu ende bringen. 

vervähen, vervän mit acc. 
helfen, nützen. 

vervarn vergehen. 

vervellen zu falle bringen. 

vergän mit acc. bei einem vor- 
beigehen. 

vergeben gestatten 34 4; ver- 
giften, mit dat. 

vergebene adv. umsonst. 

vergelten bezahlen. 

vergezzen 7nit gen. vei-gessen; 
sich V. sich versehen; part. 
vergezzen gedankenlos. 

verguot = für guot. 

verheret durch Vornehmheit 
unnahbar gemacht. 

verhouwen niederhauen; ver- 
wunden. 



195 



verirren in dw irre führen, 
m Verwirrung bringen. 

verjehen mit gen. aussagen, 
zugestehen. 

verkeren ins gegenteil ver- 
wandeln ; verdrehen. 

verkiesen stv. verschmähen. 

verklüsen einsperren wie in 
eine Mause. 

verlegen zu lange gelegen 
habend, durch trägheit in 
seinem äusseren vernach- 
lässigt. 

verleiten in die irre führen. 

Verliesen, fliesen stv. verlieren, 
vergeblich anwenden. 

verUsten überlisten. 

vermiden unterlassen, fern 
bleiben von. 

vermissen entbehren ; durch 
ein V. weil es ihm fehlt (an 
mittein zum geben). 

vemaejen einnäfien, einschnü- 
ren. 

verpflegen aufhören zu treiben. 

verpflihten, sich ze sich an 
etwas hängen. 

verre adv. fern, in die ferne, 
aus der ferne; viel, sehr. 

verren entfernen, entfremden. 

verschallen übertönen. 

verschampt die schamhaftig- 
keit verloren habend. 

verschelken knechten. 

verschraget verschränkt, in 
einer schiefen unrichtige^i 
Stellung befindlich (?). 

verschroten part. falsch ge- 
schnitten. 

verschulden verdienten, ver- 
gelten. 

versiunen, sich zu verstand 
kommen, verständig sein; 
überlegen; sich auf etwas 
verstehen; part. versunnen 
verständig. 

versitzen, versezzen sin sich 
auf einen falschen platz 
gesetzt haben. 



versmäheu verächtlich erscliei- 
nen. 

versnideu zerschneiden ; ver- 
louiiden (Midi.). 

versprechen mit acc. gegen 
etwas sprechen. 

verstän, ze guote v. zum guten 
auslegen: sich v. verständig 
sein ; mit gen. gewahr weeden. 

versümen vernachlässigen, un- 
nütz hinbringen; sich v. 
nachlässig sein; seine zeit 
unnütz hinbringen. 

versuochen erproben. 

verswachen geringer, schlechter 
maclien. 

verswern durch meineid preis- 
geben. 

vert im vorigen jähre. 

vertragen sich gefallen lassen, 
gelten lassen. 

verwsenen, sich erwarten (mit 
gen.). 

verwarren = verworren part. 
zu verwerren in Unordnung 
bringen. 

verwäzen part. verflucht, un- 
glückselig. 

verwizen stv. vorwerfen. 

verzaget mit gen. verzweifelt 
an; zurückhaltend, knause- 
rig mit. 

verzihen, sich mit gen. ver- 
zichten auf. 

verzinsen als zins hingeben. 

vielt prät. von valten. 

vient, vint feiitd. 

vieren behauen, glätten (= lat. 
quadrare). 

vil subst. mit gen.'^niel; adv. 
sehr. 

Villen geissein. 

vingerlin stn. fingerring. 

vingerzeigen mit dem finger 
zeigen. 

fiuhte stf. feuchtigkeit. 

fle = flehe stf. das flelwn. 

fliesen = Verliesen. 

fliz Sorgfalt. 

13* 



196 



flizen, si(;h sich befleissigen. 

flüetic flutig, überströmend. 

voget richter, schirmlierr. 

volenden zu e)ide bringen. 

volfüegen zur Vollendung 
bringen. 

volge beistimmung. 

volgen, mite v. folgen, gesell- 
schaft leisten. 

volle swm. fülle; ze vollen voll- 
ständiq. 

vollecliche adv. reichlich. 

volmezzen reichlich gemessen. 

volrecken vollstä)tdig ausein- 
andersetzen. 

von von, in folge von, vor, 
durch. 

vor, hie v. früher. 

vorhte stf., auch im plur. 
furcht. 

fremede fern, fremd, zurück- 
haltoid (34 28), seltsam. 

freudehelfelös adj. dem nie- 
mand zur freude verhilft. 

frevellichen ndv. vermessen. 

fri läzen fern bleiben von. 

fride stm. Waffenruhe, rechts- 
sicherheit. 

fridebsere friedfertig. 

friedel geliebter. 

inen frei macJien. 

fristen verschieben, schützen. 

friunden zum geliebten maclien. 

friundin, -inne geliebte. 

friunt freund, geliebter, geliebte. 

friuntlichen adv. nach art eines 
geliebten. 

frö sin mit pen. einverstanden 
sein, bilhgen. 

frö = freu proklittsche form 
zu frouwe. 

frömde = fremde. 

frone, fron indeclinahles adj. 
heilig. 

fronebsere heilig, herrlich. 

fronebote gerichtsbote. 

frouwe, frou, frö lierrin (ad- 
lige) datne; here f. anrufung 
der Maria. 



frouwelin diminut. dazu, als 
anrede an ein mädchen 
niederen Standes, der der 
titel frouwe von rechtstvegen 
nicht zukommt. 

frum(e) swm. vorteil. 

frümekeit trefflichkeit. 

frunien nützen. 

füegaerinne bewirkerin. 

fliegen zu wege bringen, zu 
teil werden lassen. 

fuoge schickliches benehmen, 
geschicklichkeit. 

fuore lebensweise. 

fuoz, niemer f. nie einen fuss 
breit. 

für adv. u. präp. vor, für, an- 
statt, über — hinaus, mehr 
als, gegen ; für sich vorwärts. 

fürder adv. bei seile, weg. 

fürgedanc stm. vorausgehende 
Überlegung. 

furrieren füttern. 

gäch, mir ist g. ich habe es 
eilig. 

gäben, in allen g. in aller eile. 

gäben swv. eilen. 

gampelspil possenspiel. 

gan ich gönne; zu gunnen. 

gän, gen gehen; abe g. ge- 
brechen; an g. angreifen; 
üf g. überhand nehmen; zuo 
g. sich nähern. 

ganz unverletzt, vollständig. 

ganzlich das selbe. 

gar adv. ganz. 

ge- Partikel, bildet teils mit 
einem nom. oder verb. eine 
feste composition von eigen- 
tmnlicJier bedeutung , teils 
hat es vor dem verb. eine 
Pestimmte syntaktische func- 
tion, ohtie sonst die loort- 
bedeutung zu verändern. Im ^ 
letzteren falle suche man 
unter dem einfachen worte. 
So gibt es dem prät. in tem- 
poralsätzen die bedeutung 



197 



des aorists und steht da, too 
im lat. das plusquamp. ge- 
setzt wird. Ferner steht es 
neben ie und den damit zu- 
sammengesetzten Wörtern, 
bei dem infin. nach hiUfs- 
zeitwörtern, in verallgemei- 
nernden relativsätzen. 

gebären sich benehmen, um- 
gelien, dafür gebseren 93 
17 (?). 

gebe stf. gäbe. 

geben swv. mit dat. beschenken. 

gebende stn. kopfschmucJc. 

gebieten, gebiut mir verab- 
schiede mich. 

gebüre. sum. bauer. 

gedanc stm. gedanke. 

gedenken nach mit seinen ge- 
danken etioas zu erfassen 
suchen. 

gedien = gedihen sio. in einen 
zustand geraten. 

gedinge swm. u. stn. hoffnung. 

gedingen hoffen. 

gedultic verträglich. 

gevallen zufallen. 

gevar adj. eine gewisse färbe 
habend. 

gevelle stn. das fallen der 
Würfel, ausfall. 

gef riunt mit freunden versehen. 

gefüege, adv. gefuoge schick- 
lich, wolerzogen. 

gegen, gein präp. mit dat. 
gegen, entgegen, gegenüber. 

gehaben, sich sich benehmen. 

gehaz adj. feindlich. 

geheize stn. verspreclien. 

geheizen versprechen. 

gehirmen ruJien. 

gehiure lieblich. 

gehovet höfisch. 

geil fröhlich. 

gein = gegen. 

geläz stm. oder stn. gestalt, 
aussehen. 

geleben erleben. 

gelf glänzend. 



gelich gleich; adv. geliche 
gleichmässig , eyitsprechend. 

geliehen vergleichen, gleich 
stellen; gleich kommen. 

geligen darnieder liegen; obe 
g. die Oberhand behalten. 

gelt stm. oder stn. Vergeltung; 
einkommen. 

gelten kosten; bezahlen, ver- 
gelten. 

gelust wolgefallen. 

gemach riüie, bequemlichkeit. 

gemeine gemeinsam , überein- 
stimmend ; ez g. hän gemein- 
same Sache machen. 

gemeit fröhlich, stattlich. 

gemelich spasshaft. 

gemüete stn. gesinnung, Stim- 
mung. 

gemuot gesinnt, gestimmt. 

g(e)näde gnade, huld; insbe- 
sondere gunst der geliebten 
dame; eines g. hän einem 
seine gunst getcähren; öfters 
ist g. bittender ausruf, so- 
viel als „gewähret mir 
gnade". 

genäden gnädig sein. 

genseileclich gnädig. 

genaeme genehm, angenehm. 

genesen am leben bleiben, ein- 
halten werden, sein Seelen- 
heil finden. 

genieten, sich mit gen. sich 
stark mit etwas abgeben. 

geniezen mit gen. vorteil wo- 
von haben; genozzen vorteil 
gewonnen habend. 

genöz, gnöz stm. jemand der 
einem gleich ist (mit gen.). 

genozen gleichstellen, da zuo 
dem. 

genuoc subst. indecl. genug; 
adj. viel; adv. gennoc und 
genuoge. 

ger stf. verlangen. 

gersete sin. rat. 

gerihte stn. gericht, rechts- 
ordnung, regiening. 



198 



gerinc stm. bemühen. 
gern mit gen. heyehren, ver- 
langen; die gernden die 

gaben heischenden spielleute. 
gerne gern, bereitwillig; comp. 

geruer. 
geselle genösse, freund. 
gesiht stf. anblicJc ; zir gesihte 

von ihren äugen. 
gesinde sin. gesamtheit der 

untergebenen. 
gestalt part. von stellen. 
gestän stehen bleiben, bleiben. 
gesunde = gesunt 
geswigen stv. vei'strimmcn. 
getät beschaff enJieit. 
getriuwen, getrüwen trauen, 

zutrauen, sich getrauen. 
getwerc stn. zwerg. 
gewalt, stm. gewalt, gewalt- 

tätigkeit. 
gewaltecliche(n) adv. gewaltig, 

getcaltsam. 
gewaltic sin mit gen. in seiner 

gewalt haben. 
gewerp stm. Werbung, bemüh- 

ung. 
gewinnen erlangen, bekommen. 
gewizzen verständig. 
gewon adj. gewohnt. 
geworht part. von wtirken. 
gihe, gibt zit, jehen. 
gitekeit habsucht. 
gitsen habsüchtig sein. 
glesin gläsern. 
gouch kukuk; narr. 
gougelaere gaukler. 
gougelbühse zauberbüchse. 
gougelfuore lehensweise, die 

etvig wechselt xoie die künste 

eines gauklers. 
gra grau. 
grät stm. gräte. 
grimme schrecMich. 
grinen stv. knurren. 
gröz dick, gross. 
güete trefflichkeit, auch implur. 
gnggaldei kuckuck (?). 
gtilte stf. schuld. 



guneren beschimpfen. 
gunnen mit gen. gönnen. 
guot adj. gut, nützlich; für 
g. hau womit vorlieb nehmen. 
guot stn. etwas gutes, besitz. 

habe stf. Hafen. 

habedanc stm. dank, lob. 

haben, hän haben, halten, be- 
handeln; intr. halten (vom 
reiter). 

hal prät. von hellen uml von 
heln. 

halbe adv. zur hälfte. 

halsen stv. umarmen; pari. 
gehaiseu zärtlich. 

halten behalten. 

handelunge bewirtung. 

hanhte prät. von Jienken. 

hant, einer bände einerlei; 
guoter bände von guter art. 

hautgetät stf. geschöpf. 

bar, nibt ein här nicht das ge- 
ringste. 

harpfen harfe spielen. 

harte adv. zu herte sehr. 

heben, sich sich aufmaclien, 
anfangen. 

hei interj. hah. 

beiden stm. lieide. 

beilegeist heiliger geist. 

heiles wort beglückwünschung. 

heim Jieimwesen; heim, hein 
nach hause; beirae zu hause. 

beimescb einheimisch. 

helfe hülfe. 

helfen mit acc. oder dat., mit 
gen. wozu verlielfen. 

bellemor höllenmohr, teufel. 

bellen stv. schallen; eilen (?) 
82 53. 

heln stv. verhehlen. 

henken hängen lassen. 

her lier; bisher; da her bis- 
Jier. 

hör und h§re erhaben, lieilig, 
vornehm, übermütig. 

herebernde herrlich, lieilig. 

h§ren swv. hör machen. 



199 



hergeselle kampfgenosse. 
herliche adv. in herrlicher 

tceise. 
harsch sich vornehm beneh- 
mend. 
herte hart. 

herzeichen feldzeicJien. 
herzeleide stf., herzeleit stn. 

herzeleid. 
herzeliebe stf. herzensfreude, 

Iterzliche neigung. 
herzeUep stn. Iierzensfreude, 

geliebte. 
hien erde = hie en e. hier 

auf erden. 
himelfrouwe herrin des him- 

mels. 
himelhort himmelsschatz. 
hin von hier; hin umbe auf 

die andere Seite; hin ze järe 

MÄers jähr. 
hlnaht hente nacht. 
hinder sich zurück. 
hinne = hie inne hierin. 
hiure in diesem jähre. 
hoch, hö adj. hoch, lierrlich, 

gehoben, fröhlich. 
hovebsere in höfischer siite be- 
wandert. 
hovebeUe swm. hofbeller, höf- 

ling. 
hovelich , adv. hoveliche(n) 

ho f gemäss. 
hövescheit höfisches benehmen. 
höveschen den hof machen. 
hovestsete dem hofe treu. 
hovewert des hofes teert. 
höhe, hö adv. zu hoch ; sit ez 

in also höhe ste da es ihnen 

so teuer zu stehen kommen 

kann. 
hohgemäc adj. von vornehmer 

verivandt Schaft. 
höhgemüete gehobene, fröh- 

liclie Stimmung. 
höhgemuot adj. in fröhlicher 

Stimmung. 
hoene schmählich. 
honegen voll honig sein. 



hoenen in schände bringen. 

homnnc februar, bildl. fräst- 
beulen. 

hört schätz. 

houbetsünde todsiinde. 

hübesch = hövesch. 

hulde huld, geneigtlieit; mit 
hulden mit erlaubnis. 

huobe hufe, stück land. 

huote hut, aufsieht, auflaue- 
rung, vorsieht. 

ie je; immer. 

iedoch jedoch, dennoch. 

ieglich, iegeslich jeglich. 

ieman, iemen jemand ; in ab- 
sichtssätzen auch=niemand. 

iemer j> {nie nach ich wände); 
immer; iemer mere immer- 
fort. 

iender irgendwo. 

iesä sogleich. 

iesch prät. von eischen. 

ietweder jeder von zweien. 

ieze, iezuo jetzt. 

iht irgoid etwas; adverbial: 
irgend, etwa; in absichts- 
sätzen = niht. 

i'm = ich im. 

in 1. in, ein; 2. ihn, ihnen; 
3. = ich ne. 

ine = ich ne. 

Ingesinde stn. gesamtheit der 
hofleute; ich bin i. ich ge- 
höre zum i. 

inme = in dem(e). 

inuän innen. 

inne innen, in inne bringen 
m. gen. belehren über. 

innecfich, adv. innecliche(n) 
lierzlich. 

insigel Siegel, Stempel. 

irre mit gen. unsiclier in be- 
zug auf. 

irren 7nit gen. stören worin. 

ja ja, fürwahr. 

jämerliche adv. mit jammer. 

jarlanc in dieser zeit des Jahres. 

jehen siv., 1. sg. ind. gihe 



200 



behaupten, zugestelwn {mit 
dat. der person utid gen. der 
Sache); sich j. für sich be- 
ken7ien als. 

j6 fürwahr, ähnlich joch. 

junc, ze jungest zuletzt. 

juncherre junger lierr. 

jungen jung werden. 

kalc kalk, iüncJie. 

kamertere Schatzmeister. 

kapfen schauen. 

kappe mantel. 

karkelvar kärkerfarben (?). 

kein irgend ein, kein. 

kemenäte heizbares zimmer, 
vertrauliches gemach, im 
gegensatze zu dem allge- 
meinen empfangsaal. 

kempfe kämjyfei-. 

kiel scjdff' von bestimmter art. 

kiesen stv. wahrnehmen, wäh- 
len. 

kint, von kinde von kind auf. 

kit, daz k. das heisst. 

kiusche adj. enthaltsam, rein. 

kiusche stf. enthaltsamkeit, 
reinheit. 

klagen mit acc. beklagen. 

kleine subst. und adv. wenig. 

klosensere klausyier. 

klüs Mause. 

knoUe swtn. anschwellung ; ich 
gewinne knollen ich werde 
grob. 

krä stf. krälie. 

kraft kraft, fülle. 

krage swm. hals. 

kranc schwach, gering. 

kraneche stvm. kranich; kra- 
nechen trit stolzer tritt. 

krenken scMväcJien, a-nied- 
rigen. 

Krieche swm. GrriecJie; ze 
Kriechen in Gi'iechenlatul. 

kripfe swf. krippe. 

kristen krist. 

kumber bedrängnis, leid. 

künde stf. bekanntschaft. 



kündeclicheu adv. offen, vor 
aller äugen. 

kündekeit list. 

kunder stn. seltsames geschöpf. 

kündic bekannt. 

kunft ankunft, herannahen. 

künftic kommend. 

kunneu wissen, verstellen, kön- 
nen; k. ze sich auf etwas 
verstellen; einem k. mit 
einem fertig werden können. 

kunterfeit stn. das nachge- 
machte, unechte. 

kür stf. waM ; säzen ander k. 
setzten sich zu einer andern 
loahl (?). 

kür conj. prät. von kiesen. 

kurzewile kurzweil, Unterhal- 
tung. 

kurzlich adv. kurz. 

küssen stn. kissen, im Wort- 
spiel mit küssen küssen. 

lacheliche adv. dem lachen 
entsprechend. 

läge stf. hinterhalt. 

län = läzen. 

lanc: eines tages lanc die 
länge eines tages. 

lantrehtsere jemand, der sich 
mit dem landrecht abgibt, 
danach richtet. 

Isere leer, mit gen. von. 

lajren leeren; 1. von wegnehmen 
von (69,11?). 

lasier schände. 

lasterliche(u) in schimpflicher 
weise. 

läzen, län lassen, verlassen, 
fahren lassen, vergeben; sich 
1. sich verlassen; einem den 
strit 1. ihm das feld räumen; 
lät mich gän nehmt an (ge- 
setzt), ich ginge. 

le stm. hügel. 

leben stn. leben, stand, Stel- 
lung. 

lecker Schmarotzer, Schmeich- 
ler. 



201 



ledic frei. 

lehen lehen, Verleihung. 

leide adv. schmerzlich; 1. sin 
weh sein; 1. tuon weh tun. 

leiden 1. unangetiehm weixle^i 
oder sein; 2. unangetiehm 
maclien. 

leisten befolgen. 

leit adj. leid, verhasst. 

leit = leget; leite = legete. 

leste superl. letzte. 

letzen m. acc. ein ende maclien. 

liebe stf. freude, liebe; in K 
bedeutet liebe das liebsein 
wie schoene das schönsein. 

liebe adv. angenehm ; mir wir- 
det 1. ich komme in ange- 
nehme Stimmung. 

lieben 1. angenehm werden 
oder sein; 2. angenehm 
maclien. 

liegen lügen; verweigern: nie 
gelouc, ezn sagte nie ver- 
weigerte zu sagen. 

lieht licht, glänzend. 

liep stn. freude, angenehmes; 
geliebte{r). 

ligen liegen, niedersinken; 1. an 
woratif beruhen, womit ver- 
knüpft sein ; obe 1. obsiegen. 

lihen, ^wät lech leihen, zu 
lehen geben; part. geligen 
erborgt, nur üusserlich an- 
genommen. 

lihte ad. wertlos. 

lihte adv. leicht, vielleicht. 

lihtgemuot oberflächlich. 

liljeuvar lilienfarben. 

lip leib, leben, person. 

üst stm. wissen, kunst, list. 

liuten dat. pl. von lüt laut. 

16 = loch stm. hain. 

loc stm. locke. 

lös leichtfertig, frech. 

IfBsen loskaufen. 

lougen stn. läugnung; äne, 
snnder 1. unläugbar. 

lune laune, Unbeständigkeit. 

lützel substantivisch und ad- 



verbial tvenig; öfters litotes 
= nichts, nicht; lützel ie- 
man = niemand. 

mäc stm. verwandter. 

maget Jungfrau. 

malhe swf. sack, tasche. 

man mann, lehnsmann. 

mäne swm. mond. 

manec manch, viel. 

msere adj. Jierrlich, wert. 

msere stn. nachricht, ruf; 
höher m. sin in grossem an- 
sehn stellen. 

margarite perle. 

mat subst. das mattmacJien im 
Schachspiel; einem m. tuon 
einen matt machen. 

mäze stf. mass, verhältniss; 
ze mäze in gehöriger weise. 

me = mer. 

megetlich jungfräulich. 

meinen meinen, im sinne haben, 
seine neigung worauf richten 
(mit acc); mit lobe m. = 
loben; m. an beziehen auf. 

meiste superl. grösste. 

melden verraten. 

menen treiben. 

menneschlichen adv. als 
mensch. 

menscheit menschliches wesen. 

mere, mer, me substantivischei' 
und adverbialer comp. mehr; 
weiter, ferner. 

merksere aufpasser. 

merken aufpassen, beachten. 

mez styi. mass. 

mezzen messen, zumessen, ab- 
wägen. 

michel gross ; michels um vieles. 

miden meiden, fern bleiben 
wovon. 

miete lohn. 

milte adj. freigebig; stf. frei- 
gebigkeit; miltecllche adv. 
freigebig. 

minneclich,« /r.minnecUche(n) 
auf liebe bezüglich, in einer 



202 



der liebe entsprechenden 
weise; lieblich. 

minner, rainre adj. Meiner; 
subst. u. adv. iveniger. 

inissebieten , mit dat. gering- 
schätzig behandeln. 

missegau übel ergehn. 

raissestän übel anstehn. 

missetät vei-gehen, makel. 

missetreten fehl treten. 

missetuon unrecht handeln. 

missevarn vei'kehrt handeln. 

misseweude stf. makel. 

mitewist stf. beiwohnung. 

mittel adj. in der mitte be- 
findlich. 

mittelswanc mittlerer schwung 
{des rosses). 

mitten, ie mitten mittlerweile. 

raüen = müejen quälen, be- 
trüben. 

müezen in die läge kommen 
etwas zu tun, müssen, sollen, 
mögen. 

mügen können, vermögen; 
gerne m. guten grund wozu 
haben; müget ir schouwen 
so viel als „schaut doch"; 
waz mac ich (des) tcas kann 
ich dafür ; daz ich es niene 
mac nichts dafür kann. 

münizisen frügstempel. 

muose prät. von müezen. 

muot Seele, sinn, Stimmung, 
absieht ; mir wirdet ze muote 
eines dinges ich entschliesse 
mich tcozu. 

muoten an begehren von. 

nac stm. nacken. 

nach adv. beinalie; »tacÄ (dar 

nach nachdem) ; jyräp. nach, 

gemäss. 
nähe(n) adv. nahe; n. spehen 

genau zuseJien ; n. ligen am 

herzen liegen. 
naehest jüngst, vor kurzem. 
nähgebür nachbar. 
name name, stand, person. 



ne, en, angelehnt n nicht; in 
abhängigen conjunctivsätzen 
1. es sei denn, dass ; 2. dass 
nicht = lat. quin. 

nebelkrä stf. nebelkrähe. 

neina nicht doch, auch als er- 
munternder zuruf gebraucht, 
ohne dass etwas zu ver- 
neinen ist. 

nemen, sich an n. mit acc. 
sich mit etwas befassen. 

nem am leben erhalten. 

niden stv. hassen, beneiden, 
zürnen wegen. 

nider adj. niedrig. 

niender, niener nirge^ids; in 
keiner hinsieht. 

niene nicht. 

niet ■= niht. 

nigen stv. sich neigen. 

niht nichts, nicht ; niht Steines 
kein stein. 

nit hass, neid, zorn; nit hän 
m. gen. zürnen wegen. 

niuwan, niewan nichts als, nur. 

niuwe adj. neu, neumodisch. 

niuwe stf. neuJieit, frische. 

noch und auch nicht, noch; 
ein weder kann vorhergeJien, 
ist aber häufig zu er- 
gänzen. 

nöue (neunte stunde) himmel- 
fahrtstag. 

not, äne n. läzen unhelieUigt 
lassen. 

nötic in not befindlich. 

nu jetzt, nun, nun aber; 
da nun. 

nuz stm. ertrag. 

ob 1. präp. über; 2. conj. tcenn, 

ob. 
obe 1. adv. oben, über, mit 

dat. über etwas hinaus; 2. 

conj. = ob. 
obedach obere bedeckung, ab- 

sehluss. 
och = ouch. 
oder, ode, od oder. 



203 



ordenunge Ordnung, ahieilung 
(engelchor). 

organieren die hegleitwig spie- 
len (?). 

ors stn. ross. 

ort stn. spitze, ende; unz üf 
(an) daz ort bis zu ende, 
roüständig. 

ouge, under ougen in's gesteht, 
im g. 

ongenblic blick der äugen. 

ougenweide stf. was man mit 
den äugen erblickt. 

onwe, ouwi ach (drückt 
schmerz, Sehnsucht und er- 
staunen aus). 

palast sfmn.hauptgebättde einer 
bürg, welches den saai ent- 
hält. 

pfaffe swm. geistlicher (nicht 
cerächilich). 

pfaflich adj. nach art der 
geistlichen. 

pfahten gesetzlich feststellen. 

pfarre sicf. pfarrei. 

Pfät stm. Po. 

pfäwe sicm. pfau. 

pfeller ein Seidenstoff. 

pfenden berauben. 

pflegsere rormund. 

pflegen s/r. mit gen. sich wo- 
mit abgeben, wofür sorgen, 
etwas treiben, leisten, be- 
sitzen. 

pfliht anteil; äne p. ohne dass 
jemand daran anteil nimmt. 

pflihten sich verbinden; zno 
mit. 

porte pforte. 

predjen predigen. 

prtiefen untersuchen; anstif- 
ten. 

Pülle Äpulien. 

r&t, des wirdet rät dafür wird 
abhülfe geschaffen; min w. 
r. mir tcird geholfen, ich 
werde gerettet. 



redegeselle freund, geliebter, 
der sich an der Unterhaltung 
mit der geliebten genügen 
lässt. 

rederich verständig. 

regen in bewegung setzen. 

reht stn. recht, was einem zu- 
kommt; ze rehte in richtiger 
weise, von recht stcegen; 
durch r. von rechtswegen. 

rehte ston. das selbe; nach 
dem rehten richtig, gerade. 

rehte adv. recht, gerade, wahr- 
haft. 

reine trefflich. 

reise zug, auch kriegszug. 

rennen sprengen (vom reiter). 

reren fallen lassen. 

rich(e) adj. reich, vornehm. 

riche stn. reich, herrschaft, 
reichsoberha upt. 

riehen reich machen. 

rihtaere richter, leiter. 

rihten gerade machen, richten; 
einem r. ihm recht ver- 
schaffen. 

rimphen stv. sich zusammen- 
ziehen. 

rinc panzerring; kreis von 
mensclien, insbesondere ge- 
richtsversammlmig. 

ringe leicht, klein. 

ringen stv. kämpfen, sich ab- 
mühen. 

ringen swv. leicht machen. 

ris stn. stab, zepter. 

risen stv. fallen; einem üf r. 
auf einen fallen. 

riuschen, rüschen tauschen. 

r inten ausroden. 

riuwe schmerz, reue. 

riuwen stv. schmerzen, leid 
tun. 

Riuze Russe. 

roeseloht rosig. 

rüegen mit acc. vor gerichi 
worüber klagen. 

rüemsere pralüer. 

rüemic prahlerisch. 



204 



rüereu berühren, treffen. 

rügge stm. rücken. 

rftnen, einem mite r. mit einem 

vertraulich flüstern. 
ruochen mit gen. sich kümmern, 

geruhen; nu enruoche ich 

kümmere mich nicht darum, 

es ist mir einerlei. 
ruowe rufie. 

s angelehnt = es oder si. 

sselde stf. glück, heil. 

sseldenrich segensreich. 

saelekeit glück. 

sselic beglückt ; sselic si Segens- 
ivunsch, mit dem man sich 
von etwas abwendet, womit 
man nichts zu schaffen 
haben will. 

sam(e) ebenso ; tvie, als ob. 

sanfte adv. sanft, angenehm, 
wohl. 

sant = samt mit. 

säze stf. hinterhalt. 

schaben abkratzen. 

schäch Schach (der zuruf beim 
spiel). 

schaffen ststov. ausführen, ein- 
richten, festsetzen, bestim- 
men, vermachen; mit in 
schaffen mit ihnen gemein- 
same Sache machen; part. 
geschaffen beschaffen, ge- 
staltet. 

schal freudiger lärm einer hof- 
haltung; ze schalle werden 
zum gespött werden. 

schale knecht, gemeiner, bos- 
hafter mensch. 

schalchaft gemein, bösivillig. 

schalkheit gemeines benehmen. 

schallen lärmen, jubeln; ein 
grosses haus machen (75 87). 

schani(e) schäm, schamhaftig- 
keit: wibes seh. etwas, des- 
sentwegen sich ein weib zu 
schämen hat. 

schämen schämen. 

schapel stn. blumenkranz. 



scheiden scJieiden, untei-scJiei- 
den, entscheiden. 

schellen einen schall machen. 

seh em eil eil schändlich. 

Schemen spotten. 

schiere bald. 

schiezen intr. sich rasch be- 
wegen. 

schilhen schielen. 

schimpfen scJierzen. 

schin adj. offenbar; seh. tuon 
zeigen, seh. werden sich 
zeigen. ^ 

schin stm. glänz, äusseres an- 
sehn. 

schinen glänzen, sich zeigen. 

schöne adv. zu schoene. 

schouwen substant..infin. aus- 
sehen. 

schrin stm. oder stn. schrein. 

schroten, prät. schriet schnei- 
den, zuschneiden, bildl. zu- 
teilen. 

schulde, schult schuld; von 
schulden mit gutem gründe, 
mit recht. 

se interj. siehe, da {hast du). 

sedel stm. sitz. 

seit, Seite = saget, sagete. 

selten umstricken (?). 

selbwahsen von selbst ge- 
wachsen. 

selbwesende d^irch sich selbst 
existierend. 

selde stf. wohnsitz. 

selpvar eigene färbe habend, 
ungeschminkt. 

selten, häufig litotes = nie. 

seltssene seltsam. 

sem mir (semir = sam mir) 
got so wahr mir gott helfe. 

senelich betrübt ; senelicher 
kumber liebeskummer. 

senen intr. und refl. schmerz, 
besonders liebesschmerz em- 
pfinden; part: senede, sende; 
sende leit liebesleid, s. suht 
liebeskrankheit. 

seufte adj. sanft, angenehm. 



205 



seuf ten besänftigen, erleichtern . 

ser stn. schmerz. 

seien verletzen. 

ses die sechs auf dem Würfel. 

set, pluralbilduyig zu se. 

setzen einsetzen; für s. sich 
vorstellen, erwarten. 

sibenen zur sieben machen. 

Sicherheit gewähr, bürgscliaft. 

siechen krank sein. 

siechhüs krankenhaus. 

sigen stv., prät. seic sinken. 

sigenunft sieg. 

sin, häufig im lil. geist, ver- 
stand; einen sin (67 12) eine 
verständige Überlegung. 

sinewel kugelrund. 

sinewellen icie eine kugel rollen. 

sinnelos nicht bei sinnen. 

sinnen ze auf etwas denken. 

sippe adj. vertcandt. 

Sippe stf. verwatultschaft. 

Sit später, seitdem; sit daz 
oder blo ss sit rel. na chdem,da . 

Site stm., öfters im plur. sitte, 
he}iehmen. 

sitzen sich setzen; gesezzen 
sin sitzen. 

siuren bitter machen. 

slahte stf. art; einer s. von 
einer gewissen art. 

sieht sclüicht, glatt. 

suchen leise gelien. 

slinden stv. verschlingen. 

slipfic glatt. 

sloufen aiizielien. 

slucken rerscldingen. 

smac geruch, duft. 

smsehe widerwärtig, verächt- 
lich. 

smal schmal, gering. 

smecken duften. 

snüegen stv., pari, gesmogen 
schmiegen. 

snarrenzaere geigenkratzer (?). 

snit schnitt, ernte. 

so so, wie, wenn, dann; somit, 
darum, atuJerseits, dagegen; 
s6-ie — 8Ö-ie je-desto. 



sorgen betrübt sein. 

spaehe kunstvoll. 

spam schonen; ü.f s. auf- 
schieben. 

spehen prüfend betrachten, ge- 
wahr werden. 

spil spiel, ergötzung; daz 
bezzer s. das bessere teil. 

spüde = spilnde pari. 

spil(e)n sich lebJutft bewegen, 
hüpfen, funkeln. 

spiz spiessbraten. 

spor stn. fusstapfen. 

sprechen, mit dat. einem eticas 
nachsagen, einen nennen; 
einem zuo s. zu einem spre- 
chen; einen tac s. festsetzen. 

sprach aussjjruch, icort; läzent 
sin ze spräche niet lassen 
ihn nicht zu worte kommen. 

Stäben den eid abnehmen {man 
wurde dabei mit dem Stabe 
des richters berührt). 

stän, sten stehen, sich befinden, 
sich ausnehmen; s. an ab- 
hängen von ; bi s. neben et- 
was stellen; lä stän lialt 
inne. 

starc gewaltig, gewichtig. 

stat stf. stelle; an miner s. 
soweit es auf mich ankommt. 

stat(e) stf. gelegenheit. 

stsete adj. beständig; siibst. 
beständigkeit; adv. staetec- 
lichen. 

stseten beständig machen, 
sichern. 

Stegen den weg bereiten. 

steUe f. gestell zum aufbe- 
wahren von gegenständen 
(69 11 ?). 

stellen anstellen ; pari, gestalt 
gestaltet, beschaffen. 

sterben swv. töten. 

stille heimlich. 

Stire Steiermark. 

stiure stf. Unterstützung. 

stiuren unterstützen. 

stole stf. priestergewand. 



206 



stoereu in Unordnung bringen, 

zerstören. 
«tolz stattlich. 
sträle stf. pfeil. 
strit streit, eifrige hemühung; 

sunder s. sicherlich; den s. 

behalten das feld behaupten ; 

einem den s. läzen sich für 

überwunden erklären, das 

feld räumen. 
striuzen spreizen. 
strö Strohhalm, Strohlager. 
stunde, ze stunden ahhald; 

uuder stunden ab wui zu; 

zeiner stunde einmal. 
stunt = stunde in adverbialen 

atisdrücken: zaller s. immer; 

an der selben s. alsbald. 
Sturm kämpf. 
süenaere friedensstifter. 
süenen zum frieden bringen. 
süeze adj. süss, lieblich; sub- 

stant. süssigkeit. 
süezen süss macJien. 
suht krankJieit. 
suhl schuldig sein, sollen, 

werden. 
sumelich manch. 
sumerlate stf. einjähriger 

sehössling, rute. 
sumunge säumniss. 
Sünden sündigen. 
sunder adj. besonder; adv. be- 
sonders; präp. ohne. 
sundern siov. sondern. 
sunnevar sonnenfarbig. 
suochen, an einen einen er- 
suchen um. 
suone frieden. 
suontac tag des jüngsten ge- 

richts. 
sus so. 

swä [so] wo immer. 
swacn gering, loertlos. 
swachen 1. verringert icer den; 

2. schivächen , beeinträch- 

iigen, an der ehre schä- 

dtaen. 
swalwe swf. schwalbe. 



swaune, sweuue wenn (tem- 
poral). 

swar ivohin immer. 

swär, swaere schwei; drückend, 
unangenehm. 

swsere stf. kummer. 

Sweben schweben, schtoimmen. 

sweiben schweben. 

swelch, -hes tvas für einer, 
welcfier. 

swenden schwinden machen. 

swenken schwingen. 

swer, swaz [so] wer, was 
auch immer; wenn jemand; 
swaz kumbers wieviel kum- 
mer. 

swer(e)n schwören. 

swie wie auch immer, wie sehr 
auch, wiewol. 

swinde kräftig. 

swingen (sich) schictngen. 

tac, bi kurzen tagen vor kurzer 
zeit. 

tach bedeckung. 

tageliet morgenlied des Wäch- 
ters, im plur., weil liet die 
einzehie stroplie bedeutet. 

tandaradei bedeutungsloser re- 
frain. 

tar 1. sg. zu türren. 

teil, miner fröuden teil was 
mir an freuden zugeteilt ist; 
ein teil etwas. 

tiure adj. kostbar, teert, selten; 
adv. um holien preis; comp. 
tiurre. 

tiuren wertvoll machen, ver- 
Jierrlichen. 

tiu(t)sch deutsch. 

toben rasen, nicht bei ver- 
stände sein. 

Toberlü Dobrilugk, ehemaliges 
Cisterzienserkloster , jetzt 
Stadt im regierungsbezirk 
Frankfurt a. 0. 

teeren zum besten haben. 

toeresch töricht. 

torste prät. von türren. 



207 



touc 1. sg. zu tilgen. 

touf stm. taufe, christliche 
religion. 

toagen adj. und adv. heimlich, 
stn. gsiieimnis. 

tougen liehe adv. im geJieimen. 

Trabe Trave. 

träge adv. zu traege säumig. 

trabten überlegen. 

Träne Trani. 

treit 3. sg. ind. von tragen, 

triuten lieb haben, liebkosen. 

triuwe stf., häufig im pl. treue, 
gegebenes ivort, an den triu- 
wen min, bi minen triuwen 
in treuer gesinnung, auf- 
richtig. 

tröst Zuversicht, hoffnung. 

troesten ermutigen, hoffnung 
machen. 

trüge stf. betrug. 

trügelich, adv. trügelichen be- 
trügerisch. 

tugen taugen, wert sein. 

tagenden w?'<tugentaMSS<a<(<?n. 

tugent tüchtigkeit, treffliche 
eigenschuft oder icirkung, 
feines benehmeti. 

tagen thaft liebenstvürdig , ge- 
fällig. 

tumben sich unbesonnen be- 
nehmen. 

tump unerfahren, unbesonnen, 
töricht. 

taon tun, haiuieln, maclien; wo 
es ein vorlier gehendes verb. 
vertritt, ebenso construiert 
wie dieses (sie sebent mich 
. . also tuon ich sie) ; ander 
t. ducken, verstecken ; getan 
beschaffen, wol g. schön. 

turn turyn. 

türren, ich tar, prät. torste 
wagen. 

tüsentstunt tausendmal. 

twahen stv. waschen, praet. 
twuoc. 

twerch quer, schief; gen. 
twerhes adv. 



twingen zwingen, in seiner 
geivalt haben, bekümmern. 

übergeben aufgeben. 

übergnöz stm. was alles atidere 
in seiner art übertrifft. 

übergrä übermässig grau. 

Überguide stf. was etwas an- 
deres an wert übertrifft. 

Übergülden mit acc. einen 
hölieren loert verleihen. 

Überher übermässig vornehm. 

überhere Übergewalt. 

überhoehen übertreffen. 

überkomen überzeugen. 

übermäze stf. was über das 
gebührende mass hinausgeht. 

übermüete stf. Übermut. 

übersehen nicht beachten. 

überstriten besiegen. 

übertrinken, sich sich im trin- 
ken übernehmen. 

überwundern durch tounder 
überbieten. 

übric zu gross. 

üeben, sich sich bemühen. 

üf adv. und präp. auf, auf 
— hin, gegen, hin nach; üf 
und abe zu und ab ; uf und 
üz ganz und gar; üf ein 
zusammen. 

üffe adv. auf; ü. tragen auf 
dem köpfe tragen. 

umbevähen umarmen. 

umbgrifen umfassen. 

unbehuot ohne aufsieht. 

unbereit unzugänglich, fem. 

unbescheiden nicht bescheid 
wissend. 

unbetwungen nicht von kum- 
mer bedrückt. 

unbewoUen unbefleckt. 

unbeworren unbehelligt. 

unbilde stn. unerhörte erschei- 
nung. 

undanc, habeu. seivencünscht; 
ze undanke tvider willen. 

ünde stf. woge. 

under adv. u. präp. unter, 



208 



zwtscfien; dar ander dabei, 
inzwischen. 

underkomen sieh vor selten 
gegen. 

underleinen stützen. 

underwilen(t) zuweilen. 

underwinden, sich sich an- 
nehmen. 

unebene unangemessen. 

iineren scMndeji , gering- 
schätzig behandeln. 

unerläu nicht fahren gelassen. 

uuverebenet unausgegliclien. 

un verschart unverletzt. 

unverworren ungestört. 

unverzaget unverdrossen. 

unfuoge Unschicklichkeit. 

ungahtet mit gedanken nicht 
erfasst. 

ungebachen ungebacken, iin- 
ausgebildet (?). 

uugebsere stf. gejammer. 

ungedienet ohne gedient zu 
haben. 

ungedult Unverträglichkeit. 

ungefüege adj. unschicklich, 
von unschicklichem beneh- 
men. 

ungefüege stf. Unschicklichkeit. 

ungefuoc stm. ungebühr. 

uugehazzet nicht angefeindet. 

ungelonet, des wirt u. das 
bleibt unbelohnt. 

ungeloube falscher glaube, 
irrlehre. 

ungemälet ungeschminkt. 

ungemeine nicht allen gemein- 
sam. 

ungemüete üble Stimmung. 

ungenäde ungnade, elend. 

ungenseme loiderwärtig. 

ungeslehte wnedle Herkunft. 

ungesühte stn. gicht. 

ungewert keine gewährung er- 
langend. 

ungezogenliche auf unfeine art. 

unheimlich nicht vertraidich. 

unhövescheit unfeines beneh- 
men. 



uukiusche stf. unkeuschheit. 
unkristen stm. nichtchrist. 
unmsere gleichgültig, zuwider. 
unmäze stf. masslosigkeit, Un- 
ziemlichkeit (78 89i^ 
unmäze adj. masslos. 
unnäheu adv. fern. 
unnot, mir ist u. ich habe nicht 

nötig. 
unrehte adv. unrichtig, mit 

unrecht. 
unsselic vom Unglück verfolgt, 

verwünscht. 
unsanfte adv. unangenehm; u. 

tuon weh tun. 
unschamelich adj. dessen man 

sich nicht zu schämen 

braucht. 
unsenfte adj. unangenehm. 
Unsinnen subst. infin. törichtes 

. benehmen. 
unstsete adj. unbeständig ; stf. 

Unbeständigkeit. 
unsümic nicht saumselig. 
unwerdekeit mangel ami ach- 

tung. 
unwert gering geachtet. 
unwirden mit acc. die achtung 

benehmen. 
unwise üble melodie. 
unwitze stf. unterstand. 
unz bis. 
urloup erlaubnis (zu gehen), 

Verabschiedung. 
ursprinc quell. 
üzer adj. äussere. 

wä wo ; wä nemt ir woher; 

wä nu wo sind nun. 
wäfeu interj. wehe. 
waejen, wsen wehen. 
wal, gen. walles das wallen, 

wallende flüssigkeit. 
Walch stm. Wälscher. 
walden, walten mit gen. in 

seiner gewalt haben, sich 

icomit abgeben, es fügen. 
walgen sich wälzen, rollen. 
wallsere pilger. 



209 



wamme stf. hauch. 

wan 1. ausser, nur, als (nach 
negatioiien) , sondern; wan 
daz nur dass, icenn nicht; 
wan der dorn wäre nicht, 
der dorn; niht wan nichts 
als nur ; 2. = wände ; 3. 
warum nicht, dass doch. 

wan meinunff, hoffnung; aue 
w. , sunder w. sicherlich; 
nach wäne aufs Ungewisse. 

wauc, plur. wenke das wanken, 
abkehr von etwas. 

wände, wand, wan deym, weil. 

Wandel itm. oJer n. makel, 
fehler, Schadenersatz. 

wandelbsere mit felüern Ge- 
haftet. 

wandelieren variieren, man- 
nigfaltig machen. 

wandeln Schadenersatz leisten. 

wpenen meinen, glauben, hoffen. 

war nemen, w. tuon mit gen. 
achten auf. 

war ade. tcolitn; wo in w. nach, 
w. zuo. 

war stn. wahrJieit; w. haben 
recht haben. 

wärhaft sein wort haltend. 

wärheit Wahrhaftigkeit, ge- 
gebenes wort ; von w. wahr- 
haftig. 

warnen, sich sich versorgen. 

warten schauen; warten {mit 
gen.); auch mit dat. = auf- 
lauern; wart nmbe dich 
schau dich um, nimm dich 
in acht. 

wasten verwüsten. 

wät stf. gewand. 

we wehe, ach (für jede art 
von gemütsbewegung). 

^vec, ander wegen län bleiben 
lassen; ze weg'e auf dem 
wege, fort. 

weder welcher von zweien ; im 
ersten gliede einer doppel- 
frage = lat. utrum. 

wegen stv. wägen, erwägen; 

Walth. V. d. Vogrelweide. 5. 



höhe w. hoch anscldagen, 
grossen wert legen auf. 

wegewerende den weg ver- 
sperrend. 

weise swm. waise; so hiess 
der kostbare edelstein in 
der deutschen königskrone, 
weil er nicht seinesgleichen 
hat. 

wellen wollen; meinen, be- 
haupten ; waz wolde ich dar 
gesezzen was hatte es für 
einen zweck, dass ich mich 
dahin setzte. 

wenden hinwenden, zuwenden; 
abwenden, ein ende womit 
machen ; einen eines dinges 
einen icovon abbringen. 

wenen sich mit gen. sich ab- 
geben mit. 

wengel stn. wänglein. 

wenken ausweicJien, nicht 
stand halten. 

wer, waz wer; irgendwer ; gen. 
wes iceshalb; waz mit gen. 
ivas für; waz ob wie wenn, 
vielleicht; waz danne, w. 
darumbe was tut es. 

wer stf. Verteidigung. 

werben sich bemühen, handeln. 

werc tcerk, {schneider-)arbeit. 

werde in würdiger weise. 

werdecliche(n) in ehrenvoller 
weise; w. ligen würdig an- 
gebracht sein. 

werdekeit ehre. 

werden werden, zu teil werden; 
vvider w. zurückkommen, von 
neuein zu teil werden; ze 
leide w. in leid geraten; 
waz wirt der vogeline tcas 
soll aus den vöglein werden. 

werfen, umbe w. herumwerfen, 
verändern. 

werlt weit; zer wcrlte ver- 
stärkt bei ie ; al diu werlt vgc. 

wem währen, dauern. 

wem gewähren, einen eines 
dinges. 



Aufl. 



U 



210 



wem wehren. 

werren stv. mit dat. stören, 

bekümmern. 
wesen sein. 

wesse prät. von wissen, 
wette stn. pfand , bezalüung 

einer schuld. 
wibel stm. kornwitrm. 
wiben, sich ein, tceiöliches 

wesen annehmen. 
wich 75 172, s. anm. 
wider adv. gegen, dawider; 

zurück, von neuem; präp. 

mit acc. und dat. gegen, 

gegenüber, im vergleich zu. 
widerlernen verlernen. 
widersagen das gegenteil von 

etwas sagen {mit acc.) ; fehde 

ankündigen. 
widerstän zuicider sein. 
widerstrebe toiderstand. 
widerstrit Wettstreit; en w. 

um die wette. 
widerswanc gegenschlag. 
widertuon zurückgeben, ver- 
gelten, 
yviderwürken zunichte machen. 
widerzseme widerwärtig. 
wiht geringfügiges ding, nichts. 
wilde adj. nicht gezähmt, nicht 

vertraut, fremd. 
wilde stf. ungezähmtheit , un- 

stäfes boieJimen. 
Avile, die wile tcährenddem; 

under wilen bisweilen. 
wilent eJiedem. 

wiut, ein w. etwas nichtiges. 
wint = windet, 
wipheit Weiblichkeit. 
wirde würde, ehre. 
wirden wert machen. 
Avirs adv. comp, schlechter. 
Wirtschaft hausJwrrnschaft. 
wise weise, melodie; kürzere 

form wis: in baUes wis nach 

art eines balles. 
wit stf. Strang aus geflochtenen 

reisern; bi der wide bei 

strafe des Stranges. 



witze stf., öfters im plur. cer- 
staml. 

wiz, daz wize = das weisse 
im äuge. 

wizen stf. vorwürfe machen, 
einem die schuld wovon (acc.) 
gehen. 

wizzende stf. wissen. 

wolgetsene Schönheit 

Avolveile leicht käuflich; w. 
unwirdet l. k. zu sein 
schäiulet. 

wort und wise text und me- 
lodie. 

wunder lownder, etwas ausser- 
ordentliches, mit gen. qrosse 
menge wovon ; mich uimt w. 
eines dinges mich ergreift 
Verwunderung worüber. 

wundersere wutidertäter. 

wunderlich uimdervoll, selt- 
sam. 

Avunderlichen adv. ausser- 
ordentlich. 

wundern tcunder tun. 

wunderwol ausserordentlich 
gut. 

wünnebernde, wunneclich 
wonnevoll. 

wünsch Vollkommenheit ; ze 
wünsche in vollkommener 
weise. 

wünschen sich ideale bilden, 
phantasieren. 

würken, part. geworht handeln, 
bereiten. 

würz stf. kraut. 

zage swm. feigling. 
zagel stm. schwänz. 
zäi interj. hah. 
zam vertraut. 

zamen zahm, fügsam macJien. 
zart stm. liebkosung. 
zarten liebkosen. 
zehant sogleich. 
zein stm. metaUstab. 
zeln ze anrechnen als ; gleich- 
stellen ivomit. 



211 



zemea stv. geziemen, wol an- 
stehen, gebühren. 

zer stf. zehrung. 

zerliden zerstückeln. 

zerstceren in vericirrung 
bringen. 

zesewer adj. flect. rechter 
(dexter). 

aester 107, 75 vielleicht für 
sester , bezeichnung eines 
masses aus lat. sextarins. 

zeslunden sofort. 

zewäre fürwahr. 

ziehen ziehen, erzielten; den 
zonm z. straff anziehen, utn 
den lauf zu hemmen; baz ge- 
zogen besser gezeichnet, ge- 
bildet ; z. nihinauslaufen auf. 

zit, an der z. rechtzeitig. 

zogen hinhalten. 

zorn, mir ist z. mich versetzt 
in zorn. 



zucken gewaltsam oder rasch 
ziehen, icegreissen; sie ruh- 
ten iif sie rissen in die höhe 
(ihre habe, damit niemand 
etwas davon bekäme). 

zuht erziehung, wolgezogen- 
heit, anstand. 

zunge spräche, nation. 

zweien entzweien. 

zwifel zw ei fei, ungewissJieit; 
verztveifhing. 

zwivelsere verzweifler , i)essi- 
mist. 

zwivellich verzweiflungsvoll ; 
zwivellicher wän Verzweif- 
lung. 

zwivellop zweideutiges lob. 

zwivelwän ungewissheit. 

zvnx adv. zweifach. 

zwisch zweifach, in under 
zwischen unter einander. 



Druck von Karras, Kröber & Nietschmann, Halle (Saale). 



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